|
Wir
Haiderwähler und wir Nichthaiderwähler
Von
Markus Wilhelm
Das
Schlimme ist nicht, daß viele Leute Haider wählen. Das Schlimme
sind die Zustände, die die Leute so zurichten, daß viele ihren
Ausweg im Haiderwählen sehen. Ich
verstehe sie, und ich finde nichts Verwerfliches an ihnen, so verwerflich
ich J. Haider finde. Unter
sogenannten Haider-Gegnern greift indes reinster politischer Rassismus
um sich: "Sicher mehr als 50% der Österreicher sind zumindest verkappte
Nazis." "Österreich bringt geradezu genetisch Nazis hervor." (G.
Roth in News, 17.8.95) Der
Haiderboom bietet nun den Zeitgeisthuren die scheinbar elegante Möglichkeit,
ihrer lange verhohlenen, tiefen Verachtung der Masse freien Lauf zu lassen,
die kleingemachten Leute hemmungslos zu verleumden. Zu fragen wäre
jedoch: Was macht die Haiderwähler zu Haiderwählern?
Selbst
wenn man mit den Schmocks antworten würde, ihre Rohheit und ihre Torheit,
wäre damit nicht die Lösung auf dem Tisch, sondern erst das Problem.
Es geht nicht darum, was die Leute, die Haider wählen, eventuell anrichten
können, sondern darum, was an den Leuten, die Haider wählen,
angerichtet worden ist. Die Erde ist keine Scheibe. Am Rande des Blickfeldes
geht sie weiter. Hinter dem sichtbaren Geschehen steht ein anderes Geschehen. Es
herrscht heillose Verwirrung im Land. Selbstverständlich sind nicht
die unausgesetzt durch die Gazetten promenierenden Haider-Gegner als Haider-Opfer
zu sehen (A. Pelinka im News
vom 12.10.95: "Haider in der Regierung
würde bei mir persönlich eine deutliche Verschlechterung der
Lebensqualität bedeuten'), nicht der Politiker, den Haider einen "armseligen
Kerzenleuchter" nennt, ist ein Haider-Opfer und nicht der Schlagersänger,
den er als "linken Nachtschwärmer" bezeichnet. Als Haider-Opfer sind
vielmehr jene zu sehen, die ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben heute
in ihn setzen. Sie haben aber auch das Zeug, morgen die Haider-Gegner zu
sein. Darum geht es im Folgenden. Grüß
Gott!
Nichts
von dem, was ist, ist ohne Grund, warum es sei
In
den Leuten, die Haider nachlaufen, haben wir Leute zu sehen, denen's nicht
gut geht, denen etwas fehlt. Und zwar alles eher als Haider. Seine Wahlerfolge
sagen mehr über die Zustände aus als über ihn. Politikwissenschaft,
die man sich kaufen kann, verhöhnt den Großteil der FPÖ-Wähler
als 'Systemverdrossene" (F. Plasser/P. Ulram, November 1994).
Dabei
läge die Wahrheit mit "Systemverdroschene" so nahe! Natürlich
sind die Haider-Wähler zum Teil bösartig, widerlich, niederträchtig,
fies, gehässig, aber diese Eigenschaften sind ehrliche Produkte ihrer
Lebensverhältnisse. Bevor wir uns ereifern wollen darüber, was
die Leute anstellen, bitt' ich, sollten wir uns doch ereifern darüber,
was mit den Leuten angestellt wird. Beim Mann mit dem Schremmhammer grrrr!-grrr!-grrrr!,
der nun schon seit zwei Stunden grrrr!grrr!-grrrr! entsetzlichen Lärm
grrrr!-grrr!-grrrr! macht vor meinem Fenster grrrr!-grrr!-grrrr! und
mich nervt grrrr!-grrrr!-grrrr!, denke ich: wie muß das ihn
nerven! Der Arbeiter, der nach einem Hitler schreit, hat in dem, wovon
er dabei ausgeht (!), noch allemal mehr recht als der Fünfzig- oder
Hunderttausend-Schilling-Krawattinger, der ihn dafür als Faschisten
ins Eck stellt. Die Zustände drängen massiv auf Veränderung.
Die Menschen drängen massiv auf Veränderung. Sie haben keine
Ahnung: wohin. Daß diese Leute Haider wählen ist erst das zweite.
Das erste ist, daß sich Haider diese ausgewählt hat. Das Reservoir,
das er anzapft, wird in dieser Gesellschaftsordnung der alles bestimmenden
Fremdarbeit (in der Fabrik, im Büro, im Hotel, in der Werkstatt, im
Kaufhaus) im 3-Schichtbetrieb sozusagen ständig aufgefüllt
durch erzwungenes zirkusreifes Männchenmachen am Lohngängelband.
Originalton:
"Wie
oft hab ich schon gedacht. Heute läuft das Band schneller! Das merkst
du mit der Zeit! Wenn du jeden Trag
am Fließband stehst und auf einmal dann - ! Du hast das irgendwie
im Gefühl. Heute läuft das Band schneller." (Doris) "Meine
jetzige Arbeit tue ich nur, weil ich so mein Brot verdienen Muß.
Stolz oder Befriedigung gibts da nicht. Entscheidend ist nur
die Stückzahl. Ich muß ehrlich sagen: Wenn ich im Lotto gewinnen
würde und entsprechend Geld hätte, würde ich keinen Tag
länger arbeiten. Diese Arbeit befriedigt mich nicht. Man freut sich
nur jeden Tag, wenns wieder vorbei ist.
Wenn
einer nicht eine ganz bestimmte Tätigkeit hat, kann keiner auf seine
Arbeit stolz sein. Keiner arbeitet da freiwillig.
Aber
man muß eben leben." (Albin) "Die
Bandpausen sind normalerweise nur dazu da, um zur Toilette zu gehen.
Und
in der letzten Bandpause sollst du auch noch saubermachen." (Petra) "Und
dann sollst du immer sagen: schön ja und Amen, und schaust immer nur
runter und beobachtest deine Platte und machst alles schön. Wenn's
geht, sollst du keine Widerworte sagen, nicht mit deinen Nachbarn quatschen.
Im Moment stinkt's mir unheimlich. Ich möchte meine Arbeit hinschmeißen.
Also ich krieg morgens den Horror, wenn ich die Bude sehe. Die seh ich
schon von der Autobahn aus ". (Doris) 'Irgendeine
innere Befriedigung oder sowas gibt mir die Arbeit nicht. Nach der Schicht
ist es nicht etwa so, daß man denkt: Nun habe ich wirklich etwas
geschafft, darauf kann ich stolz sein. Alle denken nur eines. Gott sei
Dank ist der Tag auch wieder um! Wenn man schnell und sauber arbeitet und
keinen Murks macht, dann kann es schon sein, daß der Meister dich
einmal lobt. Aber wofür soll er sonst loben? Diese Arbeit ist doch
ein Idiotengeschäft!" (Otto) 'Man
sitzt unmittelbar unter der Neonröhre. Und da sitz einmal ein Jahr!
Morgens geht das noch, aber wenn ein paar Stunden vorbei sind, kannst du
die Leute in weiter Entfernung nicht mehr erkennen.
Da
kriegst du solche ohnmächtige Wut!" (Petra)
Dumme
Frage, warum Haider soviel Unmut kanalisieren kann. ja, weil soviel da
ist! Die Gewöhnung an den Irrsinn, zu anderen Leuten für diese
arbeiten zu gehen, ist auch in der fünften Generation erst äußerlich.
Das Herz des Menschen wird das nie akzeptieren! Statt als Mensch als Kellnerin
zu leben! Als Fernfahrer! Als Schreibmaschinenschreiberin!
Sein Leben als Gewindeschneider hinzugeben! Als Supermarktkassa! Als Schremmhammer!
Das Leben der Milliardäre Swarovski, Liebherr oder Wlaschek schöner
zu machen - statt das eigene. Diese
Beispiele machen hoffentlich schon deutlich, um welche überwiegende
Mehrheit unter den Haiderwählern es in diesem Heft geht. Und um welche
Sorte nicht, nämlich jene, deren Geschäft Haider politisch in
Wirklichkeit betreibt (z.B. Industrielle, Rechtsanwälte, Hoteliers,
Zahnärzte, Unternehmerinnen, Steuerberater, FP-Funktionäre ...). Abspülen
für andere erzeugt Bitterkeit. Baggerfahren für andere erzeugt
Groll. Wurstabschneiden für
andere erzeugt Widerwillen. Am Malergerüst entsteht Mißmut.
An der Knopflochmaschine bildet sich Ingrimm. Am Dateneingabegerät
wächst Frust. Die
Stechuhr sticht. Der Lohndruck drückt. Der Leistungszwang zwingt. Und
nirgends ein Ufer zu sehen, das rettet. Nicht
vom Kapitalismus geschändete Menschen würden sich über Haiders
Kraftmeiereien halb tot lachen - - -, die heutigen steckt er fast mühelos
in den Sack. Ist Haider dran schuld? Sind die Haiderwähler schuld?
Kruzitürkn!, nein!, nicht die Getretenen, Geschlagenen, Gedemütigten
sind schuld! Soweit ist es schon, daß man das ausdrücklich sagen
muß! In
Haiders Reden an die Unfreien, Schikanierten, Gegängelten wimmelt
es nur so von Klagen über Gängelung, Schikanen, Unfreiheit.
Das
tut der gequälten Kreatur so wohl. Die Wut der Leute über ihr
eingekasteltes Leben ist echt. Endlich wird wo, bei Haider eben, der sie
niederzwingende Zwang beim Namen genannt, das ihre Wünsche niederdiktierende
Diktat,
der Druck, dem sie ausgesetzt sind, die
Abhängigkeit,
unter
der sie stehen! Wirklich, wir leben in finsteren, durch noch so viele über die Mattscheibe flimmernde Gameshows nur unwesentlich erhellten Zeiten: Welches Mittelalter! Gezwungen, dem fremden Lebensherrn C&A Etiketten in Sweatshirts einzunähen oder dem Potentaten Porr AG Tiefgaragen zu betonieren! Wenn
Haider in einem System voller Schikanen, in dem niemand von Schikanen spricht,
von Schikanen spricht, ist die Wiese für ihn so gut wie gemäht.
Das Wort als Signal reicht aus, um den Blutdruck anzutreiben. Was bedeutet
es da noch, daß die Schikanen, über die Haider wettert, dann
nicht die des freien Arbeitsmarktes sind, sondern irgendwelche Verwaltungsschikanen,
das
Diktat, das er anprangert, gar nicht das des bezahlten Preises für
eine Arbeitsstunde ist, sondern ein angebliches Gewerkschaftsdiktat,
und
die Kommandogewalt, die er zertrümmern will, doch nicht die reale
des Finanzkapitals ist, sondern die von ihm entdeckte Kommandogewalt
der 68er Bewegung! Haider holt
die Leute am richtigen Ort ab, aber er fährt sie an den verkehrten
hin. Er beutet die wirklichen Martyrien der Leute schamlos aus, um die
Dinge zu belassen, wie sie sind. Vom Zwang zur Nachtarbeit für den
Hotelier und vom Zwang, siebzig Kilometer zu pendeln für den Profit
des Siemenskonzerns nimmt er kein Alzerl weg, wenn er noch so oft von Kammerzwang
und Beitragszwang redet. Er
führt die Menschen, die ganz nahe dran sind am Richtigen, in die Irre
und instrumentalisiert ihre Nöte für seine Karriere. Der Gängelung
durch den Wohnungsmarkt, die sie wirklich belastet, und der Gängelung
durch den Stellenmarkt, die sie wirklich peinigt, macht er die Mauer, indem
er den Gegängelten dafür eine parteipolitische Gängelung
andreht.
So als litte ein Eingesperrter unter dem schlechten TV-Programm! Politik
machen, das weiß Haider, kann man nur mit echten Gefühlen. Was
man tun kann (und was er tut), ist, man kann sie auf den Kopf stellen.
Es
ist reaktionär den Menschen daraus einen Strick zu drehen, daß
sie ihm auf Losungsworte wie Gefügigkeit, Ohnmacht und totale
Vormundschaft nachlaufen - und nicht vielmehr jenen einen, die sie
durch wirkliche totale Vormundschaft in wirklicher Ohnmacht und wirklicher
Gefügigkeit halten. Die sie ihm damit mustergültig präparieren.
Die Nichthaiderwähler haltens noch aus, das lange schon Unaushaltbare.
Die Haiderwähler haltens nicht mehr aus. Unter dem Kapitalismus sind
die Leute fast ohne Chance, auf Pseudosozialismus nicht hereinzufallen.
Leopold Figl fing die Österreicherinnen und Österreicher nach
dem Krieg mit seinem Versprechen: "Das Österreich von morgen wird
ein neues, ein revolutionäres Österreich sein." (21.4.45),und
Karl Renner köderte mit dem Versprechen: "Daß die Zukunft des
Landes dem Sozialismus gehört, ist unfraglich und bedarf keiner Betonung."
(15.4.45) Selbst die reaktionäre CDU mußte in ihrem ersten Nachkriegsprogramm
festhalten; "Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen
und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden."
Die niederdrückendsten Erfahrungen, die die Menschen in diesem System
machen, drängen klar auf Befreiung und sind alles eher als die Wurzel
von Faschismus, aber sie können gekapert, entführt und in ein
Mittel der Vervollkommnung ihrer Knechtschaft verwandelt werden. Haider,
z.B., bringt mit seinen falschen Worten von
Macht, Machtblock, Machtkartell
die Leute dazu, die reale Macht, den tatsächlichen Machtblock,
das leibhaftige Machtkartell zu akzeptieren. Damit festigt er nicht nur
die unausstehlichen herrschenden Zustände, sondern führt damit
jenem Frust ständig neue Nahrung zu, den er für seine politische
Karriere so notwendig braucht. Doppelmühle.
Vielleicht wollen die Geprügelten, die sich dort nicht wehren (können?), wo sie wirklich als Untertan behandelt, eingeschüchtert und Gewissensdruck ausgesetzt werden, von Haider vorgelegen bekommen, daß sie vom Staat, von der Regierung, von der SPÖ, von den Kammern mundtot gemacht werden. Vielleicht sind sie ihm sogar dankbar, daß er den Konflikt, dem sie sich dort nicht stellen, wo er tagtäglich stattfindet, wo man wirklich ruiniert wird, wenn man nicht das Knie beugt, nicht anspricht und ihn noch größer und noch schöner auf der Ebene des Parteienproporzes und der Zwangskammern, der Regierungsallmacht und der Staatsbürokratie in Szene setzt. Gegen den Mietherrn ist's nicht leicht. Der Immobilienkaiser scheint, wie der Name nahelegt, nicht absetzbar. (Es gilt Erbfolge.) Da ist's einfacher, einen blonden Landesrat durch einen brünetten zu ersetzen, einen einmeterdreiundsiebzig langen Wirtschaftsminister durch einen einmeterneunundsiebzig langen. Haider hat diese Ablenkung von den existentiellen Konflikten durch ein Riesentheater auf der politischen Vorderbühne nicht erfunden. Er hat aber neuen Schwung in dieses Schauspiel hineingebracht. Nicht, obwohl es Wahlen gibt, bleibt der Marmeladenkönig Marmeladenkönig, sondern weil es Wahlen gibt. Sonst würden die Menschen auf die unerträglichen Verhältnisse selber losgehen. Hinter einem riesigen Paravant aus zig Wahlen, Doppelwahlen, Stichwahlen, Superwahljahrwahlen, Schicksalswahlen usw. hat sich, z.B., der Handwerksbetrieb der Swarovskis zum Milliardenkonzern herausgefressen. Die herrschende Ideologie, genauer: die Ideologie der Herrschenden, wonach die Politiker die Machthaber seien und damit schuld an unserer mißlichen Lage, wird uns ja bereits mit Milupa eingelöffelt. Eine ideale Voraussetzung für Haider, die Unzufriedenheit der Menschen auf den Funktionärscliquen abzuladen.
Der
Kapitalismus produziert mancherlei, aber nichts in allen Branchen und in
solch rauhen Mengen wie Angst. Angst ist normale Reaktion auf Abhängigkeit:
vom Mietherrn, vom Dienstherrn, vom Warenmarkt, vom Arbeitsmarkt, von der
Konjunktur, von der Börse usw. Das Kapital, als Auslöser
der alles niederdrückenden Existenzangst, versteht es, sie in hundert
handhabbare Ängste umzulegen, die grandios ausbeutbar sind. So gibts
für die vielbeworbene Angst vor dem Unfall die Unfallversicherung
und für die vor dem Einbruch die Einbruchsversicherung. (Eine gegen
Ausbeutung wird meines Wissens nirgendwo angeboten.) Es geht darum, den
im Kapitalismus nie versiegenden Quell der Lebensangst gewinnbringend zu
kanalisieren. Möglich wird dies dadurch, daß die Menschen dieser
Angst dort, wo sie herkommt, aus dem Wege gehen. Ein Glück
für die Unterhaltungsindustrie, die daraus z.B. eine Angst vor dem
Weißen Hai machen kann, und ein Glück für die Politik,
die eine vor der Umweltkatastrophe, eine vor Gewaltverbrechen oder vor
Menschen vom "Stamme" der Nichtösterreicher machen kann. Das kapitalistische
Regime macht Angst, und diese kann nutzbringend angewendet werden zur Festigung
dieses Regimes. Doppelmühle. (Der Gleichklang der politischen Forderungen
Haiders mit denen der großen Unternehmer-Lobbys wurde im vorigen
Heft dokumentiert.) Viele Polizisten im Stadtbild heißt nicht, daß
viel Gefahr herrscht, nur, daß viel Angst herrscht. je mehr die gefürchteten
Nichtösterreicher gejagt werden, desto größer wird die
Angst vor den Nichtösterreichern. je mehr Angst, desto besser. Angst
ist Rohstoff für die herrschende Politik.
Bevor
man frägt, ob die Leute, die Haider wählen, der bestehenden Ordnung
Probleme machen, muß die Feststellung erlaubt sein, daß die
bestehende Ordnung den Leuten Probleme macht. Haider wagt es, die Menschen
als das zu nehmen, was sie sind: durch Frondienst gedruckte, um Willensfreiheit
und Initiative gebrachte Wesen. Das ist das Rezept seines Erfolges. Er
packt die Leute dort, wo sie wund sind. Übrigens genau der Ort, auf
den die Warenwerbung schon lange abzielt. Iglo will für den Absatz
seiner Mohnnudeln die Leute genauso kurzgehalten, wie sie sind: "Man gönnt
sich ja sonst nichts!". Audi braucht, um viel Geld zu machen, die Leute
genauso deklassiert, wie sie sind: "Der A4 von Audi.
Der
attraktivste Einstieg in die Oberklasse." Auch Haider wünscht sich,
um viele Stimmen zu bekommen, die Leute grad so demoliert, wie sie sind.
Er braucht den sich selbst entfremdeten, "ganz normalen, fleißigen
Österreicher, der im Leben was schaffen will" (News, 17.8.95).
Er
will ihn ganz unter den kapitalistischen Leistungsterror zwingen, damit
dieser ihn dann ihm als fette Beute vor die Füße wirft.
Haider:
"Was wir brauchen, ist eine klare Rückbesinnung auf Werte wie Fleiß,
Leistungswille, Arbeitsmoral, Disziplin und Ordnung." (Österreich-Erklärung,
Wien 1994)
Dafür,
daß er ausgenommen werden kann wie eine Weihnachtsgans, präpariert
die Lohnarbeit den Menschen schlechtweg ideal. Mein Gott, vielleicht könnte
er ein größeres Maul haben, eine belastbarere Leber, vielleicht
ein paar Gliedmaßen mehr zum Anbringen von ein paar Modefetzen mehr
aber von der psychischen Zurichtung her, muß man sagen, ist er optimal
gelungen.
Gegenprobe:
Wenn ich Haider wäre
Wenn
Haider ein Populist wäre, würde er Dinge sagen, die ein Großteil
der Bevölkerung lieber hören würde als zum hundertsten Mal
den Quatsch von Bürokratiedschungel und Privilegiensumpf.
Er
würde die Anhebung der Löhne um 25 Prozent fordern (damit erwischte
er die Menschen doch auch, wo sie verletzt sind!), er würde Großkapitalisten
mit ihrem zusammengeraberten Reichtum angreifen
("Privilegienschwein!),
auf
Milliardenkonkursen (Atomic, Emco, ...) herumreiten, Preistreiber bloßstellen
("Ganoven!), und damit den berechtigten Aggressionen ein viel direkteres
und populäreres Ziel geben), lmmobilienhaie aufblattln ("Verbrecher!),
Korruptionisten
anschießen ('Gauner!), Steuerbetrüger ("Diebsgesindel')
anprangern.
