| Geld regiert
von
Markus Wilhelm
Von den Leserinnen und Lesern, die das
Außergewöhnliche suchen, müssen wir uns gleich hier verabschieden.
Auf Wiedersehen!
Es ist wie in der Natur: Jeder Boden hat die ihm entsprechenden Gewächse. Kapitalistische Verhältnisse treiben genau diese Blüten aus. Und können auch gar nicht anders. Da hilft kein Kirchengebet und kein sozialdemokratisches Zureden. Vorweg: Wo kommt alles Geld her, das
in der Welt ist? Von fetten Konten? Nein, wo kommt es her, damit es dorthin
kommen kann? Es wird e r a r b e i t e t , mit Putzlappen in der Hand und
mit Preßlufthammer, in Akkordarbeit und in Leiharbeit, auf dem Gerüst
und im Schacht, am Fließband und an der Werkbank, beim Wäschesieden
und beim Stahlkochen - zum Beispiel.
Aber fangen wir bei Null an: Es gibt
da einen kleinen Verein mit scheinheiligen Vereinsstatuten, der sich Vereinigung
Österreichischer Industrieller (VÖI) nennt. Er hat
österreichweit 1900 Mitglieder, in Tirol 202. Weniger als der Tiroler
Bienenzuchtverein und weniger als der Theaterverein Telfs-Pfaffenhofen.
Und davon spenden sie im Ausmaß
von 0,5 Prozent der Lohnsumme jeder Glassteinputzerin bei Swarovski, jedes
Chemiearbeiters bei Sandoz in Kundl, jeder Viscosespinnerin bei der Textil
AG und jedes Ziegelgießers beim Eurospan an ihre Bruderschaft. Das
sind im Jahr rund 1000 Schilling pro Knecht und Dirn. 60 Prozent dieser
von den Unternehmen in den Bundesländern an die Wiener Zentrale der
VÖI einzuzahlenden Beiträge fließen an ihre Filialen in
den Landeshauptstädten zurück.
Eine Politik, die von Millionen unterstützt
wird
Sitzungsprotokoll der Vereinigung Österreichischer
Industrieller (Landesgruppe Tirol): 1,7 Mio + 1 Mio. für Landeshauptmann
Wallnöfer - " g-g-g-" (gesehen, genehmigt, gefertigt) "Bachmann" (Geschäftsführer
der VÖI)
Dieser Bachmann ist genau jener Bachmann,
der seit 1965 im Tiroler Landtag fußfrei erste Reihe sitzt. Als er
selbst bei ÖVP-internen Vorwahlen für die Landtagswahl 1989 nur
von 30 Prozent gewählt wurde, hat der Landeshauptmann ihn als Parteinotwendigkeit
durchgedruckt. Nicht genug damit, diesem Herrn, der seit 30 Jahren in der
Industriellenvereinigung den Geschäftsführer macht und allein
dafür ca. 70.000 Schilling monatlich (plus Extras) kassiert, wurde
ausgerechnet der Vorsitz im Wirtschaftsausschuß und der stellvertretende
Vorsitz im Finanzkontrollausschuß des Landtages zugeschanzt. Der
Geschäftsführer der Tiroler Industriellen ist auch Verkehrssprecher
der Tiroler ÖVP. Er ist jemand, den wir für das heutige Ausmaß
an Transitlärm, an Transitdreck in der Atemluft und an Transitgiften
in den Feldern und Gärten zur Verantwortung zu ziehen haben. Lange
Zeit hat er sogar eine zusätzliche EG-Autobahn München - Venedig
durch das Zillertal ("Drohende Umfahrung Tirols durch die Schweizer Autobahnen
muß verhindert werden." - Landtagssitzung vom 30. Mai 1967) propagiert.
Im Bild die Tatwaffe der Tiroler Großindustriellen
Schulter an Schulter mit dem politischen
Geschäftsführer der Industriellenvereinigung sitzt im Tiroler
Landtag - ebenfalls in Flüsterdistanz zu Landeshauptmann und ÖVP-Landesräten
- ein richtiger Industrieller, der Bauwarenfabrikant Kranebitter, Vorstandsmitglied
der VÖI. Nachdem er einige Jahre lang Finanzlandesrat gewesen war,
wurde er in den Wirtschaftsausschuß, den Bauausschuß, den Verkehrsausschuß
und als Obmann in den Tourismusausschuß des Landtages platziert,
wo er sich ausnimmt wie ein gärtnernder Bock. Oder kennen Sie den
Nationalratsabgeordneten Otto Keimel? Von wem wurde der leitende Direktor
der Katzenberger-Betonwerke (Wien-Linz-Graz-Innsbruck) zum Nationalrat
abgeordnet? Wie wurde dieser Bautensprecher und Wohnbausprecher der ÖVP
installiert?
Schreiben des Betonfabrikanten H. Katzenberger,
langjähriger Vizepräsident der VÖI Tirol, an den Präsidenten
der Industriellenvereinigung (vom 26.3.1973)
Die VÖI, deren Vorstandsmitglied
Herr Keimel auch bald wurde, hat dem Industriellen H. Katzenberger seine
Keimel-Auslagen (150.000 S pro Jahr) umgehend ersetzt. In der Folge gingen
Zahlungen der Industriellenvereinigung direkt an ihren Nationalratsabgeordneten
Keimel. Beispiel:
Daß es zuvörderst dieser Verein ist, der unser Land gegen den Willen der Mehrheit der Österreicherinnen und Osterreicher mit aller Gewalt in die EG hineindrucken will (s. ausführlich in Heft 12), möge bitte im Folgenden immer mitgedacht werden. Man hört so oft von Vorfeldorganisationen
der Parteien. Auf diesen Seiten wird gezeigt, wessen Vorfeldorganisationen
die Parteien sind. Demokratie kommt bei der Industriellenvereinigung nicht
einmal als Begriff in den Statuten vor. Dafür ist dort allein schon
auf der ersten halben Seite sechsmal von Industriellen die Rede, und von
der Wichtigkeit, "Bestand und Entfaltung eines freien Unternehmertums und
Bildung und Erhaltung von Privateigentum, insbesondere auch an industriellen
Produktionsmitteln aller Art, zu sichern". Koste es, was es wolle, wäre
zu ergänzen.
Für Politiker gibt's Geld. Für Geld gibt's Politiker. Greifen wir uns, um das Türaus-Türein
im Haus der Industriellen anschaulich zu machen, einen einzigen Tag heraus.
Den 26. Juni 1975, an dem auch 0. Keimel dort reich bescheckt wurde. Schon
einige Zeit vor ihm war der Landesgeschäftsführer der FPÖ,
H. Heinrich, bei den Industriellen aufgekreuzt. Er hatte erst vor drei
Wochen bei der Industriellenvereinigung einen Barscheck in der Höhe
von 13.000 und einen in der Höhe von 100.000 Schilling ausgefaßt.
Heute kann er den Erhalt eines Schecks über 81.000 Schilling bestätigen.
Um die Mittagszeit trifft der Landesparteisekretär
der ÖVP, R. Fiala, im Büro der VÖI ein. Für ihn sind
zwei Schecks vorbereitet, einer über 30.000 und einer über 210.000
Schilling.
Beinahe hätte er sich mit den Geldgebern
verplaudert, und er wäre auf dem Gang mit dem Landesparteiobmann der
FPÖ, G. Stix, zusammengestoßen. Stix wird von den Industriellen
heute mit einem 50.000-Schilling-Scheck bedient. Trotz dieses regen Tagesbetriebs,
trotz der anderen regen Tagesbetriebe, hat die Industriellenvereinigung
am Monatsletzten noch eine Legge Geld im Trüchl. Aber es verkommt
dort nicht. Der Geschäftsführer höchstselbst zählt
am 30. Juni 1975 2.562 Tausender und einige Gröschlein herunter, stopft's
in die Aktentasche und macht sich in der Dämmerung aus dem Haus. Zurück
läßt er zwei Bestätigungen:
Wo geht er hin? Wem gibt er's? Ja, wem
wird er die zweieinhalb Millionen Schilling "lt. Präsidiums-Beschluß"
schon "weitergegeben" haben?
Von zehn Tiroler Industriearbeiterinnen
und Industriearbeitern rackern neun in VÖI-Mitgliedsbetrieben. Viele
Millionen Schilling der von ihnen vom Zementeinsackln bei der Firma Schretter
bis zum Mehlabpackln bei der Firma Rauch erzeugten Gewinne werden von den
Industriellen in eine Politik gesteckt, die (siehe Nullohnrunde, siehe
Sparsteuer usw.) ganz klar gegen die Interessen der Arbeitenden gerichtet
ist. Klassenkampf findet zwar im Sprachgebrauch nicht mehr statt, aber
aus der Wirklichkeit konnte er noch nicht herausgeschminkt werden.
Eine kleine Abschweifung Neben dem Weg über die Industriellenvereinigung haben die Geldigen in Tirol schon lange auch andere Pfade benützt, um aus dem Landesparlament eine Parodie auf ein Landesparlament zu machen. Hast du, liebe Leserin, lieber Leser, schon einmal etwas vom Verband selbständig Wirtschaftstreibender gehört? Ist nichts in der Zeitung gestanden darüber? Oder vom Verband Christlicher Unternehmer? Oder von der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft? Hat man nichts im Radio gehört davon? Oder vom Verein Die Brücke Institut für soziale Markwirtschaft? Die Idee dieser "Fördergesellschaften"
kommt aus Deutschland, wo sich seinerzeit Großunternehmer zum Zwecke
der Finanzierung der Adenauer-Politik unter Umgehung der Öffentlichkeit
zu solchen Vereinen zusammengeschlossen haben. So wie es in Düsseldorf
einen entsprechenden Verein zur -Förderung der sozialen Marktwirtschaft
in NRW gibt, so gibt es in Innsbruck das Institut für soziale
Marktwirtschaft mit dem schönen Vereinsnamen Die Brücke
(gegr.
