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Haider = Vranitzky
von Markus Wilhelm
Haider ist nicht das Problem Österreichs,
zu dem er aufgeblasen wird. Noch weniger ist er nur noch die Lösung
des Problems, für die er sich ausgibt. Haider ist nicht das Problem,
er ist dessen deutlichster Ausdruck, wie ein Fieberthermometer nicht die
Krankheit ist, und nur ein Narr glauben kann, mit der Zertrümmerung
des Fiebermessers das hohe Fieber beseitigen zu können. Haider ist
genausowenig das Problem wie bei einem vor Schmerz sich Wälzenden
und Schreienden das Schreien und das Sichwälzen das Problem ist, das
es wegzubringen gilt.
Müßte die SPÖ(ÖVP) Haider erfinden,
wenn es ihn nicht schon gäbe? Hat sie ihn erfunden?
Haider wird als Ablenkung mißbraucht Die Haider-Verwaltung der Zustände ("Regierung") ist noch Papier, wenn auch laut, ungeduldig laut raschelndes Papier. Die Vranitzky-Verwaltung der Zustände ("Regierung") ist Fleisch und Blut. Apropos Blut: Josef Cap sagte Ende 1992, die SPÖ mache "'Gesetze statt Ausländerhetze' gegen das Volksbegehren (der FPÖ, Anm.), das zum Import von Rostock und Hoyerswerda mit Steinwürfen und brennenden Autos führen würde" (TT, 31.10.92). Die reale Politik der SPÖ(ÖVP) im Schatten dieser Ablenkungskampagne hat nicht zum Import von Rostock mit Steinwürfen, sondern zum selbstgemachten Oberwart mit Mordbomben geführt. Das mein' ich. (Wenn Haider die Kehrseite der Medaille ist, dann ist Vranitzky die Kehrseite der Kehrseite.) Das derzeitige Regierungspersonal sagt, Haider schade unserem Ansehen im Ausland, während unser derzeitiges Regierungspersonal ja nur der Mehrheit der Menschen im Inland schadet, sage ich. Wenn zwei dasselbe tun, ist es etwas Verschiedenes: Als
Haider von sich gibt, "man solle aus der Neutralität 'keine Ideologie'
machen", wird er vom ranghöchsten Presseoffizier der Ablenkungstruppen,
Hans Rauscher, dafür "ins Eck gestellt": "In ein deutschnationales,
großdeutsches Eck." (Kurier, 28.10.88) Eineinhalb Jahre vorher
durfte Herbert Krejci, der Generalsekretär der Industriellenvereinigung
(und Wortführer im Kurier-Aktionärsrat) in Rauschers Blatt -
natürlich unbeanstandet - von sich geben: "Wir sollten aus unserer
Neutralität keinen Fetisch [- Götzen] machen." (Kurier, 6.4.87)
Haider
hat die Rolle jenes Diebskomplizen zu spielen, der an der Vorderfront des
Hauses alle Aufmerksamkeit auf sich lenkt, während an der Hinterseite
die anderen Diebe einsteigen. (Dafür, wie er sie spielt, gebührt
ihm der Oscar für die beste Nebenrolle.)
Eingeworfene Fangfrage: Wer lügt mehr? Der, der Haider
als Nazi bezeichnet, oder der, der Vranitzky, Scholten, Klima als Sozialdemokraten
bezeichnet? Antwort: Der, der Haider als Nazi und Vranitzky, Scholten,
Klima als Sozialdemokraten bezeichnet. Weil Kapitalismus seiner Natur nach
unausweichlich rechte Politik ist, braucht das Verwaltungspersonal dieser
Politik das Image nichtrechts zu sein.
Vranitzkys bester Mann Ich glaube nicht, daß Haider ein Gottesgeschenk ist für die Mächtigen, vielmehr haben die Werbeagenturen, die der momentanen Regierung beigestellt sind, hier ein absolutes Spitzenprodukt zuwegegebracht. Der Finanzkapitalminister, der in der Hauptsache Staatsschulden produziert und gerade erst neue MassenPlünderungen, das sind: Plünderungen der Massen, durchgesetzt hat, der sich damit also wirklich schuldig macht an Hungerlohnarbeit und Arbeitslosigkeit, an Armut, Not und Leid immer größerer Teile der Bevölkerung, der bringt im großen ORF-RadioInterview (18.2.95) mühelos die Sprache weg von seinem Sparpaket-Massaker hin zu Haider und dessen Bewunderung für die Beschäftigungspolitik im Nazi-Faschismus. Dieses Starren-Machen auf Haider, auf das Schlimme, das da kommen könnte, kehrt den Blick weg vom Schlimmen, das da ist. Der VranitzkyTrupp braucht Haider ganz genauso, wie er gemacht ist. Faschistische Politik ist keine Anzugs- oder Gruß-Mode
und hat nichts zu tun mit dem Zungenschlag ("Straflager", "Umvolkung",
"Endsieg"), wie uns der vorgetäuschte "Antifaschismus" des Franz Vranitzky
weismachen will. Faschismus war und ist vom Kapitalismus nie durch eine
dicke Mauer getrennt.
Die Anti-'Ausländer'-Gesetzgebung in Österreich
- ist die von Haider? Nein, von Vranitzky. Der Polizei-Apparat (Stapo,
Cobra, EBT, Wega, Fremdenpolizei) - ist der von Haider? Das Verstaatlichtenmassaker?
Die Neutralitätszerschlagung? Die stille Diktatur der 'Sozialpartnerschaft"
- ist die von Haider oder von Vranitzky? Die EU-Hetze - von wem war die?
Und die Jugoslawieneskalation durch die Anerkennung von Kroatien und Bosnien?
Die 1991 durch Tirol eskortierten US-Kriegspanzer, die in Kuwait 'Tausende
von irakischen Soldaten" (NZZ, 14.9.91) zu Tode gewalzt haben -
sind die von Haider? Die Zigtausend Mindestrentner in Österreich sind
von Vranitzky und noch nicht von Haider. Und auch nicht die schandhaften
Mindestlöhne. Und die Selbstmordrate und die Alkoholikerquote. Die
Zahl der Neonazis in Österreich - ist die von Haider? Nein, von Vranitzky.
Und Löschnak - war der von Haider?
Alles Haider oder was? "Es braucht harte Maßnahmen, damit das Land nicht
komplett von Ausländern überflutet wird."
'Die seelische Kapazität der Wiener ist erschöpft.
"Die Grünen wollen Großfamilien türkisch-serbischer
Art mit 30 bis 35 Personen ins Land lassen. Für diesen Wahnsinn bin
ich als Innenminister der Österreicher nicht zu haben."
"Wenn man glaubt, daß man dieses Land überfremden
kann, wird die Bevölkerung reagieren."
"In letzter Zeit sind viel zu viele Ausländer nach
Österreich gekommen."
"Wir brauchen nur starke, gesunde, arbeitsfähige
Flüchtlinge."
"Wir brauchen keine Salami-, Schnaps- und Zigarettenhändler
auf unseren Straßen."
"In der augenblicklichen Situation ist ein genereller
Einwanderungsstopp eine sachgerechte Forderung."
'Mir konnte der Innenminister beweisen, daß als
-außerordentliche Hörer aus Staaten Afrikas etwa Drogendealer
kommen.
"Es handelt sich hier um Leute aus Ländern, denen
man die Abstammung eindeutig ansieht, und man fürchtet dadurch Rückgänge
des Fremdenverkehrs."
"Das Boot ist voll."
Bitte selber vervollständigen und fortsetzen.
Die hinaufgekommene, heruntergekommene SPÖ Die SPÖ ist so etwas von verlumpt und verludert,
daß im ganzen österreichischen Wörterbuch gar kein Wort
steht, das den Sachverhalt nicht verharmlost. Ihre Politik ist so etwas
von Zumdavonlaufen - und damit natürlich dem nächstbesten Schmähtandler
in die ausgebreiteten Arme.
Der Regen kommt mit der Wolke.
Die Sozialdemokratie hat sich aus einer auf die Überwindung
des Kapitalismus gerichteten Kraft schon vor langer Zeit in die Hauptstütze
des Kapitalismus verwandelt. Selbstverständlich müssen es ein
SP-Kanzler und ein SP-Finanzminister sein, die, wie kürzlich geschehen,
die Vermögenssteuer abschaffen. Wenn das ÖVP oder FPÖ machen
wollten, ginge das nicht. Nur eine SPÖ kann, wie kürzlich geschehen,
ohne Gefahr des sozialen Aufstands, den Spitzensteuersatz von 62% auf 50%
drücken. Nur eine SPÖ konnte den Firmen die Gewinnbesteuerung
von 70% im Jahre 1970 auf heute 34% heruntersetzen. Und es muß unbedingt
ein als SP-Finanzminister auftretender Finanzminister sein, der jährliche
Steuerschulden von offiziell genannten 60 Milliarden Schilling von den
Unternehmern nicht einzufordern braucht. Die SPÖ ist mit dem Ausbeuterkapital
dermaßen intim, daß es obszöner nicht mehr geht. Als im
letzten FÖHN die Arbeitsbedingungen im Massentourismus angeprangert
wurden, schrie der SPÖ-Klubobmann im Tiroler Landtag, daß unsere
Kritik an diesen Zuständen die Arbeitsplätze im Tourismus gefährde.
Als die große Wirtschaft mit Milliarden-Aufwand die EU-Volksabstimmung
gewonnen hatte, mit fatalen Folgen für die arbeitenden Menschen, konnte
der Tiroler ÖGB-Präsident W. Lenzi (SPÖ) nicht mehr an sich
halten. Er eilte gleich am Montag "ins Europa-Referat der Wirtschaftskammer
Tirol", wie Tirols Wirtschaft schreibt, "um den Kammermitarbeitern
für ihren Einsatz zu danken" (TW, 17.6.94). Lenzi, ganz hingerissen:
"Uns ist klar, daß die Hauptlast der Arbeit niemand anderer als die
Wirtschaftskammer Tirol getragen hat, und deshalb überbringe ich die
Grüße und den Dank des Österreichischen Gewerkschaftsbundes
an die Kammermitarbeiter. Ihr habt euch wirklich hineingeschmissen in die
Arbeit."
Es ist kein Zufall, daß just mit Vranitzky 1986
Haider gekommen und unter ihm großgeworden ist. Ein altes Tiroler
Sprichwort sagt: "Wo der Mistwagen nicht hinkommt, kommt der Erntewagen
nicht her!" Heute füllt Haider im "roten" Simmering Säle mit
600 Leuten, die ihn lt. AZ (30.10.91), vormals "Arbeiter-Zeitung",
"frenetisch bejubeln", wenn er schreit: "Lauter Nadelstreifsozialisten
und feine Pinkel sind das in der SPÖ!" Und unter Applaus stellt er
dort den großen Sozialisten Victor Adler neben den abscheulichen
Vranitzky. Ganz gewiß doch verarscht Haider die Arbeiter nach Strich
und Faden (dazu später), aber wenn dann ausgerechnet Josef
Cap, der eine einzige beispiellose Verhöhnung der Geschichte der Arbeiterbewegung
ist, von Haiders "beispielloser Verhöhnung aller Arbeitnehmer" (Wiener
Zeitung, 16.6.93) spricht, schepperts vorn und hinten. Allein bei der
Nationalratswahl 1994 sind Haider beim Davonlaufen vor dieser SPÖ
(zusätzlich) 250.000 ihrer früheren Wähler (Ifes-Analyse;
TT 10.10.94) geradewegs in die Arme gelaufen.