Warum tut er das alles nicht? Warum nützt er die Not der Leute nicht
aus und deckt die Bankenkriminalität auf, macht die Raiffeisen-Genossenschaften
nieder und gibt die Kapitalisten-Lobby Industriellenvereinigung der Lächerlichkeit
preis? Er könnte die 34-Stunden-Woche fordern und fünf Prozent
Eckzinssatz. Er könnte anstelle des nach Österreich geflohenen
EI Hussein A. den wirklichen Wirtschaftsflüchtling Swarovski
jagen und statt der Entwendung eines Kodakfilmes durch einen slowakischen
Tagestouristen die systematische Ausrottung der Greisler z.B. durch den
Billakonzern als wirklichen "Ladendiebstahl" brandmarken. Damit würde
er dieselben Emotionen mit mehr Erfolg bedienen. Warum tut er's nicht?
Will er nicht mehr Erfolg? Warum fordert er angesichts der Wohnungsnot
keine Zweitwohnungssteuer? Warum keine Luxusschlittensteuer? Könnte
er bei den meisten Haiderwählern und bei vielen, vielen Nichthaiderwählern
mehr punkten, als wenn er die Milliardensubventionen des Staates an die
größten Geldsäcke öffentlich machen würde ("Sozialschmarotzer!')? So
nahe all dies läge, so weitab ist es für Haider. Er ist der Mann
der Geldsäcke, nicht derer, die unter ihnen leiden. Wenn er das oben
Angeführte täte, oder auch nur das eine oder andere davon, würde
sich die unbezahlte, unbezahlbare Haider-Werbung von Krone bis News
schlagartig
aufhören. Die Qualen der Menschen braucht
er nur - aber unbedingt! um das bestehende System im Interesse der oberen
Zehntausend, und das heißt: gegen das der unteren Siebenmillionenneunhundertneunzigtausend,
zu vervollkommnen. Wenn man sich ansieht, was Haider fordert, so ist es
genau das, was auch in der Kronenzeitung ankommt. In der Kronenzeitung
kommt nur an, was Hans Dichand, einem der reichsten Männer Österreichs,
paßt. Die
oben genannten, vernünftigen Forderungen, die Haider allesamt nicht
stellt, allesamt zu stellen, wäre eine Möglichkeit, ihn ins Eck
zu stellen.
Die
Menschen wären nicht normal, wenn sie nicht entsetzlich darunter litten,
um sieben Uhr in die Fabrik gepfiffen zu werden, jahraus, jahrein, und
von zwölf bis halbeins auf Maggi-Gusto-Tassen-Pause gesetzt zu werden.
Nicht die Reaktion darauf mit offenem Haß und Aggression ist erklärungsbedürftig,
sondern das Fehlen von Haß und Aggression. Wem (durch Erziehungsdruck
z.B.) die ehrlichen heftigen Gefühle untersagt sind, der wird unweigerlich
eine Beute des Marktes. Praktisch
über jeden versuchten Fluchtweg - Freßsucht, Alkoholsucht,
Drogensucht, New-Age-Sucht, Sportsucht, Kaufsucht, Karrieresucht, TV-Sucht,
Autosucht u.a.m. - läuft er einem Warenhändler direkt in die
Arme. Wiederum Doppelmühle: Die Reaktion auf die Unterdrückung
richtet sich damit erstens nicht gegen die Unterdrücker, sondern ist
zweitens für diese auch noch ein Geschäft.
Weil
'Freiheit' für die Mehrzahl der Menschen hier nicht auf dem Programm
steht, kann ihnen ein Eau de toilette als "Der Duft der Freiheit" angedreht
werden, weil es zu einem 'erfolgreichen Leben' für die meisten nicht
reicht, können ihnen massenhaft Jeans unter dem Werbeslogan "successful
living" untergejubelt werden. Wer
seine Aggressionen mit Zuschütten nicht zuderschüttet, dem gehen
sie am falschen Ort los, z.B. in der Familie oder im Straßenverkehr.
Oder in der Politik. Beispiel: Das weitverbreitete Bedürfnis, in Jugoslawien
dreinzuhauen, hat auch mit den eingesperrten Aggressionen der Menschen
zu tun. Hier tut sich ein gesellschaftlich akzeptiertes Feld auf für
Entladung, hier ist Platz für die kaum zurückhaltbare Zerstörungswut.
Wie vermurkst die Leute sind! Gewiß. Aber was, wenn es dort, wo es
hingehört, nicht
herauskam? Im Ziel ihrer Attacken haben sie so grandios unrecht, wie sie
in ihrem Grund dazu recht haben. Das, worauf Haider baut, Haider noch mehr
baut als seine Kollegen, ist da. Sowenig er irgendetwas erfunden hat (siehe
weiter unten), sowenig die elendige Wut der Leute. So wie vieles andere
hat er sie auch bloß gefunden. Was er kann, und auch wieder besser
kann
als seine Kollegen, ist: ihr ein Ziel geben. Er sammelt die überschießende,
blindwütige Rebellion der Leute und lenkt sie direkt oder indirekt
gegen seine Karriere-Konkurrenten. In der vollkommen irregeleiteten Empörung
vieler Menschen über den berüchtigten (von Haider selbstgebastelten)
straffälligen Libanesen, der 20.000 Schilling Staatsunterstützung
kassieren soll, haben wir die Empörung über die eigene Lage zu
sehen, im Haß, den er auf die Machtbesessenheit der SPÖ kanalisiert,
den Haß über die eigene Ohnmacht. Dem Maculan-Maurer wird nicht
"nur" die Wohnung, die er gebaut hat, weggenommen, sondern auch noch seine
Wut darüber. Mit
ihren Aggressionen wären die Leute schon einen Schritt weit. Haider
bringt sie zwei Schritte zurück. An den Menschen liebt Haider nur die Wunden Das
Haiderwählen spielt sich auf der psychologischen, nicht auf der politischen
Ebene ab. Kein Haider-Anhänger wird ihn je nach einem Strukturprogramm
fragen. Die Seelenverfassung der Menschen, die Haider vorfindet, ist aber
sehr wohl, und zwar total, vom wirklich Politischen bestimmt, d.h. eben
nicht vom Herumgehopse im Parlament und von Parteiaussendungen, sondern
von der grundsätzlichen Stellung der Menschen zueinander in dieser
Gesellschaft, die ganz auf Betrug aufgebaut ist.
Da
geht's den meisten Haider-Gegnern nicht anders als den Haider-Wählern.
Erstere sind, wie könnte es anders sein, genauso verbogen und verbeult
wie die letzteren. Auch den Haider-Gegnern machen die Zustände Angst,
auch sie vermögen ihr nicht dort gegenüberzutreten, wo sie entsteht,
auch sie müssen sie wohin verlagern, wo sie gesellschaftsfähig
ist. jetzt, wo man nicht mehr soviel Angst in Angst vor dem Wettrüsten
und vor dem Waldsterben ummünzen kann, wo auch in die Angst vor Mochovce
und Kosloduj nicht genug Angst von der vielen Angst, die
da ist, hineingeht, kommt die Angst vor Haider wie gerufen. Wir Haiderwähler
und Nichthaiderwähler unterscheiden uns nur darin, wohin wir unsere
echte Angst künstlich hineinstecken, nicht darin, wo sie herkommt.
Welch ungeheuren Kräfte der Veränderung hier wie dort gebunden
sind, an hintertupfingsten Nebenfronten, an denen wir allesamt nicht für
uns kämpfen!
Die
Angst vor Haider wäre nicht so groß, wäre sie nicht auch
vom Markt entdeckt worden. Während z.B. Zeitungen wie Profil oder
Standard Umsatz machen, indem sie diese Angst schüren, macht z.B.
die Kronenzeitung Umsatz damit, daß sie die Ängste schürt,
die Haider schürt. Das Projekt News wurde von vornherein so angelegt,
daß der schnelle Aufstieg zur Geldmühle unausweichlich war:
Das Blatt setzt gleichermaßen auf die Angst vor Haider wie auf die
von Haider angefachte z.B. vor Menschen ohne grünen Reisepaß.
(Mehr dazu im letzten Heft.) Wenn News titelt:
"Angst vor Haider", so werden in raffiniertester Weise beide Seiten bedient,
die Haiderwähler und die Haidernichtwähler, die, die den Bonzen
Angst vor Haider wünschen, und die, die selber Angst vor Haider haben.
Die käuflichen Medien bedürfen der Schockartikel, um ihre Anzeigen-Seiten
verkaufen zu können. Angstmache zieht Trostsuche im Konsum nach sich.
News und Co. geben's heiß-kalt: "Der Haider-Clan" / Rover-Auto,werbung
/ "Wie der F-Chef seine Regierung plant" / Philippe Charriol-Luxusuhrenwerbung
/ "Haider läuft Amok" / Jack Daniel's Tennessee Whiskey / "Jörg
Haider: Die Kampfansage" / Get The Real Taste - Memphis lights / "So
will Haider Kanzler werden" / Cerruti 1881 pour homme usw.Auch
außerhalb der Magazine dient die allgemeine Vorspiegelung einer angstmachenden
Situation der gewünschten Abdrängung in vermehrten Konsum. Der
Markt braucht die Gefahr Haider als Stimulans. Das heißt, es muß
ständig an seiner griffigen Gefährlichkeit gebaut werden.
Wie
funktioniert Haider?
Er
bietet dir und mir an, uns in ihm wiederzuerkennen. Dazu steigt er immer
wieder ganz tief herab, macht sich klein wie die kleingemachten Leuten,
indem er sich als rundum Verfolgter darstellt. Wie wenige seiner möglichen
Wählerinnen und Wähler haben nicht allen Grund, sich als Opfer
zu sehen! Wie sollten die ständig
wirklich Abgekanzelten, Angeschütteten, Angegriffenen nicht in einem,
der sich gekonnt als abgekanzelt, angeschüttet, angegriffen
präsentiert, einen ihresgleichen erkennen wollen! Er werde verteufelt,
verleumdet, beschimpft, behindert, welche Frau, welcher Mann wird das
auf dem Arbeitsmarkt oder auf dem Arbeitslosenmarkt nicht! Immer wieder
macht sich Haider in Worten den Menschen gleich, die Anfeindungen, Aggressionen
und
Attacken ausgesetzt sind. Immer wieder geht er dorthin die Leute
abholen, wo sie sind. So selbstverständlich das klingt, was er tut,
so einzigartig ist er damit. Kein Vranitzky und keine Petrovic, kein Schüssel
und keine Schmidt macht sich so klein. Wenn er sich selbst als Opfer bejammert
(Hetzjagd!", "Freiwild!", "Hinrichtung!')
so lädt er damit
alle wirklichen Opfer ein, mitzukommen. (Das
Einladen ist hier nicht
unbedingt nur als freundliches Zusichbitten, sondern schon auch wörtlich
als das Einladen zum Zwecke des Verfrachtens zu verstehen.) Indem sich
Haider als Ausgegrenzter zu den wirklich Ausgegrenzten stellt, bietet
er diesen die Möglichkeit, sich neben ihn zu stellen, wo er glänzend
sich durchsetzt gegen alle Diffamierungen und Stigmatisierungen.
Unsere Schmach ist seine Schmach, sein Erfolg ist unser Erfolg. In
einer Schrift der FPÖ heißt es, das "Feindbild Haider" bedeute
"die Stigmatisierung der FPÖ und ihrer Wähler"
(FBW-Information,
5/93).Und Haider selbst, der
in irgendeiner Sache der Mitschuld geziehen wurde, sagt in seiner groß
in Szene gesetzten Grundsatzerklärung
vor 700 Zuhörern
in der Wiener Börse: "Nun: Hier wird mir - und ich bin nichts anderes
als das Symbol für euch ... Mitschuld unterstellt."
(7.3.95)
Wenn
er wie wir ist, sind wir wie er. Dann
ist sein schneller Aufstieg vom Niemand zum Star unserer. Die Haiderwähler
und die möglichen Haiderwähler, vom Kapitalismus allesamt in
unzählige aussichtslose Konkurrenzen gehetzt, jeder gegen jeden (jung
gegen alt, schnell gegen langsam, Männer gegen Frauen, billig gegen
teuer usw.), können hier endlich einmal eine Konkurrenz lustvoll erleben,
mit dem besseren Ende für sich. Wundert's dich, daß in einem
System, das acht Millionen Franz-Klammer-Fans zu produzieren sich abgemüht
hat, jetzt viele auf den "Siegertyp" Haider abfahren? Hier
wie dort haben viele Leute, die nie gewinnen, das Gefühl, gewonnen
zu haben, wenn er gewonnen hat. Uns allen ist der kapitalistische Traum,
daß "jeder es schaffen kann", wie ins Hirn implantiert. So gründlich
der Alltag mit diesen Flausen aufräumt, Haider, der die FPÖ von
ganz unten, von dort, wo die meisten sind, von etwas über zwei Prozent
auf etwas über zwanzig Prozent gebracht hat, macht ihn für uns
doch noch wahr. Sein Aufstieg vom
Schuhmacherbübl zum Eigentümer von 1500 Hektar Privatwäldern
hält den Zulauf, den er an Habenichtsen hat, nicht auf. Im Gegenteil.
Penthouse-Wohnung und Porsche werden sogar als Beweis gebraucht, daß
wir uns wirklich gegen die Widrigkeiten durchgesetzt haben. Als Haider
begriffen hat, daß die niedergedrückten Menschen nicht so sein
wollen, wie sie sind, sondern groß und stark, hat er die volkstümliche
Pfeife, auf die er zuerst gesetzt hat, beiseite gelegt. jetzt inszeniert
er sich nicht mehr als den, der so ist, wie die normalen Leute sind, sondern
als den, der so ist, wie die normalen Leute sein möchten: mutig, zäh,
athletisch. An sich müßte es ein Hindernis sein, den Kämpfer
darzustellen, wenn man so klein und schwach gebaut ist wie er. Aber offenbar
signalisieren gerade diese Voraussetzungen den kleinen und schwachen Anhängern
die Erreichbarkeit des hohen Ziels: Das alles, was sie nie erreichen können,
können sie erreichen, wenn sie aufgehen in ihm.
Rache
Die
Verhältnisse sind zum Dreinhauen, keine Frage. 57M2-Spannteppichbodenfläche
zum Wohnen, E 249 und E 1422 zum Fressen. Die in der Wohnbatterie zwischen
links und rechts und im Bürogebäude zwischen vorn und hinten
wahrlich Eingeklemmten sehen keine Möglichkeit, die Dinge zu ändern
(außer mit Rubbeln). Sie wissen nicht einmal, daß es eine geben
können könnte, dank Abrichtung durch den Kindergarten des Systems,
die Schulen des Systems, die Kirche des Systems, die Zeitungen des Systems,
das Fernsehen des Systems, die politische Propaganda des Systems usw. Weil
sie keinen Anfang wissen, die Verhältnisse zu ändern, bläht
sich der Wunsch ins Unermeßliche auf, sich an den Verhältnissen
zu rächen (und das heißt: an den Personen, die nach der
öffentlichen Meinung für diese Verhältnisse stehen). Das
ist Haiders Angebot. "Er gibt ihnen Saures!" Ein kleiner Wiener FPÖler
sagt im Film "Die Wahlkämpfer" (Österreich, 1993), daß
es ihn "tierisch freut", wenn Haider "die Leute in den Hintern beißt
und sie wirklich quält". Ach, könnten sie ihrem Abteilungsleiter
oder ihrem Firmenchef in den Hintern beißen und ihn wirklich quälen!
Ach, hätten sie keinen Abteilungsleiter und keinen Firmenchef! So
beißt also Haider stellvertretend in einen stellvertretenden Hintern.
Angesichts der enormen Wut, die da ist, muß man sagen, hält
sich Haider sogar stark zurück ("dumm", "blöd", "schwachsinnig").
Die Leute erfreuen sich auch gar nicht an seinen Wortschöpfungen,
sondern an den Wirkungen, die sie auslösen. Sie wählen Haider
nicht, weil er die Beschäftigungspolitik der Nazis gelobt hat, sondern
weil er damit die "Bonzen" gezwiefelt hat. Die Verletzten wollen verletzen.
Sie wählen zufleiß ihn, weil sie damit die Regierenden am meisten
ärgern können! Die Qual, die sie den Oberen so einmal bereiten
können, ist ja am Bildschirm fast zu greifen. Es geht den Kaputtgemachten
gar nicht darum, daß Haider ihr Leben besser macht, sondern nur noch
darum, daß er das Leben anderer schlechter macht. So verpatzt sind
die Leute. Die
Bindung der Haiderwähler an Haider wächst unter diesen katastrophalen
Bedingungen mit jedem lustvollen Erfolg und mit jedem schmerzlichen Mißerfolg,
den er ihnen beschert. Die, die in diesem System ständig die Trotteln
sind, wollen nicht, wie eine junge Wiener Haiderwählerin sagt, wenn
sie "die FPÖ wählen, von den anderen Parteien als Trotteln hingestellt
werden. Im Bekanntenkreis sagen viele, wir werden alles organisieren, daß
die noch stärker werden, weil wir lassen uns nicht so abschasseln."
(Profil,
20.3.95) Sie sagen sich: Sie sind gegen uns, weil wir für ihn
sind. Umgekehrt ließ Haider sich 1994 landesweit mit dem Slogan aufkleben:
"Sie sind gegen ihn, weil er für Euch ist." So gehen Haiders Wähler
mit Haut und Haar in ihm auf und haben schließlich das trügerische
Gefühl, sich selber zu wählen, wenn sie ihn wählen. Sie
sind in der momentanen Phase regelrecht in ihn verknallt. Was ihm angetan
wird, wird ihnen angetan, was er schafft, das ist, als schafften sie es.
Haider hat immer schon abgezielt auf dieses Bedürfnis der Niedergehaltenen,
eins zu werden mit einem Ideal, das sich was traut, das sagt, was es denkt.
Kärntner Landtagswahlen 1984: "Der traut sich was, der Jörg"
Nationalratswahlen 1994: "Er sagt, was wir denken." In der gegenwärtigen
Vergafftheit in Haider ist dieser der glorifizierte Übermensch, der
in allem, was er sagt und tut, recht hat. So wenig ihn jemand wählt
wegen seines angeblichen 47-Punkte-Wirtschaftsprogramms, so wenig ist derzeit
ein Haiderwähler oder eine Haiderwählerin mit Argumenten von
ihm abzubringen. Aber der Kollaps kommt. Die Verzückung steht auf
Beinen, die nicht halten können. Man denke daran, wie blitzschnell
die Begeisterung der Fußball-Fans vor dem Fernseher in sich zusammenkracht,
wenn Österreich in der 89. Minute das entscheidende Gegentor bekommt.
Neben der Lust daran, daß sie gewinnen, harrt ständig die Lust
daran, daß sie verlieren, sonst könnte die abgrundtiefe Verachtung
für das eben noch angefeuerte Team nicht so schnell bei der Hand sein:
"Recht geschieht ihnen!", 'Wenn sie so deppert tun ... !", "Eiergoali!".
So muß es mit Haider sein. Wenn er strauchelt, wird die Häme
seiner Wähler maßlos sein. Dann werden sie ihn "Großmaul!"
schimpfen, "Angeber!", "Blaue Sau!", "Haider-Oasch!" Wenn der große
Verdrescher, über den sich heute viele freuen, selbst verdroschen
werden wird, werden sich viele von denen wieder tierisch freuen. "Warst
nit aufigstiegn, warst nit obagfalln!" Neben der noch alles überstrahlenden,
großen, lustvollen Übereinstimmung sitzt schon sprungbereit
die Distanzierung und wartet auf ihren nicht minder großen, nicht
minder lustvollen Auftritt. Das heißt, die momentane Begeisterung
ist nicht ganz echt. Haiders Wähler vermögen sich von ihm zu
trennen.
Woher
nimmt Haider die Fähigkeit zum Haider?
Warum
erwischt er die Haiderwähler so treffsicher am wunden Punkt? Weil
er an der selben Stelle selber einen großen schmerzenden Pletzn hat.
Er braucht nicht nach Anleitung vorzugehen, braucht gar nicht einmal zu
wissen, wie was (siehe oben) funktioniert, er kann, wenn er aus
sich schöpft, aus dem vollen schöpfen. Er kann, wie der deutsche
Sozialforscher Theodor W. Adorno in anderem Zusammenhang festgestellt hat,
"die seelischen Bedürfnisse und Wünsche der für seine Propaganda
Anfälligen erraten, weil er ihnen seelisch ähnlich ist, und was
ihn von ihnen unterscheidet, ist nicht irgend eine echte Überlegenheit,
sondern die Fähigkeit, das, was in ihnen latent (= verborgen) ist,
ohne ihre Hemmungen auszudrücken." Was Haider an die Spitze seiner
Anhängerinnen und Anhänger stellt, ist sein unbezwingbarer Drang,
sein Inneres nach außen zu wenden und seine Mackn vor unser aller
Augen zu kurieren. Viele der Schmähungen, mit denen er seine Gegner
("Blender", "Streithahn", "Problemkind") eindeckt, hat er nur deswegen
so schnell bei der Hand, weil er sich nur selbst zu beschreiben braucht.
So können eigene Mängel ausgelagert und umso vehementer im Feind
bekämpft werden ("schamlos", "rücksichtslos", "großspurig",
"doppelbödig", "unlauter", "unseriös", "unredlich", "mies", scheinheilig").
