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Drucken wie gelogen von
Markus Wilhelm
Standard, 28. Jänner 1991:
Kleine Zeitung, 28. Jänner 1991:
AZ, 28. Jänner 1991:
Vorarlberger Nachrichten, 28. Jänner 1991:
Kurier, 28. Jänner 1991:
Salzburger Nachrichten, 28. Jänner 1991:
Tiroler Tageszeitung, 29. Jänner 1991
Presse, 28. Jänner 1991:
Volksstimme, 27. Jänner 1991:
Neue Zeit, 27. Jänner 1991:
Kleine Zeitung, 27. Jänner 1991:
Nicht um eine "Ölpest" (Standard) bzw. "Ölpest"
(Kleine Zeitung) bzw. "Ölpest" (AZ) bzw. "Ölpest"
(Vorarlberger Nachrichten) bzw. "Ölpest" (Kurier) bzw.
"Ölpest" (Salzburger Nachrichten) bzw. "Ölpest" (Tiroler
Tageszeitung) bzw. "Ölpest" (Presse) bzw. "Ölpest"
(Volksstimme) bzw. "Ölpest" (Neue Zeit) bzw. "Ölpest"
(Kärntner Tageszeitung) bzw. "Ölpest" (Neues Volksblatt)
bzw. "Ölpest" (Kronenzeitung) bzw. "Ölpest" (Oberösterreichische
Nachrichten) bzw. "Ölpest" (Profil) bzw. "Ölpest"
(Wochenpresse) handelt sichs da, sondern um eine Druckerschwärze-Pest!
Aber wir wurden nicht von der CIA angeschmiert und nicht
von den Agenturen Associated Press oder Reuters (die später
nachgezogen hat), sondern von ORF, Kronenzeitung usw.:
Falsche Nachrichten werden in Umlauf gebracht, um den
Gegner im Krieg irrezuführen. Diese wurden nicht in Umlauf gesetzt,
um den Kriegsgegner irrezuführen, sondern, um die Gegner dieses Krieges
irrezuführen. Wir erinnern uns an die niedergemachte Milchpulverfabrik
im Irak, die in allen Medien als C-Waffen-Fabrik stand, an die Mörderpanzer
(mind. 6000 Getötete), die auf "Bergepanzer" getauft durch Tirol geleitet
wurden, an den Schmäh, der Irak sei die viertstärkste Militärmacht
der Welt, an das Bombardment einer militärischen Schaltzentrale in
Badgad, die in Wahrheit ein Schutzraum für Zivilisten (500 tote Menschen)
war - und mehr noch.
Eine jede Zeitung, die eingeht, ist eine weniger, die
uns belügen kann. 1991 war ein gutes Jahr: Mit Volksstimme
und AZ sind zwei weggefallen. 1992 ist ein schlechtes: Täglich
alles kommt dazu.
Die Nachricht ist im Krieg die stärkste Waffe der
Irreführung. Wenn man bereit ist, sich einzugestehen, daß in
unserer Gesellschaft Krieg herrscht, ständiger, unaufhörlicher,
von denen da oben gegen uns da herunten, wird man verstehen können,
daß Nachrichten, die von oben kommen, nicht mitunter falsch sein
können,
sondern ganz gezielt falsch sein müssen.
Übrigens:
Die Stützen des Systems Daß du keine Wohnung hast, das müssen Medien aufrechterhalten (damit du nicht den Magistrat besetzt, nicht den Bürgermeister würgst). Daß der Schwerverkehr ununterbrochen mitten durch unser Land "ruacht", müssen die Medien möglich machen. Daß eine Aktiengesellschaft uns unsere Bäche aus den Tälern herausreißt, müssen Medien vorbereiten und durchführbar machen. Daß wir in die EG hineingeritten werden (sollen), das muß von den Medien bewerkstelligt werden. Ohne Geleitschutz durch die Medien würden diese und andere Verbrechen nicht geh'n! Die herrschende Ordnung muß mit allen zu Gebote stehenden Mitteln - das heißt Medien - geschützt werden. Man stelle sich vor, es gäbe eine Woche keine Zeitungen!