1953). Zu wem schlagen die hier vereinten Unternehmer (Mölk, Heoscont
Chemie, Alpine Chemische AG, Wohnungseigentum usw.), deren Mitgliedsbeitrag
sich nach Umsatz und Beschäftigtenzahl richtet, diese Brücke?
Die Person des Vereinspräsidenten, L. Bassetti, Landesrat i. R., weist
in Richtung ÖVP. Eine Annahme, die wir Bassetti im August brieflich
mitgeteilt haben und von ihm nicht dementiert wurde.
Aus den Vereins-Statuten der Brücke
Während Die Brücke in
der Öffentlichkeit absolut keine sichtbare Tätigkeit entfaltet,
ist die Volkswirtschaftliche Gesellschaft für Tirol, 1966 unter
anderem von den Industriellen Schwarzkopf (Plansee) und Heiß (Tirolia)
und den Finanzwissenschaftern Koren und Andreae gegründet, äußerst
umtriebig. Wie uns der Geschäftsführer dieses Vereins mitteilt,
"wurde die Idee aus Bayern von der dortigen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft
übernommen" (Schreiben vom 14.9.92), jener Volkswirtschaftlichen
Gesellschaft e.V. in München, die (wie in wissenschaftlichen Publikationen
ausgewiesen wird) zum Zwecke der Parteienfinanzierung errichtet worden
war. Präsident der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft ist heute
der Direktor der Adambräu Ges.m.b.H., J. Auckenthaler, vor ihm stand
lange Jahre der spätere Präsident der Industriellenvereinigung,
M. Huter, dem Verein vor. Von der Industriellenvereinigung kommt auch der
größte Batzen Geld. Sie zahlt an die Volkswirtschaftliche
Gesellschaft neben üppigen Mitgliedsbeiträgen auch noch üppige
Förderungsbeiträge.
Übrigens hat sich auch die Voralberger
Industriellenvereinigung seinerzeit einen VSW gegründet. Auch dort
wurde als Geschäftsführer der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung
eingesetzt. Dieser hat immerhin einmal (A. Pelinka gegenüber) die
Abwicklung der Parteienfinanzierung aus Mitteln der VÖI als Hauptaufgabe
des Verbandes selbständig Wirtschaftstreibender bezeichnet.
Bachmann hingegen hat meine Feststellung, daß sich der VSW "der Parteienfinanzierung
verschrieben hat", als "polemisierende Falschdarstellung, die ich aufs
schärfste zurückweise", abgetan (Schreiben vom 29.7.92). Wir
werden seiner Falschdarstellung also in diesem Heft mit Dokumenten
begegnen müssen. Daß diese wie alle hier gezeigten ursprünglich
nicht für das Licht der Öffentlichkeit gedacht waren, dürfte
der einzige Mangel sein, der ihnen anhaftet.
Eine Demokratie, wie sie im Büchl steht: im Scheck-Büchl Die Kapitalisten legen ihr Geld nicht
wie unsereins, wenn es ein paar Tausender hat, zum Eckzinssatz an. Sie
investieren dort, wo die höchste Rendite winkt. Die ÖVP ist in
Tirol eine gute Aktie. Die FPÖ ist eher langfristig interessant. Aber
schauen wir uns doch einmal an, mit welchem Einsatz die Industriellen hier
spekulieren.
"Spenden für Bedürftige" und
"selbst auferlegte soziale Verpflichtung":
Weil seit 1.7.75 solche Spenden, soweit
sie überhaupt deklariert werden, mit einer 35%igen steuerlichen Abgabe
belegt werden, suchen Geber wie Nehmer nach Umgehungsmöglichkeiten.
Der Reihe nach: Im Mai 1976, um irgendwo
anzufangen, trifft bei der VÖI eine Rechnung der "Gesellschaft für
wirtschafts- und sozialpolitische Studien' (Wien) ein, die gradaus 100.000
Schilling ausmacht. Behauptet wird darin eine erfolgte "Meinungsbefragung
im Raume Innsbruck über die wirtschaftspolitischen Präferenzen
und Verhaltensweisen der Erwachsenenbevölkerung im Großraum
Innsbruck". Wurde eine solche Studie je vorgelegt? Im Tätigkeitsbericht
der Industriellenvereinigung aus dem Jahre 1976 ist keine erwähnt.
Für Herrn Stix ist das auch nicht so wichtig. Er darf am 4.6.1976
einen Barscheck, ausgestellt auf 100.000 Schilling, entgegennehmen.
Im Dezember 1976 trudelt schon wieder
eine Rechnung der oben genannten Gesellschaft bei der VÖI ein, für
eine "durchgeführte vergleichende Analyse über die Arbeitszufriedenheit
in Betrieben", wie behauptet wird. Die verlangten 75.000 Schilling werden
schon wieder nicht mit Zahlschein überwiesen, sondern in Form eines
Schecks vom Landesparteiobmann (LPO) abgeholt, der so unvorsichtig ist,
die Übernahme mit "Dr. G. Stix, LPO" zu bestätigen (siehe
unten).
Weil grad Weihnachten ist, bekommt Herr
Stix an diesem Tag auch noch einen Scheck, lautend auf S 74.070 (= S 100.000
brutto), den er wie oben (mit LPO) quittiert.
Reger Parteienverkehr
Obige Aktennotiz von Gcschäftsführer
Bachmann verrät den Handel. Wie sieht denn eine Rate aus, die nicht
"im Wege offener Zahlung (35% Abzug)" erfolgt? Wir werden's sehen.
Die erbetenen 150.000 Schilling reduzieren sich netto auf einen Barscheck
im Wert von 111.105 Schilling, der auch am 18.8.1977 von H. Heinrich, dem
Landesgeschäftsführer der FPÖ, im Büro der Industriellen
abgeholt wird.
1978 "wünschte" Stix als "Anzahlung eines Teiles", wie Bachmann festhielt, "200.000 brutto offiziell. D.i. S 148.148.-" (Aktennotiz). Was er "offiziell" wollte, hat Stix am 3. Juli 1978 per Scheck erhalten. Verstehe ich obige Formulierung falsch, wenn ich herauslesen daß er den Rest nicht offiziell gewünscht hat? Ich habe den Geschäftsführer
gebeten, die von mir in ihrer Existenz angezweifelten Studien vorzulegen.
Er hat darauf ein bißchen zu forsch, um nicht unehrlich zu wirken,
geantwortet: "Es ist nicht Stil der Vereinigung Österr. Industrieller,
derartige strategische Unterlagen auch nach gewissen Zeitabläufen
der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, und ich darf Sie persönlich
zusätzlich darauf hinweisen, daß Sie zu einer solchen Forderung
nicht das geringste Recht haben." (Schreiben vom 29.7.92)
Aus dem Protokoll des VÖI-Präsidiums
vom 18.4.1978. Der handschriftlichen Notiz ist zu entnehmen, daß
sich VÖI und Verband selbständig Wirtschaftstreibender (VSW)
die Kosten, die ihnen die FPÖ macht, teilen.
Weiter. 1979: Am 2. März geht Stix
zur Industriellenvereinigung einen auf 148.148 Schilling (= S 200.000.-
brutto) ausgestellten Scheck holen. Bereits am 25. April kann er dort erneut
mit einem Scheck im gleichen Wert abziehen, wobei es sich laut Vermerk
Bachmanns wieder um eine "offene Quote für 200.000.- lt. Bitte Dr
Stix" handelt.
Wo so auffällig von einer "offenen Quote" die Rede ist, kann eine heimliche nicht weit sein. Am 19. April, drei Wochen vor den Nationalratswahlen und einige Monate vor den Landtagswahlen, legt ein "Institut für Grundlagenforschung" aus Salzburg der Vereinigung Österreichischer Industrieller, Landesgruppe Tirol, ein Angebot für eine "Studie. Die wirtschaftspolitische Situation im Bundesland Tirol" vor. Die gesamte Arbeit von der "Gestaltung eines Fragebogens" über die "Durchführung von 500 Interviews" bis zur "Herstellung der Berichtsbände" soll 150.000 Schilling zuzüglich Mehrwertssteuer kosten. Am 7. Mai ergeht der Auftrag nach Salzburg. Und obwohl 500 Interviews zu machen, auszuwerten und zu interpretieren sind, wird dem FPÖ-Obmann Stix von den Industriellen bereits am 10. Mai ein Scheck über 150.000 Schilling in die Hand gedrückt. (Die Mehrwertsteuer hat sich inzwischen erübrigt.) Auf meine Fragen an Stix, "Welcher Art
ist Ihre Beziehung zum Institut für Grundlagenforschung in Salzburg?"
bzw. "Existieren denn die vorgegeben Arbeiten dieser Gesellschaft überhaupt,
für die Sie Gelder der Industriellen in Empfang genommen haben?",
schweigt er seit 17.7.1992.
Sage niemand, die Haiderpartei sei aus dem Nichts aufgetaucht. Sie wurde systematisch gegen uns aufgebaut. 1980 nahm Stix von der Tiroler Industriellenvereinigung im Mai und im August jeweils die auffallend geraden Summen von 100.000 Schilling. Abgesehen davon, was er vielleicht sonst noch bekommen hat, wäre zu fragen, ob hier brutto bezahlt wurde. 1981 erst ist dann jemandem in der FPÖ
die steuerschonende Idee gekommen, daß die FPÖ-Fraktion Ring
freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW), da sie keine Partei, sondern
eine Interessensorganisation ist, nicht der 35%igen Abgabenzahlung unterliegt.
Was ändert sich? Stix geht kassieren wie ehedem, nimmt aber offiziell
die Schecks immer nur "für den RFW" oder "für Pischl", den RFW-Obmann.