Vranitzky ist Haiders Wegbereiter Vranitzky ist die Voraussetzung Haiders, kein Gegenmittel zu ihm. Haider abschaffen wollen ohne auch den Vranitzky, geht nicht. Weil unter Vranitzky hunderttausende Wohnungen in Österreich fehlen, kann Haider fordern: "Sofortiger Einwanderungsstopp bis Wohnungen für die 200.000 wohnungssuchenden Österreicher gefunden sind." (Freiheitlicher Pressedienst, 27.10.91). Es kann nicht darum gehen, Haider zu kappen, sondern die Politik, die schnurstracks zu ihm führt. (Wenn das gelingt, ist er ein wirkungsloser Kärntner Forstwirt.) Mit Haider abzufahren, hieße doch nur Platz für einen neuen Haider zu machen, solange mit den Zuständen, die ihn hervorbringen ("AMAG", "Bundesländer", "Hirtenberger", "Norikum", "Phyrrn", "WF-B", "AKI-I", "EXPO", "BHI", "DDSG", "St. Magdalen" ...), nicht abgefahren wird. Viele Leute haben Angst vor Haider - und flüchten zu denen, die ihm den Weg bereiten. Die SPÖ trat am 1. Mai des Vorjahres mit der Haupt-Losung "Gegen Haiders 3. Republik" auf, zu der sie ihm den roten Teppich ausrollt. Der faschistische Terror hat die regierungsamtliche Aussonderung und Entrechtung von Anderssprechenden, Andersaussehenden, Anderswoherkommenden, einem anderen Aberglauben Anhängenden zur Voraussetzung. Haider erschießen hilft nicht. Das, was Vranitzky vorbereitet, ist nicht mit einem Schuß umzubringen. Wenn Haiders Volksbegehren "Verhetzung" war, wie häufig zu lesen, so hätte die Vranitzky-Administration es nicht zur Durchführung bringen dürfen, weil sie nach dem Gesetz dadurch, daß sie "zu ihrer Ausführung beiträgt" selbst die strafbare Handlung der "Verhetzung" (§ 283 StGB) begeht. Vranitzky nützt Haider. Weil die Großparteien ständig Mandate verlieren und damit Parteienförderung verlieren würden, genehmigen sie sich in einem fort noch höhere staatliche Zuschüsse pro Mandat an die Parteien. Das nützt am meisten Haider, der einmal über den Stimmenzuwachs mehr kassiert und ein zweites Mal über die Erhöhung. Vranitzky macht Haider die Räuber-Leiter. Vranitzky ist für Haider ein rechter Glücksfall. Er bereitet ihn planmäßig vor. Er ist die Zwischenstufe, die nicht zu überspringen wäre. Wie der Haider von heute ohne den Vranitzky nicht zu denken
ist, so auch der Vranitzky von heute nicht ohne den Haider. Haider ist
ein Wegbereiter seines Wegbereiters Vranitzky. Einerseits bildet er mit
seinem Gepolter die Speerspitze für die reaktionäre SPÖ-Politik,
andererseits bricht ihm diese SPÖ-Politik Bahn. Beide haben eine bestimmte
Funktion, um die Entwicklung voranzutreiben, aber in eine einzige gemeinsame
Richtung. Ohne die scharfe Distanzierung der SPÖ von Haider in ihrem
Wählerfang und die noch schärfere Haiders von der SPÖ in
seinem Wählerfang könnte dieses Doppelspiel nicht gelingen. Wie
sich ja auch Cosmos und MediaMarkt vor unseren Augen ununterbrochen befetzen,
lediglich, um uns zu täuschen und uns das Geld aus der Tasche ziehen
zu können.
Es ist ein Gfraster Jede Opposition in der kapitalistischen Demokratie (was
so etwas wie ein zumindest dunkelgrauer Schimmel ist) hat die Aufgabe,
die Regierung zu treiben. Die Opposition fordert im Interesse der großen
Profiteure dieses Systems: "die Zahl der Beamten senken", "die Repräsentationsspesen
halbieren", "die Regierungspropaganda einstellen", "die Zahl der Ministerien
und Staatssekretäre einschränken", "das Defizit der Bundesbahnen
halbieren", "keine neuen Steuern", "Verschwendung bekämpfen", "mehr
Sicherheit", "Volksabstimmungen" usw. Die Opposition muß schreien
"Arbeit auf Dauer in gesunden Betrieben statt Pleiten und noch mehr Steuern",
"Besser wirtschaften statt Schulden und Verschwendung", "Freie Bürger
statt Abhängigkeit und Bevormundung". Von wem das ist? Na, von wem
schon! Von der Opposition natürlich. Hier halt von der ÖVP-Opposition
1983 (Wahlprospekt "Mit Mock. Damit es wieder aufwärts geht). Als
die ÖVP in der Regierung gebraucht wurde, kam der FPÖ diese Aufgabe
zu. So ist das bei uns in Reichenberg. Haider brauchte nur da weiterzumachen.
Noch in der ORF-Pressestunde Haiders im Februar 1995 forderte er: "Verkleinerung
der Regierung, Kürzung aller Subventionen um 50 Prozent", "Einstellungsstopp
im öffentlichen Dienst" usw. (Kurier, 6.2.95). Haider spielt
die Rolle, die ihm zugewiesen ist. Er muß antreiben. Es ist sein
Auftrag, zu drängeln. Auch seine vielgeschmähte "Dritte Republik"
ist keine Wahnsinns-Idee von Haider, sondern eine alte Hetzparole der ÖVP-Opposition
von 1982. Ein Stoßtrupp ist Teil einer Armee und erfüllt in
deren Auftrag bestimmte Teilaufgaben.
Mitunter tritt bei diesem dauernden Vorschnellen und Nachstossen, Vorauseilen und Hinterdreinplatzen ein derartiges Durcheinander ein, daß fast nicht mehr auszumachen ist, wer in dem allgemeinen Geschubse wen weitersteßt. Da kann es schon sein, daß einmal der vordere hinter den hinteren gerät. Wenn die Freiheitlichen 1995 eine "Ökosteuer" fordern (Standard, 16.1.95), sind sie hinter die Riegler-Linie zurückgefallen. Bei der von ihnen heute geplanten "Streichung der Erbschaftsteuer" (Standard, 16.1.95) war doch die ÖVP schon vorgestern. Was war früher, die Abspaltungs-Initiative Pro-Vorarlberg der dortigen ÖVP in den 70er Jahren oder Haiders Freistaat-Kärnten-Idee in den 80ern? Wenn die Vorhut Haider (am Bundesparteitag der FPÖ in Innsbruck, 14.9.86) dröhnt: "Wir werden keine Österreichbeschimpfung dulden, wie sie von subventionierten Schriftstellern praktiziert wird. Ich nenne den Namen Thomas Bernhard." "Die FPÖ läßt unsere schöne Heimat nicht beschmutzen.", dann trabt er hinter der Nachhut Vranitzky drein, der schon ein Jahr vorher Bernhard unterstellt hat, "sich unter Einstreifen guter Steuerschillinge die eigene Verklemmung über dieses Land vom Leib zu schreiben". "In diesem Lager ist nicht Österreich." (Kleine Zeitung, 12.9.85) Und wie ist das bei der Menschenjagd (offiziell: "Ausländerpolitik")?
Wer ist hier vorne? Wer treibt hier wen? Die Sache ist strittig. Hier steht
Aussage gegen Aussage. Ich traue mir kein Urteil zu. Vranitzky sagt, Haiders
"Volksbegehren" gegen ausländische Menschen "hinkt hinter den von
der Regierung beschlossenen Gesetzen nach" (zit. nach "Zusammen ", Herbst
1992). Haider behauptet aber schon 1990: "Die Sozialisten befinden
sich seit geraumer Zeit - das muß ich hier feststellen - auf den
freiheitlichen Spuren in der Ausländerpolitik." (Zeit im Bild,
7.6.90) Der SPÖKlubsekretär indes besteht darauf: "Haider
hinkt mit seiner aktionistischen Initiative der Regierung hinterher." (Profil,
9.11.92) Nein, sagt Haider, erst "ein halbes Jahr nach dem Volksbegehren
begannen die Regierungspartelen die Linie zu ändern." (Haider,
Die Freiheit, die ich meine) Völlig falsch, sagt Cap, die Volksbegehrens-Forderungen
"sind abgeschrieben vom Programm der Regierungsparteien" (zit. nach
"Zusammen ", Herbst 1992). Ich kenn mich, ehrlich gesagt, nicht mehr
aus. Ist die Forderung nach einer Höchst-Quote von 30-Prozent ausländischen
Kindern in den Schulklassen ursprünglich von Haider oder von Höchtl?
Hat den Slogan "Österreich zuerst" der Klestil dem Haider oder der
Haider dem Klestil nachgeplappert? "Österreich ist kein Einwanderungsland"-
hat das der Cap dem Haider oder der Haider dem Cap weggeschnappt?
Das ist Fleisch vom selben Fleisch Weil es schon fast aussichtslos ist, inhaltlich zwischen Haider und den anderen Parteien zu unterscheiden, ist es vorteilhaft, uns an die Wortwahl zu halten. Haider, heißt es, führe eine verharmlosende Sprache. Hier können wir ihn also festmachen. Da haben wir auch schon so einen typischen Sager: Zur systematischen Ausrottung der Zigeuner im Nazikapitalismus sagt er "dieser Vorfall". Pardon, das war Vranitzky im ORF-Morgenjournal am 11.2.95. Haider hat die millionenfachen industriemäßigen Tötungen in jener Zeit "Vorgänge" genannt (Profil, 18.2.85). Wenn er freilich im Nazijargon von der "Endlösung der Bauernfrage durch die Bundesregierung" (Freiheitlicher Pressedienst, 17.6.87) spricht, macht ihm das keiner nach. Außer der Wiener SP-Bürgermeister Zilk, wenn er sich eine "Sonderbehandlung" (wie die Nazis Ermordungen zu nennen pflegten) Österreichs durch das Amerikanische jüdische Komitee scharf verbittet (Profil, 28.10.91). "Wenn die Regierung nicht nachgibt, kommt es zum Marsch auf Wien.", drohte kürzlich die tiefschwarze Tiroler Wirtschaftskammer in mehr als deutlicher Anlehnung an Mussolinis faschistischen Marsch auf Rom (T Wirtschaft, 24.2.95). Um hier mithalten zu können, sah sich Haider am 5.5.95 im Parlament genötigt, den Grünen (wie vordem die Nazis ihren Gegnern) "Wehrkraftzersetzung" vorwerfen. Haider verharmlost bewußt, heißt es. Dann machen's die andern unbewußt. Was ist besser? Wenn Haider geprügelt wird, weil er den beschönigenden NS-Begriff "Straflager" verwendet hat (Parlament, 10.2.95), statt brav wie alle anderen ständig den beschönigenden hochoffiziellen NS-Begriff (!) "Konzentrationslager" für die Menschenvergasungsfabriken, dann sehen wir, daß wir auch hier nicht weiterkommen. Wenn jeder als Haider geht, wie sollen wir ihn da noch herauskennen! Weil die politischen Inhalte des Haider den politischen Inhalten der Nichthaider zum Verwechseln ähnlich sind, muß er auf deren Verpackung setzen. Und eine unflätige Sprache führt er in der Tat! Statt etwa zu sagen, "es ist ganz schlecht, wenn wir der EG nicht beitreten", poltert er: "Wenn wir nicht beitreten, droht uns das Schicksal eines Entwicklungslandes." Entschuldige, das war jetzt der Wiener ÖVP-Gemeinderat W. Nettig (Wiener, Mai 1991)Haider hat formuliert: "Nur eine Vollmitgliedschaft kann verhindern, daß Österreich zu einem Entwicklungsland in Europa wird." (Presse, 21.9.87) Leicht wird es ihm nicht gemacht, sich von den anderen abzuheben. Wenn er donnert, "nur die EG kann verhindern, daß Österreich zu einer europäischen Bettlerrepublik wird" (Parteipressedienst, 25.3.87), droht er gegen Andreas Khol (ÖVP) unterzugehen, der die Tiroler ohne EG-Beitritt "als Schwabenkinder wieder im Ausland arbeiten" sieht (TT 29.5.92). Was ist das Kampfwort von einer uns drohenden "Balkanisierung" Österreichs noch wert, das Haiders Einflüsterer Mölzer prägt (Aula, 1/88), frage ich, wenn der ÖVP-Abgeordnete Dieter Lukesch mit einer uns drohenden "Albanisierung" Österreichs (TT; 25.6.91) an ihm vorbeizieht? Wo kein genügender Gegensatz in der Sacbe vorliegt,
da muß, um das vor den Augen der Öffentlichkeit zu verbergen,
Flegelei in der Sprache herhalten. Die Catcherei am Wiener Heumarkt
ist ein Schnackerltheater gegen das, was dem zahlenden Publikum hier österreichweit
auf allen Kanälen und in hundert Zeitungen und Zeitschriften vorgespielt
wird. Und was sieht dieses Publikum? Noch in der gegenseitigem Anflätung,
in der sich der Haider und der Nichthaider der österreichischen Politik
turmhoch übertreffen wollen, treffen sie sich aufs Wort! Selbst in
den ekligsten kraftmeierischen Untergriffen, mit denen sie agieren, um
sich zu unterscheiden, unterscheiden sie sich nicht.