Alles bräche zusammen. Kein Mensch glaubte mehr, daß alles so
sein muß, wie es ist. Daß es leere und daneben überbelegte
Wohnungen, da Löcher und dort Luxus geben muß. Deshalb ist es
so wichtig, daß das Radio alle Stunden Nachrichten bringt. "Nachrichten",
das Wort ist ja erfreulich deutlich: es wird nach-gerichtet. Wir werden
nachjustiert alle 55 Minuten.
Die Medien stützen die herrschende Ordnung. Nicht nebenbei oder gar versehentlich, sondern hauptgeschäftlich. Weil sie als Steuerungsinstrumente so ungeheuer wichtig sind, ist Radiohören und Fernsehen kostenlos (außer für diejenigen, die von sich aus Gebühren entrichten). Weil die Bevölkerung keinen Tag aus dem Auge gelassen werden darf, werden in vielen Ländern sonntags Zeitungen zur freien Entnahme ausgehängt. (Und wir, die wir beim Lesen der Blätter betrogen werden, meinen noch, wir seien die Betrüger, wenn wir sie uns holen!) Weil Medien die Oberen vor den Unteren schützen, werden sie mit Unsummen aus unseren Steuergeldern (Presseförderung) gesponsert. (Mehr darüber weiter unten) Dafür, warum die einen roboten müssen für einen Lohn, der zum Leben nicht reicht, während andere nicht wissen, wie sie es schaffen, das Geld, das ständig hereinkommt, auszugeben, muß ein ganzer Wust von Erklärungen her. Warum die Welt, die allen gehört, nur wenigen gehören soll, dafür müssen stets neue Ausreden geboten werden. Frißt du die eine nicht, gibts hundert andere. Schmeckt dir die vom Standard nicht, probier jene, die die Kronenzeitung verbreitet. Um die herrschenden Unrechtszustände aufrecht zu
erhalten, muß ohne Unterlaß an einem gewaltigen Konstrukt aus
Rechtfertigungen, Versprechungen, Entschuldigungen gebaut werden: für
jede eingeknickte Erklärung müssen zwei neue Erklärungen
her, das heißt dann vier für jene zwei, acht schon als nächstes
usw. So ungefähr muß Babylon gebaut worden sein. Ständig
sind unhaltbar gewordene Darstellungen nachzubessern, ist Durchhängendes
zu stützen, Eingebrochenes zu erneuern.
Die Medien haben die Aufgabe, bei uns Vertrauen in die
Verhältnisse zu produzieren, unser Vertrauen in den Gang der Dinge
zu erhalten und, wenn nötig, es wiederherzustellen. Sie haben die
Billigung des schreienden Unrechts durch uns zu sichern.
Sie schicken uns wählen. Sie locken uns hin und sie
knüppeln uns hin. (Ausführlicher in Heft 15). Die Medien
sind dazu da, abzuwehren, daß wir unsere Sache selber in die Hand
zu nehmen. Sie haben uns andere anzubiedern. Ohne sie würde nicht
der größte Teil der Österreicherinnen und Österreicher
diesen gestopften Nadelstreif wählen.
Lügen wie gedruckt "Politik", sagen uns die Medien ununterbrochen, das sei
Busek gegen Vranitzky. Die konsequente unausgesetzte Personalisierung ist
ihr wirksamstes Mittel, von den Zuständen abzulenken. Staberl
ist österreichischer Meister in dieser Disziplin, Profil Mannschaftssieger.
Ha! Als wären unsere Probleme (die Knechtarbeit, die Bankenherrschaft,
das Abmurksen der Natur z.B.) solche des Regierungspersonals und nicht
solche des Geld-ist-alles-Systems!