Auch 1982 waren's wieder 300.000 für
FPÖ-Obmann Stix, soll heißen für den RFW. (Diese Summe
wurde übrigens von VÖI und VSW wieder im Verhältnis 3:1
aufgebracht.)
Ich denk' mir, wie entsetzlich es sein
muß, als Politpensionist auf ein so erbärmliches, verlogenes
Leben zurückblicken zu müssen, in dem man vorn herum den Leuten
schön getan und auf Demokratie gemacht und hinten herum vom Großkapital
die dicken Schecks eingesteckt hat!
In dieser Demokratie entscheidet die Mehrheit des Geldes Die Macht der Großkapitalisten
muß freilich breiter abgestützt werden als nur auf ein paar
Parteifunktionäre und etwas Regierungspersonal. Um diese Macht zu
wahren, bedarf es der Absicherung durch die Medien, der Beihilfe durch
die Kirche, der Zuhilfenahme des gesamten Staatsapparates.
Um ihre Besitzstände zu sichern, braucht es das alles. Und es braucht noch viel mehr, siehe Heft 17 und siehe hier: Die Zuneigung des Großkapitals zu den Kirchenfürsten hat weniger mit der dadurch im Jenseits erhofften Vergebung seiner Räubereien zu tun als mit der erhofften und erhaltenen Unterstützung und Rechtfertigung seiner Räubereien im Diesseits. R. Stecher, Bischof von Innsbruck, vor der "Vereinigung Tiroler Schotter-, Beton- und Transportbetonwerke": "Eine menschengerechte Wirtschaft braucht den Unternehmer." - "Es kommt die Stunde des Unternehmers!" - "Der Unternehmer ist ein Beruf, der unabdingbar ist für den Aufbau einer Welt mit Lebensqualität." (Tirols Wirtschaft, 25.9.92) Wir wollen die Unterstützung des
Klerus durch die Industriellen als Dank für die Unterstützung
der Industriellen durch den Klerus nicht nur platt feststellen, sondern
auch ein wenig illustrieren. Wenn die Plansee Werke dem evangelischen Pfarrer
von Reutte zum Einstand 50.000 Schilling zukommen lassen, so darf sich
die Fabrikantenfamilie erwarten, daß er ihre Lohnhackler mit einigem
Erfolg auf eine Zeit vertröstet, wo sie bereits im Erdacker verfaulen.
Wenn der Swarovski-Prokurist der Industriellenvereinigung regelmäßig empfiehlt, an verschiedene kirchliche Stützpunkte in der Swarovski-Region "Zahlungen durchzuführen", so ist auch das eine kluge Investition in die Zukunft des Unternehmens. Ganz bestimmt wird der Herr Pfarrer von Wattens, der z.B. im September 1977 mit 48.000, in den Monaten Oktober und November 1977 und seitdem viele weitere Male mit jeweils 24.000 Schilling auf einen Wink Swarovskis hin gesponsert wurde, den Wattenern vom Swarovskiarbeiter-Kind bis zum Swarovskipensionisten einschärfen, daß sie nicht zu begehren haben ihrer Nächsten Güter, z.B. die zusammengerafften Bauerngüter der Swarovskis in Gnadenwald. Wenn dem Generalvikar der Diözese persönlich immer wieder im Abstand von einigen Wochen im VÖI-Büro 12.500 Schilling in die Hand gedrückt werden, darf mit Erfolg erwartet werden, daß diese nicht auf die Sünden der heimischen Konzernherren zeigt. Die Religion, die uns in den Kopf gesetzt
worden ist, noch bevor wir selbst zu denken angefangen haben, das ist schon
wie ein Werksschutz in unserem Kopf!
Hundert Blaue für seine Exzellenz.
Präsident und Geschäftsführer der Industriellenvereinigung
bestätigen die Scheckübergabe.
Wie ist es möglich, daß der
größte Teil der Bevölkerung dazu gebracht werden kann,
für einen läppisch kleinen zu arbeiten, z.B. 3000 Plansee-Arbeiter
in Reutte für die Familie Schwarzkopf. Mit religiöser Einschüchterung
allein geht's nicht und mit Steuerung durch die Massenmedien. Es braucht
eine vieljährige Schule, die schon die Kinder in diese Verhältnisse
einführt, es braucht massig Gesetze, die diese Mißordnung stützen
(Politik), und es braucht Exekutive, die über deren Einhaltung wacht:
Es braucht Staat, viel Staat.
Unser Staat? In der Volksschule bereits werden wir infiziert mit dem Gift, daß es sich bei diesem Staat um unseren Staat handle. Dieses in die wehrlosen Kinderköpfe geschmuggelte falsche Bewußtsein vom Zweck des kapitalistischen Staates sichert ihn gegen unsere Bedürfnisse ab und verschafft seinen Nutznießern einen für viele von uns lebenslang nicht mehr aufzuholenden Vorsprung. Aber dieser Staat ist nicht unser Staat, sondern denen ihrer für uns. Oder nur in dem Sinne wie, sagen wir, der Zwinger eines Hundes sein Zwinger ist und nicht der seines Herrn. Der Staat sorgt dafür, daß
Ordnung herrscht? Nein, er sorgt dafür, daß die Unordnung herrscht!
Daß viele nicht haben und andere haben, das ist doch
Unordnung, nicht Ordnung. Daß einige Wald-Villen im Naturschutzgebiet
haben und andere am Verkehr ersticken, ist doch Unordnung. Daß die
einen Beamtengagen von 100.000 Schilling haben und andere keine Arbeitslose,
das ist Unordnung, deren Festigung viel Staat braucht.
Weil uns die Schule zuallererst eine
blinde Staatsgläubigkeit zu verabreichen hat, ist sie auch ein ganz
wichtiger Kampfplatz für das große Geld- Einiges über den
Zugriff der Industriellenvereinigung auf das Schulsystem steht in Heft
16; auf mehr Platz aber wäre mehr darüber zu sagen, z.B. wie
sie in der "Bildungspolitik" die Regierung vor sich hertreibt oder wie
sie mit großen Geldscheinen z.B. in die Universität Innsbruck
hineinfährt.
Foto: 0. Schmuckler Der Staat hat die große Masse der Bevölkerung mit Vorschriften, Anordnungen, Geboten, Erlässen und Gesetzen dorthin zu lenken, wo wir gebraucht werden. Auch wenn der kapitalistische Staat in demokratischer Kostümierung vor uns hintritt, bleibt's der kapitalistische Staat, der die, die Reichtümer haben, vor denen schützt, die keine haben. "Gerade die Marktwirtschaft bedarf eines handlungsfähigen Staates, der ihre Existenzbedingungen, wie unter anderem Wettbewerb und Freiheit des unternehmerischen Handelns garantiert." ("Programm 180" der VÖI) Wenn nicht mit aller Gewalt dieses System des Oben und Unten hergestellt und aufrechterhalten werden müßte, bräuchte es diesen Staat nicht. Die derzeitige schiefe Ordnung muß massiv gesichert werden, eine Gleichstellung aller Menschen hingegen hielte fast von alleine. Wie nötig ein Staat ist, um die großen Geschäfte zu ermöglichen, führt uns derzeit das multinationale Kapital in Europa mit dem Bau des EG-Staates vor Augen. Bevor es richtig losschlagen kann, braucht das Großkapital zigtausend Reglementierungen und ein EG-Militär, das es schützt. Die, die hierzulande vor den Wahlen zum Schein "Weniger Staat!" gerufen haben, wollen uns nun in den Superstaat EG manövrieren. Und mehr Staat ist in der Tat nötig, um noch menschenfeindlichere Zustände (EG-Verkehr, EG-Atomkonzerne, EG-Nahrungsmittelindustrie, EG-Bodenspekulation usw.) durchzudrücken. Ohne Staatsschutz gäbe es heute
keinen BrauAG-Konzern und kein Billa-Imperium. Daß die großen
Unternehmen in Österreich firmenmäßig das Staatswappen
benützen dürfen (Adler Lacke, Biochemie, Elektra Bregenz usw.),
ist doch ein schönes Bild dafür, wem dieser Staat in erster Linie
dient.
Foto: 0. Schmuckler Uns gibt sich der kapitalistische Staat ja nicht so ohne weiteres als Herrschaftsinstrument des großen Geldes zu erkennen, sondern gebärdet sich als Volkssache. Mit immer wieder einmal abgezogenen Wahlen treibt er diese Irreführung auf die Spitze. Aber was ist mit den staatlichen Sozialleistungen? Sind die etwa nichts? Wenn du jemandem 100 Schilling gibst, und du bekommst dann 42 Schilling zurück und dann noch einmal 16 Schilling und 7 Schilling 20 und irgendwann dann noch 3 Schilling 55 und 1 Schilling 80 und 1 Schilling 40 und dann noch ein paar Groschenbeträge und aus!, dann wirst du wahrscheinlich nicht noch ungestüm dankbar sein. Es sei denn, es ist dir eingetrichtert worden, daß du nur auf 40 Schilling Anspruch hast. Wenn den Menschen, die ihr Leben lang an Kreissägen und an Hotelküchenherden stehen, statt, sagen wir, vierzig Prozent, von dem, was sie an Profit erarbeiten und was ihnen gehört, nur 31 Prozent genommen wird, ist das noch kein Sozialstaat, sondern immer noch ein Diebsstaat. Noch der 500. Arztbesuch und der 50. Kuraufenthalt wird nur aus dem bezahlt, was Arbeiterinnen und Arbeiter geschaffen haben. Selbst wenn das Geld für die Pensionen auf staatlichen Pump von den Banken kommt: auch dort liegt nur Geld, das von der arbeitenden österreichischen Bevölkerung, der inländischen und der ausländischen, erarbeitet worden ist. Aber die Staatsgewalt ist doch auch für uns da? Ja, die Polizei beschützt uns, wenn wir nachts durch den Park nach Hause gehen, mich und den Herrn Langes-Swarovski, damit niemand sich an uns bereichern kann. Die Polizei schützt aber tagsüber niemanden davor, daß sich Herr Langes-Swarovski an ihm bereichert. Ja, sie schützt Herrn Langes-Swarovski vor denen, an denen er sich bereichert! Läuft das ganze wenigstens darauf
hinaus, daß die großen Profiteure des Staates für seine
enormen Kosten aufkommen? So ist er nicht gedacht. Sie haben ein perverses
Steuersystem eingerichtet: Die Kleinrentnerin zahlt Steuern, wenn sie einen
Liter Milch kaufen geht, als hätte sie dabei einen kommerziellen Gewinn.