Für einen Psychologen muß jede öffentliche Sprech-Stunde
Haiders die reinste Offenbarung sein. Seine Defekte, gepaart mit seinem
Sprechzwang, sind sein politisches Kapital. Der Haider, den er uns täglich
vorführt, der steckt der Ganze in ihm selber drin. Da ist nichts Aufgesetztes
(da kann daher auch nichts abgenommen werden). Nachspielen könnte
man das alles gar nicht in dieser Qualität. Die großen Geldleute,
die hinter ihm stehen (siehe voriges Heft), könnten das selber nie
leisten, auch bei doppelthoher Investition nicht. So wild er um sich schlägt,
so beschädigt ist er. W. Scheutz, ein ehemaliger Mitschüler Haiders
in Bad Goisern schildert ihn als "dicken, klanen Bua mit Komplexen" (Basta,
10/90).Weil alle Matzen auf
seiner Seele echt sind, sind auch seine Reflexe darauf echt, in seinem
Aufschrei hören sich sehr viele Menschen selber aufschreien. Darin,
wie er auf seine eigenen starken Minderwertigkeitsgefühle reagiert,
empfinden viele der zu Nähmaschinen und zu Mischmaschinen Entwerteten
Erleichterung. Natürlich
kann Haider nach zwanzig Jahren Politik in dieser Form sehr genau abschätzen,
bei welchen psychischen Defekten ihm die quasi öffentliche Therapie
am meisten Anhang bringt. Was er seit Jahren bietet, ist demzufolge eine
Auswahl der absoluten Renner. Nicht nur die tief verletzten Haiderwähler
wollen verletzen, auch er.Es bedeutet
ihm keine Überwindung, es ist ihm Befriedigung. Er tut es nicht, weil
er damit Erfolg hat. Er hat Erfolg damit, weil er es tut. So gesehen ist
er auch kein politischer Opportunist.
Opportunist
ist der Spitzenpolitiker J. Haider nur insofern, als er ein Mitglied dieses
Systems ist, in dem Opportunismus ein Grundprinzip ist: Rainhard Fendrich
ist ein glänzender Opportunist, der genau das singt, was er meint,
daß die Leute hören wollen. News ist das reinste Opportunistenblattl,
das - soweit es sich ausrechnen läßt - genau das bringt, was
es glaubt, daß viele lesen wollen. Oetker ist ein vollkommen opportunistischer
Puddingpulverfabrikant. Im Kapitalismus ist jeder ein Opportunist - des
Marktes. Der Unternehmer, der herstellen läßt, was sich verkaufen
läßt, der Arbeiter, der die Arbeit macht, die auf dem Markt
gefragt ist und nicht die seinen Bedürfnissen entsprechende. Jedes
Schulkind lernt, sich so zu verhalten, wie es von ihm erwartet wird. Opportunismus
charakterisiert die Beziehungen der Menschen zueinander unter dem Diktat
des Geldes. Auch
als, sagen wir, kleiner Rechtsanwalt in Gmunden, würde Haider umfallen,
so oft es nothätte, seelisch. Auch dort würde er sich vom Bezirksrichter
und von seinen Anwaltskollegen verfolgt fühlen, als wären es
Einem oder Scholten. Sein Größenwahn, der ihn schon zum Vergleich
mit Jesus getrieben hat, würde ihm auch dort arg zusetzen. Wie kaputt,
wie komplexbeladen muß jemand sein, der sich mit 45 auf 28 herunterfrisieren
muß, sich an goldene Armketteln hängt und an 100.000-Schilling-Uhren
anbindet! Wie gehemmt muß so einer hinter all dem sein, wenn er soviel
äußeren Halt nötig hat! Aber in seiner schamlosen Selbstvergötzung
ist Platz für die Sehnsüchte von Millionen Menschen, deren Selbstwertgefühl
von den Verhältnissen zertreten ist. Indem er seine Defizite ausbeutet,
kann er die Defizite der Massen ausbeuten. Haider ist psychisch klein und
schwach, das macht ihn politisch groß und stark. Ein Beispiel: Wie
unsicher muß einer sein (bei allem Bungee-Jumping) hinter seiner
blankgeputzten Fassade aus ausgewechselten Zähnen, um in einem fort
das Thema Sicherheit (Kriminalität, Exekutive, Terrorismus, Ausländer,
NATO, Berufsheer, ...) so überzeugt von innen heraus ("Bandenwesen!",
"Triebtäter!", "Schnellrichtersystem!", NATO-Atomwaffen für Österreich!")
spielen zu können! Ein anderes Beispiel: Er hat, von welchem Knacks
immer das herrühren und wie immer das pyschologisch zu deuten sein
mag, einen Sauberkeitsfimmel, der sich gewaschen hat. Schaut, wie
bis in die Nasenlöcher hinauf geschniegelt und gebonert er ist, absolut
klinisch keimfrei gemacht durch dreimaliges Duschen täglich, zu fünf
verschiedenen Anlässen fünfmal frisch herausgeputzt in jeweils
tiefenreinem Aufzug. Nocheinmal, dieser Tick würde ihm auch schwer
zu schaffen machen, wenn er immer noch Universitätslehrer wäre.
Aber er würde seine krankhafte Schmutz-Aversion nicht öffentlich
zelebrieren. Sein Problem müßte nicht umschlagen in österreichische
Innenpolitik, wo er überall Schmutz, Dreck, Mist, Schutt, Sumpf
sieht,
ihn überall das zwanghafte Bedürfnis nach Sauberkeit, Aufräumen,
Ordnung machen, Ausmisten treibt. Haider plündert sich selber
völlig aus und liegt mit dem, was er da zutage fördert, in diesem
System goldrichtig. Auch die Werbung übt ja einen immer heftigeren
SauberkeitsTerror auf die Menschen aus ('Porentief sauber!", "Mehr
als nur rein!", "So sauber, daß man davon essen könnte!"). je
tiefer wir real im Sumpf des Kapitalismus versinken, desto erfolgreicher
wird sie damit. Im politischen Geschäft wird aus dem Kampf gegen Schmutzschatten
auf Hemdkrägen der gegen Wohnungslose, Arbeitslose, Heimatlose usw.
Weil
Haider so lädiert ist, ist er so rasend aktiv. Seine Seelenbeulen
sind im Trend. Millionen haben Dellen an den gleichen Stellen. Die wirkliche
Lösung kann nur darin bestehen, alle Verhältnisse umzuwerfen,
in denen der Mensch (der Mensch Haider, der Mensch Haiderwähler und
der Mensch Nichthaiderwähler) ein erniedrigtes, ein geknechtetes,
ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.
Die
Inszenierung
Was
er aus den tiefsten Tiefen seiner ramponierten Psyche herausholt (im wahrsten
Sinn des Wortes notgedrungen),
ist seine einzige originale Zutat
zur gegenwärtigen Attraktion Haider. Der ganze große Rest ist
geliehen und gestohlen.
Davon handelt
der folgende Abschnitt. Haider haßt den Haider, der er ist. Mit dem will er nichts zu tun haben. Damit er an den nicht ständig erinnert wird, wenn er in den Spiegel schaut, hat er dem ein fremdes Gebiß einbauen lassen. Um körperlich über ihn hinauszuwachsen, geht er regelmäßig ins Fitness-Zentrum. Schaut ihn euch an, wie er sich vor sich versteckt! Es sind das Identitätsprobleme, wie sie unter dem Kapitalismus viele Menschen haben. Sie sind dazu verdammt, sich aus den hungerten Versatzstücken, die der Markt bereit hält, ein Wunschbild von sich ("Ihre Haut sieht jünger aus!", "Natürlich ist das meine Haarfarbe!") zusammenzubasteln. Der vor sich selber auf der Flucht ist, braucht ständig wechselnde Verkleidungen, damit er sich entwischen kann. (Da er beim Davonlaufen vor sich selbst sich freilich überallhin mitnimmt, muß er versuchen, schneller vor sich davonzulaufen.) Wer
sich über Äußeres definieren muß, wird nach Äußerem
suchen. Haider ist ein Getriebener. Weil er nicht er selber sein kann,
nichts (wörtlich:) aus sich machen kann, ist er wehrlos völlig
dem ausgeliefert, was es schon gibt. Weil er nur am falschen Orte suchen
kann, kann er nie etwas Neues finden können. Die hundert Sachen, mit
denen Haider auf der Flucht vor sich selber durch die politische Landschaft
hetzt, bald da, bald dort nach einem Fetzen grapschend, der ihn herausputzen
soll, sind hundert gestohlene Sachen.
Der
Nach-F-er
Haider
selber gibt es gar nicht. Er ist nur nocheinmal das, was ohnehin schon
ist. Das Österreich zuerst hat er von Thomas Klestil, der es
von Alois Mock hat, und die Dritte Republik hat er von Andreas Khol,
der sie von der Steirischen ÖVP hat. Angefüllt hat er die hohle
Phrase mit Bestimmungen aus der Schweizer Verfassung. Wenn Haider braun
ist, dann ist er braun vor allem vom Abkupfern. Die Bewegung hat
er begrifflich von der SPÖ gestohlen und inhaltlich von Berlusconi,
bei dem er gleich auch die Regierung der Fachleute hat mitgehen
lassen. Er kann nicht anders. Als er das Bündnis 90 von Demokratischem
Forum und Grünen in Deutschland gesehen hat, hat er ebenso unwillkürlich
zulangen rnüssen (Bündnis 98) wie bei der Mißgeburt
Österreich,
die er bei Adolf Hitler entdeckt hat. Er bedient sich politisch links und
rechts, zeitlich vorn und hinten. Die Freiheit, die ich meine hat
er dem deutschen Freiheitsdichter Max von Schenkendorf (1783 - 1817) durch,
während er die Aktiv-Card
der Bündnisbürger dem CA-Jugend-Service
stibitzt hat. F wie fladern, das bei Haider großgeschrieben wird.
Dem Kreisky, der 1969/70 von 1400 Experten ein Regierungsprogramm erstellen
ließ, hat er seine 1000 Experten gepfost, die ihm den Vertrag
mit Österreich aufsetzen sollen, den er dem Sprecher der Republikaner
im USRepräsentantenhaus, Newt Gingrich, ("Vertrag mit Amerika")
gestohlen hat. Wenn er sein Konzept "Dritte Republik", wie er ankündigt,
fortan "Mehr Demokratie wagen" nennen will, so hat er diesen Begriff dem
Willy Brandt entwendet. Es ist alles schon da, was er erst bringt. Zwischendurch
äfft sich der Nach-F-er selber nach, etwa, wenn er sich in einem Wahl-Clip
im Oktober 1995 als Schutzpatron der Österreicher bezeichnet,
was er schon im Oktober 1993 getan hat. Das Jeanshemd, in dem sich
Haider 1994 österreichweit plakatiert hat, hat er B. Clinton vom Leib
gerissen, der sich darin im US-Wahlkampf 1992 im "Rolling Stone" groß
präsentiert hat. Und von welchem Beutezug stammt der blaue Schal?
Handelt es sich um die Stola des Pfarrers von Feistritz oder um den
Halsschmuck eines Fans von Austria Memphis? (Nein, sagt A. Kordesch, ehemaliger
österreichischer Staatsmeister der Magie und nochmaliger Kärntner
FP-Geschäftsführer: "Der blaue Schal vom Jörg, das war meine
Erfindung." - Kärntner Kleine Zeitung, 29.3.90) Haider, in
seine zusammengefladerten Bauteile auseinandergenommen, bleibt gar nicht
mehr übrig. Und soll gefährlich sein? Weil die amerikanischen
Präsidenten durch den Wahlkampf joggen, joggte er 1994 durch sein
Wahlkampf- Video ("Ein Mann geht seinen Weg"), ein Wahlwerbemittel,
das er auch in den USA geklaut hat. Wenn die ÖVP, wie Haider sagt,
eine "Kopiermaschine" ist, dann ist die FPÖ eine einzige Blaupauseanstalt.
Davon, wie er sich beim US-amerikanischen Trendforscher J. Nashbit bedient
und beim Philosophen K. Popper, wie er sich von Vaclav Havel ein Stück
herunterschneidet und eines von Viktor Frankl, wollen wir hier gar nicht
reden, noch weniger, wie er ohne Genierer Ingeborg Bachmann oder Rosa Luxemburg
herbeizitiert, um seine "Grundsatzerklärungen" aufzubessern. Um Haider
vorwerfen zu können, er stehle, müßte man ja in der Lage
sein, sich vorzustellen, er könnte auch nicht
stehlen. Haider,
der ständig davon redet, wie sich andere bereichern, woher hat der
seine Wut auf Diebe? Steckt bei ihm, der z.B. im Fernsehen am 21.9.94 erstmals
ein Taferl mit Aktivbezug und Pensionsanspruch des steirischen AK-Direktors
Zacharias herauszieht (und damit die TV-Konfrontation mit Vranitzky und
die nachfolgenden Wahlen gewinnt), vielleicht gar Selbsthaß des Diebes
dahinter? Das besagte Taferl jedenfalls hat er dem US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten
Ross Perot abgejagt, der es zwei Jahre zuvor erstmals in seinen TV-Auftritten
eingesetzt hat. Bekanntlich
kehrt der Täter immer wieder zum Tatort zurück. So hat sich Haider
zuletzt innerhalb von nur 12 Monaten dreimal in den USA umgetan. Was ihm
die Show-Politik dort vorhüpft, F-t
er hier nach. "Weil es
keine Schande ist, für uns das abzukupfern, was dort gut ist."
(News,
17.8.95) Die FPÖ hat in zwei Dutzend Ländern sogenannte "Freundschaftsgruppen"
eingerichtet. Während
die "Freundschaftsgruppe" mit Ägypten etwa von der Abgeordneten Ute
Apfelbeck geführt wird und die mit Ungarn vom Abgeordneten Gerulf
Murer, leitet jene mit "Amerika" Jörg Haider höchstpersönlich.
Auf die Trends dort hatte er es schon spitz, als er seine Generalsekretärin
Heide Schmidt zur Ausbildung in ein zweimonatiges Politseminar in den USA
gesteckt hat. "Natürlich interessiere ich mich auch für die neuen
Tendenzen in den USA", sagt Haider (Frankfurter Hefte 7/95), weil
"man nicht alles, was gut ist, selbst erfinden muß" (Kurier, 21.5.95).
Sein
begehrlicher Blick fällt da z.B. auf das radikale Konzept der Republikaner
für einen Verwaltungsabbau ("lean government") und vor allem auf die
sogenannten Denkfabriken (think-tanks), wie er sich eine in Wien nachbauen
möchte (Standard, 20.10.94). Weil es in diesen Häusern,
wo darüber gebrütet wird, wie die Macht des Geldes über
die Welt gefestigt werden kann, immer etwas abzustauben gibt, werden die
führenden US-"Denkfabriken" von Haider immer wieder heimgesucht. Im
Juni 1994 war er im Cato Institute und im Hudson Institute, im Dezember
1994 hat er sich in die Heritage Foundation eingeschlichen, und im Mai
1995 hat er nacheinander Rand Corporation, Cato Institute und Heritage
Foundation einen "Besuch" abgestattet. So
hetzt Haider, man muß sagen paniscb, aber man nennt es wohl
dynamisch,
von Ostküste zu Westküste, immer unterwegs mit begehrlichem
Blick, in Los Angeles und in Washington (1995), am Broadway und im Pentagon
(1994). Seine häufigen US-Touren lohnen sich doppelt, weil das Auftreten
im Ausland eine höhere Aufmerksamkeit im Inland garantiert, vor allem
aber, weil er noch immer mit vollem Gepäck von diesen Beutezügen
zurückgekommen ist. Zuletzt hatte er darin zum Beispiel die ganze
Vorwahlbewegung, mit der er in die nächsten Wahlen gehen will, mit
allem, was man dazu braucht: Wahlkonvent, Wahlkreiskonvent, Landeswahlkonvent,
Bundeswahlkonvent, Konventkarte, Wahlfrau/Wahlmann usw. Da wimmelt's nur
so von Pools und Boards und Cards. "Der politische Schneeballeffekt dieser
Vorwahlbewegung in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung
ist enorm", liest man in einem internen FPÖ-Schreiben, "und mit den
Auswirkungen der 'primaries' in den ersten Bundesstaaten bei den Präsidentenwahlen
in den USA zu vergleichen." Die FPÖ als Recyclingbetrieb. Und was
da alles hereinkommt! Kein Wunder, daß die alte Bude fast total ausgeräumt
werden mußte. Nebst diesem Schrott aus den Vereinigten Staaten wird
jede Menge Blech aus Italien angekarrt. So soll aus den politischen Fan-Clubs
von Silvio Berlusconis Forza Italia Haiders
Bürgerbewegung
1998 gebastelt werden. Eingebaut werden sollen dabei auch ein paar
Trümmer von der Lega-Bewegung und ein paar achtlos weggeworfene Stücke
der SPÖ. Recycler Haider: "Wir haben ein großes historisches
Vorbild: das ist die Sozialdemokratie, die sich doch immer als Bewegung
und weniger als Partei verstanden hat. (... ) Die Oppositionsphase der
Sozialdemokratie von 1966 bis 1970 ist, wenn ich ehrlich bin, für
uns in vielfacher Weise ein Vorbild." (Frankfurter Hefte 7/95)
Die
FPÖ ist in zwei Jahren fulminanten Wählerzustroms z.B. in Salzburg
um ganze 77 und im Burgenland um ganze 78 neue Mitglieder gewachsen
(Tätigkeitsbericht
1992 - 1994), krebst bei einer Stimmenzahl von 1 Million noch immer
bei einem Mitgliederstand von 43.000 herum. Es fehlt fester Boden. Man
hat keine Namen und Anschriften der Leute, die einen wählen. jetzt
soll die Partei außerhalb der Partei, dort wo die Leute sind, neu
aufgebaut werden. Man will einen Info-Kreis
um die Haiderwähler ziehen,
um so wenigstens ihre Postadresse zu erfahren, sie sodann in einen Aktiv-Kreis
zusammendrängen, von wo aus sie mittels Partei-Karte in das
Zentrum der "Bürgerbewegung 1998" gelockt werden sollen. Möglich,
daß dieser ganze Plunder schon demnächst aufgrund von überwältigendem
Desinteresse wieder eingestampft wird. Haider, der weniger dem Volk aufs
Maul schaut als auf Marktforschung hört, wollte ja auch einmal die
FPÖ abschaffen, "weil der Begriff Partei kein Werbeträger mehr
ist. Partei ist heute werblich nicht mehr zu brauchen." (Kleine Zeitung,
19.10.94) Der Haider-Diktator, das ist der Markt. Wenn Umfragen der
ÖVP- und SPÖ-nahen Meinungsforscher ergeben, daß der Nationalstolz
in Österreich besonders ausgeprägt ist, will Haider die FP umgehend
"neu positionieren" und zu einer "österreichischen politischen Bewegung"
machen mit einem "starken Bekenntnis zu Österreich" (TT 17.8.95).
In
eigenen Erhebungen mittels Fragebögen wird z.B. von der Wiener FPÖ
auszukundschaften versucht, "ob aus der Diskussion um die Ausländergesetze
die Luft draußen ist". (R.Pawkowicz
im Standard, 19.6.95) Ganz klar, daß sich die FPÖ immer
auf jene Begriffe stürzt, die in der Marktuntersuchung als die "am
meisten sympathischen Begriffe" erhoben werden: "Heimat", "Sicherheit",
"Ordnung" (IMAS-Instiut – TT,26.8.95) Im
Standard bescheinigt sogar ÖVP-Meinungsforscher P. Ulram fast bewundernd
Haider 'großes Talent im Umgang mit Umfragedaten' (31.8.95).
Alles
ist ausgetüftelt, auch wenn manchmal stark danebengetüftelt
wird. Haiders Strategie war, könnte
man sagen, angelehnt
an die der Bundesländer-Versicherung. Punkt eins ist, sich mit welchen
Mitteln auch immer einen hohen Bekanntheitsgrad auf dem Markt zu erstreiten.
Was der Bundesländer-Versicherung mit ihrem berühmten Bundesländer-Skandal
passiert ist, hat sich Haider
mit kalkulierten Nazisprüchen selbst errackern müssen. Punkt
zwei ist, wie das neue Versicherungs-Direktorium damals sagte, den erworbenen
hohen, negativen Bekanntheitsgrad jetzt mit positiven Inhalten zu füllen
(Presse,
13.1.87). Darin versucht sich Haider seit geraumer Zeit. Alles läuft
nach auf dem Markt bereits erprobten Konzepten. Dazu gehört auch die
Skrupellosigkeit, gleichzeitig einander absolut widersprechende Forderungen
aufzustellen, denn das "sichert einen Vorsprung gegenüber den beiden
Regierungsfraktionen", wie Haider-Vize N. Gugerbauer einmal sagte. "Ich
glaube, daß diese unterschiedlichen Positionen dynamisierend wirken."
(MOZ, 1/89) Es ist kaufmännisches Prinzip der FPÖ, die
Menschen so zu verwirren, daß sie nicht mehr wissen, wo vorne und
wo hinten ist. Oh heilige Einfalt, den Marktstrategen Haider mit Argumenten
überzeugen oder der Unredlichkeit überführen zu wollen!