Es ist eine Aufgabe der Medien, Nichtigkeiten zu Wichtigkeiten aufzublasen. Die zwei Hauptbeiträge eines Tirol heute, der Regional-Fernseh-Sendung eines Landes, das die letzten Landwirtschaften an das Unternehmen Massentourismus verliert, sind: "Badehosenzwang für Kleinkinder im Innsbrucker Freischwimmbad - ja oder nein?" und "Schreibmaschinenschnellschreiber aus Rum bei Innsbruck als Gast im Studio". Das ist kriminell angesichts dessen, was zur gleichen Zeit in Tirol wirklich passiert. Statt eines Berichtes darüber, wie zehntausende ausländische Rackerer wie der letzte Putzhuder behandelt werden, bringt Tirol heute einen Filmbericht über den "Rehbock Hansi", der sich in eine Gärtnerei verirrt hat. Statt eines Berichtes über die vielen tausend in Beton gegossenen Familien in den Stadtrandbauten wird in Tirol heute groß von einer "Catcher-Veranstaltung" berichtet. Der "Blumenbinderwettbewerb"-Film steht am Sendeplatz des Berichtes über die Transitprofiteure in Tirol und anstelle der Geschichte über Finanzierung der Politiker durch die Industrie steht der Beitrag über ein "Country-Sänger-Treffen". (Alles wahre Beispiele aus einer Woche Tirol heute.)
Die Medien haben Wichtigkeiten weitab der wirklichen Wichtigkeiten
zu machen. Wenn du woanders hin schauen willst, haben sie dauernd zu rufen:
Schau da her! Sie melden dir dann Meldungen und berichten dir Berichte.
Ist die Pressekonferenz irgendeines Ministers und die Presseaussendung
irgendeines Parteihansls wichtig oder das tägliche Zuscheißen
der Hintertäler durch 10.000 Touristen in Sölden und 10.000 Touristen
in Ischgl? Aber die Zustände laden zu keinen Pressekonferenzen und
die Müllberge machen keine Presseaussendungen. Die Zustände haben
kein Fax und keine Du-Freunde in den Redaktionen.
Wenn die Menschen in Österreich alles wissen, dann
hält kein Vranitzky mehr. Wir wollen, daß die Menschen alles
wissen. Die Sandmännchen in den Medienburgen wollen um alles in der
Welt, daß sie nichts wissen. In FÖHN 15 hieß es zur massiven
Finanzierung der Tiroler ÖVP durch Hypobank, Tiland, Brenner Autobahn
AG und TIWAG: "Keine Tiroler Tageszeitung und kein Tirol-Kurier
und kein Radio Tirol finden dazu ein Wort, weil Hypo, TIWAG usw.
auch deren Bilanzen auffetten." (S. weiter unten)
Die ständige "Skandal"-Berichterstattung ist geradezu die Wunderwaffe bei der Ablenkung von den wirklichen kapitalistischen Skandalen, z.B., daß Frauen nur zu 66 Prozent Menschen sind. Profil in Österreich und der Spiegel in Deutschland haben diese Erfindung bis zur Patentreife vorangetrieben. Die Skandalisierung ist immer an Personen orientiert, denn mit Personen kann man - ohne den Zuständen selbst im mindesten zu schaden - abfahren. Da dieses System aber solche Personen hervorbringt wie ein Apfelbaum Äpfel (Birnen kann er nicht), spielen sie ein endloses Spiel. Aufgedeckt wird immer grad soviel, als anderswo Material zum Zudecken gebraucht wird. Etwa für das, wie der Billa-Litega-Libro-Bipa-Konzern auf Kosten von Tausenden Taglöhnerinnen täglich reicher wird, oder für das, wie die Firmen ihre hier herausgeschundenen Gewinne ins sichere Ausland schaffen. Gegen diese planmäßigen, ganz legalen Verbrechen im großen Stil, ist alles das, was Profil Ausgabe für Ausgabe auf den Titel setzt, ein Klaks. Die sogenannte politische Korruption (Bestechung von Staatsanwälten, Richtern usw. meinetwegen alles inklusive) bewegt sich - verglichen mit dem Betrug des Kapitals an der Mehrheit der Bevölkerung - im Dezimalbereich. Wenn wir uns - mit Recht - entrüsten über den Minister, der in die Gewerkschaftskasse greift, sind wir schon irregeführt! Die Medien, die aufdecken, sollen uns vorgaukeln: Wenn
einer eine Schweinerei begeht (Niederl, Sinowatz, ..) kommt es ans Licht.
Aber die Helligkeit, die sie punktuell erzeugen, ist nur ein Abfallprodukt
der Dunkelheit, die sie großflächig zu produzieren haben. Mit
den Geschichten, die Alfred Worm weiß, aber nicht schreibt, ließe
sich die viel sensationellere Zeitschrift machen als das Profil.