Nicht nur, daß der Staat den täglichen Diebstahl an der Masse
der Bevölkerung am Arbeitsplatz, beim Einkauf, im Mietshaus usw. möglich
macht, hat die Masse die Kosten dieses gegen sie gerichteten Staates auch
noch selbst zu bezahlen. Beim Mühlespiel nennt man sowas eine Doppelmühle.
Der größte Teil der Staatseinnahmen wird von den Kuchenbröselfressern,
den Arbeiterinnen und Arbeitern, den kleinen Gewerbetreibenden und Bauern
aufgebracht. Mit den Steuern führen wir der Staatsmaschinerie ständig
die Energie zu, die sie zur Aufrechterhaltung der bestehenden Unordnung
braucht.
Kapitalismus heißt, daß man alle(s) kaufen kann Aber diese Gewinne namentlich der Industriellen in Österreich sind doch so fett, daß sie mit ein paar Millionen da und ein paar Millionen dort die Spitzen der staatlichen Organe sehr geschmeidig machen können. Menschenfreundlichkeit steht allerdings hinter den satten Überweisungen an die ÖVP per Dauerauftrag genausowenig wie hinter den Prämien an verschiedene Organisationen der Exekutive. Die berechnende Zuneigung der Industriellen zu ihren Beschützern Gendarmerie, Polizei und Bundesheer wollen wir an ein paar feinen kleinen Beispielen zeigen. Die paar Tausender, die die Vereinigung Österreichischer Industrieller (Landesgruppe Tirol) der Illustrierten Rundschau der Gendarmerie für Inserate hinwirft, sind natürlich nicht mehr als eine Erkenntlichkeit. Aber uns zeigt sie damit doch, wie sie sich der Staatsgewalt zu versichern weiß. Da sind nach Präsidiumsbeschluß auch einmal knapp 10 Blaue als Unterstützung drin für eine Festschrift der unabhängigen Gendarmerie. 10.000 sind nur 10.000, und die regelmäßigen Spenden der VÖI für den Ball der Kameradschaft der Exekutive und für das Frühjahrskränzchen mit Tanz der Kameradschaft der Exekutive sind nur regelmäßige Spenden. Es sind durchwegs Söhne aus Arbeiter-
und Angestelltenfamilien, die bei Gendarmerie und Polizei eintreten, aber
sie sind postwendend auf die andere Seite gestellt. Der Uniformierte mit
dem Strafgesetzbuch in der Rocktasche und dem Revolver am Gurt scheint
über uns allen zu stehen, alle gleich scharf beobachtend. Wenn ich
mit dem Rad gegen die Einbahn fahre, schreitet er ein. Aber den Betrug,
der jede Minute an jedem arbeitenden Menschen verübt wird, den sichert
er ab! Daß den Bergwerkern das Erz nicht gehört, das sie fördern,
und den Stahlkochern der Stahl nicht, den sie gewinnen, und den Autobauern
das Auto nicht, das sie bauen, das mein' ich. Die staatliche Gewalt als
Mittäter.
Der Chef der Bundespolizeidirektion Innsbruck, der nochmalige Landesrat Greiderer (SPÖ), unterschreibt persönlich. Überall werfen sie Schutzwälle
auf um ihre Besitzungen herum.
Das Bundesheer schützt die Geldhäuser Indem die Geldsäcke ihren Besitz
so bewachen lassen müssen, gestehen sie schon ein, daß er nicht
rechtens ist. Österreich ist kein Militärstaat, aber es ist alles
hergerichtet dafür. Die Vereinigung Österreichischer Industrieller
(Landesgruppe Tirol) setzt nicht nur regelmäßig Preise aus für
Wettschießen der Unteroffiziere mit dem Sturmgewehr und stiftet nicht
nur Ehrenpreise für die "schießwettkampfmäßige Kaderfortbildung"
beim Militärkommando Tirol, sie trägt auch gern über Inserate
(Heeressportkalender,
Military Sport) und über Ehrenspenden bei verschiedenen Garnisonsbällen
zur Unterstützung des Heeres bei. Was ist das schon, könnte man
einwenden, die VÖI in Wien, so geht die Rede, finanziert massiv die
Österreichische Militärische Zeitschrift. Na und, könnte
man drauf wieder sagen, der Zeitungsindustrielle J. St. Moser zahlt im
Alleingang die Illustrierte der Offiziersgesellschaft Tirol (Appell),
und so weiter. Die jungen Soldaten, die wie Hunde die burgenländische
Grenze auf- und abgehetzt werden, und der dreckig bezahlte Unterbau, das
sind Leute wie wir. Aber die mit den goldenen Keks am Kragen, die werden
an die andere Seite gekettet.
Tiroler, Tageszeitung, 27.1.1987 Der langjährige Generalsekretär
der Industriellenvereinigung, Krejci, ist nicht ganz zufällig Vorsitzender
der "Initiative Miliz", die vom "Verteidigungsministerium" eingerichtet
worden ist. über ihren Tochterverein "Institut für Wirtschaft
und Politik" propagiert die Industriellenvereinigung in Aussendungen den
Heeresausbau.
Mit Lohnsteuergeldern und Mehrwertsteuergeldern ist in der Zweiten Republik wieder ein Bundesheer aufgerichtet worden, das wieder nicht dazu gedacht ist, für die österreichische Bevölkerung zu kämpfen. Dies ist den Kapitalisten ihr Staat. Für uns gibt's ein bißchen demokratischen Firlefanz, ein bißchen Fernsehdiskussionen, ein bißchen Profil-Leserbriefe, ein bißchen Tag der offenen Tür im Landhaus und im Parlament. Sie aber haben Vorkehrung getroffen und diese falsche Ordnung, diese himmelschreiende Unordnung, massiv abgesichert. Banken und große Industrietriebe haben reihenweise Schutzverträge mit Einheiten des "österreichischen" Bundesheeres in der Tasche oder im Tresor. (Nach Auskunft eines Militärs ist in diesen Verträgen der Objektschutz im Krisenfall geregelt.) Einen solchen Pakt, wie ihn die Sparkasse Innsbruck mit dem Landwehrstammregiment 62 hat, öffentlich "Partnerschaft" genannt, haben z.B. auch die Banken Oberösterreichische Raiffeisen-Zentralkasse, Girozentrale oder BAWAG, Versicherungen wie Merkur-Versicherung, Wiener Allianz oder Donauversicherung, Stromfabriken wie Draukraftwerke AG, STEWEAG oder SAFE, inländische Industriebetriebe wie Hirtenberger Patronenfabrik, ÖMV oder Leykam AG - und schließlich viele ausländische Multis wie ITT Kapsch, Semperit, Shell, Siemens. Die Industriellenvereinigung selbst hat
auch so eine "Partnerschaft", scheinheiligerweise eine mit dem Gardebataillon
Wien, laufen.
Der Apparat Was ist ein Schmarotzer? Ein Schmarotzer
ist, wer von andrer Leute Arbeit lebt. Die Industriellen sind (also) Schmarotzer.
Nebst dem, was ein jeder von ihnen an Villen, Limousinen, Privatflugzeugen
an sich bringt, raffen sie zusammen österreichweit pro Jahr um die
500 Millionen Schilling für ihren Verein, die VÖI, an sich. So
wenig die Hunde für die Hundesteuer aufkommen, so wenig die Unternehmer
für die Unternehmersteuern und die Mitgliedsbeiträge an die Industriellenvereinigung.
Die jahraus jahrein am Betonrüttler der Porr AG stehen, sind's, und
die Preiselbeersiederinnen bei Unterweger, die den Luxus der Herren Industriellen
und den kollossalen Apparat des Vereins finanzieren.
Eine Schein-Demokratie? ja, eine Scheine-Demokratie! Der private Verein VÖI hat seinen
Arsch in unzähligen Ausschüssen und Kommissionen hocken, wo mehr
entschieden wird als in Landtagen und im Parlament. Leidig zu sagen, daß
natürlich keine Arbeiterin in allen diesen Gremien sitzt. Sie hat
ja auch keine Zeit dazu, muß sie doch im Akkord für ihre Herren
bei Geiger-Moden Steppnähte nähen. Und weil das so ist, wird
das auch noch lange so bleiben, es sei denn ... siehe weiter unten!
Weil es vielleicht ungerecht gegenüber
den Industriellen wäre, nur ihre politischen Spenden anzufahren und
von ihren selbstlosen Gaben an karitativen Organisationen nicht zu reden,
hier ein paar Beispiele ihrer Wohltätigkeit: Der Lebenshilfe spendet
die , VÖI 1976 zwanzig, 1978 sogar dreißig Schilling. Dem Tiroler
Blindenverband wird allein im Jahr 1976 ein ganzer Fünfzigschilling-Schein
überreicht, ein ebenso hoher Betrag geht 1978 auch an die Tiroler
Volkshilfe. Für das SOS Kinderdorf greifen die Herren Fabrikanten
schließlich ganz tief hinein: Sowohl 1976 als auch 1977 werden zwanzig
Schilling angewiesen, 1978 werden auf diese Summe glatt noch fünfzig
Prozent draufgeschlagen.