Als ob man ihn verbessern müßte! Er weiß, was er tut.
jeder Umfaller ist vorgesehen (1992 für EU / 1994 gegen EU, 1985 für
Atom / 1994 gegen Atom, 1989 für Neutralität / 1991 gegen Neutralität,
1987 gegen Verstaatlichte / 1995 für Verstaatlichte, 1986 gegen Thomas
Bernhard / 1995 für Thomas Bernhard). Wenn er meint, eine Audienz
beim Papst haben zu müssen, verschafft er sich eine Audienz beim Papst
(1993), und wenn er einen Besuch im Holocaust-Museum braucht, geht er,
ferngesteuert wie er ist, ins Holocaust-Museum (1994). Der Weg auf den Markt ist schmal: ein Strich. Sie gehen ihn alle, die etwas zu verklopfen haben. Wie oft ist OMO umgefallen (blaues Pulver, flüssig, Megaperls)! Ist nicht Vranitzky 1986, als er Kanzler geworden ist, wieder flugs in die Kirche eingetreten? Mit welchen gezielten Tabu-Brüchen hat sich Benetton nach vorne gepusht! Das Gesetz, das wirklich zählt, ist das Gesetz des Marktes. Punkt.
Schema FHaider
ist immer ein Abklatsch. Bevor er die starken Männer in den USA entdeckt
hat, hatte er's mit Franz Josef Strauß.
Oder
umgekehrt: An Ross Perot und Newt Gingrich klammerte er sich an, als ihm
das Vorbild aus Bayern in der Erinnerung verblaßt war. Nicht nur
einmal bezeichnete sich Haider "als legitimen Erben des bayerischen Ministerpräsidenten"
(Spiegel
11/1992). Gegenüber den Salzburger Nachrichten formulierte er:
'Ich glaube, daß ich in vielen Dingen Parallelitäten aufweisen
kann, auch von meinem Denken und meiner Zielsetzung." (28.9.94) Die
Sprache überführt ihn hier der bewußten Nachahmung. Er
sagt nicht: Es gibt Parallelitäten. Sondern: Ich kann Parallelitäten
aufweisen.
Das heißt, daß es ihm darum zu tun ist. Haider ist nie
Haider. Immer jemand anderer. Aber den Strauß hat er gut drauf. Der
Journalist J. Gross beschrieb bereits vor 30 Jahren, wie sich dieser gerne
als Opfer, als von allen Verfolgter, präsentiere: "Alle seien gegen
ihn - die Russen, die Amerikaner, die Liberalen, die Sozialisten, die norddeutschen
Protestanten, der hohe katholische Klerus usw. usw." Da kann Haider leicht
Parallelitäten aufweisen. Strauß 1979: "Der KGB oder andere
kommunistische Geheimdienste veranlassen - wie inzwischen unwiderlegbar
bewiesen ist - Hakenkreuz-Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen
bei uns." (Deutschland-Magazin, 8/79) Haider stellte 1993 ausländische
Geheimdienste" und "Ex-Stasi-Leute" als tatverdächtig für die
Briefbomben hin (Neue Freie Zeitung, 22.12.93). Den Hakenkreuzschmierer
W. Köhler auf dem jüdischen Friedhof in Eisenstadt verwies er
gekonnt in die "linksextreme Szene". (Neue Freie Zeitung, 2.2.94) Selbst
Haiders vielgefürchteter Nationalismus ist plumpe Nachäfferei
des F. J. Strauß: "Man muß sich der nationalen Kräfte
bedienen, auch wenn sie noch so reaktionär sind - mit Hilfstruppen
darf man nicht zimperlich sein!" (Spiegel, 12,11970)
Wer, wie Haider,
keinen Standpunkt hat, muß sich immerfort anlehnen: "So wie Franz
Josef Strauß es definiert hat, 'rechts von mir keine demokratische
Alternative', so gilt das auch für mich." (SN, 28.9.94)
Strauß
und Haider gleichen einander wie ein Straußen-Ei dem anderen, ein
größeres einem kleineren. Lob für die SS da und Lob für
die SS dort, Verteufelung der Gegner als Faschisten beim einen wie beim
anderen, Attacken auf Künstler damals und Attacken auf Künstler
heute. Als Kärntner Landeshauptmann wollte er "einen Freistaat nach
bayrischem Vorbild" ausrufen (Standard, 9.1.91). Haider bindet sich
geradezu sklavisch an Strauß' Linie. Das geht soweit, daß er
gegen die Stimmung in der Bevölkerung offen die NATO-Mitgliedschaft
sowie NATO-Atomwaffen und NATO-Truppen in Österreich (Presse, 20.4.95)
fordert.
Warum tut er das? Weil es ihn voranbringt. Er will international (in Washington,
Brüssel, Paris, Bonn) als total verläßlich angesehen werden,
er will in der Bundesheerführung punkten, um sich da eine Machtbasis
zu schaffen. (Und es ist vor allem ein Signal an das in Österreich
tätige große österreichische und internationale Kapital.)
Da ist soviel langfristige Strategie dahinter wie bei der Verbündung
mit Bischof Krenn, die auch wenig populär ist. Natürlich zerkugeln
sich Haider und Rumpold und Meischberger über den Dicken in St. Pölten,
wenn sie unter sich sind. Aber von Strauß und Stoiber und Waigel
haben sie gelernt, daß der Kapitalismus den Klerus braucht zur ideologischen
Festigung seiner brutalen Macht. /Der ist so wichtig wie die Exekutive,
die sich Haider ja auch zulegt.) Das Partei-Symbol F steht für Faksimile,
laut Duden die "getreue Nachbildung einer Vorlage". Die Vorlage ist z.B.
die Aschermittwoch-Veranstaltung von Strauß in Passau. Die getreue
Nachbildung ist z.B. die Aschermittwoch-Veranstaltung von Haider in Ried. So
plump wie Haider Strauß kopiert, kopieren nur noch die Haider-Gegner
die Strauß-Gegner. Damals gab es Personenkomitees gegen den
Kandidaten Strauß. Damals wurde jahrelang sich vor einem Bundeskanzler
Strauß gefürchtet. Damals gabs den Vergleich mit Hitler. Damals
starrte die sogenannte Linke gebannt auf ihren Lieblingsfeind, währenddessen
die Sozialdemokraten Rasterfahndung und Lauschangriff verwirklichen konnten.
Wer wissen will, was den Haider-Gegnern noch alles (nicht selber) einfallen
wird, braucht sich nur die Anti-Strauß-Aktionen zwischen 1970 und
1980 anzusehen. Wie klein, wie nichtswürdig Haider sich selber vorkommt, verrät er damit, daß er sich immer in große Politiker verknallt. Neben Strauß hatte er sich schon an Helmut Schmidt, Helmut Kohl ('Ich bewundere ihn sehr.") und Eduard Wallnöfer ("Der Walli würde diesmal die FPÖ wählen") herangemacht. Alles mögliche war Haider schon. Nur Haider war er noch nicht.
Wer
wen vor
sich hertreibt
Die Mode bietet im Kapitalismus den vom Kapitalismus zugerichteten Menschen eine Stütze für ihr geschwächtes Selbst. Ob Veloursjacke, Meschen, Handy oder Civic Sport, das Topaktuelle verleiht eine Identität. jene, die hintenaus sind, erkaufen sich das Gefühl, vorne zu sein. Die, denen offensichtlich der Ton angegeben werden kann (noch der Haarfarbton der Saison!), dürfen ganz fest glauben, den Ton anzugeben. Hier finden sie Halt. Freilich so vorläufigen, daß unablässig neuer gesucht werden muß. Zur Freude des Marktes. Die
FPÖ, die innerlich noch viel weniger Substanz hat als der kaputteste
Mensch, ist dem Zeitgeist auf Gedeih und Erwerb ausgeliefert. Wie ein Squashball
saust Haider herum, immer auf dem Weg dorthin, wo er hingedroschen wird,
oder dorthin, von wo er wo hingedroschen wird. Der, der alle vor sich herzutreiben
versprach, wird wie kein zweiter von den Moden des Marktes vor sich hergetrieben.
Das hat mit Haiders blutarmem Selbst (siehe oben) zu tun und mit der blutarmen
Partei, die er sich so blutarm gemacht hat, daß er Blutarmer sie
beherrschen kann. Jemand, der sich von jedem Modeschrei nach vorne befehligen
läßt, ist kein Führer, alles eher. Der, dem von jedem Trend
als erstem Beine gemacht werden, ist nicht der Schrittmacher. Mein
Gott, haben wir es hier mit viel Außenherum um Nichtsinnendrin zu
tun! So wie Wirtschaftsbetriebe sogenannte Personalberatungsbüros
mit der Auswahl von geeignetem Führungspersonal betrauen, wollte Haider
das auch einmal, Sommermode 1989. Wollte er das? Er
wollte, daß man meine, er wolle. Er werde, ließ er die Medien
verbreiten, "private Personalberatungsbüros damit beauftragen, Kandidaten
für die Listenerstellung von Bundes- und Landeswahlen auszuwählen."
(Kurier,
8.7.89) "Jeder wird von einer Managementberatungsfirma auf seine Tauglichkeit
als Volksvertreter untersucht." (Kurier, 19.7.89)
Es geht darum,
Modernität zu signalisieren. So wie das die FPÖ auch mit ihren
Parteitagen im Linzer "Design Center" oder im "World Trade Center" in Schwechat
machen muß. An ihr ist alles auswendig. Von innen erwachsen kann
ihr gar nix. Desto atemloser hetzt sie dem nach, was en vogue ist. Weil
Manager in Crash Seminare geschickt werden, Firmen Coachings für ihr
Führungspersonal bereitstellen, Öffentlichkeitsarbeit nach dem
Prinzip Train the Trainer machen, Präsentationen mit FlipChart
und Powerpoint gestalten und sich ein Teamdesign verordnen, bietet das
Freiheitliche Bildungswerk "Crash-Seminare", "Coachings für Mandatare",
Ausbildung in der "Train the Trainer-Öffentlichkeitsarbeit" und in
"Präsentationstechnik" mit "Flip-Chart" und "Powerpoint" sowie ein
Seminar für "Teamdesign" an. Alles ist von irgendwo hergefingert.
FP-Mandatare sollen "Argumentationstechnik", "Kreativitätstechnik"
und "politisches Marketing" lernen und damit "optimistisches, überzeugendes
charismatisches Auftreten" gewinnen. Entscheidend sind dabei neben "Rhetorik
intensiv", "Kommunikationstraining" und "TV- und Medientraining" vor allem
der "Machtfaktor Körpersprache" und die "Verbesserung der Beeinflussungskapazität".
Womit sollen denn die, die sich mit Haut und Haar der Beeinflussung durch
den Markt aussetzen, beeinflussen? Der Begriff marktgängig kennzeichnet
die Haiderpartei unzureichend. Zutreffender ist sicher: marktläufig.
Apropos Medien: In einer internen "Informationsschrift für Mitglieder
des freiheitlichen Parlamentsklubs", laut Jörg Haiders Vorwort ganz
besonders wichtig "für unsere optimale Medienpräsenz", gibt das
Referat für Öffentlichkeitsarbeit Tips zur "Themenfindung für
mediale Verwertung": "Wir bereiten Ihre Informationen
so auf, daß sie für Journalisten zu einem appetitlichen Happen
werden." Wichtig ist: "Kontinuität in der Sprache, insbesondere oftmalige
Wiederholung kreativer Wortschöpfungen läßt Tatsachen plötzlich
in einem anderen Licht erscheinen (Z.B. Altparteien, Privilegiensumpf,
"originelle 'Sager' kommen auf Wunsch auch von uns".
Usw. Eine
üble Führerpartei? Ach,
was! Eine üble Schmähführerpartei! Das
sind Hampelmänner, die es bei jedem Zug der Zeit reißt und die
daraus das Image zu gewinnen hoffen, besonders quick zu sein.
An
Haider und seiner Firma ist alles Schein. Alles Spiel. Haider, das ist
der Kleinbürger, der in der Politik immer nur spielt, wie Bett
Brecht geschrieben hat. Wobei hier
unter spielen ausdrücklich eine Rolle spielen, ebenso gemeint
ist wie etwas aufs Spiel setzen. "Ich
habe mein politisches Leben schon immer mit einem Höchstmaß
an Risiko gelebt. Dieses Risiko gehe ich ... voll!" (Haider im Kurier,
19.6.88) Die Parteizeitung der Kärntner FPÖ veröffentlichte
zum 40. Geburtstag ihres Vorsitzenden unter dem Titel "Jörg, der Schauspieler"
eine Bilderfolge, die ihn in verschiedenen Verkleidungen zeigt: u.a. einmal
als Zauberer, einmal als Bayernkönig Ludwig Il. und einmal offenbar
als Dollfuß (Kärntner Nachrichten, 25.1.90). Das Profil (16.5.89)
weiß,
"es habe eine Phase gegeben, wo er ernsthaft überlegte, die Schauspielerei
als Beruf zu wählen - 'meine Eltern haben mir das ausgeredet"' (Haider).
Von ausgeredet kann wohl nicht die Rede sein. Haider
spielt aber auch Haider. Sehr gern tritt er vor einem Riesenplakat
von sich selber auf, bei Pressekonferenzen, bei Kundgebungen, in seinen
Werbefilmchen: hinter sich - voluminös aufgeblasen - die Figur, vor
ihr der Schauspieler, der sie gibt.
Es
ist nur folgerichtig, daß der FP eine Werbeagentur angeschlossen
worden ist, oder müssen wir richtiger sagen, daß die FP einer
Werbeagentur angeschlossen worden ist? 1993 wurde im Wiener Handelsregister
die "FP-1998 Werbeberatung GesmbH" eingetragen mit dem Bundesgeschäftsführer
Gernot Rumpold als Geschäftsführer. Ist die FPÖ eine Werbefirma
oder ist eine Werbefirma die FPÖ? Es ist übrigens auch ein FPÖ-Funktionär,
der jenes derzeit in Tirol tonangebende Werbeunternehmen Handlebesitzt
und betreibt, das auch einen guten Teil der Reklamemittel der Tiroler Freiheitlichen
gestaltet. Da
denkt man unwillkürlich wieder an Silvio Berlusconi, bei dem seine
Werbeagentur Publitalia das Fundament seiner politischen Bewegung
Forza
Italia darstellt. Übrigens ist auch er, und darauf legt er Wert,
"ein gelernter Entertainer". Auch bei ihm werden Kandidaten von Spezialisten
nach ihrer Fernsehtauglichkeit ausgesucht. Auch er betreibt Jogging und
vermarktet es. Auch er will nach US-Muster Wahlkonvente abziehen, und
wie Haider ("... ehe der Hahn das zweite Mal kräht, wirst du mich
dreimal verleugnen.") schmeißt auch er mit Messias-Sprüchen
um sich ("Wer vom Volk auserwählt ist, ist wie ein Gesalbter des Herrn.").
Letzte Information dazu: Die Kandidaten von Forza Italia wollen
sich künftig Azzurri (die 'Blauen') nennen. Bei
der FPÖ ist alles Tarnung. Aber nicht, um etwas zu tarnen, sondern
um meinen zu machen, hier wäre etwas, was man tarnen könnte.
Diese Tarnung ist Tarnung des Nichts. Bei soviel Hohlraum braucht es entsprechend
viel außen drumherum. Nachdem Haider schon vor Jahren über den
von Italien einstrahlenden Privatsender "Radio Uno" sich mächtig selbst
beworben hat, und darauf über den von Italien einstrahlenden parteinahen
Privatsender "Radio Freies Europa", ist kürzlich einer Gruppe seiner
Partei nahestehender Unternehmer der Einstieg beim Salzburger Kommerzsender
"Radio Melody" geglückt (SN, 23.9.95). Angeblich ist die FPÖ
auch im Besitz der "Lizenz für ein aus der Slowakei nach Ostösterreich
sendendes Privatradio" (Kurier, 5.12.94). Haider spielt Berlusconi.
Angesprochen darauf, ob er Fehler gemacht habe: "Der einzige Fehler, den
wir gemacht haben, war, daß wir nicht unser gesamtes Geld konzentriert
und uns eine eigene Zeitung gekauft haben." (Top, August 1994) So
muß sich Haider bis auf weiteres über die auflagengeilen Zeitungen
verkaufen, die ihm nicht gehörig sind. Wie er sich der Medien
bedient, die sich seiner bedienen bzw. wie sie ihn bedienen, die er bedient,
ist ausführlich im vorigen FÖHN dokumentiert. Die FPÖ-Partie
wäre eine ohne Zweifel ebenso erfolgreiche News-Redaktionsmannschaft
wie die sehr erfolgreiche derzeitige. Die zwei größten Lautsprecher
Haiders im Land, News und Kronenzeitung, funktionieren so ziemlich nach
demselben Prinzip wie
er. Die Krone ist eine einzige Nachäffung - der Bild-Zeitung. Sie
ist konsequent bis zum Umfallen. Auch die Krone des Milliardärs Hans
Dichand verkauft sich den wirklichen Opfern dieser Gesellschaftsordnung
täglich als von allen Seiten umstelltes Opfer. Auch
wenn es uns hier um die Haider-Marketingpolitik geht, die Haider mit viel
Aufwand selber betreibt, sollten wir die HaiderMarketingpolitik, mit
der er ungeheißen bedacht wird, nicht außer acht lassen. Demnächst
wollen "1000 Prominente gegen Haider" österreichweit auf Plakaten
für ihn werben. Aber über den Anti-Haider-Clan ist schon genug
im letzten Heft zu lesen. (Inzwischen stehn die ersten Vollkoffer ja schon
am Wiener Westbahnhof.) Die
Presse sagt von sich, sie sei ein Spiegel der Politik. In bezug auf Haider
ist sie nichts weniger als ein Vergrößerungsspiegel.Er
tut kund, 1998 Bundeskanzler werden zu wollen, und auch sogenannte seriöse
Zeitungen titeln postwendend: "'Bürgerbewegung' für Bundeskanzler
Jörg Haider' (SN, 16.1.95). Wenn tausendmal geschrieben sein
worden wird "Bundeskanzler Haider', wird ein Bundeskanzler Haider den Leuten
ganz normal vorkommen.
Glänzende
Kritiken
Das
Bild des kämpfenden Haudegens, das Haider von sich zu schaffen versucht,
hat, wie man spätestens seit "Rambo" und "Terminator" weiß,
bei den Menschen unter dem Kapitalismus große Anziehungskraft. Aber
so belanglos Silvester Stallones Studio-Scharmützel wären, wenn
er nicht bis ins letzte Provinznest als "Rambo" ausgetrommelt würde,
so unerheblich wären Haiders bemühteste Körperverrenkungen
ohne den leinwanden Ruf, der ihm in den großen Medien vorauseilt.
Er
wird angekündigt als Django
(Kl.Ztg.)
und Tarzan (Kl.Zeitung)
in einem, als ein gefährlicher Straßenkämpfer (Kurier),
ein kühl kalkulierender Haudrauf (Spiegel), eine Hasardeurnatur
(Kurier),
ein beinharter Rauswerfer (AZ), ein
Rächer der Unterdriickten
(Kl.Zeitung).Gerühmt
werden sein Vernichtungswille
(Kurier) und seine Brutalität
(News).
Das alles ist weniger eine Charakterisierung Haiders als Propaganda für
ihn. Viele Formulierungen der Journalisten klingen wie lange ausgetüftelte
Filmtitel: Sein Leben ist der Kampf (Kurier), Siegeslauf (Wiener),
Kampfansage (Basta), Blitzkrieg (Kurier), Haider gegen alle
(News),
Haider ist nicht zu stoppen (Wiener). Den Haider, der den Entschlossenen,
Durchschlagskräftigen mimen will, preisen sie in millionenhafter Auflage,
ohne Unterlaß, nicht im Abstellraum der Zeitung, sondern im Schaufenster,
an als entschlossen und rücksichtslos
(Kurier), brutal (Wochenpresse),
rabiat (AZ), skrupellos
(Profil), kaltblütig
(Neues Volksblatt), eiskalt
(Kurier). Man
lese diese Kritik als Filmkritik und weiß: Das muß ein Kassenschlager
werden! Denn der Hauptdarsteller bietet alles, was man sich erwarten kann:
Er ist gefährlich (Zeit), aggressiv (Neues Volksblatt),
schlägt
zu (Vorarlberger Nachrichten),
köpft (OÖN), räumt
beinhart auf (TT), serviert eiskalt ab (Kurier),
setzt alles auf eine Karte (News), macht die Hölle heiß
(Kurier) und ballert auf alles, was sich rührt (Kl.Zeitung).
Herz, was willst du mehr?
Wie
läßt sich viel Altes am besten verstecken? Hinter viel Neuem!
Will
die Reaktion erfolgreich sein, muß sie sich schick anziehen. Modernität
hat nichts zu tun mit Fortschritt, sie dient nur dessen Vortäuschung.
Sein Büro mit höchst schrägen Designerstühlen einrichten
lassen hat sich z.B. ein Wolfgang Schüssel, der politisch in den 50er
Jahren sitzen geblieben ist. Nichts braucht so sehr den Anschein des Vorwärtsdrängens
wie gerade das Aufderstelletreten. Wo viel Mode ist, ist viel Mode nötig.