Wrestling-Exhibition Haider: Regierung ist ein völlig verwirrter Chaotenverein
(2.10.87)
Haider: Vorschläge von Minister Ettl sind reiner
Schwachsinn (25.7.90)
Haider: Diese Regierung ist kabarettreif (3.10.87)
Haider: Regierung kann unter dem Firmentitel Bluff und
Schmäh laufen (22.4.87)
Haider: schwarzrote Altparteien (29.1.93)
Haider: Haltung der ÖVP ist die Spitze der Doppelzüngigkeit
(2.7.87)
Haider: ÖVP klopft große Sprüche (16.12.86)
Haider: Chamäleon ist zum Wappentier der rot-schwarzen
Regierung geworden (13.1.91)
Haider: Lacina schiebt jede Verantwortung von sich (7.2.92)
Haider: Cap ist charakterlos (14.1.91)
Haider: Busek ist die personifizierte Instinktlosigkeit
(2z10.92)
Haider; Vranitzky regiert völlig ohne Plan und Programm
(22.4.87)
Haider: Die Regierung begeht schleichenden Verfassungsbruch
(19,3,94)
Haider: Das 'lmperium' hat der FPÖ den Fehdehandschuh
hingeworfen. Wir nehmen ihn auf, (3.2.93)
Haider: jene, die heute (in der Sozialpolitik) Feuerwehr
spielen, ,waren die eigentlichen Brandstifter (21.4.88)
Haider: jemand, der ausgrenzt (wie Vranitzky) ist in Wirklichkeit
der Faschist (1.4.93)
Haider: Der Vranitzky ist arrogant, obwohl er nur Mißerfolge
hat. (28.4.88)
Haider: Sozialistisches Machtsystem unter seinem autoritären
Führer Vranitzky (27.5.94)
Haider: SPÖ-Funktionäre bieten geschmacklosen
roten Populismus (20.10.87)
Haider: Nationalratspräsident Heinz Fischer ist in
seiner Kritik ein Wiederholungstäter (25.4.91)
Haider: Vranitzky war eigentlich der erste Austrofaschist
im Nadelstreif (Basta 3/93)
Haider: Die Regierung setzt ihren undemokratischen Rambo-Stil
fort (20.4.88)
Haider: Österreicher brauchen die Panikmache von
Vranitzky, Busek und Co. nicht (1.6.94)
Bei Bedarf bitte selberfortsetzen.
Arbeiterführer-Karaoke
Die arbeiterfeindliche Politik der SPÖ ist die rechte
Hintergrundmusik, die Haider braucht, um den Menschen seinen vordergründig
arbeiterfreundlichen Text vorsingen zu können.
Dimitroff (1935): "Der Faschismus liefert das Volk den
korruptesten, käuflichsten Elementen auf Gnade und Ungnade aus, tritt
aber vor dem Volk mit der Forderung nach einer 'ehrlichen und unbestechlichen
Regierung' auf. Der Faschismus, der auf die tiefe Enttäuschung der
Massen über die Regierungen der bürgerlichen Demokratie spekuliert,
entrüstet sich scheinheilig über die Korruption."
Haider ist gegen die Arbeiter Wenn Haider die Wahlkampf-Kreide alle aufgebraucht hat,
kommt eine scharrende Stimme, seine wirkliche, zum Vorschein. Im richtigen
Leben - da wo wir uns tatsächlich befinden, also nicht im Fernseher
drinnen oder in einer Illustriertengeschichte ist er nichts weniger als
ein Anwalt der Arbeiterschaft. Sein Ziel ist es nicht, ihr zu helfen, sondern
ihr abzuhelfen. Die SPÖ kann einerseits diese Strategie Haiders nicht
mehr bloßlegen, weil sie gegenüber den arbeitenden Menschen
selbst nicht mehr genügend glaubwürdig ist, und will es andererseits
auch gar nicht, weil Haider ihrer eigenen arbeiterfeindlichen Politik ja
die Bresche schlagen muß. Wenn Haider die Arbeiterkammer zerschlagen
will und die "Reduzierung des Gewerkschaftseinflusses im Wirtschaftsleben"
anstrebt (Wiener-Erklärung, 1992), so will er damit mehr als die Bonzen
in den AK- und ÖGB-Burgen die Arbeiter selber treffen. jetzt, nach
der Wahl, präsentiert Haider sein eigenes noch brutaleres Sparbudget
("Kürzung sämtlicher Subventionen um die Hälfte", "Beseitigung
von Mißständen im Sozialsystem", Unternehmersubventionen durch
staatliche Lohnbeteiligung). Er würde es "auch gegen schärfsten
gewerkschaftlichen Widerstand durchsetzen" (TT, 6.2.95). Vor zwei
Jahren hat der bessere Arbeiterführer Haider gemeint, "man könnte
gewisse Feiertage auf einen Sonntag verlegen" (20.10.93) und hat eine befristete
Kürzung der Urlaubsansprüche, eine Senkung des Arbeitslosengeldes
und eine Absetzung des zweiten Karenzjahres" vorgeschlagen (Wiener Zeitung,
16.6.93).
Haider schreibt in seinem Buch Die Freiheit, die ich
meine: "Wir müssen von den Frauen den Druck nehmen, das Kind aus
Gründen der Berufstätigkeit von Fremden aufziehen und erziehen
zu lassen. Wir müssen die Frauen ermutigen, das zu tun, was ihr ureigenstes
Anliegen ist, nämlich ihr Kind groß und tüchtig werden
zu sehen und sich ihm zu widmen." Auch hier hat die SPÖ via Bundeskanzlergattin
("Kinder kriegen und dann wegrennen ist das Feigste.") postwendend dicht
zu ihm aufgeschlossen. Wenn Haider eine "Entlastung des Arbeitsmarktes
durch Abbau der Frauenbeschäftigung" anstrebt (Die Frau in Familie,
Beruf und Gesellschaft, FPÖ Kärnten), dann hat er seine prinzipielle
Feindschaft zu mindestens 52 Prozent der Bevölkerung klar genug dargetan.
Haider hätte recht Wenn der Arbeiter Josef H. (44) sagt, wir haben in Österreich
"scheindemokratische Macht- und Herrschaftsverhältnisse", hat er recht.
Wenn J. Haider (44) das sagt (Wiener Erklärung, 1992), hat
er nicht recht. Es stimmt, wenn Josef H. kritisiert, daß "die freigestellten
Zentralbetriebsräte vom Range Ruhaltingers ihre Politik auf Kosten
der Steuerzahler machen", aber nicht, wenn es J. Haider tut (14.9.1986).
Wenn
der feststellt, wir haben in Österreich "ein verfilztes und korruptes
System" (TT 10.2.89), so ist das erlogen, wenn das aber so jemand
wie der Arbeiter Josef H. formuliert, dann ist es wahr. Die Empörung
der Menschen über die Zustände ist berechtigt, Haiders dahinterhergebrüllte
nicht. Wenn es richtig ist, daß "in Wirklichkeit die Demokratie seitens
der großen Koalition mit Füßen getreten wird", dann ist
es falsch, wenn es Haider sagt (FP-Pressedienst, 1.5.94). Nicht
einmal wenn es Schusterbuben regnet, trifft es zu, wenn er sagt, es regne!
Haider hat nie recht. Wenn er sagt, "die Sozialversicherungsanstalten
sind ein Funktionärsparadies" (FP-Pressedienst, 29.1.87), so
tut er das deswegen, weil gerade nicht das, sondern etwas ganz anderes
das
Problem ist.
"Haider macht's schon!" Haider will nicht die empörenden Zustände abschaffen,
sondern über die von diesen Zuständen hervorgerufene Empörung
an die Regierungsmacht kommen. Es geht ihm nicht darum, den Unzufriedenen
zu helfen, sondern sich ihrer Unzufriedenheit zu bedienen. Haiders Plan
ist nicht das eigene Aktivwerden der Menschen, genauer gesagt sogar: das
eigene Nichtaktivwerden der Menschen! Seine Bühnenshow "Tour 94" (z.B.
Innsbruck Landhausplatz, 27.9.94) hat gezeigt, was er von den Leuten braucht:
Von einer überhöhten, entrückten Bühne hinter einem
abgesperrten Bühnenvorraum herunter wird in Richtung Zuhörer
geballert, mit einer alles zudeckenden Lautstärke, immer nur in die
eine Richtung. Das gleichzeitig dazu ablaufende Video auf der riesigen
Leinwand, auf die alle starren, vermittelt das erdrückende Gefühl
von Unaufhaltbarkeit. Was als Reaktionsmöglichkeit bleibt, ist Beifall.
Was tut Haider mit dem berechtigten Protest der Masse, an deren Spitze
er sich stellt? Er peitscht ihn auf und kanalisiert ihn - statt gegen die
Verhältnisse - gegen Personen, die ihm im Wege stehen, und bricht
damit der Rebellion die Spitze. Er appelliert nie an die eigene Stärke
der Massen! Wenn es, wie im Juni 1991 in Klagenfurt, eine Haider-Demonstration
gibt, dann ist es eine als Huldigung an ihn. Von einer kraftvollen Bewegung
will er nur den Anschein. In Wahrheit ist er der große Auseinanderdividierer
der Leute, der Egoisierer, der größte Feind des Kollektivs.
Und sichert damit eben gerade das bestehende System ab. Die empörten
Leute tun viel mehr für Haider als er für sie. Von davongejagten
Ruhaltingern und Rechbergern haben sie rein garnix. Er schon. Haider spult
seine Reden herunter, durchsetzt mit 25 "meine Damen und Herren" und 19
"liebe Freunde". Nie fordert er die herbeigeströmte Menge von Damen,
Herren und lieben Freunden auf, selbst zu handeln und die dargestellten
Probleme selbst zu lösen. Nein, bloß wählen solle man ihn
am soundsovielten März und am soundsovielten Oktober. "Helfen Sie
uns und ich verspreche Ihnen, daß wir Sie nicht enttäuschen
werden." (Haider in Hall, 19.9.90)
Haider spricht und handelt wirklich für Millionen Die Wahlkampf-Autos werden Haider laut Profil (24.10.94)
vom
Klagenfurter Autohaus Grasser zur Verfügung gestellt. Die Penthouse-Wohnung
in Wien wird Haider vom Immobilienmakler Ernst Karl Plech
(Standard,
30.9.94) spendiert. Haiders Buch "Die Freiheit, die ich meine' wird
von der Libro-Kette mittels Inseraten in mehreren Tages- und Wochenzeitungen
beworben. Haider ist nicht der Vertreter des kleinen Mannes, sondern des
Großen Geldes. Zu seiner Wahl zum Bundesparteiobmann wurde Haider
1986 mit einem Privat-Jet eingeflogen. Eine große Baufirma, heißt
es, habe die Kosten übernommen. Am Abend nach der jüngsten Nationalratswahl
bringt die Privatmaschine des Bauindustriellen R. Rogner Haider von Klagenfurt
nach Wien. Kapitalismus hat nichts zu tun mit Demokratie. Er ist ihr Gegenteil.