Aber das wollen sie gerade nicht. Wer hat denn das große Wort in den Zeitungen? Die vierzig-, fünfzig-, sechzigtausend Schilling-Bezieher Rauscher, Kindermann, Lingens. Wer verkauft uns denn ununterbrochen aus dem Fernseher heraus, daß es anderswo und anderswie schlechter wäre? Solche, für die es anderswie nur schlechter sein könnte: die Monat für Monat mit zehn Monatslöhnen einer Küchenhilfe belohnten Moderatoren. Kann es Herrn Bronner (Standard), Herrn Kunz (ORF), Herrn Wolf (Kurier) irgendwie noch besser gehen, oder ist deren Schmattigkeit nicht ohnedies auf allerdünnsten Säulchen gebaut, sodaß jede Veränderung sich nur als Verschlechterung zeigen könnte? Die Satten kommentieren die herrschende Ordnung. Demokratie und Geld, das ist so eine Paarung wie Liebe und Geld. Entweder oder.
Sagen, die Zeitungen lügen, und dann Beispiele aus
der Politik bringen, ist zu einfach. Reden wir von etwas weiter weg Liegendem,
von den Unfallberichten: Ist es das Glatteis, das das Auto schleudern gemacht
hat, oder die Hetze in dieser Zeit-ist-Geld-Ordnung? Ist die vielbemühte
"unbekannte Ursache", die zur Kollision geführt hat nicht vielleicht
das geistige und seelische Verhungern im Kapitalismus? Das Nichtmelden
der Blutopfer, die dieses Hü-hott-System täglich, stündlich
fordert, ginge nicht. Das Richtigmelden geht schon erst nicht. Noch im
meldenden Satz muß die Ursache umgelogen werden - so gefährlich
ist die Wahrheit. In Wahrheit ist es nicht der Discobesuch, der den 18jährigen
auf den nächsten Baum donnern läßt, sondern die wohlbegründete
Angst, das Leben im Leben zu versäumen, so wie es nicht der Alkohol
ist, der den Skitoten fabriziert, sondern sein Fluchtzwang aus dem ihm
feindlichen Alltag. Noch die Todesanzeigen sind großteils gelogen:
Nicht der Herr hat die 46jährige "zu sich" genommen, sie ist auch
nicht am Krebs krepiert, sondern an den unerträglichen Zuständen.
Objektiv, sagen sie, seien sie, und neutral, der Ausgewogenheit
verpflichtet. Kann man objektiv über den Hunger in Afrika berichten?
Mit einerseits und andrerseits? Nein, entweder steht man auf der Seite
der Verhungernden oder auf der der Hungermacher, das heißt auch der
Hungermacher aus Österreich. Die Arbeitslosigkeit in der Obersteiermark
ist ja gerade nicht objektiv! Oder ist es etwa so, daß beide ein
bißchen recht haben, Täter und Opfer, Rausschmeißer und
Rausgeschmissene, und beide ein bißchen unrecht? Neutrale Berichterstattung
kann hier ja nur heißen, daß gegen das Unrecht nicht Partei
ergriffen wird. Auf die Spitze hat es der ORF mit seiner lt. Rundfunkgesetz
"Verpflichtung zur Ausgewogenheit" getrieben. Ja, was heißt denn
das anderes, als daß zur Wahrheit, etwa der, daß unsere Bergbauern
in der EG ratziputz aufgemarendet werden, die ministerliche Lüge kommen
muß, daß es ihnen in der EG endlich viel besser gehen wird?
Welches Wort paßt darauf genauer als das Wort Zensur? Diese Ausgewogenheit
ist Eintreten für die herrschende Ungerechtigkeit.