Kein sichereres Anzeichen für politische Reaktion als dickaufgetragener
Zeitgeistplunder! Z.B. immer dieses blödgesichtige Erstaunen: Haider
geht in Diskos! Als wären das nicht totalitäre Stätten,
Orte der Deformierung und nicht der Befreiung! In
Wahrheit ist da gar kein Widerspruch zwischen Haiders Styling und Haiders
Politik. Ein Handy ist ein Fortschritt nirgendwohin. Haiders Porsche bolzt
auch mit 265 km/h in keine neue Zeit. Fortschreiten im Kapitalismus heißt
Fortschreiten tiefer in den Kapitalismus hinein. Und das will er ja auch
politisch! Haider ist entsetzlich modern, weil er entsetzlich konservativ
ist. Um das an einem anderen Beispiel zu zeigen: Satelliten-TV etwa, das
nach ultramodern riecht, ist stinkreaktionär, antidemokratisch, psychisch
wie materiell ausbeuterisch, menschenfeindlich. Auch in den USA und in
Italien sind mit R. Perot und S. Berlusconi die kapitalistischsten Politiker
folgerichtig die modernsten. Wie
sie geht Haider nicht über das, was ist, hinaus, sondern nur forsch
weiter in dieses hinein.
Er
bewegt sich in diesem System wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser.
Er weiß: Um ein Unternehmen zu beherrschen, muß man es nicht
kaufen. Es genügt ein Aktienpaket von jener Größe, die
die Lenkung der Mehrheit erlaubt. So konnte er nach den Landtagswahlen
von 1989 mit einem Stimmenpaket von 25,1 Prozent (!) aller Wahlberechtigten
Landeshauptmann werden. Die Kunstgriffe der Marktwirtschaft beherrscht
er blind. Unbequem gewordene Parteiangestellte werden mit einigen hunderttausend
Schilling auf die Hand verabschiedet. Im Wahlkampf besonders aktive Funktionäre
werden (z.B. in Tirol 1995) mit Flugreisen belohnt. Leitende Mitarbeiter
bekommen nach Nationalrats- und Landtagswahlen (wie TIWAG-Angestellte nach
Fertigstellung von Kraftwerken) Gratifikationen in der Höhe von mehreren
tausend Schilling ausbezahlt. "Politik
machen", sagt Haider, "ist sehr ähnlich wie ein Unternehmen führen.
jeder kämpft um Marktanteile, so, wie er glaubt, am effizientesten
zu sein." (Wochenpresse, 27.9.90) Seine Partei, so erklärt
er einmal, "ist in Wahrheit eine Firma", die er 1986 "dem Konkurs nahe,
übernommen" habe (Spiegel, 45/92). jetzt seien die "gestiegenen
Marktanteile zu sichern". Haider zeigt sich als des Kapitalismus allergelehrigster
Schüler, indem er die Praktiken des Marktes jetzt gegen seine politischen
Konkurrenten anwendet: Produktdesign, Merchandising, sales promotion usw.
Die Empörung ist groß. So haben wir nicht gewettet, sagen die
bisher marktbeherrschenden Parteien. Aber da ist auch Genugtuung. Die Menschen,
die selber tagtäglich der rohen Marktkonkurrenz mit deren Listen und
Tücken ausgesetzt sind, vergönnen sie den Politikern. je ruinöser
Haider den Wettbewerb anlegt, das heißt kapitalistischer, desto schadenfroher.
Wenn die FPÖ als völlig neues Produkt daherkommt, dann ist das
in bester, das heißt schlechtester marktwirtschaftlicher Manier nur
die Verpackung. Mein Gott, wie oft wurde nicht das Persil schon in neue
Schachteln gepackt! Philips bringt seinen Scherblatt-Rasierer seit 17 Jahren
zu jedem Vatertag neu heraus. Gerade auf diesem Gebiet sollten wir doch
unsere Lektion gelernt haben (Der neue Audi! Die neue FPÖ! Das neue
Ottakringer!), und sind doch verführbar wie am
ersten Tag. Wenn z.B. die Kärntner Filiale der Firma FPÖ bereits
vor sechs Jahren als Mitgliedsausweis eine Servicekarte im Scheckkartenformat
entwickelt hat mit einem eingebauten Chip, auf dem 64.000 Zeichen abgespeichert
werden können, so sind das eben Maßnahmen zur Beschleunigung
des Massenumschlags. Daß Haider seine Kaderzeitung Freie Argumente
jetzt
auch in einer englischsprachigen Version unter dem Titel f-news
auf
den Markt bringt, ist einfach Produktmanagement. Wir sollten das nicht
siebengscheit belächeln, bevor wir es verstanden haben. Der FPÖ-Spitzenfunktionär
Hojac hat sich in einen werbeträchtigeren Westenthaler umgetauft.
Ihm das vorzuwerfen ist unter den Regeln, die gelten, kindisch. Auch die
rothaarige Ilona, die sich in der Kronenzeitung feilbietet, ist weder rothaarig,
noch heißt sie Ilona. K. Wlaschek nennt sich Billa. Sarközi
Tony Wegas. Wieso
sollen wir jetzt auf einmal moralisch werden? Was Haider treibt ist Quotenhurerei,
wie sie alle Erfolgreichen treiben. Dazu gehört auch, sich wie jedes
x-beliebige Markenerzeugnis über Schleichwerbung an Kunden heranzumachen.
Sein Auftreten z.B. bei Eröffnungen von Modeläden und Cafes sind
als das zu sehen, was man Product Placernent nennt. Auch Haiders Teilnahme
am Tiroler Koasalauf ist nichts anderes. Was Römerquelle & Co.
ständig versuchen, nämlich möglichst unauffällig möglichst
auffällig in Spielfilmen vorzukommen, das ist ihm z.B. mit seinem
Gastauftritt im "Schloß am Wörthersee" vorzüglich gelungen.
Natürlich will auch Haider immer mehr: "In 'Peter Strohm' würde
ich gut hineinpassen." (Kronenzeitung, 1.9.91) Das
zuletzt zigtausendfach ausgehängte Haider-Verkaufsplakat mit dem Slogan
"Er hat Euch nicht belogen" ist von Leuten, die körperlich um so vieles
agiler sein müssen als geistig, landauf landab, wie sie meinen, verbessert
worden, indem sie das nicht
überklebt haben. Die neue Botschaft
war mindestens so falsch wie die alte. Aufklärerisch wäre gewesen,
zu sagen: Er hat Euch auch belogen. Die Anti-Haider-Gazetten überschlagen
sich jetzt darin, ihm Lügen im Detail nachzuweisen. I bitt schön,
spart's euch die Müh'. Natürlich stimmt nicht, was Haider, um
sich zu vermarkten, sagt. ja, es sind zum Teil reine Erfindungen, Verdrehungen,
Märchen, Raubersgschichten usw. usw. Aber bitte, das ist doch ganz
normal im kapitalistischen Wettbewerb! Stimmt das vielleicht, was auf der
chilenischen Tiroler Darbo-Konfitüre draufsteht oder auf der oberösterreichischen
Tirol-Milch-Butter oder auf dem echten holländischen Nordtiroler Speck
vom Handl? (Gasser-Speck bekämpft Handl-Speck nicht, indem er ihn
der Unredlichkeit bezichtigt, sondern indem er es ihm an Unredlichkeit
zumindest gleichtut!) Warum soll ausgerechnet kapitalistische Politik nicht
kapitalistisch sein dürfen? Bei News, bei Vera, bei Bahlsen stimmt
doch auch nichts außer der Kassa. Wenn es um etwas anderes ginge
im Kapitalismus, würde er ja nicht so heißen.
HitlerJe
rasender Haider dem ständig gezogenen einfältigen Vergleich mit
Hitler durch trendiges Styling zu entfliehen sucht, desto ähnlicher
wird er ihm. Ganz einfach, weil auch jener die Speerspitze des brutalen
Kapitalismus gewesen ist. Uns erscheint die NSDAP von 1933 entsetzlich
gestrig. Aber sie war zu ihrer Zeit furchtbar modern, selbst die braunen
Maßuniformen waren todschick. Ich sage nicht: Haider imitiert Hitler;
ich sage sogar: Haider imitiert Hitler nicht, sondern: er schöpft
aus der gleichen Quelle wie jener. Hitler war der erste Politiker, der
seine Wahlkampfreisen mit dem Flugzeug unternahm und das natürlich
propagandistisch ausschlachtete. Übrigens bediente auch er sich hemmungslos
links und rechts, vor allem links: Der Arbeiterbewegung stahl er von der
roten Farbe ihrer Fahnen und Plakate angefangen über Melodien von
Arbeiterliedern und Losungen bis hin zur Organisation von Demonstrationszügen
und selbst zum 1. Mai alles mögliche, um die Arbeiterschaft zu betören.
Hitler: "Ich habe vom Marxismus viel gelernt. Ich gestehe das ohne weiteres
ein. Nicht etwa von dieser langweiligen Gesellschaftslehre und materialistischen
Geschichtsauffassung, von diesem absurden Zeug von 'Grenznutzenlehre' und
dergleichen. Aber von ihren Methoden habe ich gelernt. (... ) Der ganze
Nationalsozialismus steckt da drin. Sehen Sie nur genauer zu. Arbeiterturnvereine,
Betriebszellen, Massenaufmärsche, Propagandaschriften eigens für
das Verständnis der Masse verfaßt; alle diese neuen Mittel gehen
ja im wesentlichen auf die Marxisten zurück. Ich brauchte nur diese
Mittel zu übernehmen und zu entwickeln, und hatte im wesentlichen,
was uns nottat."
Es
ist wie bei einem Schwamm. Am meisten kann ein vollkommen leerer aufsaugen. Darum
griffen die Nazis auch so gierig nach den neuen Propagandatechniken.
Moderner als sie mit ihrem Einsatz der Fotografie, des Films, des Rundfunks
schienen, konnte man damals nicht scheinen. Bereits im Wahlkampf 1932 kamen
neben sozialistischen Wahlkampfformen vor allem am Warenmarkt erprobte
amerikanische Reklametechniken zur Anwendung. Mit ihren Zeitungssonderausgaben
in Riesenauflagen, Fotoserien, Werbefilmen und sogar Schallplatten mit
Hitlerreden waren sie die eifrigsten Propagandisten des kapitalistischen
Fortschritts. "Ich bin", erklärte A. Hitler 1942, "ich sage es ganz
offen, ein Narr der Technik. Immer ist der in der Vorhand, welcher mit
verblüffenderen technischen Neuerungen kommt." Angesichts des so mondänen
Silvio Berlusconi darf man sich auch daran erinnern, wie zeitgeistig die
italienischen Faschisten waren. Ihre geistigen Vorläufer, die Futuristen,
haben den kapitalistischen Fortschritt in Form von Bombenflugzeugen und
Kanonen geradezu angebetet.
Auch
den Haider haben die Verhältnisse, lange bevor er dazu hätte
kommen können, sie in seinem Sinne zu verändern, in ihrem Sinne
verändert. Er ist heute Prophet und Profiteur des Zeitgeistes in einem.
Jede Haider-Propaganda ist in der Form und im Inhalt eine Propaganda für
den kapitalistischen Fortschritt, der wie der Fortschritt einer Lawine
ist, die sich vorwärtswälzt. So ist er z.B. mit seinem ausgewiesenen
Wahlkampftermin "23.30 Discotour in Imst (open end)" Nachbeter und Vorbeter
des Trends zugleich. Wenn die Kärntner FPÖ einen sogenannten
dreitägigen "Erlebnisparteitag" (Zelte, Mozart, Jugend-Tenne, Haider-Gala)
abführt, ist schon sehr die Frage, ob die FPÖ diese "ganz nach
amerikanischem Muster organisierte Veranstaltung" (Standard, 14.10.89)
bringt
oder nicht vielmehr die FPÖ selber von dieser Veranstaltung gebracht
wird. Im Wahlkampf 1994 tourt Haider mit einer Riesenbühne durchs
Land, die ganz augenfällig den Studioaufbauten der großen Samstagabend-TV-Shows
nachgebastelt ist. Mit seinem Stargastgetue lehnt sich das Spektakel auch
inhaltlich so stark an das Vorbild an, daß die Kulisse wackelt. Als
käme Michael Jackson zu Thomas Gottschalk. "Der Entzückensschrei
des Moderators, der mit überschlagender Stimme um 'ungeteilte Aufmerksamkeit'
bittet, geht im Beifallsturm unter, als sich die Kulisse öffnet und
Jörg Haider die Stufen herabspringt."
(Kleine
Zeitung, 12.9.94) Wir
nehmen so stark Bezug auf den brillanten FPÖ-Wahlkampf von 1994, weil
der im Gegensatz zum kläglich zusammengeschusterten von 1995 erahnen
läßt, was uns im wieder bis ins letzte Detail vorgeplanten nächsten
erwarten wird.
Popstar
Die
Großveranstaltungen der FPÖ im Nationalratswahlkampf 1994 wurden
in Zeitungsinseraten und auf Plakaten unter dem Titel "Jörg Haider
- Tour 94" angepriesen, womit z.B. an Udo 70 oder Pink Floyd Tour 1990
angestreift werden sollte. Verteilt wurden dabei ein als Wahlprogramm getarnter
aufklappbarer Haider-Starfolder und ein Haider-Rap auf CD. Die einzige
Botschaft der Werbespots im Fernsehen, die auch bei den TourShows
auf einer Riesenleinwand eingespielt wurden, war: Welch eine Größe!
Welch ein Sieger! Da wird keine Zutat, mit der man sich im Schneideraum
so einen bauen kann, ausgelassen. Er fliegt den Leuten zu (mit dem Privatjet
und mit dem Hubschrauber) und die Leute fliegen ihm zu. Haider mit
Handy, Haider mit Rebook-Leiberl, Haider mit Designer-Sonnenbrille Ray
Ban. Die Clips inszenieren einen Starrummel um ihn, auf daß ihre
Ausstrahlung einen Starrummel um ihn auslöse. Wo er hinkommt, reißt
er die Arme in die Höhe wie ein Weltcupsieger, gibt Autogramme, wird
interviewt. Anknüpfend an den Haider-Kult von News & Co. macht
das FP-Kamerateam allein sein Eintreffen zu einer TV-Konfrontation zur
Star-Ankunft: Anflug im Jet, er wird geschminkt und gefönt, wird im
BMW zum Küniglberg gefahren, wo schon alles auf ihn wartet, Fans,
Händeschütteln, Begeisterung.
Nicht,
was er am Runden Tisch sagt, ist hier der Hit, sondern daß er, er
selbst,
dort hinkommt! Was für ein Star!
Griß
kann man selbermachen. Zum Beispiel, indem man zu einem kleinen Saal bewußt
mehr Leute hinkarrt, als darin Platz haben, wie bei der "Grundsatzerklärung"
Haiders im März 1995 in der Wiener Börse. Die Kameras, die den
Redner dort umschwirren, sind die der parteieigenen Werbeagentur, die für
ein Video aufzeichnet, auf dem dann die Kameras, die gerade nicht aufnehmen,
aufgenommen sind.
Der
Starkult, auf den wir alle getrimmt sind (von Pavarotti bis Marlon Brando,
von Claudia Schiffer bis Tomba) nützt Haider und Haider nützt
ihn. Wundert's, wenn Zuhörer, wie sie's gelernt haben, nach seiner
Rede "Zu-ga-be!" - "Zu-ga-be!" schreien? "Hitler", soll der Popstar Dawid
Bowie einmal gesagt haben, " war der erste Popstar". Der US-Historiker
A. Schlesinger meinte nach einem Gespräch mit Haider über diesen:
"Das soll ein Nazi sein? Der ist ein politischer Rockstar." (Wirtschaftswoche,
18.5.95) Und der Rockstar selber zitierte schon vor Jahren genüßlich
ein Zeitgeistmagazin, wonach er "längst nicht mehr von den alten Nazis
lebt, sondern zum Falco der österreichischen Innenpolitik geworden
ist" (Kleine Zeitung, 11. 1. 88).
Es
ist direkt erheiternd zu sehen, wie auch ein großer Teil der FPFunktionäre
nicht weiß, wie ihnen geschieht, wenn da abläuft, was da abläuft.
Wie hölzern etwa der Tiroler Obmann Lugger im wahrsten Sinne daneben
steht. Vielleicht
hilft der Vergleich mit der Schürzenjäger-Sekte. Auch sie wird
als Fanclub aufgezogen, wobei die Zugehörigkeit durch den Kauf von
Fanartikeln wie Kappen, T-Shirts, Dosenbier und das Beherrschen von Refrains
und Ritualen erworben wird. Von einem bestimmten Zeitpunkt an zieht jeder
zusätzliche Zuseher wieder zwei zusätzliche nach sich, von denen
dann wieder jeder zwei ... usw.Schneeballsystem.
Wenn soviele Leute sind, muß ich ja schauen, wie das ist, wenn soviele
Leute sind. Die Schürzenjäger selbst sind bis obenhin verkleidet,
jedem Signal ein Gegensignal aufsetzend: dem Trachtengilet eine Motorradfahrerlederhose,
dem Tiroler Adler die Pinkfärbung, der E-Gitarre ein mit Schellen
besetztes ledernes Gitarrenband, der mit fetten Ringen bestückten
Hand Kuhglocken in eben dieser, dem ans Gesicht montierten HI-Tech-Minimikro
drei Freundschaftsbänder am Arm, der Trachtenbluse eine Alternativstrickmütze,
dem Goldketterl am Arm drei lange Ethno-Haarzöpfln mit Perlenkügerln
dran, der Ziehharmonika im Arm einen Klumpen aus fünf, sechs Plastikuhren
am Handgelenk usw. usw. Ein Lockruf an jede nur denkbare Kleingruppe. Sie
haben, wenn sie auf den Markt gehen, jede Ware mit, die dort gefragt sein
könnte. Nach demselben Prinzip ist auch die Musik zusammengepappt
aus allem möglichen (von der Jazzmesse über den Hitparaden-Akkord
bis zur Fernsehvolksmusik), nur ganz bestimmt aus nichts eigenem. Wenn
Haider ein Popstar wäre, sänge er vielleicht: "Woher sonst soll
man es nehmen, als vom kleinen braven Mann? Und man braucht sich nicht
zu schämen, weil sich keiner wehren kann." Der Journalist Christian
Seiler meint dazu: "Das ist die Botschaft. Wir da unten gegen die da oben.
Die Schürzenjäger als Anwälte des kleinen Mannes, als Ankläger
der Bonzen, als Trostspender und Ratgeber, ..." (Profil, 21.8.95) -
Je
schlechter es den Menschen geht unter dem Kapitalismus, desto größer
das Geschäft, das mit ihnen zu machen ist, politisch wie kommerziell. Wie
Haider mit der Menge seiner z.T. mühselig zusammengetriebenen
Zuhörer prahlt und News mit der Riesenzahl seiner dutzendweise verschleuderten
Werbeseiten protzt, so brüsten sich die Schürzenjäger mit
den herbeigekarrten Kilotonnen ihrer technischen Ausrüstung: Die Länge
der verlegten Kabel ist so groß wie .... die Lichtanlage ist größer
als ..., wir haben eine Wattleistung von .... usw.
Die
Größe der vorgeführten Anlage dient in erster Linie der
Inszenierung der Größe der Schürzenjäger: Wir haben
einen so großen Aufwand wie die Stones, daher sind wir so gut wie
die Stones. Das
führt zu weit weg? Das führt ins Zentrum. Ist das zu weit? Es
ist der Kapitalismus, der nebenher
als Musikgruppe auftritt, so
wie er auch nebenher als Wochenmagazin oder als Partei auftritt.
Haider, News, die Schürzenjäger produzieren in erster Linie nicht
politische Konzepte, journalistische Artikel, Musik, sondern Eigenwerbung.
Die Ware, die sie auf den Markt bringen, ist ihr Name. Ein Spitzenprodukt.
Musik haben die Schürzenjäger höchstens im Beiprogramm.
Es ist nicht ihr Gesang, der die Menschen massenhaft anzieht, so wie es
bei News nicht die Berichterstattung und bei Haider nicht die Politik ist.
Schürzenjägerblech(dosen),
Haiderflaschen
Das
italienische Nachrichtenmagazin L’Europeo schreibt über Silvio
Berlusconis Wahlbewegung: "Füllfederhalter, Anstecknadeln, Schleifchen
und ein Anhängerkult wie bei einer Sekte: so entsteht Forza Italia."
(22.12.93)
FPÖ-Shop,
F-Club-Boutique, Shop '98 bzw. F-Shop, wie sich Haiders Fanartikel-Ausgabestelle
abwechselnd nennt, bietet neben der "'Jörg'-Tennis-Kollektion" mit
Polo-Tennishemd, T-Shirt, Tennishose, Tennissocken, 'Jörg'Tennisball,
'Jörg'-Schweißband-Set und 'Jörg'-Sporttasche u.a. 'Jörg'-Uhren,
blaugelbe Hosenträger, 'Jörg'-Schals, Sweater, Wand-Kalender
'Jörg' 1996 an und mit dem auf den für 1998 geplanten Karrieresprung
anspielenden Logo "'98" u.a. Wanduhren, Kugelschreiber, Taschenlampen,
Feuerzeuge, Flaschenöffner, Regenschirme weiß oder blau, Buttons,
Anstecknadeln, Badetücher, blaue Socken, blaue Parkas, entsprechend
etikettierten Rieslingwein, Sekt in blauen Flaschen und das Pils 98.