Aber er hat die Möglichkeit, das zu verschleiern. Das Dokumentationsarchiv
schreibt, daß "die Transportfirma Haas Haiders Hubschrauberflüge
bei Wahleinsätzen sponsert". Die SPÖ Kärnten will auch davon
wissen, daß Haider irgendwelche "Hubschrauberflüge von einem
deutschen Großunternehmen finanziert" wurden. Die TT sagt: "Die Hubschraubereinsätze
des FP-Chefs werden von einem VP-Industriellen bezahlt." (10.2.89) ja,
erzählte er dem Spiegel einmal, es habe ihn "ein Industrieller
angerufen, der sich als ÖVP-Mitglied deklarierte. Der brave Fabrikant
habe ihm angeboten, Hubschraubereinsätze zu finanzieren." (9/1989)
Millionen bauen auf Haider, und die kommen besonders üppig
aus der Baubranche. Die Parteizeitung "Kärntner Nachrichten" ist ständig
voll mit Inseraten von Baufirmen. Schon als Haider 1976 in Kärnten
FPÖ-Landesparteisekretär wurde, unterstützte ihn der Bauunternehmer
Hans Kostmann mit monatlich 16.000 Schilling plus Dienstwagen (Profil,
16.11.81) Nach einer anderen Quelle hat er von der Fa. Kostmann monatlich
28.000 Schilling als Konsulentenhonorar erhalten. "Mit diesem Geld finanzierte
er sich 1983 den teuersten Wahlkampf, den Kärnten je erlebte. 'Haider
muß ins Parlament' stand auf tausenden Plakaten zu lesen." (7ribüne,
Juni 1984) Der seit kurzem öffentlich geführte Scheidungskrieg
des Grazer Baumultis A. Feneberg hat auch milde Gaben dieses Unternehmens
an die FPÖ bekannt werden lassen (Standard, 22.2.95). Im Vorjahr
bewarb sich die FPÖ verdeckt unter "RS Privatradio GmbH" um alle zehn
ausgeschriebenen Radiofrequenzen. Im Antrag wurde die finanzielle Deckung
des Projekts mit 350 Millionen Schilling angegeben. Die Geldgeber kamen
schon wieder großteils aus der Baubranche: Fa. Betonbau, Wietersdorfer
und Peggauer Zementwerke, Dolomitensteinwerke. Dazu wieder der Kärntner
Autohändler Karl Grasser und der Waffenindustrielle Gaston Glock.
(Wiener,
Oktober 1994)
Der große Irreführer Haiders Aufgabe ist es nicht, den Billa-Lagerstaplern zu helfen, sondern ihre wort- und bodenlose Wut von K. Wlaschek (Besitzer) und V. Schalle (Generaldirektor) abzuwehren. Um die Geldigen freizuspielen, muß er ihre Knechte auf die falsche Fährte bringen: Ausgebeutet werde der Arbeiter durch den Staat, durch die Funktionäre, durch die Politik. Dementsprechend ist es der Zweck seiner "totalen Kampfansage an die Großparteien, an die Kammern, an die Verbände und Institutionen" (Wiener 4/89), abzulenken von der im wahrsten Sinne gesetzmäßigen Ausbeutung der Massen im Kapitalismus. Weil das keine leichte Sache ist, schreit er sich fast den Kehlkopf aus dem Hals: "Versager!", "Blindgänger!", "Gauner!", "Bonzen!" usw. Haider redet pausenlos über Gaunerei in der Verwaltung und deckt damit die millionenmal größere Gaunerei derer, die Kapital haben, an denen, die nur ihre Hände haben, zu. Das ist seine herausragende politische Leistung. Wenn Haider von Ausbeutung spricht (12.1.90), meint er die der Steuerzahler durch den Staat, wenn er von Korruption redet (10.1.88), meint er die der Großen Koalition, wenn er das Machtsystem attackiert (9.1.94), meint er nur das der SPÖ. Haider ist nicht der große irre Führer, zu dem ihn viele heruntermachen wollen, sondern der große Irreführer. Mit welchem Sperrfeuer er am richtigen Ziel vorbeischießt!
So daß inzwischen schon die meisten meinen, dort, wo er ständig
hinballert, sei das richtige Ziel. Um die bestehenden Eigentumsverhältnisse
in Österreich zu schützen, lenkt er die berechtigte millionenfache
Empörung darüber ausgerechnet auf jene ab, die sie nach besten
Kräften stützen. Hier sollen sich die unterdrückten Massen
austoben, denn hier kann ihre Auflehnung nichts anrichten.
Statt in Opposition zu den Zuständen in Österreich,
steht Haider nur in Opposition zu den Konkurrenz-Parteien. Um vom Privileg
des Großkapitals, jährlich mindestens 60 Milliarden Schilling
Steuern zu hinterziehen, abzulenken, hat er ein Volksbegehren gegen Funktionärsprivilegien
abgeführt. Die 28 Sozialversicherungsanstalten, die uns das Geld aus
der Tasche zögen, greift er an, die 28 privaten Versicherungen, die
uns das Geld aus der Tasche ziehen, nicht, und auch nicht die 28 Banken,
die uns ausrauben. Haider kommt die Aufgabe zu, uns glauben zu machen,
es wäre das schlimmste aller Übel, daß es hier irgendwo
Kammern gibt und nicht, daß es überall hier kapitalistische
Ausbeutung gibt. Die "Zwangskammern" sollen uns stören und nicht unsere
Zwangslohnarbeit, die "Zwangsmitgliedschaft" und nicht unsere Zwangsmieten
usw. Haider manipuliert ganz gezielt die vorhandene Auflehnung des Volkes,
setzt an die Stelle des wirklichen Feindes einen anderen. Das Problem,
sagt er, ist "dort, wo sich die 'alten Parteien', die Funktionäre
und die Parteibuchwirtschaft zuviel in unser persönliches Leben einmischt
und glaubt, dort die Menschen in Abhängigkeit versetzen zu können."
(Wahlrede in Greifenstein, 1. 10. 1990) Haider ist viel wert. Er
wird von den Unternehmern nicht zu teuer bezahlt.
Scheckbetrug Die FP zur vollen Größe aufgepäppelt hat
die Vereinigung Österreichischer Industrieller (VÖI). In Heft
18 dieser Zeitschrift wurde das am Beispiel der Tiroler FP mit Originalbelegen
ausführlichst dokumentiert. Herbert Krejci, der langjährige Sprecher
der Großindustriellen, hat sich schon 1982 in einem Zeitungskommentar
gefragt, "ob man mit den herkömmlichen demokratischen Usancen [=Bräuchen]
und Institutionen heutzutage und auf längere Sicht Politik machen
kann". Er wünschte sich einen "rechten Sozialdemokraten" "mit viel
Autorität, Führungseigenschaften und einem guten Schuß
Brutalität", "um die immer mehr nachdrängenden 'Linken' in Schach
halten zu können" (Gewinn, 11/82). Mit Haider haben sie genau
diesen "rechten Sozialdemokraten" gefunden. Als wenige Tage nach Haiders
Lob auf Adolf Hitlers Unternehmerpolitik im Kärntner Landtag ein junger
Industrieller anläßlich der Vollversammlung der VÖI eine
Rücktrittsaufforderung an Haider begehrte, mußte er "fassungslos
hinnehmen, daß die Vollversammlung schließlich per Akklamation
seinen Antrag ablehnte" (AZ, 22.6.91). Franz Ceska, Krejcis Nachfolger
als Industriellen-Generalsekretär, hat wiederholt betont, er habe
"ein sehr gutes Gesprächsklima mit der FPÖ" (Kurier, 28.8.92).
Der Beitrag der Geldsäcke zu diesem Klima ist Geld. So "leiht und
bezahlt die Industriellenvereinigung der FPÖ ständig eine Anzahl
junger Führungskräfte, die bei den Freiheitlichen ihr 'Trainee-Programm'
absolvieren" (S. Nachrichten, 2.9.91). Daneben ist es der FPÖ
möglich, "Parteimitarbeiter auf die paytoll [- Gehaltsliste] der Vereinigung
zu setzen" (Wirtschaftswoche, 18.2.93). "Entscheidend für die
Industrie", sagt der langjährige VÖI-Scheckabholer Gerulf Stix
über die Spendabilität gegenüber der FPÖ, "ist die
Übereinstimmung mit der Generalrichtung". Das wird sicher so sein,
vielleicht hat er sogar Generalsekretärrichtung gemeint. Zu Haiders
Drohung, die Regierung vor sich herzutreiben, sagt F. Ceska bei einer FP-Veranstaltung:
"Ich kann nur befürworten, daß die Regierung getrieben wird."
(Kl.
Zeitung, 28.9.92)
Ein rechter Tausendersassa Die Industriellenvereinigung hebt 0,5 Promille der Lohnsumme ihrer Mitgliedsbetriebe als Vereinssteuer ein, um mit diesem Geld dann in die Wahlkämpfe von VP und FP zu investieren. Das ist deswegen so wichtig, weil die gesamten Industriellen Österreichs rein zahlenmäßig lediglich die Zehe eines Abgeordneten wählen könnten, wie der österreichische Bundeskanzler J. Raab einmal festgestellt hat. Sein deutscher Kollege K. Adenauer hat genau dieses Problem den Wirtschaftsbossen so erklärt: "Bevor wir etwas für die Wirtschaft tun können, müssen uns die Arbeiter erst einmal wählen." (Wirtschaftswoche, 2.7.71) Damit einen die Arbeiter wählen, müssen sie mit entsprechender Propaganda eingefangen werden. Haider tut das mit dem Geld der Unternehmer, das von den Arbeitern selbst erarbeitet worden ist. "1989 seien 8,5 'Industrie-Millionen' an die FPÖ und ihre Nebenorganisationen geflossen, weiß Marizzi", heißt es im Kurier (3.9.92). Die FP gibt an, jährlich nur zwei Millionen Schilling von ihren vereinigten industriellen Hintermännern zu erhalten. "Tatsächlich dürfte dieser Betrag mindestens das Zehnfache betragen, da zusätzlich auch die neun Landesverbände Geld geben. (News, 3.12.92) Motto: "Einfach jährlich. Einfach Jörg." Für den Generalsekretär der Großindustriellen, Ceska, ist Haider auf jeden Fall "ein gescheiter, intelligenter Mann, der strategisch denken kann". "Daß er massiv in die SPÖ-Gemeindebauten in Wien hineingeht, dazu kann man ihm ja gratulieren. (News, 3.12.92) Um zu den entsprechenden Arbeiterstimmen-Summen zu kommen, müssen zuerst einmal die Unternehmer-Summen stimmen. Noch besser als das Großkapital mit Jörg Haider kann nur noch Jörg Haider mit dem Großkapital. (Denn letzteres hat ja derzeit noch Franz Vranitzky in der besseren Position.) Es gibt in jeder kapitalistischen Gesellschaft zwei Lager. Haider steht im Lager der Reichen. Noch bevor ein Geldsack verschnupft ist, hustet er. Auf die unlösbaren Probleme des Kapitalismus reagiert er wie alle Reaktionäre mit - Superkapitalismus. In seinen großen Ansprachen in der Wiener Börse und anderswo läßt er die Peitsche auf die Arbeiter niedersausen, daß es grad so klatscht (in den Ehrenreihen): "Arbeitsmoral!", "Verantwortung!", "Pflichtbewußtsein!", "Leistung!", "Leistungswille!", "Leistungsbewußtsein!", "Leistungslöhne!", "Motivation!", "Qualifikation!", "Mehrleistung!", "Mehrarbeit!", "Überstunden!" (Österreich-Erklärung, 1994) Haider gibt vor, das verhaßte System zu bekämpfen, in Wahrheit ist der Leistungshetzer dessen Stoßtrupp. "Die Interessen der unternehmerisch arbeitenden Menschen zu vertreten, bedeutet für das Gemeinwohl zu wirken - denn es sind eben die unternehmerisch Tätigen, die durch ihre Risikobereitschaft, ihren Erfindungsreichtum und ihre Arbeit das Rückgrat des Wohlstandes aller darstellen." (in: RFW- WirtschaftAktiv, April 1990) Wenn ich der finanzielle Hintermann der sogenannten Freiheitlichen
wäre, würde ich mir wünschen, das heißt verlangen,
daß sie einerseits für den Abbau der Lohnnebenkosten
und andererseits für mehr Privatisierung eintreten, einerseits
mehr
öffentliche Aufträge fordern und andererseits flexible
Arbeitszeiten, da die Abschaffung der Lohnsummensteuer und dort
ein flexibleres Arbeits- und Sozialrecht durchsetzen, sich zum einen
für die ersatzlose Abschaffung der Vermögenssteuer starkmachen
und zum anderen für die Verschärfung der Zumutbarkeitsbestimmungen,
eine steuerliche Besserstellung des Eigenkapitals müßte
von keinen weiteren Arbeitszeitverkürzungen begleitet sein,
neben freien Lohnvereinbarungen müßte die Abfertigung
für Unternehmer Wirklichkeit werden, neben einer Anhebung der
Pension der Selbständigen müßte sichergestellt werden,
daß es in Hinkunft keine verpflichtenden Reallohnzuwächse
mehr zu geben braucht, einer sozialen Absicherung auch für Unternehmer
auf der einen Seite müßte auf der anderen Seite die Streichung
von Feiertagen folgen, höheren Investitionsfreibeträgen
hüben müßte die Aufhebung des Nachtarbeitsverbots
drüben entsprechen. (Die angeführten Forderungen sind bereits
wortwörtlich solche der FPÖ.)