Wie sie ihre vereinsinterne "Demokratie"
organisiert haben, zeigt, was sie sich vorstellen: Je mehr Untertanen einer
hat, umso mehr Gewicht muß seine Stimme haben. "Das Stimmrecht der
Mitglieder ist von der durchschnittlichen Beschäftigtenzahl ihrer
Betriebe abhängig, und zwar gibt die Zahl bis zu 100 beschäftigten
Personen das Anrecht auf 1 Stimme, bis zu 400 beschäftigten Personen
das Anrecht auf 2 Stimmen, bis zu 700 beschäftigten ..." usw. (§8
der "Satzung der Vereinigung Österreichischer Industrieller - Landesgruppe
Tirol" - Ausgabe 1992). Reden wir vom alten Rom der Sklaventreiber
oder von Osterreich?
Weil auch die etwas mühsameren Umwege für die Ausübung ihrer Macht, die die formale demokratische Verfassung zuweilen vorsieht, zum Ziele führen, haben die Reichen gelernt, auch diese zu gehen. Der Staat, ihr Staat, hat ihnen so viele Rutschen gelegt, daß absolut nichts danebengehen kann. "So wird die Industriellenvereinigung von den Ministerien offiziell über die sie berührenden Angelegenheiten unterrichtet und häufig zur Mitarbeit aufgefordert", heißt es sogar in dem vom derzeitigen Nationalratspräsidenten herausgegebenen Buch "Das politische System Österreichs". Vertreter der VÖI nehmen wie selbstverständlich regelmäßig an Beratungen von Arbeitskreisen in den verschiedenen Ministerien (für Finanzen, für Justiz, für Soziales usw.) teil. Bevor Gesetze der parlamentarischen Zustimmungsmaschine vorgelegt werden, werden sie auch der Industriellenvereinigung zur Begutachtung übermittelt. Und sie ist auch in Gremien vertreten, die dann mit der Durchführung der erlassenen Gesetze zu tun haben. Ohne daß ihr auch nur ein Buchstabe des geschriebenen Gesetzes das Recht dazu gäbe, mischt sie in Unterausschüssen des Nationalrates mit und sitzt in jener Paritätischen Kommission, die Löhne und Preise festsetzt, und und und. Die Großindustriellen in Österreich haben über die VÖI allein auf Bundesebene ihre Tatzen in mehr als 30 Beiräten, Arbeitsgruppen, Komitees, Konferenzen und Instituten, was red' ich, nein!, in mehr als 60 solcher Arbeitsausschüsse, Vereinigungen, Gesellschaften, Räte und Fonds, noch einmal nein!, in mehr als 100 solcher Kommissionen, Versammlungen, Kuratorien, Arbeitsgemeinschaften, Foren und Stiftungen. Der Zugriff dieser hundertfingrigen Hand auf alles und jedes im Land, von der Wirtschaftspolitik (z.B. Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen) bis zur Bildungspolitik (z.B. Schulreformkommission) und von der Sozialpolitik (z.B. Arbeitnehmerschutzkommission) bis zur Umweltpolitik (z.B. Beirat für Umweltschutz), sichert die Macht des Geldes und weitet sie aus. In unserer Verfassung gibt es das gar nicht, nur in unserer Wirklichkeit. In unserer Verfassung gibt es eine Demokratie, nur in unserer Wirklichkeit gibt es sie nicht. Natürlich gehört die Vereinigung Österreichischer Industrieller aufgelöst! Solange es so etwas gibt, kann es keine Gleichheit der Menschen geben. Mindert es den Skandal, wenn gesagt wird, daß auf der anderen Seite der ÖGB seine Leute in fast ebensovielen Ausschüssen sitzen hat? Nein, es vergrößert ihn! Denn auch dort sitzen statt denen, die arbeiten, Bonzen, die sich an ihnen vollgesogen haben. Aber dies alles hier nur nebenbei.
Die Genommenklatura in Tirol Das Kapital läßt sich die geschickte Tarnung der wahren Verhältnisse einiges kosten. Gemessen an den Profiten, die die Geldsäcke aus diesem System ziehen, ist's freilich nur ein Spottgeld, das sie fürs demokratische Eingeräusch übrig haben. Den echten Preis für die Gaukeleien, die die Parteien vor uns abziehen, zahlen ja wir, und das nicht nur im übertragenen Sinne. Nicht genug damit, daß uns lasterweis’ Sand in die Augen gekippt wird, haben wir diesen auch noch selbst zu blechen. Bei mehr als 1500 Millionen Steuerschillingen, mit denen die Parteien sich Jahr für Jahr aus den Budgets bedienen, können sich die Industriellen einigermaßen zurücklehnen. Es darf angesichts der Zahlungen der VÖI, von denen in diesem Heft die Rede ist, niemals vergessen werden, daß es sich dabei nur um Prämien für ihre Leute handelt. Oben sitzen soviel ihre Leute, daß die Industriellen sich fast nicht davor erwehren. Das geht von der FPÖ-Spitze bis hinunter zur ÖVP-Frauenbewegung.. und vom Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) bis hinauf zum ÖVP-Landeshauptmann. Dieses breite Angebot mag sogar ein wenig auf den Preis drücken. Da gibt's dann für das Freiheitliche Frauenreferat nur noch quasi Aufmerksamkeiten oder auch für die Fraktion Christlicher Gewerkschafter in den Innsbrucker Stadtwerken oder die Turn- und Sportunion der ÖVP oder für ein ÖAAB-Faschingskränzchen da und eine ÖAAB-Weihnachtsfeier dort. Die echte finanzielle Beteiligung an den Erfolgen der Industriellen fängt dann bei den Studentenvertretern an, aus denen man einmal etwas Großes machen kann. Da gibt's Prozente, oder sagen wir besser Promille, für den RFS und verschiedene ÖVP-Fraktionen, wobei die reaktionäre JES (Junge Europäische Studenteninitiative) stets am besten bedient wird. Über Gratifikationen freuen können
sich auch der ÖVP-Akademikerbund und der ÖVP-Seniorenbund und
"Ihr aufrichtig ergebener Thoman" vom Tiroler AAB (aus einem Bittschreiben
an den VÖI-Präsidenten vom 2.8.73). Selbst gelernte,
von klein auf abgerichtete ÖVPler könnten noch zu wenig kurstreu
sein, wenn sie sich nicht immer wieder an VÖI-Happen orientieren könnten.
Schreiben des VÖI-Geschäftsführers
an die JES (1982)
Harald S. steht am Alu-Strangpresswerk
beim Thöni in Telfs. Mit mehr als 1000 Schilling fördert er jedes
Jahr über den Mitgliedsbeitrag des Fabrikbesitzers die VÖI. Und
finanziert damit eine ÖVP mit, die seinen Lebensinteressen im Wege
steht, und eine FPÖ, vor der er sich schon fürchten muß.
Der Kurs der Politiker bestimmt ihren Kurs Die obskure Innsbrucker Gemeinderatspartei
Tiroler Arbeits-Bund (TAB) hat sich am Institut für Politikwissenschaft
der Universität Innsbruck eine dicke Heldengeschichte schreiben lassen.
In diesem (von Prof. A. Pelinka herausgegebenen) Buch heißt es, "für
die erste Kandidatur (des TAB im Jahre 1971) mußte durch ein Mitglied
ein Darlehen aufgenommen werden. (... ) Spenden gingen nur in sehr bescheidenem
Ausmaß ein (... ). Für den Wahlkampf 71 notwendige Ausgaben
summierten sich zu einer Größenordnung von etwas unter S 100.000.--."
Es kämen einem glatt die Tränen, wüßte man nicht,
daß die VÖI (s. in diesem Heft zu Beginn) dem TAB 1971
100.000 Schilling hineingeschoben hat. 1977 hat die Industriellenvereinigung
dem TAB zumindest 200.000 Schilling brutto für den Wahlkampf zugesteckt.
Werbeschmäh dieser Partei 1977. "Ein wesentlicher Grund der Kandidatur
des TAB liegt darin, den Multifunktionären, Ämterkumulierungen,
Machtverfilzungen und allen Entartungen der Demokratie den Kampf anzusagen."
Und das geht so weiter und so fort, auch wenn uns die erwähnte TAB-Saga
von Georg Wimmer weismachen will: "Der Wahlkampf 1983 wurde vollständig
über die (gesetzliche) Parteienfinanzierung bzw. die Fraktionsgelder
bestritten."
Schreiben des TAB-Stadtrates W. Steidl
an den VÖI-Präsidenten
Und so wählen viele von uns, wenn sie wählen, die Vertreter der anderen Seite. Immer wenn es heißt, es wurde die und die politische Entscheidung getroffen, wurde vorher ein Herr mit Scheck getroffen. Wenn es heißt, es wurde die und die politische Haltung eingenommen, kann man sicher sein, daß vorher ein Pack Geld eingenommen wurde. Und wenn es heißt, es wurde der und der politische Antrag eingebracht, wurde bereits vorher eine runde Summe eingebracht. In diesem Heft ist nur die Rede von Geldern, die zusätzlich zu regelmäßigen monatlichen Überweisungen der VÖI-Zentrale, sozusagen per Dauerauftrag, fließen. Und die Beispiele, die hier angeführt werden, sind nur Beispiele aus einigen Jahren. Und nur aus e i n e m Bundesland. Das geht so fort all die Jahre herauf bis heute, ja, bis morgen. Für die Jahre um 1980 ist es lediglich am besten dokumentiert. "Die ÖVP kann sich nicht verkaufen!",
hört man oft sumsen. Das ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß
sich die ÖVP vollständig verkauft. Ob jetzt 30.000 Schilling
von der VÖI per Anweisung an die ÖVP-Stadtparteileitung Schwaz
("Wir möchten mit dieser Subvention die Anerkennung Ihrer Bemühungen
zum Ausdruck bringen") gehen oder 30.000 Schilling von der VÖI per
Scheck an den ÖVP-Wirtschaftsbund Schwaz oder 30.000 Schilling von
der VÖI in den ÖVP-Gmeinderatswahlkampf in der Nachbargemeinde
Vomp ("als Abwehrmaßnahme" gegen "zwei Namenslisten der Sozialisten")
gesteckt werden, um nur einmal von dieser Region zu reden.