Wer
Quandini-Schuhe kauft, kauft sie wohl nicht seinen Füßen, und
wer sich eine Royal-Armbanduhr zulegt, will weniger etwas von ihr erfragen
als etwas mit ihr sagen. Haider, schwärmt ein bekannter Werbefritze,
"ist immer aktuell und modisch gekleidet. Er zeigt Konsumkultur, wenn man
seine Uhr betrachtet oder die Füllhalter, die er verwendet. Er hat
immer Spitzenrnarken, nie billiges Plastik bei der Hand."
(SN, 23.9.95)
Wie
Leistungsabzeichen, wie Kriegsorden an der Brust trägt er sie. Wenn
Haider mit großen Gesten Trends setzt, dann solche, die längst
gesetzt sind. Haider ist nur ein überlauter Widerhall. Wer, der im
Kopf gesund ist, würde den Widerhall anschnauzen? Dasselbe am Beispiel
News erklärt: Nicht die News-Truppe hat sich den Markt für News
geschaffen, sondern der Markt hat sich News geschaffen, und die News-Truppe
ist sein willfähriger Büttel. News selber ist glattes, weißes,
leeres Papier auf dem sich dann erst das, was rundum wuchert, abbildet.
Über Haider sagt ein früherer enger Mitarbeiter zum FÖHN:
"Er hat keine Eigenschaften. Das ist seine Stärke." Scheinbar sucht
Haider sich seine Accessoires aus. In Wahrheit haben sie sich ihn ausgesucht.
Er ist nur der, könnte man sagen, der im Hauptfeld ins Ziel radelt
und sich als Tagessieger abfeiert.
Was
wird er nicht noch alles!
Haider
ist richtig leicht auszurechnen. Er ist ja so billig gemacht! Er wird eine
Parteifahne einfuhren und eine Parteihymne und ein Parteimaskottchen. Er
wird in die Bandenwerbung in Sportstadien einsteigen, Dressenwerbung machen
und Haiderdosenbier auf den Markt bringen. Es ist keine Wundertüte,
aus der er zaubert, sondern die kapitalistische Schmähtüte,
die er bis zum Boden plündert. Er wird den rotweißroten Schal
einfuhren, einen Dr. Jörg Haider-Preis stiften und Telefonwertkarten
verschenken ("Jörg wählen!"). Er wird ein Freizeichen-Privatradio
machen, eine Mode-Kollektion vorlegen, ein Gewinnspiel mit einem blauen
Polo als Hauptpreis veranstalten. (Pardon. ich hör' grad, sowas hat
er schon. Beim Parteitag in Linz
gabs die "Verlosung eines blauen VW-Golf".) Einen Haider kann sich jedes
Kind daheim selber zusammenbauen. Er wird Lichtreklame machen und Werbung
auf Taxis und auf Leitplanken und ein gestyltes Fanclub-Magazin herausbringen.
Er wird ein Seefest machen und ein Schneefest, ein Landfest und ein Stadtfest,
er wird Autogrammstunden in Kaufhäusern geben und ein topdesigntes
Blaues Haus aufmachen (mit Multimedia, Polittalks, Shows, Beratung, Service,
Bürgerhilfe usw.). Er wird nichts machen, was es nicht schon gibt,
und nichts auslassen, was irgendwer irgendwo schon hat. Er wird der CDU
die Plakatslogans "Freiheit wählen!" und "Freiheit statt Sozialismus!"
fladern und sich von Josef Klaus (ÖVP) die Losung "Ein echter Österreicher!"
borgen. Es ist ja alles schon da, wie geschaffen für die FPÖ.
Er wird ein Künstlerfestival gründen, eine Beauty-Line "Jörg!"
über Bipa vertreiben lassen und eine Haider-Tennis-Trophy veranstalten.
(Halt. Wieder zu langsam gedacht. Es gibt in Kärnten bereits ein "Dr.Jörg
Haider-Tennisturnier"). Er wird ein Haider-TV machen a la Stern-TV oder
Spiegel-TV, einen Parteitag in den Swarovski-Kristall-Welten abführen
und einen Bildband mit 1000 bisher unveröffentlichten Fotos über
seine Star-Karriere in die Libro-Märkte bringen. Er wird sich noch
oft diebisch freuen, wenn er wieder irgendwo irgendeinen Schickimicki-Schnickschnack
derlangt. Er wird einen Künstler ein Snowboard gestalten lassen, einen
Song mit den Schürzenjägern aufnehmen und sich die Patronanz
über eine Exekutive-Abteilung zulegen. Er wird groß in Israel
Urlaub machen und Kronenzeitung-Ombudsmann werden, den bereits erprobten
Slogan "Wir Demokraten" zu "Wir sozialen Demokraten" ausbauen und den Aktivkarten-Besitzern
fünf und den Mitgliedskartenbesitzern zehn Prozent Rabatt bei Billa,
Merkur und Hartlauer bieten. Er wird dies und er wird das. Er wird kein
Auge zutun können, um nicht irgendeinen Gag, der irgendwo in Umlauf
ist, zu übersehen.
Haider
will das System stürzen?
Wenn
Sie irgendwo gelesen haben sollten, Haider wolle das System stürzen,
so muß es sich um einen Druckfehler handeln. Es ist schlimmer! Er
will es stützen. Sein
Programm ist, dort weiterzumachen, wo wir sind. Wer das, was jetzt ist,
grundsätzlich akzeptiert, wird sich schwertun, gegen einen zu argumentieren,
der es noch besser machen will. Er kann seine Politik mit so traumwandlerischer
Sicherheit vortragen, weil sie in allem die am Lineal gezogene Verlängerung
des schon Bestehenden ist. Daß er dabei natürlich nicht wackelt,
weil er dabei gar nicht wackeln kann, verschafft ihm diesen Eindruck von
Entschlossenheit und Stärke. Wer das als Faschismus deutet, der hat
sich zuviel von der kapitalistischen Demokratie erwartet. Es ist Kapitalismus!
Die Ansicht, Haider bringe den Faschismus, geht von falschen Grundlagen
aus. Die, deren Politik Vranitzky, Schüssel und Haider ausführen,
ersetzen nicht aus Jux und Tollerei diese wunderbare demokratisch-parlamentarische
Verhüllung ihrer Herrschaft durch Methoden des faschistischen Terrors.
Wer Faschismus als Hobby der Geldsäcke versteht, versteht einen
Dreck. Zu ihm greifen sie erst, wenn es unumgänglich ist, zu ihm zu
greifen. Das ist es derzeit in Österreich nicht. Der
Kapitalismus hat noch genug in ihm schlummernde Qualitäten. Und es
ist nur folgerichtig, sie zur Entfaltung zu bringen. Die ganze kapitalistische
Produktion steht unter gewaltigem Zwang zu Rationalisierungen. Eine richtige
kapitalistische Rationalisierung macht nicht eher halt, als sie nicht vor
der Wegrationalisierung der privaten Eigentümer der Produktionsbetriebe
steht. D.h. in der Politik, diesem Anhängsel der Wirtschaft, werden
ihre Methoden der Leistungssteigerung natürlich angewendet. Wer für
Kapitalismus ist, kann schwer was dagegen haben, daß ihn jemand besser
machen will. Auch wenn das heißt, ihn schlimmer zu machen. Es
riecht in Österreich ohnedies nach Reagan und Thatcher. Haider ist
keine Abweichung. Haider ist die Fortsetzung. Er kommt von keinem anderen
Stern. Funktionäre der Regierungsparteien, die sich von ihm distanzieren
wollen, gleichen der Mutter, die ihr Kind verleugnet. Das ist schon euer
eigener Balg! Eine Verwechslung auf der Geburtenstation ist völlig
ausgeschlossen. Die Freiheit, die Haider meint, ist die Freiheit fürs
Kapital. Er ist für mehr Kriminalbeamte, eingesetzt aber gegen Ladendiebstahl,
nicht gegen Lohnraub. (Wird bei Billa mehr aus dem Lohnsackl gestohlen
oder aus dem Regal?) Wenn wir uns schon so fürchten vor ihm, sollten
wir uns aus treffenderem Grunde fürchten vor ihm. Die beliebte Nazi-Diskussion
deckt zu, daß Haiders Rassismus der kapitalistische ist. Was zählt,
ist nicht der Arier-Nachweis, sondern der Leistungs-Nachweis. Im Umgang
mit Flüchtlingen zeigt sich, was die in der Marktwirtschaft wert sind,
die weder fürs Kapital arbeiten (wie Arbeiterinnen und Arbeiter),
noch Geld zum Konsumieren haben (wie Urlauberinnen und Urlauber). Haider
kommt nicht irgendwo weit neben dem Kapitalismus hervor, sondern aus seiner
Mitte heraus! Nicht nur Haiders Österreich, sondern jeder auf Unrecht
aufbauende Staat, muß insbesondere jene politischen Flüchtlinge
fürchten, die in ihrer Heimat gelernt haben, sich gegen Unrecht zur
Wehr zu setzen. Haider ist nicht die brutale Reaktion auf eine soziale
Erschütterung, sondern die brutale Vorbeugung gegen eine soziale Erschütterung. Wer
schon in der Schule bei Androhung des Sitzenbleibens die Ideologie verinnerlichen
muß, daß der Kapitalismus die höchste und beste und schönste
und gesündeste und gerechteste Gesellschaftsordnung sei, kann sich
die erlebten katastrophalen Auswirkungen nur als solche einer unvollkommenen
Verwirklichung des Kapitalismus vorstellen. Nichts leichter also für
Haider, als die Schurkerei des Kapitalismus als Schurkerei der Administration
auszugeben. Er kann versprechen, die uneingelösten Hoffnungen in dieses
System einzulösen, auch wenn es in diesem System uneinlösbare
sind. Ja, und wer selbst auf den Kapitalismus schwört (wie z.B. SPÖ,
ÖVP, LIF, Grüne), wird nicht genug Sätze wissen gegen den,
der ihn schlagkräftiger machen will. Haider
ist als nahezu neurotischer Verbesserer des Systems zu sehen, dem das,
was ist, nie gut genug ist. Sein Extremismus ist ein Extremismus der Mitte.
Innerhalb der bestehenden Ordnung kann dem nicht wirklich entgegengearbeitet
werden. Ein loderndes Feuer bekämpft man nicht mit anderen Feuern,
sondern mit Wasser. Was sogenannte Sozialdemokraten meinen, wenn sie von
"Migrationsdruck" reden, übersetzt er in die Alltagssprache: "Asylantenflut".
Er und die Kronenzeitung
sagen "Ausländerstopp", wo Profil
und
Petrovic "Steuerung der Zuwanderung" sagen.
Ihre
"Wirtschaftsflüchtlinge" heißen bei ihm "Scheinasylanten". Wo
Innenminister Einem und der Standard von "Ausländerquote" sprechen,
sprechen Haider und Staberl von "Österreich zuerst". Wo andere für
ihre Kunden "Rückführung" formulieren, formuliert er für
die seinigen "Abschiebung". (Es ist nicht einzusehen, weshalb Vranitzky-Wähler
oder Schüssel-Wähler nicht Haider wählen sollten, vielleicht
bloß wegen eines schiefen Zahnes.) Niemand
kann sagen, Haider bekämpfe das System. Er treibt es auf die Spitze.
Vom Tüchtigkeit-Terror der Kapitalfreiheitlichen ist im vorigen FÖHN
die Rede. Ein deutscher Regierungschef hat diesen einmal so begründet:
"Die Ansprüche des Volkes sind die Nahrung der Industrie. Das ist
die Voraussetzung des Lebens der Wirtschaft. Nehmen Sie ein Volk, das keinen
Anspruch hat, dann können Sie drei Viertel der ganzen Wirtschaft zusammenpacken."
Es müsse der Wirtschaft gelingen, erklärte er, "immer mehr Bedürfnisse
zu erzielen, und umgekehrt dem einzelnen klarzumachen, die Befriedigung
der Bedürfnisse erreichst du nur durch Arbeit, immer wieder durch
Arbeit". (1944)
In
dieser Leistungsgesellschaft muß alles spitze sein: die Produktion,
der Absatz, der Umsatz, die Qualität, der Gewinn usw. Bei den Scharfschützen
ist der am schärfsten Schießende der Beste, bei den Eisschnelläufern
der am schnellsten auf dem Eis Laufende usw. Weshalb sollte in der kapitalistischen
Politik nicht der kapitalistischste Politiker der beste sein?
Die
Argumentation gegen Haider ist so, als würde man in der Leichtathletik
sagen, wer am höchsten springt, ist der Beste, aber höher als
2,30 Meter gilt auch wieder nicht.
Haider
ist der Ziehsohn des recht
extremen Kapitalismus
Je
eindeutiger das große Geld herrscht, desto wichtiger ist diesem der
Eindruck, es herrschten die Politiker: "Clinton bleibt hart", "Vranitzky
setzt Wohnbauprogramm durch", "Jelzin stärkt den Rubel" usw. Dieser
uns tagtäglich um die Ohren klatschende Unsinn ist Ausfluß und
gleich wieder Grundlage des Demokratietheaters, dem wir ausgesetzt sind.
Haider spielt auch diese Scheindemokratie am besten. Wenn Klima und Hums
die Mächtigen sind, dann ist er ja der, der sich ganz rabiat mit den
Mächtigen anlegt. Daß er mäuschenstill ist gegenüber
dem Zinsdiktat der Bank Austria, dem Abnahmepreisdiktat der Milchgenossenschaft
oder dem Lohndiktat der Kika-Kette, spielt dann keine Rolle. Das ganze
Haider-Theater funktioniert ja nur, weil so ein Zirkus gemacht werden muß
um das Wählen, und weil das Parlament, das ohne Einfluß ist
auf die Wohnungsmietpreise, auf den Eckzinssatz oder auf die Schandlöhne
in der Hotelküche, so hinaufgejubelt wird. Haider
kommt nicht trotz Wahlen auf, sondern dank Wahlen! Je mehr solche Wahlen,
desto besser für ihn. Von den Wahl-Angeboten präsentiert er sich
am besten. Wer für's Wählen eintritt in der kapitalistischen
Demokratie, wird so einen als Sieger haben. Wo
von Anfang an alles falsch ist, da ist er in seinem Element. Diese Demokratie
ist keine Demokratie. Und wenn sie jetzt einer gerissener und genialer
zu nutzen weiß als alle anderen, so geschieht ihnen recht. Seine
Anleihen bei den Wahl-Schmähs in den USA bieten in konsequenter Weiterentwicklung
noch mehr Demokratie-Show für noch weniger Demokratie, z.B. mit sogenannten
Wahlkonventen. Quereinsteiger ermöglichen, daß jeder Parteisitz
verkauft werden kann. Präsident Bush z.B. hatte von 60 Jobs im Außenministerium
47 an Personen zu vergeben, die sich nur durch die Finanzierung seines
Wahlkampfes qualifiziert hatten. Wenn das eine Demokratie ist, dann ist
Haider ihr Vollender. Dann ist Haider der demokratischste Politiker, d.h.
der ihrer perfektesten Handhabung. Wer anerkennt, daß die Menge der
Geldscheine, die ein Mensch besitzt, seine Stellung in dieser Gesellschaft
bestimmt, dem steht große Entrüstung im Gesicht wegen Haiders
Systemverbesserungen nicht sehr gut. Ein kapitalistisches Management ist
desto besser, je weniger Krankenstände und je mehr unbezahlte Hausfrauen
es produziert, je weniger Pensionisten und je mehr Lehrlinge, je geringere
Sozialausgaben und je größere Gewinnspannen, je niedrigere Lohnkosten
und je höhere Investitionsfreibeträge, je weniger Arbeitsinspektionen
und je mehr Wochenstunden usw. Haider ist keine Entgleisung. Die Schienen
führen genau in diese Richtung.
Wählen
im Kapitalismus heißt den Kapitalistischsten wählen.
Alles
andere wäre ja paradox. Nur in einer Demokratie hieße es, den
Demokratischsten wählen! Viele
sagen, Haider will dieses Staatswesen vernichten, unter dem Vorwand, es
zu retten. Ich sage, er will es retten, unter dem Vorwand es zu vernichten.
Was
zu tun ist und was nicht zu tun
ist
Haider
erschießen.
Das ist zuviel verlangt? Das ist, wenn schon, zuwenig verlangt. Man müßte
dann schon auch Vranitzky und Schüssel und Petrovic und Schmidt und
Klima und Ditz ... und vor allem Maculan und Meinl und Schwarzenberg und
und und. Der Schuß, der Haider genau trifft, verfehlt sein Ziel meterweit.
Nicht er und nicht Vranitzky oder sonstwer müssen dringend zur Strecke
gebracht werden, sondern die Verhältnisse, für die sie stehen.
Das ist schwieriger. Haider verdeutlicht nur die Entwicklung. Er macht
sie sichtbar. Ihn umlegen wäre, als risse man den Zeiger von der Uhr,
weil sie anzeigt: Es ist spät!
Einen
linken Haider basteln. Der
könnte sich der weit besseren Argumente bedienen als der rechte Haider.
Er bräuchte nicht irgendeinen armen Teufel aus Sri Lanka als Sozialschmarotzer
ausgeben, sondern könnte zum Thema z.B. die fünfhundert größten
Unternehmen aus dem Trend vorlesen. Er könnte von Marktplatz zu Marktplatz
ziehen und mit der Geißelung der wildesten Steuerhinterziehungstricks
der Kapitalisten wahre Begeisterungsstürme auslösen. Er könnte
dort Wohnungshaie wie den Haider-Freund Plech zur Sau machen und die kräftige
Anhebung der Löhne und den Nulltarif auf allen öffentlichen Linien
einfordern. Er hätte es viel leichter als Haider. Viel schwerer! Er,
der den Mächtigen wirklich gefährlich erschiene, hätte die
ganze Unterstützung der Medien, die Haider hat, nicht. Seine Methoden
sind nur bei ihm möglich, weil er ein Produkt des Systems ist und
mit den Forderungen von dessen Nutznießern übereinstimmt. je
mehr umgekehrte Gags a la Haider einem einfallen, desto klarer wird, daß
das Spekulieren mit einem genau umgekehrten Haider vollkommen falsch ist.
Eine Politik gegen die bestehenden Verhältnisse kann nicht daherkommen
wie ein Reklamefeldzug für diese Verhältnisse. Was bei einem
Projekt Anti-Haider herauskommt, ist, wie man gesehen hat, ein Schüssel.
Vor alldem ist aber die totale Ausrichtung auf eine Person undemokratisch.
Die Ausrichtung auf einen Anti-Haider ist selbst ganz und gar haiderisch
(petrovicisch, vranitzkysch, schmidtisch). Die kapitalistischen Medien
betreiben die Vergötzung des einzelnen und hintertreiben damit die
notwendige Zusammenführung der Menschen. So fängt man keine Demokratie
an. Man stürzt die herrschenden Zustände nicht, indem man sich
ihnen anpaßt.
In
die FPÖ hineingehen. Wenn
fünfzig entschlossene Leute oder auch nur zwanzig auf einen Schlag
z.B. der Tiroler FPÖ beitreten, können sie diese umdrehen. Die
können, wenn sie geschickt sind, den ganzen Apparat handstreichartig
übernehmen. Könnten plötzlich richtige Aussendungen machen,
richtige Kandidatinnen und
Kandidaten aufstellen, einen richtigen Wahlkampf machen und dem
Haider z.B. via Pressedienst der Partei täglich Konter geben. Welch
lustvolle Vorstellung, in die FPÖ hineinzugehen und ihnen mit der
Partei abzubauen! - Aber- Wieder falsch! Was bestenfalls herauskommen könnte,
wäre so etwas wie die Grünen. Wie schlimm! Wie gut zu wissen:
Aus diesem System heraus wächst nichts gegen dieses System.
Was
sonst noch alles gegen Haider nicht zu tun ist, darüber steht
genügend im letzten Heft. Wenn wir meinen, es ginge um Haider, haben
wir uns, ob Haiderwähler oder Nichthaiderwähler, hoffnungslos
verheddert. Dann sind wir blind den ausgelegten
Profil-Aufmachern
nachgerannt. Unser Problem sind sowenig die kackfarbenen Haiderplakate
im Land wie die Lösung deren Anschmieren ist. Das ist, als wäre
an einer verheerenden Mure vor allem der Lärm, den sie macht, das
Problem, und wir begegneten diesem, indem wir aus Leibeskräften dagegen
anschrien. Haiders nützliche Narren meinen, je größer sie
ihn als Rechtsextremen aufblasen, desto größer stünden
sie dann selber als Linke da. Kündigen sie mit ihren Motto "Haider
kommt. Wir kommen auch!" nicht geradewegs den gemeinsamen gleichzeitigen
Orgasmus an?