Marschieren fürs Großkapital Mit der Beihilfe zur Zerschlagung der Verstaatlichten
Industrie durch das ständige Einschlagen auf sie hat die Haider-Bande
nicht Politik für die Steuerzahler, sondern für die großen
Privatunternehmer betrieben. Auf daß sich Assmann, Swarovski und
Co. günstig bedienen konnten. Der fanatische Kampf Haiders gegen minimale
Menschenrechte für Menschen ohne zentraleuropäisehen Reisepaß
hat viel weniger mit Ausländerfeindlichkeit als mit Unternehmerfreundlichkeit
zu tun. Wenigstens sog. Ausländer sollen ohne alle Auflagen zu Niedrigstlöhnen
arbeiten müssen. Der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW)
fordert "Erleichterung bei der Einstellung ausländischer Arbeitskräfte"
(Wirtschaft
aktiv 2/90), und in den Blauen Markierungen heißt es: "Die Heranziehung
ausländischer Arbeitnehmer hat auf Grundlage von Bedarfserhebungen
unserer Wirtschaft zu erfolgen." (Neue Freie Zeitung, 13.9.90) Den
Facharbeitermangel der Reichen will die FP nicht mit höheren Facharbeiterlöhnen
beheben, sondern einerseits mit "Einbindung der Wirtschaft bei der Erstellung
der Lehrpläne und Schulungsunterlagen"
(Blaue Markierungen 1990),
andererseits "sagte Haider, die Einführung eines Berufsheeres würde
das Problem auf einen Schlag lösen, weil nach der Abschaffung der
Wehrpflicht für die Wirtschaft mit einem Schlag ein ganzer männlicher
Geburtsjahrgang zur Verfügung stehe"
(Kl. Zeitung, 31.8.91).
Um das Rundfunkmonopol des ORF zu bekämpfen, ging Haider bis zum Europäischen
Gerichtshof in Straßburg. Das Monopol wird zerschlagen, die Bundesregierung
muß zusätzliche Radiofrequenzen hergeben. Haiders Kampf für
die Meinungsfreiheit, die er meint, war also erfolgreich: Die neuen Sender
sind ausnahmslos im Besitz von Zeitungszaren (Falk, Dichand, Styria, Schmidt,
Springer, ...), Großindustriellen (Leykam, VÖI, Ottakringer,
...) und Banken (Raiffeisen, Bank Austria, Erste, BTV, Hypo, PSK, ...).
Ein letztes Beispiel dafür, wie die FPÖ fürs große
Geld marschiert: Die Tiroler Industriellenvereinigung fordert alle vierzehn
Tage die Müllverbrennung. Der Präsident selbst nämlich will
mit seiner eigenen Firma ganz groß ins ganz große Müllverbrennungsgeschäft
einsteigen. FPLandesrat Lugger, mit dem die VÖI ein Verhältnis
hat, lt. Kurier sogar "ein gutes Verhältnis" (Kurier, 16.1.93), haben
sie schon soweit. Während er zuerst nur "über Müllverbrennung
reden, aber keine Debatte vom Zaun brechen" wollte (TT 12.11.93),
setzt er inzwischen "auf kleine, umweltfreundliche Verbrennungsanlagen"
(Tirols Wirtschaft, 1.7.94). Wenn D. Bachmann, der Geschäftsführer
der Tiroler Großindustriellen, sagt, "Ich achte sehr einen Hannes
Lugger." (Strafprozeß FÖHN/Bachmann, LG Innsbruck, 1993),
weiß er warum.
Die "Systempartei" Der Eindruck, die FP bringe mit ihren Forderungen etwas weiter, entsteht deswegen, weil sie durchwegs Unternehmer-Anliegen formuliert, die sich im Österreich von heute (ohne nennenswerte Gewerkschaft und ohne jede Arbeiterbewegung) großteils auch ganz ohne FP durchsetzen ließen. Aber der Eindruck ist enorm wichtig, weil er neuen Glauben an das Parlament entfacht als den Ort, wo wirklich Politik gemacht werde. Haider selbst lobt seine "Partei, die wie keine andere die jungen Leute wieder zu den Urnen geholt hat" (Basta, 6/91). Und: "Dieses Österreich kann sich glücklich schätzen, daß die FPÖ seit 1986 – sehr zum Unterschied von den Altparteien - das Interesse vieler jugendlicher und junger Mitbürger wecken konnte. Damit haben wir unseren Beitrag gegen die Politikverdrossenheit geleistet. Uns glauben die jungen unser soziales und reformerisches Engagement." (Wirtschaftswoche, 11.3.92) Damit schürt Haider die Illusion in diesen Staat und trägt damit zu dessen Festigung bei. Sein abgehalfterter Ziehvater Mario Ferrari-Brunnenfeld wirft jetzt Haider vor, "unser demokratisches System überhaupt in Frage zu stellen" (Standard, 6.12.88). Dabei ist ihm doch nur der viel grössere Vorwurf zu machen, unser undemokratisches System überhaupt nicht in Frage zu stellen, im Gegenteil, es zu vervollkommnen, das heißt zu verschärfen. Im kapitalistischen Parlament heißt Opposition ja nicht, daß sie das Gegenteil der Regierungsparteien will, sondern bloß daß sie es direkter und brutaler will. (Von den Grünen wollen wir nicht reden, wenn wir von Opposition reden.) Wie die sog. Freiheitlichen diesen Staat in Schutz nehmen,
wird besonders augenfällig an ihrer Einstellung zu den beamteten Staatsschützern.
Um die kapitalistische Ordnung wie ein Bollwerk abzusichern, setzen die
Haider-Leute total auf die Exekutive. Viel Polizei (Staatspolizei, Kriminalpolizei,
Bundespolizei, Grenzpolizei, Fremdenpolizei, Cobra, Alarmabteilung, WEGA,
Einsatztruppe zur Bekämpfung des Terrorismus, ...), immer mehr Polizei
ist nötig, um die derzeitigen ungerechten und menschenunwürdigen
Verhältnisse aufrechtzuerhalten. Wo der unermeßliche Reichtum
weniger von der Armut vieler herrührt, braucht es ein gewaltiges Heer
von Waffenträgern, die verhindern, daß er zu denen zurückkehrt.
Heute kann sich Haider seinerseits schon weitgehend auf diese Stützen
des Staates stützen. Kaum ein Wahlkampf-Stopp ohne Besuch im örtlichen
Rayonslokal, kaum eine Wahlkampfrede ohne ausdrücklichen Dank an die
Exekutive. Wenn er gegen die, die die gegenwärtigen Zustände
so nicht hinnehmen wollen, noch mehr Polizei fordert, und um deren Schlagkraft
zu erhöhen bessere Bezahlung für sie, dann liefert er damit den
letzten und stärksten Beweis dafür, daß die Freiheitlichen
die verläßlichste Fraktion des herrschenden Systems sind.
Haiders Kapitalissimus Die relativ wenigen, die davon profitieren, wie alles eingerichtet ist, können und die relativ vielen, die darunter leiden, müssen feststellen, daß die Haider-Partie nicht etwas anderes will, sondern bloß mehr von dem, was ist. Sie fühlt sich wohl im Bestehenden, zelebriert den Luxus der Gstopften. Die Sitzung des Bundesparteivorstandes der FP findet z.B. einmal im elitären Hotel Hilton in Wien (15.3.94), ein andermal z.B. im schnicken Hotel Plaza in Wien (11.10.94) statt, die Klub-Tagung wird z.B. im mondänen Tiroler Fünf-Sterne-Hotel Alpenkönig begangen (12.12.94) und die Bundesparteileitung geruht ihre Sitzung z.B. im Salzburger Holiday Inn abzufahren (19.3.94). Daß Haider in Krumpendorf am Wörthersee ein Hundertbetten-Hotel (mit Vorkaufsrecht) für die Partei gepachtet hat (Kurier, 21.5.94), zeigt die Ausrichtung dieser Leute, die ständig wie Dressmen durch die Innenpolitik tribbeln, vom Laufsteg in die Garderobe, von der Garderobe auf den Laufsteg usw. Sie kritisieren das System? Sie protegieren es! W. Meischberger, Generalsekretär oder was, betreibt in der teuren Innsbrucker Maria-Theresien-Straße und in der noch teureren Wiener Kärntner-Straße Designer-Mode-Boutiquen namens "High Society". Dort wollen sie hin. Glaubwürdiger als mit Worten kann man mit seinem eigenen Tun für die Satten eintreten: "So jettete der Chefblaue gestern früh von Wien nach Innsbruck, per Auto weiter nach St. Anton, um in einem Tennis-Schaukampf anzutreten. Danach Rückflug nach Wien zu einer weiteren Benefiz-Tennisgala, um anschließend erneut ins Alpenland einzufliegen: Denn abends war in St. Anton ein Kamingespräch mit dem FPÖ- und Polit-Tenniscrack angesetzt." (Kurier, 18.12.88) Was Haider und Vranitzky der Oberschicht mit ihrem Tennis signalisieren (Seht her! Wir sind Snobs wie Ihr!), das demonstrieren ihnen Vranitzkys Frau und Haiders Generalsekretär mit Golfspiel. Sie wollen nicht über dieses System hinaus, sie wollen nur in die alleroberste Etage vordringen. Haider mit einem 200-Quadratmeter-Penthouse in Praternähe hat es ebenso geschafft wie der Gewerkschafts-Präsident Verzetnitsch mit einem City-Penthouse. So herzerfreuend diese klaren Botschaften für die Großbesitzer und Großverdiener sind, so alarmierend müßten sie für den großen Rest der Bevölkerung sein. Kann man lauter hinausschreien, wohin man gehören will und wohin nicht, als Meischberger mit seinem dunkelblauen Porsche-Carrera Cabriolet mit 272 PS (IL-WM 911) um 1,5 Millionen Schilling und Haider mit seinem metallicschwarzen Porsche-Carrera-Cabriolet mit 272 PS (K-7207 G) um 1,5 Millionen Schilling es tun? Warum wählen die Bahnfahrer und Mitshubishi-Fahrer die Porsche-Fahrer? Warum beten die Leute ihre Unterdrücker an? Warum haben sie die Fürsten und Kaiser angebetet? Warum wählen die für die Gewinne von Aktienbesitzern rackernden Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter die aus ihrer Lohnarbeit Gewinn ziehenden Aktienbesitzer? "FPÖ-Obmann Dr. Jörg Halder ist überzeugter Börsianer. Entsprechend stark ist auch sein Engagement auf dem heimischen Kapitalmarkt", schreibt der Börsen-Kurier (25.6.92). Und weiter: "Dr. Jörg Haider betreibt eine sehr gezielte und ausgewogene Portefeuilleplanung [=Wertpapieranlagen-Planung], wobei er durchaus flexibel auf die wechselnden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen agiert. Zwischen einem Drittel und einem Viertel investiert er an der Wiener Börse, und das mit guten Erträgen. Vor allem in der Bau- und Brauereibranche war er mit den Ergebnissen mehr als zufrieden". (Den Arbeitern der Brauerei Sorgendorf versprach Haider einmal, "den Bierbaronen die Wadl nach vorne zu richten. Kurz darauf wechselte er die Seite und nahm mit den Bierbaronen einen Bieranstich vor.) Einen weiteren Schwerpunkt bilden Realitäten und Immobilien. Den Rest hält er über Sparguthaben und Genußscheine als Cash. Damit hat er den nötigen Spielraum, um schwächere Perioden bzw. Konjunkturschwankungen auszugleichen und zu überbrücken. Zudem besteht die Möglichkeit, bei günstigen Gegebenheiten rasch aktiv zu werden." Der Haider-Trupp hat viel über für dieses System,
und dieses System hat viel über für einen Trupp wie diesen. Nach
dem "Motto: 'Laut kritisieren und still kassieren"', das Haider im FPÖ-Pressedienst
(18.12.89) zwar auf die Grünen gemünzt hat, haben diese "Skandalbrüder,
die sich aus dem Steuertopf bedienen" (Haider im FPÖ-Pressedienst
am 19.2.88 zwar über SPÖ und ÖVP) z.B. im Jahre 1993
36,4 Millionen staatliche Parteienförderung plus Wahlkampffinanzierungskosten
aus Steuermitteln des Bundes und auf der Ebene der Länder 182 Millionen
an diversen Förderungen abgezockt. Sie paßt ihnen, diese Staatsordnung
wie angegossen. Man kann ihnen keinesfalls - wie es manche tun vorwerfen,
daß sie dieses System ablehnen. Vorwerfen kann man ihnen n u r, daß
sie es nicht ablehnen. Sie wollen es perfektionieren, das ist alles. Und
das kann ihnen ja nur verübeln, wer das kapitalistische Organisationsprinzip
unserer Gesellschaft an sich für schlecht hält, und niemand,
der dieses an sich für gut hält.