Die Medien richten uns ab Wenn wir am Morgen meinen, die Zeitung in der Hand zu halten, hält schon sie uns in der Hand. Unsere Gedanken, die sie lostritt, sind nicht die unseren. Bei "Banküberfall" denken wir (denken wir?) stracks an den vergleichsweise seltenen und vergleichsweise putzigen Beutezug eines Mannes mit Roger-Staub-Mütze, der fünfhunderttausend oder vielleicht nur fünfzigtausend Schilling einbringt, statt an den ununterbrochen stattfindenden der CA, der Bank Austria usw. auf Kunden und Nichtkunden. D a s ist Banküberfall. Aber wir sind programmiert. Die Medien haben die Aufgabe, uns dorthin zu bringen und dort zu halten, wo uns die Mächtigen haben wollen. Von demokratischen Medien reden, heißt, einen Blödsinn
reden. Sie funktionieren alle nur in eine einzige Richtung. Von Kommunikationsmitteln
keine Spur. Wie Befehle gehen sie auf uns los - und fertig! Sie sind klar
undemokratisch gebaut. Sie üben uns ein ins Empfangen und Nichtgehörtwerden
und Nichtszusagenhaben. Sie sind ein treffliches Sinnbild dieser Scheindemokratie.
Noch eins: Fernsehsprecher plappern täglich andrer Leute Meinungen
herunter, als wär es das Normalste auf der Welt. Sie machen uns damit
das bedingungslose, selbstverleugnende Funktionieren für anderer Leute
Interessen vor. Ein fatales Vorbild.
Daß dir die Wirklichkeit, die wirkliche Wirklichkeit,
muß man da schon sagen, wenn sie im FÖHN immer wieder ein Stücken
ausgegraben wird, so unwirklich vorkommt, ist der Erfolg der Medien. Wenn
die Welt lange genug auf den Kopf gestellt gezeigt wird, haben sich unsere
Sinne daran gewöhnt. Wenn nun aber ein Teil, wie er ist, also auf
den Füßen stehend, sichtbar (gemacht) wird, schreien unsre Augen
sofort: 'Falsch! Umgekehrt!' So war es den Medien möglich, Millionen
Menschen - völlig losgelöst von ihren Lebenswünschen - in
den ersten und Millionen Menschen in den zweiten Weltkrieg zu treiben.
Sie in Leningrad und Kirkenes ihre Heimat Zillertal verteidigen zu lassen.
Welche mediale Propagandaleistung war nötig (und vorhanden), um 500.000
US-Soldaten, zum Großteil schwarze, zum Großteil niedrigster
gesellschaftlicher Klasse, zigtausend Kilometer weit weg zu schicken, um
dort für ihre Ölbarone und deren Bankenharem ihr Leben zu riskieren!
Ablenkung Ist es auch nur einen Augenblick lang zu rechtfertigen, daß du dein Leben lang für das Wohnen auf dieser Erde blechen mußt? . . . . ! (richtige Antwort hier eintragen.) Darum mußt du gehindert werden daran, das abzustellen. Die Medien haben die stete Aufgabe, uns in die Wüste zu schicken. Mit dem bißchen Kraft, das uns bleibt, jagen sie uns auf den Fußballplatz, damit wir es dort verpulvern. Wochenende für Wochenende fädeln sie uns an steilen Abfahrtspisten und Slalomhängen auf, damit wir uns statt gegen die Vergiftung mit Blei, Schwefel, Stickstoff, Cadmium usw. gegen einen um zwei Hunderstel zu schnellen schweizer Skirennfahrer die Seele aus dem Leib schreien. Die Tiroler Tageszeitung weiß, was sie tut, wenn sie den Montagsfrust im Land mit bis zu 12 (!) Seiten Wettsport-Berichten zudeckt. Alle Achtung, das ist ganze Arbeit. Wer glaubt, wir hätten das Recht, von den Medien darüber aufgeklärt zu werden, warum alles so ist, wie es ist, ist ihre sicherste Beute. Auch wenn dieses Recht vielleicht in einem Fachbuch eines Universitätsprofessors steht. Bei den Rechten ist es so, daß wir nur diejenigen haben, die wir selber wahrnehmen. Niemand anderer wird es je für uns tun (außer im Buch des Universitätsprofessors). Die Medien haben von denen her, denen sie gehören und von denen her, denen sie dienen, nicht die Aufgabe uns aufzuklären, sondern im Gegenteil. Die Wahrheit kommt ihnen höchstens einmal aus, wie einem manchmal ein Furz auskommt. Sie haben uns willig zu halten und auf Trab. Sie haben uns in der Früh aus den Federn zu reißen, damit wir "unsrer" Arbeit nachkommen, und sie müssen uns am Abend ins Bett bringen, damit wir am nächsten Tag wieder ... (siehe oben!) Der Landeshauptmann mit den Chefredakteuren, das ist der Landeshauptmann mit seinen Bodyguards.