Vorschlag,
einmal einen Standpunkt einzunehmen, von wo aus man ein bißchen weiter
sieht
Wie
lächerlich ist, z.B. vom mexikanischen Matehuala aus gesehen, das
Aufjaulen in Österreich, wenn Haider dem Innenminister vorwirft, einen
neuen fetten Dienstwagen zu fahren. Ob wir uns über den neuen fetten
Dienstwagen entrüsten oder über die Lüge vom neuen fetten
Dienstwagen, wir entrüsten uns zuunrecht. Wie versnobt müssen
wir der Textilfärberin im chinesischen Tsining scheinen, zwischen
einem Lackaffen mit Mascherl und einer Lackäffin mit Perlenkette hin-
und hergerissen zu sein. Wie total pervers, uns an Meischbergers Fackereien
und nicht z.B. an denen von Union Carbide in Indien und anderswo zu orientieren.
Für wie verrückt müssen uns die unter der (auch von Österreich
unterstützten) Politik der Türkei leidenden Kurden halten, daß
wir uns hier auf angebliche Unterschiede zwischen SPÖ, ÖVP, FPÖ,
LIF, Grünen, KPÖ, und VGÖ spezialisiert haben! Angesichts
von Milliarden unter Hunger gesetzten Menschen weltweit, ist das, was wir
hier treiben, eine Diskussion über die Farbe des Fenstersimses an
einem Gebäude, das von Grund auf falsch ist. Welch groteske Verirrung
in Anbetracht dessen, was an einem halben Tag an der Börse zu New
York mit hunderttausenden Lohnarbeitern passiert, uns über die schusselige
Wortschöpfung von der "Dritten Republik" zu mokieren! Oder Haider-Plakate
nachzubessern, während begonnen worden ist, im Labor Lebewesen umzubauen!
Solche hoffnungslos sich verlaufende Menschen sollen politisch klug sein?
Nein. Von
einem Standpunkt mit etwas mehr Übersicht aus betrachtet sind Vranitzky,
Haider & Co. gar nicht vorhanden. Vorhanden ist der Kapitalismus, der
weltweit (wie ein Krieg) wütet. Auch in Österreich.
Die
Strategie gegen Haider
Wem
nicht schaudert vor dem, was ist, sondern erst vor dem, was wird, wird
auch das nicht verhindern können. Die herrschende Ordnung in Österreich
wird nicht, sondern ist ein Verbrechen am Großteil der eigenen
Bevölkerung und ist eines an Milliarden Menschen in den Hungerländern,
die im Wirtschaftsteil der Zeitung Zulieferländer heißen. Daß
den Millionen Verbrechensopfern in Österreich durch die Ausplünderung
der Völker Asiens, Afrikas, Südamerikas und halb Europas ein
Stückchen Wiedergutmachung zuteil wird, macht die Sache hier nicht
besser, sondern schlimmer. Dazu später. Die Anti-Haider-Schaukämpfer
wollen, daß es so bleibt, wie es ist. Wir wollen, daß es anders
wird. Die sich nach der Mode der Siebziger als Linke bezeichnet haben,
kämpfen nicht mehr für eine Veränderung, sondern für
eine Nichtveränderung. Sie wollen nicht sehen, daß Haider gerade
die Fortsetzung der Nichtveränderung ist. Wenn
man schon Haider vernichten will, dann muß man es mit Putz und Stingel
tun, das heißt, ihn mitsamt der Wurzel ausreißen. Und dabei
wird der Vranitzky mitgehen. Gegen Haider allein gibt es keine sinnvolle
Strategie, nur gegen das ganze. Wer am lodernden Brandfeuer nur den blauen
Rauch bekämpfen will, ist nicht ein besonders genau Denkender, sondern,
bitte, ein Trottel. Erstens also gibt es kein Mittel bloß gegen Haider.
Zweitens was wäre getan, wenn es eines gäbe. Was sich an Haider
aufrichtet, ist nicht die Linke. Eine Linke muß sich an den Verhältnissen,
für die Vranitzky, Schüssel, Haider, Pilz, Verzetnitsch ... stehen,
aufrichten. Haider
und die anderen, die mit dem Kapitalismus zuschlagen, sind mit dem Kapitalismus
nicht zu schlagen. Punkt.
Nur mit
dem Gegenteil. Rufezeichen.
Kapitalismus Der
Auch
ich würde lieber etwas Gemütlicheres sagen - von der Art: "Wir
müssen den Druck auf Vranitzky steigern", "Wir müssen die Reformkräfte
innerhalb dieser oder jener Partei stärken" aber es wäre verbrecherisch.
Wer möchte, daß ihm jetzt recht gegeben wird, wird vorschlagen,
man müsse "Österreich erneuern" und "ökologisieren" und
"liberalisieren" und weiß der Teufel oder die Werbeagentur was. Wer
aber vor der Geschichte und vor der Mehrheit der Menschen dieser Erde das
Richtige tun will, kann nur sagen: Der Kapitalismus muß gestürzt
werden. Natürlich wird das eine entsetzliche Arbeit. Aber der Umsturz
dieser Verhältnisse
wird nicht annähernd soviele Opfer fordern wie diese Verhältnisse.
Dieses auf Raub bauende System muß zerschlagen werden, nicht
weil es immer wieder solche wie Haider hervorbringt, sondern weil es menschenfeindlich
ist! Umgekehrt: Weil es von Grund auf menschenfeindlich ist, bringt es
immer wieder solche wie Haider und Schlimmere hervor. Demokrat
sein wollen, und das Privateigentum z.B. an Fabriken, Banken, Grundbesitz
nicht abschaffen wollen, geht nicht zusammen. Die, die so blindwütig
Haider bekämpfen, sind für jene Veränderung, die ihn unmöglich
macht, wohl nicht zu haben. Wieviel Besseres könnte man mit den Kräften,
die gegen ihn verjubelt werden, anfangen! Jaja, schonschon, sagen sie.
Aber,
sagen sie, das geht nie, sagen sie, die Kapitalisten enteignen, sagen sie.
Womit
sie dem, was zu tun ist, bei sich schon einmal nach Kräf7ten vorgebeugt
haben. Viele schauen sich das, was passiert, ErsteReihe-fußfrei
an. Wir haben viel mehr Zuschauer
als Handelnde. Du meinst, das zeichne ein gutes Stück aus? Das ist
ja gerade das verhängnisvolle Mißverständnis, daß
es sich um ein Stück handle. Es ist unser Leben! Solange wir das nicht
kapieren, wird uns mitgespielt. Der
ganze Kapitalismus steht komplett gegen die menschliche Vernunft. Es ist
ganz und gar unhaltbar, daß auf dieser Erde einem Teil von Menschen
das g e h ö r t, was für alle wichtig ist, daß z.B. Weizenfelder
und Obstplantagen, Ölfelder und Industrieanlagen nicht einfach hier
sind, für alle!, sondern unter der Verfügungsgewalt e i n z e
1 n e r stehen, gesetzlich, gerichtlich, staatlich, polizeilich und militärisch
abgesichert! Der Kapitalismus ist, man denke nur an die Lohnarbeit vieler
für wenige, durch und durch irrational und damit, nebenbei gesagt,
der beste Boden für jedwede religiöse und politische Heilsbotschaft.
Eine
Kuh gibt Milch? Welche Lüge! Sie
wird ihr genommen!
Der
Kapitalismus ist unter unserem Niveau. Es ist mit unserem Gewissen unvereinbar,
daß es so bleibt. Es ist mit unseren Ansprüchen an das Leben
unvereinbar, daß es so bleibt. Wenn wir uns wünschen, daß
an der Spitze der Nationalbank ausgemistet wird, hat man uns schon sehr
kleingekriegt. Wo sind wir denn hingeraten, wenn wir uns fanatisieren dafür,
daß der Vranitzky den Baufirmen Milliardenaufträge zuschanzt
und nicht der Schüssel? Auf die drübere Seite, von wo aus wir
schneidig gegen uns selber kämpfen. Wir sind abgerichtet. Wir sind
ja zufrieden wie an die Kette gelegte Kühe, die zweimal täglich
trockenes Heu vorgesetzt bekommen. Und kommt einmal eine Handvoll Leistungsfutter
dazu, schmatzen wir schon. Was ist in unseren Köpfen passiert, daß
wir so gar nicht mehr an uns selber denken. Millionen von unterdrückten
Menschen scheint es zu genügen, ein auch noch selbstgekauftes T-Shirt
zu tragen, auf dem BOSS steht. Welch vorbereitete Ernte für Haider
& Co.! Gegen den Schutt, der uns ins Hirn gekippt worden ist, ist die
ganze Umweltverschmutzung ein Dreck. Der
Großteil der Österreicherinnen und Österreicher lebt lohnberaubt
von den Reichen der Welt, und alle (vom Banker bis zur Mindestrentnerin)
leben subventioniert von den Armen der Welt. Dein Hemd ist Diebsgut aus
einem ausgeraubten Land. Wir, die große Masse der Menschen in diesem
Land, sind keine Räuber, aber Nutznießer der Räuber. Warum
wir z.B. in der EU noch keine unüberwindbare kapitalistische Krise
haben? Weil sie Stück für Stück exportiert wird. "Wir" exportieren
von hier die Arbeitslosigkeit, die Kinderarbeit, die giftigste, schmutzigste
und schwerste Arbeit, den Müll, den Krieg usw. und importieren Privilegien
für alle etwa in der Form von T-Shirts um 29 oder auch 79 Schilling.
Ein Teil der Rechte, die auch die Unterdrücktesten in Österreich
haben, kommt nicht daher, wo sie herkommen sollen, aus Österreich,
sondern aus Rumänien, aus Singapur, aus Kolumbien usw. Der billige
Urlaub kommt nicht von unseren hohen Löhnen, sondern von den niedrigen
in der Türkei. Der Faschismus, der in den industriellen Zentren schon
lange vor der Türe steht, wird dort so lange nicht stattfinden, wie
die Unzufriedenheit ihrer Massen zu einem genügend großen Teil
exportiert - und billiges Konsumglück importiert - werden kann. Vom
Kaffee am Morgen an (Mexiko), was sag' ich, von der Kaffeetasse an (Ungarn),
ach, schon von der Unterhose an (Pakistan), nein, vom Wecker an (Taiwan)
handelt es sich um Plünderware aus der sogenannten erst Dritten Welt.
Schlimm, daß wir auf Kosten der Sklaven des internationalen Kapitals
dort leben. Schlimmer, daß wir hier mit niedrigen Löhnen abzuspeisen
sind und hohe Wohnungsmieten hinnehmen, weil wir das zum Teil mit den billigen
Waren der multinationalen Hehlerbanden wettmachen können. Die Schmeichelei
der Politiker von den "fleißigen und tüchtigen Österreichern,
die durch ihre Arbeit Wohlstand geschaffen haben", ist so wahr wie gelogen.
ja, sie sind fleißig und tüchtig.
Nein,
daraus stammt ihr bißchen materieller Wohlstand nicht. Bevor
wir den Kapitalismus in Österreich vernichten, könnte man sagen,
müssen wir doch danach trachten, daß es allen Menschen auf dieser
Erde wenigstens so gut geht wie den Menschen in Österreich. Aber,
wäre zu antworten, wenn es auch nur einem Teil der Menschen in den
Hungerländern einmal so gut geht wie den Menschen in Österreich,
geht es den Menschen in Österreich nicht mehr so gut. Das heißt,
wir müssen uns unsere Ansprüche dort sichern, wo wir sie schaffen:
in Österreich. Und das heißt, das wir mit dem kapitalistischen
Regime hier ums Eck müssen.
Wie?
Wie geht
das? Da die kapitalistische Unordnung nicht von selbst in sich zusammenkracht,
so sehr sie auch schon krachen mag, und da ihre Abschaffung nicht vom Himmel
fällt, von dem schon gar nicht, ist es an uns, zu überlegen,
wie wir mit unseren Händen in das da hineinkommen, was vor unseren
Augen abläuft. Um die Diktatur
des Geldes zu brechen, ist es unerläßlich, zu wissen, wie sie
funktioniert. Und wie wir selber in sie eingespannt sind. Wir stehen ihr
vielleicht mit unseren Wünschen gegenüber, unser wirkliches Leben
(Schule, Arbeit, Einkauf, Freizeit, Wohnen, Medien usw.) findet aber unfreiwillig
auf ihrer Seite statt. Mit jedem Griff, den wir tun, zum Autoschlüssel,
zum Radio, zum Schraubenzieher, zum Bierglas, zum Klopapier oder zum Wahlzettel,
stärken wir den Feind, den wir schlagen müssen. Dieser
Feind ist so schwer zu erkennen, weil er nicht von außen unser Land
überfällt, sondern der ist, in dessen Armee wir selber stehen.
Wenn wir von der angsteinflößenden Truppenstärke dieses
Feindes, den wir niederzuwerfen haben, uns selber abziehen, bleibt jedoch
wenig über, wovor wir uns fürchten müßten.
Freilich
verfügt diese mehr papierene Macht über eine höchst wirkungsvolle,
ganz weit vorgeschobene Position - in unseren Köpfen! Bevor wir diesen
Vorposten nicht hinausschmeißen aus unserem Entscheidungszentrum,
kann es nicht das unsere sein. Bis
dahin wird das, was unsere Augen sehen, nicht das sein, was ist, wird mit
unserem Mund jemand anderer sprechen als wir, werden unsere Hände
etwas anderes tun als richtig. Wir selbst sind es, die diesen Vorposten
in uns auf das Bereitwilligste versorgen. Es ist einmal so, daß nichts
so wirksam den klaren Blick auf das Ganze trübt, wie Empörung
über dies und das.
Weil das
die Herrschenden vor uns erkannt haben, verabreichen sie uns über
ihre Medien wohlfeile Empörung bis zum Schlechtwerden. Kein Mensch
weiß mehr wohin mit diesen ausschnittweisen Ungeheuerlichkeiten eines
Straßenbau-Skandals da und eines Abfertigungs-Skandals dort, weiß,
wo er den neuen Müll-Skandal und den neuen Haider-Skandal und den
neuen Firmenpleiten-Skandal und den neuen Fleisch-Skandal und den neuen
Milch-Skandal und den neuen Banken-Skandal und den neuen AK-Skandal und
den neuen Umwelt-Skandal und den neuen Spenden-Skandal und den neuen Budget-Skandal
und den neuen WohnbauSkandal noch hintun soll. Wir meinen ja, mit
den Skandalen, die die Medien "aufdecken", seien wir schon dicht an einer
Veränderung dran. Aber diese Empörung ist nicht der erste
Schritt zur Veränderung, sondern der sichere Abstandhalter dazu! Niemand
kann sich so schön empören wie Profil-Leser. Niemand ist weiter
davon entfernt, diese empörende Gesellschaftsordnung umzuschmeißen.
Die Aufgabe der Medien ist es ja gerade, die Zusammenhänge, die bestehen,
zu zerreißen. Dann können sie an einzelnen Ungeheuerlichkeiten
bringen, was und wieviel sie wollen. Derzeit ist die verabreichte Empörung
über einen aus allen Zusammenhängen herausgelösten Haider
ihr stärkster Trumpf. Die auf ihn fixierte Kamera und der auf ihn eingeschränkte BlattAufmacher können ihn freilich unmöglich entlarven. Hier wird dank Bildfüllung nicht mehr von ihm gezeigt, sondern weniger. Die Ware, die die Massenmedien, schön eingepackt, politisch und kommerziell erfolgreich verkaufen, ist Nichtwissen. Wer noch etwas weiß, wird mit Standard, Kurier, Profil, News usw. zum total informierten Nichtwisser. Die Medien schieben sich voluminös zwischen uns und die unhaltbaren Zustände. Das ist ihre Aufgabe in diesem System. Solange sie die bestehende Mißordnung so elegant schützen, können Polizei und Bundesheer in den Kasernen belassen werden. (Mehr dazu steht in FÖHN 17 "Drucken wie gelogen".) Eine
Demokratie, die eine ist, und kapitalistische Presse schließen einander
radikal aus. Derzeit schließt eben noch die kapitalistische Presse
eine Demokratie, die eine wäre, radikal aus. Wer Profil und Co. auf
seiner Seite sieht und z.B. die von Profil & Co. geprügelten
Haiderwähler auf der anderen, hat doppelt unrecht. Wenn wir schon
bei den Störmanövern sind, die uns vom anstehenden Kampf gezielt
auf Nebenfronten ablenken sollen, ist z.B. auch daran zu denken, was etwa
der Greenpeace-Weltkonzern mit uns aufführt oder der vom britischen
Königin-Gemahl präsidierte . Welche Flausen vielen von uns da
wieder von ganz oben in den Kopf gesetzt werden! Ach, wie nah viele der
gutmeinenden Umweltaktivisten (an der Basis dieser Unternehmen) an dem
dran sind, was zu tun ist! Ach, wie weit weg! Es sei hier das Sandkastenspiel
gestattet, diese einsatzfreudigen Kampftruppen dorthin zu verlegen, wo
sie hingehörten. Man stelle sich vor, der würde sich wie für
die Einsetzung von Bären für die Einsetzung von Betriebsräten
engagieren, die Tierbefreier würden polnische Bausklaven bei
der Firma Stuag aus einem Wohn-Container befreien und Greenpeace würde
statt den schmutzigen Abfluß eines Industriebetriebes dessen schmutzigen
Geldfluß an den Landeshauptmann W. abdrehen. Die Kampfgruppe Vier
Pfoten würde nicht nur bei den Hühnern, die für eine
große Firma Eier legen, auf artgerechte Haltung schauen, sondern
auch bei denen, die für eine große Firma Teppiche legen. Die
Idealisten von Rettet den Wald könnten statt den Freikauf einer
Fluß-Au den der rumänischen Abspüler aus den Tiroler Hotelküchen
organisieren, die Weltverbesserer von der Initiative Stopp Tierversuche! könnten
gegen die Menschenversuche in unseren Kliniken einschreiten, und die Draufgänger
von Global 2000 könnten statt Straßen-Umfahrungen genausogut
Steuer-Umgehungen blockieren. Es soll hier nicht behauptet werden, daß
solche eingreifenden Aktionsgruppen ein Ansatz zur erforderlichen Ausschaltung
des Kapitalismus seien - und auch nicht, daß sie keiner seien.
Etwa
wenn eine schneidige Kampfeinheit statt eines brutalen Tiertransports mit
Schlachtvieh aus Deutschland nach Italien einen brutalen Kurdentransport
mit "Schlachtvieh" von Deutschland in die Türkei stoppen würde,
oder statt militant gegen den Walfang irgendwo militant gegen den Wahlfang
hier vorgehen würde, oder statt einer Kampagne gegen das Tragen von
Zuchtpelzen aus "unmenschlicher" Fabrikation eine gegen das Tragen von
Humanic-Schuhen aus unmenschlicher Fabrikation ('Lieber ginge ich nackt,
als ...") starten würde, oder statt sich an einen Baum anzuketten
und auf einen Schornstein zu klettern ...
Nebenbei
gesagt: Daß sich die Haiderwähler von Greenpeace & Co. kaum
beeindrucken lassen, spricht schon sehr für sie. So billig ist
ihre Wut nicht zu haben.
So
ausführlich über den Horror des real existierenden Kapitalismus
zu reden und über die enormen Schwierigkeiten, die seiner Überwindung
entgegenstehen, mündet schnurstracks in lähmender Frustration,
wenn die Möglichkeiten zu seiner Beseitigung nicht auch
erkannt
werden. Wo
sind nun die Leute, die diese "Diktatur des Geldes" (CosmosWerbung)
zu
Fall bringen können? Wo ist ihr Antrieb zur Änderung? Wo ist
gar der Plan zur Revolution? Der Reihe nach.
Lob
der Haiderwähler
Wahlen
in der kapitalistischen Demokratie haben auch den Zweck, die Bevölkerung
gezielt, immer wieder, an der falschen Stelle zu spalten. In Wahrheit gehören
95 Prozent der Haiderwähler und 95 Prozent der Vranitzkywähler,
ja überhaupt 95 Prozent der Wähler und 95 Prozent der Nichtwähler
zusammen. Sie haben miteinander mehr zu tun als mit irgendeinem Parteichef.
Daß sie's nicht wissen, ist schlecht, ändert aber nichts an
dieser Tatsache.
Schlecht
ist, daß er mit ihnen abpaschen will. Die
Haiderwähler sind sehr interessant. Haider selber ist vollkommen uninteressant.
Nichts liegt mir ferner, als ihm am Zeug zu flicken. Ganze Batterien von
Journalisten und Wissenschaftern reden pausenlos auf ihn ein und versuchen,
ihn umzustimmen. Er habe einmal das gesagt und sage jetzt jenes, tragen
sie ihm ganze Buchstapel voller Zitate nach. Ob er das eine nicht zurücknehmen
wolle und endlich das andere von sich geben? Als ob man Haider vor sich
selber erschaudern machen und bekehren könnte - oder auch nur sollte!