Die Anti-Haider-Szene Was hat J. Haider mit dem schrecklichen A.H. zu tun? Ist
es überhaupt zulässig, beide in einem Satz zu nennen? Nützt
A.H. heute J. Haider oder schreckt er die Leute eher von Haider ab? Bringt
er ihm Wähler? Ist die Person des A.H. hilfreich für Haider,
wenn er Arbeiterstimmen fangen geht? Stärkt Haider die Popularität
des ungustiösen A.H. durch die Art der Beschäftigung mit ihm
oder wird umgekehrt Haiders Popularität gestärkt durch die Art
der Beschäftigung, die ihm wiederfährt durch den ungustiösen
Andre Heller?
Heller Wahnsinn Hier wie dort, bei Haider wie bei Heller, werden Menschen
darauf ausgerichtet, jemandem nachzulaufen. Wobei hier lediglich wie sonst
auch in unserem Wirtschaftssystem - durch massive Werbung ein Produkt gegen
ein anderes ausgetauscht wird. An der Konsumsklaverei ändert sich
damit überhaupt nix. Dieses Einschwören auf Anführer ist
zutiefst anti-antidemokratisch und anti-aufklärerisch. Wenn eine Studie
an der Uni Salzburg ergeben hat, daß "zwischen 10 und 15 Prozent
der Teilnehmer einer Lichterkette gegen Ausländerfeindlichkeit bei
passender Regie auch bei einer Antiausländer-Kundgebung mitmarschieren"
würden (Kurier, 10.4.93), kann man verstehen, was ich meine.
Die Heller-Partie wie die Haider-Partie schreckt entsetzt davor zurück,
die Menschen aufzufordern, selber ihre Interessen zu vetreten. Mit einem
solchen Aufruf würden sich beide nur selbst in höchste Gefahr
begeben.
Um ihren Reichtum zu rechtfertigen, schmückt ihn die Anti-Haider-Szene mit antifaschistischen Girlanden, und um von ihrem Einverständnis mit den unhaltbaren Zuständen in diesem Lande abzulenken, heftet sie sich Anti-Haider-Buttons auf ihre Gucci-Westen. Klar, daß sich diese satten Einkommensmillionäre (aus Funk und Fernsehen) nur der Geschichts-Keule bedienen wollen, um auf Haider einzuschlagen. Aber erstens ist Haider ein Produkt der Kreisky-Zeit und nicht der Hitler-Zeit, und zweitens überzeugen diese Rüffel die Haider-Wähler nicht. Sie spüren ganz richtig, daß Geschichte immer etwas Retuschiertes, etwas Zurechtgemachtes ist, daß das Aufgeschriebene immer etwas von oben, von den Herrschenden Kommendes ist, etwas Reglementierendes, Verbietendes, Befehlendes. Offizielle Geschichte ist etwas, wo das Volk nie rechtbekommt. Diese Lektion hat es in Jahrhunderten gelernt. Ein mit Geschichts-Prügeln verfolgter Haider wird den Leuten als Mitunterdrückter ans Herz gelegt. Das ist den Schauspielern des Anti-Haider-Theaters in ihrer Selbstinszenierung ziemlich wurscht. Im übrigen zeigt eine nach der jüngsten Nationalratswahl durchgeführte Studie, daß bei Haider-Wählern "ideologische Orientierungen oder Affinitäten [= Neigungen] zu deutschnationalem wie nationalsozialistischem Gedankengut keine relevante Rolle spielen": "Im wesentlichen wird die Haider-FPÖ nicht wegen, sondern trotz ihres ambivalenten [= zwiespältigen] Verhältnisses zu Deutschnationalismus und zu rechtsradikalem Gedankengut gewählt." (Fessel+Gfk Studie, November 1994) Inzwischen blüht das Geschäft gegen Haider,
die Umsätze der Haider-Gegner ziehen mit seinem steigenden
Kurswert mit. Der literarische Bestseller im Frühjahr 1995, Haslingers
"Opernball", hängt am "Führer der Nationalen Partei, Jup Bärenthal",
und den literarischen Bestseller im Herbst 1995, Roths "Der See", soll
"ein Attentat auf einen populistischen Parteiführer" krönen,
"eine Gestalt, die wohl die bildschirmgetreue Karikatur Jörg Haiders
ist", wie nicht nur News (24.11.94) erraten hat. Das Widerlichste
an dieser Masche ist, daß hier der Schicksalhaftigkeit der politischen
Entwicklung das Wort geredet wird. Das ist genau diese Irrationalität,
auf die ein dreckiger Politiker aufbauen kann.
Ein tolles Feindbild braucht einen tollen Rahmen Wo Plakate es ins Land hinausplärren: "Haider kommt!"
- schallt es von unzähligen Flugblättern zurück: "Wir kommen
auch!" Seit Jahren mobilisieren Anti-Haider-Initiativen mit enormem Einsatz
auf Unis und in Schulen für Haiders öffentliche Auftritte. Sie
sind nicht gesteuert, nein, das sieht nur so aus. Es ist ihnen wirklich
ernst. Was sie tun, ist zwar nicht gut gedacht, aber gut gemeint.
Ein
schönes großes Feindbild macht die Sache deppeneinfach. Haider
bestimmt Ort und Zeit, und sie brauchen ihm nur zu folgen. Aber natürlich
gehen sie gegen ihn an diesen Ort, darauf legen sie Wert. Sie hüpften,
wenn er in den Bach hüpfte, ja auch gegen ihn in den Bach. So unschuldig
und unbedarft, wie sie sind, haben sie sehr viel mit den Haider-Wählern
zu tun, wogegen sie sich natürlich arg verwehren. Ihre bedeutendste
Leistung neben ihrer stimmlichen ist die absolute Treffsicherheit auf das
falsche Ziel. Die unendlich vielen Berührungspunkte zwischen FP und
SP(VP) sind sie fest entschlossen, als dicke Mauer zu sehen, die die beiden
voneinander trennt. Sie machen Haider ohne Not zu dem ganz anderen, womit
sie ihm (und auch ein bißchen den übrigen Parteien) viel Gutes
tun. Ihr Nichts-Wissen sollte man ihnen gar nicht vorwerfen, nur ihr Nichts-Wissen-Wollen.
Was möchten sie eigentlich vor Haider schützen? Die Zustände,
die ihn hervorbringen oder was?
"Haider kommt! Wirr auch!" Haider in Innsbruck, der Landhausplatz gefüllt von und mit solchen Haider-Gegnern: vom gegenüberliegenden "Haus der Industrie" herunter schaut man mit großer Befriedigung auf dieses Spektakel, das Haider hier bereitet wird. Die Demonstranten, allesamt mit dem Rücken zur VÖI, haben nicht den leisesten Zweifel, nicht das Böse selbst vor sich zu haben, wenn sie Haider vor sich haben. Da kommt drüben bei den Industriellen Swarovski, Schretter, Schwarzkopf Freude auf. So ein Haider, der auf sich ablenkt, ist viel wert. Und solche Gegner, die auf diese Ablenkung hereinfallen, noch mehr. So hat denn Innsbruck schon 24 Pfeifkonzerte gegen Haider, aber noch keines gegen die Industriellenvereinigung gesehen. Bald ist silbernes Jubiläum. Haider anschreien ist nicht handeln, aber es verleiht ein bißchen dieses Gefühl des Handelns. Ohne Haider käme man auch um dieses. je lauter man schreit, desto nebensächlicher wird: was. Das Gejohle zeigt, daß sie für das Zugrundeliegende keine Sprache haben. Sie schaffen nur gerade das Zusammenschreien Haiders, aber nicht das Auseinandernehmen, nur das Niederbrüllen seiner Agitation, aber nicht das Aufklären. An Selbstüberschätzung herrscht dennoch keine Not: "Nachdem der letzte Auftritt im Herbst 1992 schon den Charakter einer Anti-Haider-Kundgebung mit Haider hatte, wurde der letzte Auftritt des Führers in der Innsbrucker Altstadt zum - gelinde gesagt - totalen Fiasko für die FPÖ, Motto: Haider der Statist." (Bettelwurf 1/94) Ja, und so hat man seitdem von Haider nie mehr etwas gehört. Haider-Auftritt auf dem Linzer Stadtplatz: Demonstranten:
"Nazis raus! - Nazis raus! - Nazis raus!" / Haider: "Gesindel!" / Demonstranten:
"Wir wollen keine Nazi-Schweine!" - "Wir wollen keine ... !" / Haider:
"Gesindel!" Die fatale Botschaft dieser Haider-Gegner ist: 'Haider, du
hast nichts zu tun mit diesem Staat! Es ist unser Staat! Wir stehen ihm
soviel näher als du!' Richtig wäre indes das Gegenteil: 'Haider,
du hast viel zu tun mit diesem Staat! Es ist nicht unser Staat. Du stehst
ihm soviel näher als wir!' Daß sie mit "Nazis raus!" nur nach
dem Staat rufen und damit nach (mehr) Staatsgewalt, (mehr) Autorität
und (mehr) Repression, das dämmert ihnen im wilden Gekreische nicht.