Eine "Empfehlung" der Plansee Werke AG
an die VÖI
Sie packln, tausenderpackln, ja hunderttausenderpackln. Sind's Kaufpreise oder Mietpreise? Ist's
die Leihgebühr, wenn der Landesparteisekretär der ÖVP, R.
Fiala, einen VÖI-Scheck über S 370.370.- in Empfang nimmt (24.4.1978)?
Ist's Personal-Leasing? Mit Rückgaberecht? Was ist's, wenn Fiala einen
Scheck der Industriellen in der Höhe von S 240.740.- kassiert (13.1.8l)?
Ist's ein Ratenkauf? Ist's Provision oder Fixum? Ist's Benutzungsgebühr?
Verwendungszulage? Wenn dem Landesparteisekretär der ÖVP im Büro
der Industriellenvereinigung ein auf 100.000 Schilling ausgefüllter
Scheck übergeben wird (26.7.82), ist's eine Anzahlung? Ist's Abzahlung?
Ist's Gewinnbeteiligung? Und was ist mit den beiden hübschen Schecks,
die Fiala am 10. Mai 1983 im VÖI-Büro an sich nimmt? Sind's Prämien?
Gar Sonderprämien?
"Der kürzeste Weg zu Geld, der Weg zur BTV", lautet sinnigerweise der Werbeslogan jener Bank, bei der die Schecks der Industrie einzulösen sind. Aber es müssen nicht immer Schecks sein. Auch ein Sparbüchl macht Freude. Wie die Oma für ihre Enkerln spart, so legt die Amme Industriellenvereinigung für die Ihren was zusammen. Am 16. Mai 1983 z.B. wurde R. Niescher (ÖVP) von der VÖI grad vor seinen ersten Innsbrucker Gemeinderats-Wahlen mit einem Sparbuch beglückt, auf dem sich 400.000 Schilling angehäuft hatten. Irgendwie ist alles so schön aufgeteilt
auf dieser Welt. Während die einen roboten, kaufen sich die anderen
mit dem so erarbeiteten Geld die ihnen genehme Regierung zusammen. Diese
Regierung können sie, von mir aus, geschenkt haben!
Wir meinen Wunder was, wenn wir alle
paar Jahre einmal einen Stimmzettel in der Hand haben. Aber sie, sie haben
die Kandidaten in der Hand! Landeshauptmann E. Wallnöfer bestätigt
die Übernahme eines VÖI-Schecks über 500.000 Schilling,
Im Jänner 1983 zahlt die VÖI
1,555.555 Schilling an das Finanzamt Innsbruck als "Abgabe für Zuwendungen
v. Dez. 1982". Bei einer 35prozentigen Abgabe ergibt das (offiziell!) Netto-Zuwendungen
in der Höhe von 2,88 Millionen Schilling. Im Jahr 1982? Im Dezember
1982? Im letzten Quartal 1982?
Mögliche Probleme mit der Finanz
regeln Präsidenten und Vizepräsidenten (Heiß und Swarovski
von der VÖI und Gebetsroiter und Lemmerer vom Finanzamt Innsbruck)
unter sich, wie z.B. das Präsidiums-Protokoll vom 15. April 1980 zeigt:
Als der genannte, mit silbernen, goldenen
und großen goldenen Ehrenzeichen reich verzierte Finanzchef in Pension
geht, läßt es sich das Präsidium der Industriellenvereinigung
auch nicht nehmen, ihm zu Ehren ein opulentes Abschiedsessen mit Terlaner
Weinsuppe, Rehschlügel nach "Försterin-Art" und einem Kabinettwein
von Jamek im "Wilden Mann" in Lans zu geben.
Die kalte Verschmelzung von Atomkernen
ist im Labor bereits geglückt. Daß Kapitalismus und Demokratie
zusammengehen, wird dagegen nie gelingen.
Miteinander habern und sich miteinander verhabern sind eins Die Großindustriellen geben ihren
politischen Söldlingen, die ihnen für gewöhnlich aus der
Hand fressen, auch hin und wieder auf einem Teller in einem feinen Lokal
etwas zu kosten. So wird beispielsweise der Vizebürgermeister und
angehende Bürgermeister von Innsbruck, Niescher, am 29. Oktober 1982
vom Vizepräsidenten und angehenden Präsidenten der VÖI,
Huter, und dessen Geschäftsführer ins Modegasthaus "Wilder Mann"
ausgeführt. Zum Essen gibt's für den ÖVP-Politiker reichlich
Ezzes. Als er wenige Wochen später der erweiterten VÖI-Spitze
dann seine (?) "Vorstellungen für eine effiziente Wirtschaftspolitik
im Bereich der Stadt Innsbruck" vorlegt, kann er "gleichzeitig eine Vielzahl
wertvoller Anregungen aus dem Kreis der Innsbrucker Industriebetriebe entgegennehmen"
(Jahresbericht
der VÖI-Tirol 1982). Die allerwertvollsten Anregungen dürften
von der Art des oben erwähnten Sparbuches gewesen sein. (Ganz nebenbei
wurde ihm ein VÖI-Vizepräsident, der Großhändler Greil,
in den Stadtrat gesetzt.)
Und was ist dazu zu sagen, wenn ein anderes
Beispiel aus dem gleichen Zeitraum - Landeshauptmann Wallnöfer vom
Präsidium der Industriellenvereinigung zum Mahle in den Blauen Salon
des Hotel Europa in Innsbruck gebeten wird (17.12.82)? Daß er sich
diese Brosamen (Zander, Scampi, Tafelspitz usw.) an der Futterkrippe der
VÖI durch seine jahrzehntelange Dreckarbeit für diese Bande von
A bis Z (von Autobahnen bis Zwentendorf), wenn schon nicht redlich, so
doch hinreichend verdient hat. Wählen ist vielleicht ein Zeitvertreib
für einen verregneten Sonntag, aber kein Mittel, etwas zu verbessern.
Hinter ihnen stehen Hunderttausende (Foto: ÖVP) Der FÖHN ist kein Vollprogramm. Er ist erst richtig gebraucht, wenn man ihn zu dem, was die herrschenden Medien verbreiten, dazu liest. Erst dann schnagglt's im Hirn. Zu jeder Information über die Industriellenvereinigung, die in diesem Heft steht, müssen die Informationen, die zu diesem Thema in Profil und News, Standard und Kurier nicht stehen, dazugelesen werden. Auf die Frage, warum die Wirklichkeit
nicht in die Öffentlichkeit findet, stehen ein paar Antworten im vorigen
Heft (Drucken wie gelogen). Und hier folgt zur Illustration noch
eine kleine Geschichte:
Wahltag ist Zahltag Wenn du, liebe Leserin, lieber Leser,
deine Argumentation im Freundeskreis, in der Schule, am Arbeitsplatz, in
der Versammlung, im Zugabteil, im Wirtshaus usw. mit ein paar guten Beispielen
unterfüttern möchtest, such' dir etwas aus der folgenden Auswahl
von Dokumenten. Wir wollen hier anhand von Belegen aus einem einzigen
Jahr
zeigen, daß alle Wahlen manipuliert sind.
Die unten angeführten Gaben wurden
allesamt von der Vereinigung Österreichischer Industrieller (Landesgruppe
Tirol) verteilt. Im Rechenschaftsbericht der VÖI aus dem Jahre 1979,
der den Mitgliedern zugeht, steht allerdings nicht ein einziges Wort über
eine der getätigten Spenden.
Unsere Geduld gehört ins Buch
der Rekorde
Eine Million für den Bürgermeister
von Innsbruck, gleichzeitig Präsident des Tiroler Landtages (aus dem
Präsidiums-Protokoll der Vereinigung Österreichischer Industrieller
vom 28.9.1979)
Dies zu lesen, macht entsetzlich
wutig. Am Schluß
sitzt man da mit seiner bodenlosen Empörung über die Zustände
(und wünscht sich vielleicht, man wüßte wenigstens nichts
davon). Wohin mit dieser Wut, dieser ohnmächtigen? Warten, bis sie
verraucht ist? Wie hält man sie aus? Wie wird man fertig mit diesem
Wissen?
G. Stix (FPÖ Tirol) erhält
im Wahljahr 1979 von der Industriellenvereinigung (zumindest) die BTV-Schecks
mit den Nummern 1744013 (2.3.79), 1744072 (25.4.79) und 1744073 (10.5.79),
die sich auf die Gesamtsumme von 446.296.- Schilling belaufen. Darüberhinaus
wird ihm am 6.7.79 von der VÖI der Scheck mit der Nummer 2134202 in
die Hand gedruckt, der auf den eckigen Betrag von 153.448.- Schilling ausgestellt
ist und daher die Abdeckung einer Warenrechnung (Wahlkampfmittel) der FPÖ
vermuten läßt.
Sie tun das - und was tun wir?Wir
schreiben die Ungeheuerlichkeiten kleinfutzelig in diese kleine Zeitschrift
hinein. (Sind wir die Buchhalter ihrer Exzesse?) Wir schauen uns fast die
Augen aus dem Kopf mit unserem geilen Blick auf die Obszönitäten
der Mächtigen. Sie tun das. Und wir sitzen da wie mit Superkleber
auf unseren Lesestuhl angemacht. Was tun wir? Wir giften uns. Ist das schon
etwas? Stört sie das?