Die, die unter den Verhältnissen drohen schlapp zu machen, müssen ständig soweit aufgepäppelt werden, das nicht zu tun, und die die drohen gegen die Verhältnisse vorzugehen, müssen dazu gebracht werden, jenes nicht zu tun. Die Medien, das ist der lange Arm, der bis ins Schlafzimmer hinein für Ruhe und Ordnung, soll heißen Unterordnung zu sorgen hat. Wer am Kabel hängt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er gegängelt wird. Beispiel Radio: Das ist großteils Hirnkneterei, von 0 bis 24 Uhr, auf drei Kanälen. Ö3 ersäuft uns in Happysound, Ö1 verabreicht Bach, Mozart, Haydn in Waren-Häppchen, Ö2 macht Tschinderassabumm. Alles das ist (vielfach) Nebelmusik, die einhüllt und abhält. Das sind Narkotika. Dieses Überangebot an Heidschibummbeidschi-bumm-bumm verrät etwas von der großen Not, die herrscht, vom wirklichen Elend der bedrängten Kreatur. Der Moderator wünscht "Viel Spaß mit der kommenden Platte" als wäre hier, in dieser betrunkenmachenden Musik zu finden, was sonst nicht zu haben ist. Das Unterhaltungsprogramm ist ein Untenhaltungsprogramm. Man kennt das: Hühnerställe mit Musik, um die Eierproduktion anzuregen, Glashäuser mit Musik, um das Pflanzenwachstum zu beschleunigen, Fabriken und Büros mit Musik, um die Arbeitsleistung zu heben. Am Menschen erprobt, mittlerweile auch bei Kühen eingesetzt: beide geben mehr Milch. Millionen Österreicherinnen und Österreicher sind täglich dem Hopp-hopp-hopp von Ö3 ausgesetzt, am Arbeitsplatz, beim Einkaufen usw. und zuhause. Ö3 ist ganz gewiß wichtiger für die sogenannte öffentliche Sicherheit als die gesamte Polizei. In die "Musik zum Träumen" wird uns Schlafpulver gerührt, in den Ö3-Wecker Aufputschmittel. Sie haben Angst vor uns, mehr als berechtigte. Darum gehen
sie jeden Tag mit Millionen Zeitungsexemplaren auf uns los, wovon die Hälfte
wieder eingestampft wird, um morgen wieder gegen uns zum Einsatz zu kommen
(von denen die Hälfte wieder ...). Allein das Radio beschallt uns
(Ö1, Ö2, Ö3) 72 Stunden in den 24, die ein Tag hat.
Gerade die von den Medien erzeugte Undurchschaubarkeit der Verhältnisse ruft bei vielen Menschen erst recht das Bedürfnis nach Aufklärung hervor, treibt sie also erst recht wieder in die Fänge der Medien. Es ist beklemmend, anzusehen, wie diese Not Zigtausende Montag für Montag zu den Kiosks drängt, um dort Profil zu erstehen, das ihnen nicht einen Millimeter heraushilft. Im Gegenteil. Wenn wir nicht in einem fort von Zeitungen und Rundfunk bearbeitet würden, wüßten wir noch selbst was uns angeht: zum 87. Mal Gamsachurdia oder der Urlauberverkehr von Deutschland nach Italien über unser Land hinweg, eine Weltraumtorkelei oder wieso der in Tirol erzeugte Strom für uns in Tirol so teuer ist. Das mit tonnenweise Zeitungs-Quatsch Zugeschüttete würde nach oben kommen, und unsere Ansprüche an das Leben würden sich heraustrauen. Aber wem täglich die Tiroler Tageszeitung ins Haus flattert, der ist schon fast erledigt. Die Medien teilen nichts mit, was uns zum Handeln veranlassen könnte, nur solches, das uns desorientiert (die Parteileitungssitzung in Linz, die Flut in Bangladesch, die Grazer Messe, der Absturz bei Lockerbie, die Anklage eines Ministers, das Endspiel in Buenos Aires). Sie erzeugen Konfusion, und sie tun das, weil es ihre Aufgabe ist. Über die Meldung vom Massacker fährt die Meldung vom Wirbelsturm drüber, neben dem Artikel von der Betriebsstillegung steht der Bericht über die Wahl der Miß Austria. Jede Nachricht wird von der nachfolgenden ausgelöscht - es darf kein Platz bleiben zum Denken. Sie funken dazwischen, wenn aus unseren eigenen Erfahrungen
Konsequenzen werden wollen. Sie haben uns narrisch zu machen, Kurier
vom 1.2.92: "Der beste Weg zu mehr Gehalt" (Serie), "Olympia-Wette / Gold
für die Sieger - Gold für Sie!", "Das große Olympia-Gewinnspiel
(Casinos Austria) - Gewinnen Sie täglich ein paar Kästle-Ski!",
"Karriere-Tips" (Serie), "Die Glückskinder - Ihr Horoskop". Das Hirn
ist ein gefährlicher Teil des Menschen: es denkt. Sie haben vorzusorgen,
daß wir nicht eins und eins zusammenzählen, unser Unbehagen
nicht begreifen.