Haiders autonomer Hilfstrupp Sie brauchen ihn mehr als umgekehrt. Aber er kann aus ihnen politisch mehr Nutzen ziehen. Er versteht es, sie in sein Ritual einzubinden, seine Rede mit den von ihnen hinausgepulverten Wortfetzen aufzubessern, sich auf der Welle ihrer billigen Empörung ins Bundeskanzleramt tragen zu lassen. Wenn sie zum "Trillerpfeifenkonzert am Landhausplatz für
Jörgl Haider" einladen, beachte man das deutliche für
und die Koseform des Namens. Oh, wie sie seiner bedürfen! Oh, wie
er ihrer bedarf! Er muß ja jemanden da haben, an dem er sich vorfuhren
kann. Ihr Trampeln, Pfeifen, Schreien ist freilich ein Zeichen der Schwäche,
nicht der Stärke. Sie, die selbst nicht zu den Leuten gehen, wollen
auch nicht, daß er zu ihnen spricht. Die Anti-Haiderianer versuchen
erst gar nicht, zwischen ihn und seine Wähler hineinzufunken. Im Gegenteil.
Die, die da pfeifen, pfeifen auf die Haider-Wähler. (Das ist das Reaktionäre
an ihnen.) Es gibt viele, die j. Haider prügeln, und damit die kleinen
Leute prügeln wollen, die kleingemachten. Das "KPÖ"-Blatt Salto
schüttelt
sich eine Seite lang vor Grausen vor den Haider-Zuhörern bei der großen
Kundgebung in Klagenfurt und läßt ihre Verachtung für die
Leute in dem angeblichen Ausspruch eines jugendlichen Haider-Gegners gipfeln:
"So viele Arschlöcher auf einen Haufen habe ich in meinem Leben noch
nicht gesehen." (Salto, 28.6.91)
Anti-Haider-Wissenschaft als Herrschaftswissenschaft Keine Sparte der Wissenschaft boomt derzeit in Österreich
so stark wie die Wissenschaft vom Haider. Während Georg Trakl grad
noch drei Leuten den Unterhalt ermöglicht, werden durch die Befassung
mit Haider heute bereits halbe Institute voller Assistenten, Dozenten,
Professoren usw. wohl genährt. Weil Haider zulegt, kann diese Forschung
zulegen. Und weil sie zulegt, kann er zulegen. Das kommt so: In der Wissenschaft
werden die Ursachen der vor sich gehenden politischen Entwicklung aus der
Gegenwart weggeforscht und in die Vergangenheit hineingeforscht, womit
sie in der Wirklichkeit weiter wirksam bleiben können. Die pragmatisierten
Haider-Gegner haben vor allem die Aufgabe, uns mit dem großen antifaschistischen
Löffel jene Menge Einverständnis mit der Welt, wie sie ist, einzuflößen,
wie sie uns nur irgendwie einzuflößen. Das Schlimme am staatlich
geförderten Antifaschismus ist, daß er in jedem Satz, wo er
recht hat, auch gleich noch eine Lüge unterbringen muß. Und
die Lüge ist ihm auch noch wichtiger!
Den Mächtigen ein Widerständchen bringen Um die Zustände, so wie sie sind, zu rechtfertigen,
ist dieser - genau dieser - Antifaschismus bitter nötig. Nicht vom
faulen Kern darf die Rede sein, sondern von einem gefährlichen rechten
Rand. Damit ist das Problem schon einmal sprachlich ausgelagert und das
System selber von jedem möglichen Systemfehler losgesprochen. Das
DÖW mit seinen "Rechtsextremismus"-Wälzern marschiert vornean
und hundert beflissene Wissenschafter hinterher. Wo ist die wissenschaftliche
Zerlegung Haiders, die ohne Glorifizierung der vom Kapitalismus auf den
Kopf gestellten Demokratie auskommt? Die Wissenschafterin Maria Wölflingseder
klagt, daß bei vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen, die noch und
noch über Haider und sog. Rechtsextremismus publizieren, die Bedingungen
des "von ihnen wahrgenommenen Rechtsextremismus" selber nicht zur Sprache
kommen. Das einzige, was diese "Damen und Herren Wissenschafterlnnen" leisten,
schreibt sie, "ist das Einstimmen in den Chor des 'braven Staatsantifaschismus'
der Regierungsparteien" (Volksstimme).
Beihilfe Es gibt vier Sorten Journalisten, und alle viere haben ihren Anteil am Aufstieg Haiders: erstens die zeitgeistigen vom Schlage Basta, zweitens die konservativen vom Schlage Kurier, drittens die reaktionären vom Schlage Kronenzeitung und viertens die revolutionären. Alle helfen Haider. Letztere, indem sie nicht vorhanden sind. Die Reaktionäre, indem sie der asozialen Politik von Vranitzky und Co. den Boden bereitet haben. In einem ununterbrochenen Stafettenlauf haben Leute wie Rupert Kerer und Otto Schulmeister, Sebastian Leitner und Viktor Reimann, Ilse Leitenberger und Ingomar Pust, Hans Dichand und Hans Thür, Alfons Dalma und Eduard Peters Propaganda aus der Nazizeit ins Heute herübergerettet (den Negerhaß, den Serbenhaß, den Polenhaß, die Demokratiefeindlichkeit, ...). Mit diesem Dreck haben Generationen aufwachsen müssen, in solche Zeitungen war Salat eingewickelt ("so artet der Strafvollzug aus in geschlossene Hotelurlaube"), mit solchen wurden nasse Schuhe ausgestopft ("mit Auto und Pelzmantel anreisende 'Flüchtlinge"'), mit solchen wurde der Arsch geputzt ("es wäre sicher zuviel verlangt von einem Juden"). Das Potential, das hier in der Bevölkerung angelegt ist, vermag ein Haider gar nicht annähernd auszuschöpfen. Wenn der Wirtschaftsresort-Chef der Tiroler Tageszeitung, Eduard Peters, schreibt, man hätte gerne einmal "aus Polen gehört, daß man gewillt sei, wieder das Arbeiten zu lernen" (TT, 6.12.89) womit er dicht an die entsprechende Nazipropaganda anschließt, dann kann sich Haider da nur genüßlich anhängen: "Lech Walesa ist seit seinem Amtsantritt zum Präsidenten mehr breit als hoch geworden - das ist symbolisch für die Denkungsart, die dort herrscht." Und: "Drei Stunden Arbeit am Tag sind zu wenig." (Profil, 13.5.91) Die Rede ist hier nicht vom Gauturnblatt oder von der Deutschen Nationalzeitung, sondern von den sog. österreichischen Massenblättern. Das rassistische, antisemitische, fremdenfeindliche, frauenfeindliche, arbeiterfeindliche Klima ist nicht von den Azoren gekommen, es wurde hier in jahrzehntelanger mühsamer Kleinarbeit in hunderttausenden beschwerlichen Stunden an der Schreibmaschine von Hand gemacht. Die Schmocks rümpfen die Nase über die Rülpser
an den Biertischen. Sehen wir doch, wie diese Rülpser dorthinkommen!
Immer wieder, immer noch. Heute besorgen den Nachschub Leute wie Staberl,
Leitgeb, Jeannee, Markaritzer oder Schmidl. Weil es z.B. beim Kurier einen
Schreibtischtäter Herwig Schmidl gibt, kann es z.B. im Parlament einen
Rednerpulttäter Jörg Haider geben. Wenn jener schreibt, "das
Arbeitsmarktsystem ist in unseren Tagen zum Faulbett der Schmarotzer verkommen"
(13.6.90),
dann kann dieser getrost formulieren, es dürfe nicht für
"Tachinierer, Faulenzer, Sozialschmarotzer" Politik gemacht werden
(Standard,
18.2.94), wenn der eine leitartikelt, "als Gesindelherberge ist Österreich
nicht vorzusehen" (8.4.90), kann der andere im Radio gegen den "Import
von Kriminalität" (Morgenjournal, 21.9.90) loslegen.
Antifaschistische Karikaturen?
Haider ist gar nix. Er ist grad soviel wie der Johann
Kogler aus Kapfenberg. Nein, weniger natürlich. Aber er hat vierzehn
Tageszeitungen und weißgott wieviele Wochenmagazine usw., die wie
riesige Lautsprecher jeden Schnaufer von ihm monströs ins Land hinausheulen.
So still könnte er gar nicht atmen, daß es nicht acht Millionen
von acht Millionen Österreicherinnen und Österreichern orkanartig
ums Ohr pfiffe! Als höchstmöglicher Multiplikator hat sich hervorragend
tiefstmögliche Entrüstung bewährt. Nicht nur Haider pur
verkauft sich gut, sondern auch Entrüstung über Haider. Im Zimmer
des Profil-Chefredakteurs, war einmal zu lesen, "hängen die Titelseiten
der zehn am besten verkauften Hefte der Profil-Geschichte an der Wand.
Cover mit Haider nehmen derzeit die Plätze 1 und 7 ein." (Forum,August
1989) Und das bereits 1989! Was sind die wahrscheinlich vierhundertachtunddreißig
Zehentmayr-Karikaturen über Haider im Kurier und die vielleicht dreihundertsieben
Deix-Cartoons zu Haider und die schätzungsweise auch schon zweihundertsechsundachtzig
Haderer-Bildln von Haider im Profil anderes als ständig frische, marktgerechte
Ware? Daß die Selbstheroisierung der antifaschistischen Zeichner
Haderer, Deix, Zehentmayr die Haiderheroisierung vorantreibt, das können
sie schon in Kauf nehmen - bei diesen Honoraren.
Die neueste Waffe dieses Unfreiwilligen-Korps Haiders ist Heide Schmidt. Weil es ihnen machtpolitisch zweckmäßig erscheint, machen sie auf einmal riesige Unterschiede zwischen Haider und der obersten Haiderianerin, die jahrelang die wüste FP-Politik kaltlächelnd serviert hat. jene Heide Schmidt, die 1967 dem deutschnationalen RFS und 1972 bereits der FPÖ beigetreten ist, der zu Hitlers "Beschäftigungspolitik" nur einfällt, es könne in dieser Frage eben "konträre Meinungen geben" (Profil, 27.7.91), und "historisch Gebildete" würden zum Ergebnis, daß sie .'ordentlich" war, kommen können (Profil, 5.8.91), jene Heide Schmidt, die sich statt zur österreichischen Nation nur zur "österreichischen Identität" bekennt (Forum,März 1992) und die an der "Mißgeburt der österreichischen Nation" nur die "Wortwahl unpassend" findet (Profil, 28.11.88), zur Anpreisung der "FP als Schädlingsbekämpfungsmittel" meint, es gebe eben "Worte, die sich aufdrängen" (Kurier, 10.9.90), und Nazipropaganda in einer FPÖ-Publikation nur als "unnötig" bezeichnet (Profil, 19.6.89), jene Heide Schmidt wohlgemerkt, die den 12-Punkten des "Anti-Ausländervolksbegehrens" im Parteivorstand selbst zustimmt (Profil, 27.10.92) und mit zwei schweren FP-Jungs, die Haiders "Anti-Ausländer-Volksbegehren" unterschrieben haben, jetzt auf liberal macht. (Umgekehrt haben genau diese bürgerlichen Medien den zwei reaktionären Hetzern Hans Pretterebner und Liane Höbinger-Lehrer jene unbezahlbare Popularität verschafft, an der Halder einfach nicht vorübergehen konnte. (Erst dadurch wurden sie plötzlich zu Unpersonen, nicht durch ihre Ansichten.) Faschismus ist für diese Journaille einfach das, "was uns schadet", und Antifaschismus das, "was uns nützt". Die einzige Sorge, die diese Zeitungsschreiber umtreibt, ist die, daß ihre frisch herausgeputzte Antifaschistin nicht so gut ankommen könnte. Schmidt-Coach Peter Pelinka redet ihr ins Gewissen: "Vielleicht könnte ein zusätzliches Lächeln dort, ein Augenaufschlag da irgendwas von diesem 'coolen' Image, vor dem offenbar vor allem Männer erschrecken, aufweichen. Sagt Ihnen das manchmal jemand, der Sie berät?" (P. Pelinka, Heide Schmidt, 1993) In Anbetracht einer solchen Opportunistin geht der bösgemeinte Vorwurf an Haider, er sei ein Opportunist, schon fast ins Leere. Wo wirkliche Haider-Kritiker zulangen müßten, können diese Haider-Kritiker nicht. Es ist bezeichnend, daß mit Rauscher und Pelinka gerade jene zwei Chefredakteure die Speerspitze des Söldnerheers (weniger übertrieben gesagt: die Kugelschreiberspitze) gegen Haider bilden, die Jubelbücher auf das System Franz Vranitzky (Vranitzky - eine Chance) und Heide Schmidt (Heide Schmidt. Eine Provokation) verfaßt haben. Mit wieviel Aufwand sie loslegen, wenn sie loslegen: Sie
nennen ihn ein Chamäleon (Kurier), einen Oberwendehals (AZ), einen
Opportunisten (K7Z), Pharisäer (SN), Demagogen (AZ) gar. Trifft ihn
das? Trifft es ihn, wenn sie ihn Großspruch (AZ), Großmaul
(NZ) oder Breitmaul (AZ) heißen? Trifft es das Problem, wenn er als
Karawankenpolitiker (Presse), Karawanken-Wurli (Kurier) oder Karawanken-Gadaffi
(KTZ) bezeichnet wird? Wie geistreich! Wie graziös! Wie der Artist
im Zirkus, der die Jungfrau in der Kiste zersägt, ohne ihr dabei wehzutun.