Die uns von diesen Haider-Kritikern aufgenötigte Frage "Was tun gegen
Haider?" verdient als Antwort die Frage "Was tun mit den Haiderwählern?" Haider
ist soetwas von wurscht. Der Aufwand, der hier am falschen Ort getrieben
wird, kann unmöglich Zufall sein. Als ginge es darum, das Kreuz einen
Zentimeter ober der FPÖ oder einen Zentimeter unter der FPÖ -
und nicht etwa über die Lebensverhältnisse selbst! - zu machen.
Mit soviel Blindheit kann doch z.B. ein ganzes Dokumentationsarchiv des
Österreichischen Widerstandes prallvoll mit Wissenschaftern gar nicht
geschlagen sein. Diese Haider-Entrüster sind für eine Politik,
die den Kapitalismus wegputzt, wohl viel weniger zu haben als die Haiderwähler.
Wie rückwärtsgedreht diese ganz auf den einen Haider, statt auf
die Massen von Haiderwählern fixierten Meinungsmacher sind, zeigen
sie auf das Dümmste mit ihrer oftmaligen Gleichsetzung Haiders mit
Hitler. Mit welcher Perspektive sollte denn so eine Anschauung verknüpft
sein, frage ich, wenn nicht mit der der Schicksalhaftigkeit, der Opferrolle
und der Flucht?
Selbst
dann, wenn die Haiderwähler selber Reaktionäre wären, läge
nichts näher, als um sie zu kämpfen, und nichts ferner, als sie
aufzugeben. Denn die "feindlichen Truppen" sind, wie der erfolgreiche chinesische
Heerführer Mao Tse-Tung sagt, "nicht nur unsere Hauptquelle von Waffen
und Munition, sondern auch eine wichtige Quelle unseres Soldatenbestands".
Darum muß auch noch derjenige Haiders breite Anhängerschaft
positiv sehen, der sie als Bataillon des Feindes betrachtet: Die Armee
unserer Gegner ist so groß! So viele Kämpfer können wir
für unsere Sache gewinnen! Dabei
ist es aber schon so, daß die Haiderwähler in der überwiegenden
Zahl unsere Leute sind. Auch wenn sie's nicht wissen! Auch wenn wir's nicht
wissen! Wer diese Leute wegwirft, wirft seine eigene bessere Zukunft weg.
In ihren Köpfen ist mehr los als in den Köpfen der meisten Vranitzky-
oder Schüssel-Wähler! Daß ihr Leiden nirgendwo hinfindet
als zu solchen wie Haider, ist mehr uns vorzuwerfen als ihnen. Wir müssen
sie abholen gehen dorthin, wo sie recht haben. (Und das haben sie wahrscheinlich
in 80 Prozent der Sachen.) Dort müssen wir sie treffen (nicht im Sinne
von abschießen, sondern von in Empfang nehmen). Kritik an Haider
ficht sie nicht an. Kein Lächerlichmachen, kein Niederschreien, keine
Auflistung seiner Sager. Die Haiderwähler sind in erster Linie nicht
von Haider aufgeschaukelt, sondern von den Verhältnissen. Sie haben
alles Recht der Welt, unverhohlen unzufrieden zu sein. Nicht sie sind,
wie man uns weismachen will, das Problem, sondern die Zustände. Auch
die Schuhe werden für gewöhnlich den Füßen angepaßt,
und nur im Märchen vom Aschenbrödel ist es umgekehrt.
Von
ihrer Lebenssituation her ist der überwiegende Teil der Haiderwähler
wie geschaffen dafür, die herrschenden Verhältnisse umzustoßen.
Keinen einzigen dürfen wir verachten. Zum Entsetzen der BSAler-Söhnchen
und -Töchterchen (BSA = "Bund Sozialistischer Akademiker"), denen
die Journalisten den Arsch lecken, wenn sie auf die Haiderwähler pfeifen,
sei es gesagt: auch die Bullen nicht, die Haider wählen. Mehr noch.
Wo - vielleicht am Rande einer Haider-Kundgebung - Bürgerkinder und
Polizisten aneinandergeraten, haben wir es, wie der kommunistische italienische
Filmemacher und Schriftsteller P.P. Pasolini gesagt hat, eher mit den letzteren
zu halten, "weil die Polizisten Söhne von armen Leuten sind". Ihnen
steht es besser an, so unwissend, so verhetzt sie vielleicht sein mögen,
den Sturz aller Herren zu wollen. So
wenig ich z.B. an einem ehemaligen SPÖ-Wähler zu kritisieren
wüßte, daß er heute FPÖ wählt, so viel an jenen,
die ihm dies vorwerfen. Als die Million Menschen, die ihm inzwischen ihre
Stimme gibt, sich noch vor wenigen Jahren mehrheitlich für SPÖ
oder ÖVP entschieden hat, hatte bezeichnenderweise noch niemand etwas
auszusetzen an ihnen. Wer Haider als Faschisten bezeichnet, "der den Menschen
nach dem Mund redet", der sagt nichts anderes, als daß seine Wähler
Faschisten sind. Wenn der ein Antifaschist ist, der einen anderen Faschisten
nennt, ist folglich der am meisten Antifaschist, der am meisten Faschisten
nennt. In dieser ungeheuerlichen Verleumdung von einer Million Österreicherinnen
und Österreicher treffen sich die Haider-Kritiker gar nicht zufällig
punktgenau mit Haider, der einmal gemeint hat: "Die FPÖ ist keine
Nachfolgeorganisation der NSDAP, denn wäre sie es, hätte sie
die absolute Mehrheit." Die Frage, ob die, die Haider wählen, einen
Faschisten wählen, ist eine ganz andere als die, ob die Haiderwähler
Faschisten sind. Um diese Unterscheidung geht es die ganze Zeit. Selbst
das schwarze Meinungsforschungsinstitut Fessel hat zugeben müssen,
daß bei den Haiderwählern die "nationale Grundtendenz der FPÖ
mit 2% an letzter Stelle aller Motive stand". Wie weit fortgeschritten
die Verwirrung mancher Haiderwähler-Gegner schon ist, führt uns
Thomas Maurer in seinem aktuellen Bühnenprogramm am eigenen Beispiel
vor (Bericht der Tiroler Tageszeitung vom 4.1.96): "Was Jörg Haider
betrifft, stellt der Kabarettist fest, daß der lediglich deshalb
eine 'ernsthafte Bedrohung der Demokratie ist, weil ihn so viele wählen'.
Folgerichtig müsse man zur Verteidigung von Toleranz und Liberalität
den 'Modernisierungsverlierern, die blau wählen, das Wahlrecht aberkennen'." Haider
ist, wenn wir wollen, nur der nützliche Trottel, der uns das Potential
vorführt, das vorhanden ist. Alles, was auf ihn abstellt, ist falsch.
Was auf seine Wähler abstellt, ist richtig. ja, Großkapital,
den kannst du haben. Nein, seine Sympathisanten nicht. Zwischen Haider
und die Haider-Anhänger müssen wir hinein. Sie von ihm abkoppeln.
Sie werden im Gegensatz zu ihm noch gebraucht, um die Dinge wirklich zu
ändern. Wenn
man den Haiderwählern sagt, ihr lauft dem Falschen nach, muß
man sofort, ohne dazwischen zu schnaufen, dazusagen, daß es keinen
Richtigen gibt, dem man nachlaufen sollte. Das Schlechte, das oben über
die FPÖ gesagt wurde, kann im wesentlichen auch über SPÖ,
ÖVP, LIF, Grüne, KPÖ usw. gesagt werden. Wie auch das Gute,
das über die meisten FPÖ-Wähler zu sagen ist, im wesentlichen
auch über die meisten Nichthaiderwähler zu sagen ist. Nur viele
von ihnen allen zusammen, wenn auch vielleicht mit einem Teil der Haiderwähler
an der Spitze, können diese ungerechte Gesellschaftsordnung zu Fall
bringen.
Dem,
den diese Menschen nicht gefallen, ist zu sagen, daß es nur die Menschen
gibt, die es gibt. Und nicht die in Bücher hineingedichteten und die
irgendwo aufgemalten. Es hat keinen Sinn, auf andere zu warten. Solange
solche Zustände herrschen, wird es immer nur solche abgeben und nicht
die, die wir gerne hätten. Ganz gewiß ist an ihnen viel auszusetzen.
Aber, auch wenn sie 100mal Unrecht hätten, müßte man mindestens
101mal um sie kämpfen. Die Leute, die den Kapitalismus auf den Müllhaufen
der Geschichte werfen können, existieren. Aber sie sind nicht in dem
Zustand, es zu tun. Was liegt näher, als sie zu verbessern? Das
ist genau die Arbeit, die ansteht.
Am
blinden Veränderungswillen der Haiderwähler ist das Blinde das
Schlechte und der Veränderungswille das Gute. Sie wählen das
scheinbar Radikalste, das im Angebot ist. (Ein Nichtwählen oder Ungültigwählen
kommt ihnen besonders falsch vor.) Wo denn sollten diese Leute hingehen
als zum Haider? Es ist nirgendwo etwas da, was leuchtet. Und von nichts
wird halt gar niemand angezogen. Von der wirklichen Alternative zur FPÖ,
die gar nicht existiert, muß keiner erst abgelenkt werden, um nicht
hinzugeben. Daß es Sauereien gibt, wissen die Leute. Nur, wie sie
ihnen entkommen, nicht. Solange es keine Agitation gibt für ein Gemeinschaftssystem,
das diesen Namen verdient, nutzt die ganze Aufdeckungsarbeit (auch des
FÖHN) nichts. Oder eben (schlimmer): Haider. Solange kein Bezugspunkt
außerhalb dieses Systems der Kapitalverbrechen sichtbar (gemacht)
wird, haben die auch über noch soviele einzelne Kapitalverbrechen
Aufgeklärten keine Wahl. Bis dahin ist unsere Arbeit soviel wert wie
die, einem Verhungernden alles über die Schädlichkeit seines
Hungers zu erzählen.
Daß
die Masse nicht an die Notwendigkeit, noch gar an die Möglichkeit
eines Umsturzes der Verhältnisse denkt, geschweige denn glaubt, ist
zum einen der herrschenden Propaganda zuzuschreiben, zum anderen uns. Wer,
wenn nicht wir, sollte dem abhelfen? Die Menschen sehen sich zwar als Opfer
der Gesellschaft, aber und da wirkt die lückenlose Dressur von der
Kinderkrippe an nicht zugleich auch als ihre Gestalter. Unsere eigene ununterbrochene
Anklage des Kapitalismus (FÖHN 1 - 21) nimmt sie auch vorwiegend in
ihrer unpassenden Rolle als Opfer der Verhältnisse wahr und nicht
auch in der ihnen auf den Leib geschriebenen als Produzenten der Verhältnisse.
Wie
weit ist es doch zum allernächsten! Dahin, daß die Menschen
bei ihren Leisten bleiben, das heißt, ihre Sache selber in die Hand
nehmen. In den 20er-, 30er Jahren konnte man, denke ich, wenn man auf etwas
Hoffnungsvolles zeigen wollte, auf KPD, KPÖ, KPI usw. zeigen. Heute
können wir den Finger nirgendwohin richten - als auf uns selber.
Lob
der Wut
Wenn
Haider, wie es heißt, die Wut der Leute schürt, dann schürt
er eine Wut, die da ist. Wir haben ja schon fast geglaubt, sie wäre
in billigem Feierabendglück ersäuft worden. Wenn man Haider für
irgendetwas dankbar sein müßte, dann dafür, daß er
diese vorhandene riesengroße, mächtige Wut sichtbar gemacht
hat. Sie ist das Kostbarste, was wir haben. Denn Wissen über die Zustände
und über deren Überwindbarkeit kann man sich aneignen, Wut
nicht. Ein
Teil des Frustes wird, bevor er Wut werden kann, mit importiertem
Schnickschnack zugedeckt (siehe oben), ein andrer wird von den Medien pulverisiert,
in den Urlaub exportiert, in eine Schiabfahrt hinuntergestürzt usw..
Das Unbehagen, das stark genug ist, sich zwischen allen diesen Fallen durchzuschlagen
zu Empörung, hat sich Haider ausgeliehen. Ihm gelingt es, Vertrauen
zu gewinnen, indem er in verführerischer Weise die Bedürfnisse
und brennendsten Nöte der Massen anspricht. Zu meinen, jemand, der
so mies ist wie Haider, spekuliere auf die miesesten Gefühle der Menschen,
ist komplett falsch. Er spekuliert natürlich auf die besten Gefühle
der Massen. Das ist das Schlimme! Nicht, daß er eine Million Stimmen
hat. Sondern daß er die wunderbare, wertvolle Wut dieser Leute abschleppt.
Um die Dinge zu ändern, wird diese Wut über die Dinge gebraucht.
Wir dürfen nicht zurückschrecken vor ihr. Sie ist ein zu kostbares
Gut, als daß wir jemand damit durchbrennen lassen könnten. Es
ist Energie. Es ist unsere Energie. Die Haiderwähler verdienen
etwas viel Besseres als Haider. Er ist weit unter ihrem Bedarf. (Ja, Haider
kehrt die Wut der Leute ganz im Sinne des Systems gegen sie selber. Ihre
Ablehnung der Flüchtlinge ist nichts anderes als die Ablehnung der
eigenen sehr
positiven Freiheitskräfte. Mit dem Haß auf
Arbeitslose, Sozialrentner usw. bekämpft er bei seinen Anhängern
deren revolutionäre leistungshemmende Sehnsucht nach weniger Arbeit,
anderer Arbeit, gerechtem Anteil am Erarbeiteten - ganz nach Wunsch der
Besitzenden.) Einen
Teil der Haiderwähler zeichnet auch Gewaltbereitschaft aus.
Auszeichnen
meine
ich wörtlich: im Sinne von hervorheben, adeln. Wie oft hört man:
"Dia do oben miaßat man ... !", "Dia ghearatn ja alle ... "Den sollt
man sofort ... Die Gewaltbereitschaft an sich ist nicht hoch genug einzuschätzen.
Wo sie geblendet wird, haut sie freilich voll daneben. Gewalt
ist die allernatürlichste Reaktion auf die Gewalt, die u.a. auf dem
Lohnzettel steht, im Mietvertrag oder auf dem Kassabon des Supermarktes.
Daß wir sie als negativen Kraftüberschuß z.B. im Sport
verhetzen, im Straßenverkehr Unheil anrichten oder im familiären
Infight gegen uns selber losgehen lassen, scheint uns normal. Aber der
Ort, wo sie hingehört, ist der, wo sie herkommt. Die Gewalt, die aus
vielen Haiderwählern zu brechen nicht: droht, sondern: verspricht,
ist im wahrsten Sinne des Wortes notwendig. Ohne sie ist die Gewalt,
die herrscht, nicht umzubringen. Um das leisten zu können, muß
die in den Unterdrückten systematisch erzeugte Gewaltfähigkeit
aber von der Form eines jähen Ausbruchs in die dauerhafter Stärke
übergeführt werden. Die individuelle Abreaktion, zu der sie neigt,
muß überwunden werden zugunsten organisierter Militanz.
Lob
des Wissens
Wir
haben schon einige sehr gute Voraussetzungen, um dem Zeitalter des Kapitalismus
ein Ende setzen zu können: Wie wir gesehen haben, schreien die Zustände
danach, existieren die Menschen bereits, die ihn hinwegfegen können,
und sind viele von ihnen mit ihrer Empörung schon fast auf 100. Was
bei weitem nicht Schritt hält, ist das Wissen um die Überwindbarkeit
der momentanen Situation.
Wir
wissen ja nix. Wir wissen, mit wem der britische Thronfolger ein Verhältnis
hat, und wer 1994 den Oscar für die beste Regie .... und wann Karl
Schranz ... Aber von dem, was uns angeht, haben wir keine Ahnung. Es ist
zum auf den leeren Kopf greifen! Wo ist das Wissen, das uns zusteht? Nicht
nur das über die Schweinereien, sondern das darüber, wie man
die laufende Produktion von Schweinereien ein für allemal abstellt.
Woher kommen die richtigen Ideen?
Aus
SAT-Schüsseln kommen sie nicht. Auch bei hundert Kanälen nicht.
jede kleinste richtige Idee kommt dort a) nicht vor und wird b) noch mit
hundert falschen zugeschüttet. Weil die Leute keine Vorstellung haben,
wie diesem System beizukommen ist, geraten sie an einen, der verspricht,
dem beizukommen. Die von ihrer eigenen Stärke nix wissen, setzen ihre
Hoffnung klarerweise in einen Starken. Es darf sich keiner ereifern darüber,
daß nichts anderes in den Köpfen drinnen ist, der nichts anderes
hineintut. Wir sollten uns nicht bei den Fehlern Vranitzkys oder Haiders
oder Petrovics aufhalten. (Die machen nämlich gar keine, oder höchstens
für ihre Partei.) Es geht um unser Fehlen. Wörtlich! Um unser
Nichtvorhandensein! Es wäre ja nett, wenns mit Profil-Lesen ginge.
Aber aus dem System heraus wächst das revolutionäre Wissen nicht.
Auch auf dem Mist von noch soviel Skandalgeschichten nicht. (Darum sind
sie alle zusammen auch so ungefährlich und nur dem Umsatz dienlich.)
Das führt nur zu Herumirren: einmal vielleicht vorwärts, einmal
rückwärts, einmal vielleicht linksum, einmal rechtsum. Dabei
ist das gewaltige Wissen darüber, wie den herrschenden Zuständen
ein Ende gesetzt werden kann, zu einem guten Teil bereits vorhanden (auch
wenn es unserem Auge verborgen ist). Es geht also zuallererst darum, es
uns zu erschließen. Alles andere ist Arroganz oder Einverständnis
mit dem, wie es ist! Karl Marx, Friedrich Engels und W.I. Lenin vor allem
haben mit ihren Analysen des Kapitalismus das Wissen zutagegefördert,
wie er besiegt werden kann. Nur ein Dummkopf kann sich selbst freiwillig
von so großartigen Quellen abschneiden. Die Diktatur des Geldes muß gestürzt werden, um einem Gemeinschaftssystem Platz zu machen, in dem sich alle Menschen wohlfühlen können, eines, in dem wir keine Herren über uns und keine Sklaven unter uns mehr haben. Dazu sind die Untersuchungen von Marx & Co. unbedingt nötig. Sie sind aber auch zuwenig, wenn sie nicht auf die neue Entwicklung und die neuen Schwierigkeiten ausgedehnt werden. Sie sind das Kleine lxl, ohne das wir politisch zwei und zwei niemals werden zusammenzählen können. Aber wenn es genügend Leute von uns beherrschen, wird mit uns zu rechnen sein.
Dieser
FÖHN hat in Fortführung des vorigen das in der Öffentlichkeit
derzeit wie kein zweites diskutierte Thema Haider auf das zurückgeführt,
was Sache ist. Er hat seine Fortsetzung nicht in einem nächsten FÖHN,
sondern kann folgerichtig nur in die dringende Empfehlung münden,
der lebenswichtigsten Literatur, die die Menschheit heute besitzt, nicht
länger auszuweichen. Der FÖHN kann an diese Lektüre nur
heranführen. Auch noch soviele Hefte dieser Zeitschrift können
sie in keiner Weise ersetzen. Wenn alle diejenigen, die mehr wollen, als
sich wohlfeil z.B. über Haider zu entrüsten, sich grundlegend
über die eigentlichen Zusammenhänge informieren, rücken
wir auch Haider und den Mithaidern aller Vereine wirksamer zu Leibe als
mit dem nächsten Dutzend Anti-Haider-Bücher. Mit
diesem wertvollen Wissen muß die oben geschilderte Unzufriedenheit
zusammengebracht werden, damit das hoch explosive Gemisch aus Verbitterung
und Aufsässigkeit am richtigen Ort losgeht. Es ist der Funke, auf
den die Empörung in den Herzen vieler brennt.
Sie allein ist nichts,
und er allein ist nichts. An das gewaltige Vorwissen müssen die zurecht
Empörten herangeführt werden. Es muß zu ihnen hingebracht
werden. Wenn der verbogene, heute vielfach verleumdete Haß vieler
Haiderwähler auf die Zustände (und der etwas anders verbogene
vieler Nichthaiderwähler) und das verschüttete, heute übelst
verleumdete Wissen über die Überwindbarkeit dieser Zustände
zueinanderfinden, wird deren Sturz nicht aufzuhalten sein. Die Menschen
warten darauf, zu erfahren, wie das herrschende Unrecht bezwungen werden
kann. Wie lange werden sie warten?
Werden sie lange genug warten? In
den brechend vollen Buchhandlungen, den bis zum Oberboden vollgestopften,
denen mit den Paletten voller Ramsch bis auf den Gehsteig heraus, steht
kein einziges Werk derer, die aus dem gründlichsten Studium des Kapitalismus
heraus Lehren gewonnen haben darüber, wie er zu bezwingen ist. Warum
wohl? Och, muß ihm dieses Wissen gefährlich sein! Wie
anders sollte man das verstehen, als als klare Aufforderung, sich in deren
Schriften zu vertiefen? Der FÖHN bietet seinen Leserinnen und Lesern
an, ihnen bei der so schwierigen Beschaffung einiger sehr lesbarer Werke
der grundlegenden revolutionären Literatur behilflich zu sein. Willkommen
in der Wirklichkeit! |