Sie haben das Anetwasanderes-Denken uns auszutreiben. Freiheit hieße, sich vorstellen zu können, wie es besser sein könnte und wie das gemacht werden könnte. Das Aufkommen dieser Vorstellung bekämpfen die Medien mit ganzem Einsatz. Sie haben uns unsere Perspektiven wegzunehmen. Was uns gelassen werden soll, sind, je nach Lebensalter, noch zwanzig Jahre so wie es ist oder noch fünfzig Jahre. Die Medien haben in diesem System die Aufgabe, uns zu verwirren und zu lähmen. Schau dir Österreich an: Sie machen ihre Sache ausgezeichnet. Das bißchen Empörung über die Zustände,
das uns gestattet wird, haben wir jede/r für sich zu empfinden, du
über deine Tageszeitung gebeugt, ich über meine. Unsere Empörungen
finden nicht zusammen. Das "Massenmedium" Fernsehen bedeutet Aufsplitterung
der Masse in ihre Millionen Teile. Jede Emotion ist allein. Es bestehen
also im besten Falle Millionen vereinzelter Entrüstungen, die nicht
zu einem Sturm zusammenwachsen. Die uralte Herrscherweisheit "Teile und
herrsche!" hat ihre höchste Vollendung erfahren. Die Massenmedien
vereinzeln uns, statt uns, wie es ihre technischen Möglichkeiten erlauben
würden, zu vereinen. Das ist politisch ein entscheidender Schlag.
Das Volk über seine wahre Stärke täuschen Die Herrschenden haben mit allen Mitteln, das heißt: mit allen Medien, unter uns das Gefühl der Ohnmacht zu verbreiten. Die Widersprüchlichkeit der Meldungen soll uns zermürben: "Man weiß ja sowieso nicht, was wahr ist und was nicht!" Die "Skandalgeschichten", die sie eine nach der anderen auspacken, sollen uns einbleuen, daß "die da oben es sich richten" und "wir da unten sowieso nichts machen können". Ohne die ständige Demoralisierung des Volkes wäre diese Ordnung, die zu Lasten der Mehrheit geht, nicht zu halten. Die Medien dürfen nur ja keine wirkliche Orientierungshilfe geben, nur ja keinen Ausweg angedeutet sein lassen, auf so schwachen Fundamenten steht diese Herrschaft. Sie haben bereits, bevor es uns einfällt, daß wir uns organisieren könnten, uns davon abzuhalten. Wir sollen unsere Möglichkeiten gar nicht erfahren. In den Informationen, die uns pausenlos aufgedrängt werden, sind sie nicht enthalten. Das Volk ist ein Tiger. Die Herrschenden setzen alles
daran, daß das Volk sich dessen nie bewußt werden möge.
Wort-Wechsel Die Sprache, in der öffentlich über die Zustände
gesprochen wird, ist die Sprache seiner Profiteure. Die der Ansammlung
von Reichtum z.B. der Aktionärsfamilie Schwarzkopf zugrundeliegende
Ausbeutung heißt weder in Radio Tirol so, noch im Basta,
noch sonstwo. Ja, man hat uns sogar das Wort "Kapitalismus" wieder weggenommen.