Ist er wirklich vor allem lächerlich (TT) und geschmacklos (Presse),
großspurig (Standard) und unverschämt (AZ), negativ (Kurier)
und neureich (NZ), sprunghaft (Kurier) und ausgeflippt (Standard), menschenverachtend
(NZ) und größenwahnsinnig (AZ), millionenschwer (K7-Z) und gefährlich
(TT), untragbar (Kl. Ztg.) und desorientiert (SN), arrogant (K7Z) und rotzig-frech
(AZ)? Die scheinbar über so viele Worte verfügen, verfügen
offensichtlich über so viele Worte nicht. Welche Arbeit, bis man solche
Charakterisierungen aufs Papier gebracht hat und - noch schwieriger - andere
nicht! Er sei ein Rechtsabweichler (SN), ein Separatist (Kurier), ein Scharfmacher
(AZ), ein Stammtisch-Führer (OÖN), ein Volksaufwiegler (Profil),
ein österreichischer Le Pen (Kurier). Wenn man sie so danebenhauen
sieht, fällt es schwer zu glauben, sie wollten nicht danebenhauen:
Kümmerling (OÖN), Poltergeist (NZ), ein Niemand (AZ), Streithansl
(N. Volksblatt), Früchterl (Kurier), Rabauke (Presse), Nasenbohrer
(AZ), Obermillionär (KTZ), Schimpfer (Kurier), Holzhacker (Kl. Ztg.),
Holzhackerbua (AZ), Trottel (Forum), Yuppie (Kl. Ztg.), Irrlicht (Kurier),
Witzereißer (KTZ). Was sieht man daraus? Haider sichert viele höchstdotierte
Arbeitsplätze in vielen Redaktionsstuben. Ihr Kampf gegen Haider besteht
darin, im Vorderteil der Zeitung einen fulminanten Mix aus Vergötterung
und Verteufelung feilzubieten, während der Hintern der Zeitung der
Haider-Werbung hingehalten wird: Die FP hat im Herbst 1994 allein in die
Tiroler
Tageszeitung zehn ganzseitige Anzeigen geschaltet.
Prospektmaterial Basta, Wiener, News Kommt Zeit, kommt Rat. Kommt Zeitgeist, kommt Unrat. Basta-ChefW.
Schima bejubelte bereits die Wahl Haiders zum FPÖ-Obmann am Innsbrucker
Parteitag 1986: "Ich habe die Ehre und das - warum nicht? - Vergnügen,
die nationale Hoffnung auf seinem Siegeszug zu begleiten." Was folgt, ist
eine ununterbrochene Serie von Werbe-Artikeln von der Art "Haiders Plan:
So will der blaue Durchstarter Kärntner Landeshauptmann -werden",
"Die zwei Gesichter des Jörg H.", "Die FPÖ im Siegesrausch: Sekt
für alle", "Jörg Haider: Die Kampfansage", "Haiders Heide", "So
räumt Jörg in Kärnten auf", "2 Tage und 2 Nächte mit
Haiders Crew", "Blaue Zukunft: Jörg light", "So will Haider Kanzler
werden", usw. All das raffiniert versteckt hinter Basta-Aufmachern
wie "Sex im Büro", "Wieviele Frauen braucht der Mann?", "Mythos Busen",
"Wenn Frauen Pornos machen", "Mach mich heiß", "Sex für die
90er", "Frauen, die kommen", "Geile Heimat", "Sex 2000" usw. Gelockt werden
die Leute mit Porno, hineingedrückt bekommen sie Politik. Da, wo sie
am schwächsten sind, am beschädigsten, werden sie gnadenlos gepackt.
Haider trifft auf die offene Wunde.
Logischerweise ist Haider auch fürs Privatfernsehen. In Deutschland wäre er ständig auf allen Kanälen der Gattung Wiener oder News, könnte sich von einer Talk-Show zur nächsten hanteln. Und hätte die kaputten Leute, die an diese Sender angeschlossen sind, zum Greifen nah. Basta liebt Haider heiß. Und für die
Wienerin
zieht er sich sogar aus. In der Ausgabe zur ersten Nationalratswahl
als Spitzenkandidat bringt die Wienerin " Playmate [ = Spielgefährte]
Jörg Haider" (Titel) in neun zum Teil ganzseitigen schlüpfrigen
Bildern, begleitet von ebensolchen Texten: "Die Hände über dem
Kopf, das brünette Haar verführerisch angefeuchtet, räkelt
er seinen nackten Rücken in der Nachmittags-Sonne. Braungebrannt und
Muskulös Ganz klassisch griechisch und professionell. Die Augen werden
eine Spur enger. Das Blau-Grau der Augen einen Deut tiefer. Wie aus Stahl.
(... ) Hübsche Hände, kraftvoll-sehnig." (Wienerin, November
1986). Noch hilfreicher ist freilich der große Bruder der Wienerin,
der Wiener. Mit nackten fünfzehnjährigen Mädchen auf
dem Titel wird hinterrücks Haider an den Mann gebracht. Wer nach den
bunten Bonbons "Das neue Lustzentrum der Frau", "Sex-Terror", "Erotic-Aerobic",
"Sex-Hormone" oder "Videos, die alles zeigen" langt, kriegt gewaltige Dosen
Haider verabreicht: "Unglaublich: Haider plant die Dritte Republik", "Haider
ist nicht zu stoppen", "Haiders Kanzler-Poker" usw.
Haider wird von den Medien von Erfolg zu Erfolg gepeitscht.
Den größten Knall hat die Kronenzeitung: "Jörg Haider
ist ein Politiker wie ein Wunschtraum." (11.5.86) Nicht nur vor der Nationalratswahl
1986 wird dort im Stile von "Wenn Haider lacht, geht die Sonne auf." (M.
Jeannee) berichterstattet. Die FP erntet auf dem Feld, das die Krone
bestellt hat.
Wenn Haider das alles zahlen müßte nach Inseratentarif, würden die Industriellen-Spenden gerade für die fetzigen Bildunterschriften ausreichen, z.B. in News. News hatte Haider in seine Blatt-Strategie von Anfang an fix eingeplant. Es hat den geforderten Erfolg des Magazins an den Erfolg Haiders geknüpft, nach dem Prinzip, ihn weiterschubsen und sich dranhängen, weiterschubsen und dranhängen. Das läßt sich belegen. News 1 brachte einen Gastkommentar J.M.Simmels zu Haider. News 2 widmete ihm die gesamte Flappe "So will Haider Kanzler werden", eine 6Seiten-Geschichte mit 12 Fotos und den Leitartikel. In News 3 gabs vier Seiten für ihn und den Leitartikel. Nach zwei Heften mit kleineren Haider-Geschichten und einem Leitartikel drehte News 6 mit Haider-Foto auf der Flappe, vier Seiten Haider plus Leitartikel wieder voll auf. News 7 schenkte ihm die ganze Flappe mit Foto, brachte sieben Seiten zu seinem Volksbegehren, ein doppelseitiges Interview und einen Leitartikel, garniert mit insgesamt fünf Fotos. Schon auf den ersten 28 Seiten ist der Name Haider mehr als sechzigmal zu lesen. Das hat nichts mit Journalismus zu tun, das ist etwas anderes. Und so geht es weiter. News 8 hat Haider wieder auf der Flappe und zwei Geschichten im Heft. News 9 kündigt ihn am Titel an, und bringt drei Seiten tolle PR-Fotos vom Felskletterer Haider und zwei weitere Haider-Geschichten. Und das geht so weiter. News 10 hat einen Haider-Köder am Cover nebst mehreren Haider-Seiten im Heft, News 11 detto. Im zwölften Heft bekommt er zwei Seiten für sein Volksbegehren, im dreizehnten gehören ihm das Titelblatt und zehn Volksbegehrens-Seiten und der Leitartikel. Das vierzehnte Heft räumt ihm sechs Seiten zum Thema Volksbegehren und zwei Seiten für ein Interview ("Haider: Ich bin der Tarzan") und eine Seite Leitartikel ein. Im fünfzehnten News ist er auf der Flappe und auf sechs Seiten im Innenteil, im sechzehnten ist er mit Foto auf der Flappe und mit acht Fotos auf acht Seiten im Heft. An Zufall ist da nicht zu denken. Das ist ausgetüftelt von Marketing-Experten. Übrigens zierte bereits die allererste, nur in Inserentenkreisen kursierende Musternummer der Zeitschrift eine Flappe mit Haider-Foto und Titel "So will Haider Kanzler werden". Wer bringt wen? News Haider? Haider News?
Bringt die CA die Tennistrophy an die Leute oder die Tennistrophy die CA
an die Leute? Bringt Benetton Schumacher oder Schumacher Benetton? Ist
Haider für News die Trägerrakete oder umgekehrt?
Der Kreis schließt sich. Die halbe News-Redaktion
kommt aus der alten A Z, dem Zentralorgan der SPÖ. Wiener/Basta
gehört
H. Schmidt, dem Besitzer der Werbeagentur GGK, einem engen Freund von Vranitzky.
Faschismus ist nicht etwas, was uns Haider aufzwingt. Faschismus ist etwas,
was das kapitalistische System mit sich bringt. Haider ist höchstens
eine Personalreserve, die sich unentwegt anbietet. Wir sind zurück
am Ausgangspunkt dieses Heftes, beim Titel.
Die Haider-Wähler haben recht.
Haider gilt vielen als das Gegenteil des Falschen - und
schon darum als der Richtige. Haider werden blanko die Eigenschaften unterstellt,
die denen Vranitzkys und Schüssels entgegengesetzt sind. An etwas
Drittes vermögen die Leute nicht mehr zu denken: an sich selber, an
ihresgleichen! Das ist in undenkbare Ferne gerückt (worden). So wie
die hoch oben Sitzenden auf Haider reagieren, scheint er recht zu haben.
Den Leuten ist wurscht, was er Entsetzliches sagt. Daß er dafür
von der Schickeria gehaßt wird, bestätigt ihn in ihren Augen.
Haider fällt damit die völlig berechtigte Ablehnung der herrschenden
Politik völlig unberechtigterweise zu.
Man muß die Haider-Wähler mögen.
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