Einem Beschluß der Industriellenvereinigung
vom 20.11.79 zufolge werden der rechtsgerichteten Hochschüler-Fraktion
JES in gewissem Umfang die Beträge für vorgelegte Rechnungen
zurückerstattet. Auch das läppert sich bei Summen von beispielsweise
2.036.- und 2.160.- und 8.721.- und 1.080.- und 6.003.- Schilling zusammen.
Ohnmacht. Was wir hier sehen,
erzeugt eine alles niederdrückende Ohnmacht in uns. Jeder FÖHN
zerstört - ungewollt - Hoffnungen in uns, statt Hoffnung aufzubauen.
Jede neue Nachricht macht uns noch ein wenig kleinmütiger. Der Blick
auf die gute Organisiertheit der Oberen vergrößert das Gefühl
unserer Machtlosigkeit. Der Skandal ist gar nicht, daß auf der anderen
Seite alles geschmiert läuft, sondern, daß w i r nichts dertun!
Mitte März 1979 zieht der ÖVP-Generalsekretär
S. Lanner als Wahlkämpfer durch Tirol ("6. Mai - Volkspartei"). Am
16. ist er auf "Politikertour durch das Oberland" und am 17. auf "Wahlreise
im Tiroler Unterland" (NTZ, 17. und 18.3.79). Seinen Aufenthalt
an diesen beiden Tagen nimmt er im Hotel Europa. Eine Woche später
begibt sich der Bundesparteiobmann und Kanzlerkandidat der ÖVP, J.
Taus, samt Wahlkampf-Tross nach Tirol. Auch er steigt im ersten Haus der
Stadt ab. Die Rechnung für die angefallenen Spesen (S 5.630.- und
S 11.396.-) geht selbstredend an die VÖI.
Nutzt FÖHN lesen? Eine
Zeitschrift wie diese läuft immer Gefahr, Zuschauer zu produzieren.
Wie die Schaulustigen beim Baggeraushub am Brückenpfeiler gaffen sie
auf das, was im FÖHN zutage gefördert wird und stehen auch noch
im Weg.
Am 5. und 6. April wird der Klubobmann
der ÖVP, A. Mock, zum Wahlkämpfen nach Tirol geschickt ("Ein
neuer Frühling für Österreich"). Auch die von "Herrn Dr.
Mock und Begleitung" im Hotel Europa verursachten Kosten übernimmt
die VÖI.
Als am 2. und 3. Mai 1979, drei Tage
vor der Nationalratswahl, S. Lanner mit Begleitung zu Abschlußkundgebungen
nach Tirol kommt, logiert er ebenfalls im Hotel Europa. Die Industriellen
lassen ihre Büttel von ihrem Luxus kosten und bezahlen auch diese
Spesenrechnung.
Wir sind Helfershelfer. Ohne
uns so brav da herunten wäre bald fertig breitarschig obengesessen.
Im Prinzip sind wir gegen die hier geschilderten Zustande. Im wirklichen
Leben aber können wir nicht mit uns rechnen.
,Am Tag vor der Nationalrats-Wahl 1979
schaltet die ÖVP ein Inserat auf Seite 3 der Tiroler Tageszeitung.
Der Landeshauptmann Wallnöfer wirft sich in die Schlacht. "Sie haben
zu entscheiden, ob Sie den Weg der SPÖ in den bürokratischen
Sozialismus gehen wollen ... Wählen Sie ÖVP, Liste 2". Er hat
leicht werfen. Die satten Kosten für diese Wahlwerbung übernimmt
die Vereinigung Österreichischer Industrieller.
Was wollen wir? Es
ist erst ein Leiden unter diesen Zuständen. Das Wollen zu etwas anderem
ist noch nicht stark genug. Es hält uns immer noch viel mehr zurück,
als uns vorwärtstreibt. Unser zögern gleicht dem jenes Mannes,
den Bert Brecht in einer Fabel beschrieben hat. Als dieser alarmiert wird,
daß sein Haus, in dem er sich aufhält, brennt, will er erst
wissen, ob wohl nicht zu starker Wind wehe heraußen und es wohl nicht
regne.
Im Juni 1979 stehen Arbeiterkammerwahlen
an. Der Tiroler Arbeiter- und Angestelltenbund (AAB) will mit allen Mitteln
erstmals eine schwarze Mehrheit schaffen. Das Mitgliederblatt Signale
veröffentlicht
im Hinblick auf die Wahlen haßtriefende "Gastkommentare" des extrem
rechten Publizisten Karl Steinhauser (Signale 1/79) und seiner Mitarbeiterin
vom Büro Medienmanagement, Ilse Martischnig (Signale 2/79). Sinnigerweise
lautet der Slogan dieser AAB-Zeitschrift: "In Signale steht mehr als Sie
glauben". Die Rechnung für die Steinhauser-Tirade wird - erraten von
der Industriellenvereinigung beglichen.
Der Fehler dieser Zeitschrift.Der
FÖHN bekommt viel Applaus. Aber nach dem Beklatschen der einzelnen
Nummern stecken die Leser die Hände wieder zurück in die Hosensäcke
(wo sie auch das nächste Mal kommod herzunehmen sind). Liegt es an
den Leuten? Nein, es liegt am FÖHN. Die Beschreibungen der Zustände
greifen nicht ein in die Zustände! Die Feststellung der Untaten ficht
die Untaten noch nicht an.
Für den Arbeiterkammer-Wahlkampf
1979 läßt der AAB von der Mattes Bürstenfabrik KG in Vomp
41.300 Kleiderbürsten in der Form von kleinen gelben Schutzhelmen
anfertigen, auf deren Schild der Slogan "AK-Wahlen 1979: Tiroler AAB -
sicher und sauber" eingeprägt ist.
Kandidat des AAB für den Ledersessel
des Präsidenten ist der von den Swarovskis aufgebaute Zentralbetriebsratsobmann
E. Abendstein. Daß selbst das Unternehmer-Magazin Trend den
gesamten Betriebsrat der Swarovski-Werke einmal als "taubstummblind" (12/75)
bezeichnet hat, erspart uns weitere Worte über diese Sorte Arbeitervertreter.
Dem jetzigen AK-Präsidenten und langjährigen AAB-Funktionär
F. Dinkhauser ("habe anläßlich von AK-Wahlen im organisatorischen
und werblichen Teil eine Mitverantwortung für die AK-Fraktion getragen")
"fehlt jegliche Information über allfällige Zuwendungen oder
Unterstützungen seitens der Vereinigung Österreichischer Industrieller
an die -AK-Fraktion" (Schreiben vom 14.9.92). Dem Manne kann geholfen
werden. Die Kleiderbürsten des so "sauberen" zahlt in zwei Teilen
(227.150.- und 148.101.- Schilling) natürlich die Industriellenvereinigung.
(Im Gegensatz zu Schecks sind solche Sachleistungen sogar steuerfrei.)
Was ist das Nützliche an dem,
was wir hier sehen? Sie
sind entsetzlich klein in ihren Handlungen, die Großen. Uns hält
ja der Schein ihrer Stärke zurück und nicht ihre Stärke!
Ebenfalls 1979 faßt der Nationalratsabgeordnete
und ÖVP-Wirtschaftsbundfunktionär 0. Keimel bei der VÖI
einen Scheck über S 236.000.- (29.5.79) und einen über S 64.000.-
(17.8.79) aus, für was oder wen auch immer.
Wie geht handeln? Wie
fängt "das andere" wirklich an? Welche ist der erste Schritt? Ich
meine, der allererste? Wenn ich sage, wir müssen aufhören, uns
eine Regierung gegen uns zu wählen, ist das ja ein Satz und kein Schritt.
Papier ist eines der geduldigsten Materialien, die bisher entdeckt worden
sind- Die oben fürchten sich - zurecht - nicht vor meiner Schreibmaschine.
Als die ÖVP für den herbstlichen
Landtagswahlkampf 1979 bei den Vereinigten Kellereien Marsoner & Rainer
2.000 Fläschchen Wein bestellt, ergeht die Rechnung (26.6.79) automatisch
an die VÖI, die die 42.480 Schilling auch postwendend zur Einzahlung
bringt.
Die VÖI hat einfach die besseren
Argumente (links, Ausschnitt) gegenüber den Politikern, als wir sie
haben (rechts, Ausschnitt).
Wie ist es mit uns? Wenn
wir wissen möchten, was wir wirklich denken, müssen wir auf unsere
Hände sehen, nicht auf unseren Mund. Jeder von uns tut unbewußt
genau das, was er für richtig hält. Und das nicht, was in seinem
Kopf noch nicht ausgemacht ist.
Der ÖVP-Seniorenbund muß im
September 1979 seine Mitglieder mit 3.570 Herzen mit Band (zum Preis von
je S 4.70) und mit 500 Herzen ohne Band (zum Preis von je S 3.50) für
die Landtagswahl ködern. Die Rechnung in der Höhe von S 20.011.-
wird, versteht sich, von der Vereinigung Österreichischer Industrieller
beglichen.
Was können wir tun? Die
Fragen die nicht mit Buchstaben, sondern nur mit dem Leben zu beantworten
sind, sind die schwierigsten. Dieser Frage wegen gibt es diesen FÖHN
und den FÖHN überhaupt. Wir sind kein Abonnentensammlerverein.
Im Landtagswahlkampf 1979 lockt uns die
ÖVP mit allerlei Werbeunrat wie Mappen, Kulis, Spielkarten usw. Aber
Wahlen sind ein im vorhinein abgekartetes Spiel, bei dem wir nie stechen
werden.
Der Landesparteisekretär der ÖVP,
R. Fiala, schickt am 30.8. die bei ihm eingelangten Rechnungen über
1491 Stk. Aktenmappen, über 8.000 Stk. Kugelschreiber und über
8023 Spiele doppeldeutscher Karten mit einer Gesamtsumme von 209.674,49
Schilling an die Industriellenvereinigung (samt "Aktenvermerk"). Am 12.9.
kann Fialas Sekretärin D. Crepaz einen Scheck - genau auf diese Summe
ausgestellt - ... ins Büro der VÖI abholen kommen. Es handelt
sich also bei der ÖVP, wie man sieht, um die Kulis der VÖI.
Formen des Handelns. Unsere
Stärke liegt in unserer Zahlenstarke. Alleine ist es ratsam, den Gehsteig
und den Zebrastreifen zu benützen. Wenn wir viele sind, können
wir gefahrlos auch auf der Straße gehen. Schon die Aufkündigung
unserer Zusammenarbeit erschüttert die Macht über uns, z.B. wenn
wir uns nicht mehr meinungsbefragen lassen, z.B. wenn wir die für
uns aufgezogenen Massenveranstaltungen spritzen, z.B. wenn wir keine Forderungen
mehr an die Politischen Vertreter der Macht richten, z.B. wenn - oder was
ist dein Beispiel liebe Leserin, lieber Leser?
Die ÖVP bringt zur Landtagswahl
1979 (als Wahl-Sondernummer ihrer Funktionärszeitung Information
ausgegeben)
ein buntes Bilderheft "... lebenswertes Tirol" mit 32 Seiten im Großformat
heraus, das an jeden Haushalt in Tirol versandt wird. Dieses Magazin enthält
keine einzige Werbeeinschaltung. Trotzdem verrechnet die Redaktion des
Information, die ÖVP-Landesparteileitung, der Vereinigung Österreichischer
Industrieller zwei Einschaltungen zum Preis von 300.000.- Schilling.
Wieviel ist davon zu halten, wenn uns
die Landeselektrizitätsgesellschaft in einem Schreiben ihres Direktors
Mayr wissen läßt: "Die TIWAG beteiligt sich nicht an der Finanzierung
politischer Parteien" (13.1.190) und wenn der Geschäftsführer
der VÖI uns mitteilt: "Es ist völlig unrichtig, daß beispielsweise
die TIWAG als Mitglied der Vereinigung Österr. Industrieller, Landesgruppe
Tirol, auf dem Umweg über Mitgliedsbeitragszahlungen an die Industriellenvereinigung
>die ÖVP massiv unterstützt habe<" (Schreiben vom 29.7.92)
und wenn der langjährige Landesparteisekretär der ÖVP, Fiala,
poltert: "Nie floß je ein Schilling Parteispende von der TIWAG an
die ÖVP." (TT, 5.12.9l)?
Wie dem auch sei, die Vereinigung Österreichischer
Industrieller bezahlt (in wessen Auftrag auch immer) für zwei Einschaltungen,
die nie erschienen sind, vier Tage vor der Landtagswahl per Scheck 300.000.-
Schilling an die ÖVP. Schon ein bißchen dumm von uns, angesichts
all dieser Scheck-Zettel noch auf Stimm-Zettel zu setzen.
Vorschlag: Wir müssen
aufhören anfangen, allein zu bleiben mit unserem Entsetzen, unserer
Ohnmacht, unserem Suchen. Vielleicht kann dieses Heft ein wenig dabei helfen,
daß wir zueinander kommen mit unserer je einzelnen klitzekleinen
Hoffnung, die man vom Nachbarkopf aus schon gar nicht mehr sieht.
Das oben genannte Bilderheft der ÖVP
zur Landtagswahl am 30. September 1979, 20 deka schwer, geht mit der Post
an jeden Haushalt in Tirol. Die am 13.9.79 ausgelegten Beförderungskosten
der Wahlprospekte für 32.394 Innsbrucker Haushalte, 39.720 Schilling,
werden der ÖVP ruckzuck am 21.9.79 von der Industriellenvereinigung
ersetzt.
Was wir tun müßten:Allein
um die Sache mit den Wohnungen in Ordnung zu bringen, müßte
die Regierung gestürzt werden, müßten die Bankhäuser
ausgeschaltet, die Wohnbaufirmen zerschlagen werden usw. Wie aber schreiten
wir an Zerschlagung, Ausschaltung, Sturz?
Wie in den Jahren vorher und in den Jahren
nachher inseriert die VÖI auch 1979 ständig in der ÖVP-Funktionärszeitung
Information,
die, scheint's, nur in die Welt gesetzt wird, um über Inserate
staats- und landeseigener Firmen sowie von Staats- und Landesaufträgen
lebender Firmen (s. ausführlich in FÖHN 15) Geld in die
Parteikassa der ÖVP zu holen.
Ein Aktenvermerk des VÖI-Geschäftsführes
Bachmann
Unsere Kraft. Wir
müssen auf das Volk sehen, wie Naturforscher auf ein Gebirgsbächlein
sieht: Welche Macht liegt darin, wenn es organisiert wird! Nur der Tor
sagt, es gibt sie nicht, weil sie sein Auge nicht sieht. Auch das Korn
dünkt sich stark am vorbeirinnenden Wasser, solange bis es von eben
diesem zwischen Mühlsteinen zermalmt wird.
Am 18.9.1979 erscheint die Tageszeitung
Die
Presse mit einer Tirol-Beilage. Darin findet sich unter anderem, es
sind noch 12 Tage bis zur Landtagswahl, ein halbseitiges Wallnöfer-Inserat
("Ein Landeshauptmann für jeden Tiroler"). Die Rechnung über
30.000.- Schilling unter dem Titel "Druckkostenbeitrag" ergeht wie selbstverständlich
an die Industriellenvereinigung in Innsbruck und wird nach Rücksprache
mit dem Landesparteisekretär R. Fiala auch bezahlt.
Was täte ihnen weh? Wenn
uns in unseren Köpfen derweil, das Rechte zu tun schon nicht einfallen
will, denken wir doch einmal in den Köpfen unserer Gegner darüber
nach, wovor sie sich vor uns fürchten! Denn sie wissen um unsere Stärken,
auf die wir bei allem Grübeln nicht kommen wollen, und es ist ihr
täglicher Bammel, daß sie auch uns klar werden könnten.
Auch J. Thoman, führender Funktionär
des Tiroler Arbeiter- und Angestelltenbundes (AAB), hat, wie jeder in der
ÖVP, sein Packl zu tragen. Es ist der 21.12.1979, an dem der frisch
gekürte Präsident des Tiroler Landtages ins Büro der Vereinigung
Österreichischer Industrieller geheißen wird: Der Abholschein
für ein Packl mit 150 Tausendern liegt für ihn bereit.
Was zu tun ist. Schon
die Wörter für das, was getan werden muß, lassen viele
von uns zu Tod erschrecken: "Aufstand", "Kampf, "Umsturz". Aber Selbstbeschiß
hilft nicht. Nettere Wörter meinen auch etwas anderes.
Zu Weihnachten 1979 gibt's auch für
Finanzlandesrat L. Bassetti (ÖVP) noch eine Bescherung. Die VÖI
überrascht ihn mit einem Scheck über eine halbe Million Schilling.
Wir - und nicht sie! Wem
das Herz noch schneller geht, wenn er das liest, der wird sich überlegen
wie wir da herauskommen. Wen 's nicht anrührt, der nicht. Der wird
vielleicht sagen, es ist unmöglich. Etwas früher oder etwas später
werden wir allesamt stocksteif in nasse Erde gelegt. Und da wartet kein
Himmel mehr irgendwo oben und keine Hölle mehr irgendwo unten auf
uns. Ätsch, die Einteilung in Oben und Unten ist auf dieser Erde gewesen!
Und so fort. Weiteres Material liegt
vor.
Landesrat B., Landtagspräsident
T., Landeshauptmann W. (Foto: ÖVP)
An alle! Der
FÖHN ist kein Unterhaltungsblatt. Der Kauf eines Heftes berechtigt
niemanden zu diesem Mißbrauch. Wer seinen Hintern nur grad so weit
derhebt, daß er ans Geldbörsl kommt, um das FÖHN-Abo zu
bezahlen, kann gleich ganz drauf hocken bleiben. Jeder trifft die Entscheidung,
bewußt oder unbewußt, für diese Zustände oder gegen
diese Zustände. Der, der keine Möglichkeit sucht, die Dinge zu
ändern, wird keine finden.
Wenige, die etwas tun, sind immer
mehr als alle, wenn sie nichts tun- Wenn wir über die 20 cm Höhe
mal 13 cm Breite des FÖHN nicht hinauskommen, ist deine Investition
nur eine in die Druckindustrie und in den Zeitschriftenhandel. Wir haben
5.000 Köpfe mit Macht über 10.000 Hände. Das ist nicht viel.
Das ist nicht wenig. Die Mittel zur Beseitigung der entdeckten Mißstände
brauchen wir nicht im Kopf zu erfinden, wir müssen sie mit dem Kopf
in den Verhältnissen selbst finden. Wo siehst du die Möglichkeit
anzufangen? Red'! Ein Vorschlag ergibt den anderen. Im nächsten Heft
ist soviel Platz dafür da wie nötig. Die Leserinnen und Leser
werden sich auf die Vorschläge der Leserinnen und Leser einlassen.
Auch Überlegungen die den FÖHN brauchbarer machen wollen, sind
gefragt, auch solche, die ihn überflüssig machen.
Der Preis für die besten Vorschläge
ist: unser aller Nutzen aus ihrer Verwirklichung.
*Wer zu diesem dringenden Aufruf schweigt, sagt uns, daß ihn dieses Heft nicht wirklich erreicht hat. Wir schicken ihm dann statt des nächsten FÖHN-Heftes lieber das Geld zurück.
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