Der Chefredakteur des Kurier, H. Rauscher: "Es ist besser, dafür
den moderneren Begriff 'Marktwirtschaft' oder 'soziale Marktwirtschaft'
oder auch öko-soziale Marktwirtschaft' zu verwenden." (Kurier,
4.11.90)
Medien haben die Verhältnisse verschleiernde Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch durchzusetzen. Wer "Wohnungsnot" sagt, vermittelt das Gefühl einer Naturkatstrophe, statt das von Spekulation. "Konjunktur-Einbruch" läßt an Schicksal denken. Die Sprache, die uns beigebracht wird, ist eine Sprache, die die herrschenden Zustände von oben her gegen seine Opfer verteidigt. Die ganze Zeitung ist voll von solchen Wörtern, die - ohne dafür einen Satz zu brauchen - schon lügen: Wie verbrecherisch ist ein Wort wie "Nächtigungssteigerung" angesichts von Kirchberg oder Mayrhofen! Angesichts des Drecks und des Leids und des Schweißes und der Tränen, die damit zugedeckt werden. Die Worte, die sie uns in den Mund legen, sind Feindesworte. Wenn wir sie nachsprechen, ergreifen wir gegen uns selbst das Wort. Das wollen sie ja gerade, daß wir mit ihnen diese wenig verhüllte brutale Geldherrschaft als "Demokratie" bezeichnen. Wo die Schule nicht mehr hinlangt, haben die Medien die Aufgabe, uns diese Sicht auf die Dinge aufzuzwingen. Sie haben die oben ausgegebenen Wörter unter das Volk zu schmuggeln: "wählen" z.B. für das Nichtszusagenhaben. Die Sachverhalte können sich nicht selbst in Worten
ausdrücken, und werden daher von denen, die das Sagen haben, mit Etiketten
versehen: wenn Philips wegen schrumpfender Profite das Werk in Gmunden
sperrt, heißt das "Rezession". Die Rezession ist etwas, für
das auch nie jemand verantwortlich ist: es gibt eine, sie droht,
sie kommt auf uns zu, geht von Amerika aus, greift über
usw.
Medienpolitik (Beispiele) "50 Tote bei US-Invasion" soll es laut Standard
(Aufmacher am 21.12.89) beim militärischen Überfall der USA auf
Panama im Dezember 1989 gegeben haben. Für den Kurier-Chefredakteur
ging es dabei um "eine Aktion für Demokratie und Menschenrechte" (23.12.89).
Der Umsturz in Rumänien, uns gern auch als Revolution
verkauft, hat, schrieben die Zeitungen, zwischen 60.000 und 70.000 Opfer
gefordert, laut TT "kamen im Freiheitskampf 70.000 bis 80.000 Menschen
ums Leben" (27.12.89).
Zu Weihnachten 1989 wurden uns von Fernsehen und Zeitungen ungefragt Bilder zugestellt, die ein entdecktes Massengrab im rumänischen Temesvar zeigten: Leichen, nichts als Leichen, darunter Mütter mit Säuglingen. Augenzeugenbericht aus Temesvar von Peter Zehrer, Redakteur der Presse:
In Wahrheit handelte es sich um ein Gemeinschaftsgrab der städtischen Gerichtsmedizin mit obduzierten Verstorbenen aus den Wochen und Monaten vor dem Ceausescu-Sturz. Die am Golf in Brand geschossenen und in Brand gesteckten
Ölquellen, verrieten uns die Zeitungen Ende Jänner 1991, würden
fünf Jahre Löscharbeit in Anspruch nehmen.
Der Absturz der Maschine der Lauda Air im Mai 1991 über
Thailand war, schrieben die Zeitungen, das Werk von Terroristen.
In Wahrheit war ein Konstruktionsfehler der Grund für den Tod von 228 Menschen. Ende September 1991 gab es in Bukarest eine Großdemonstration
der Bergarbeiter gegen das neue Hungerregime. Dabei prallten verschiedene
Seiten aufeinander. Friedrich Orter (ORF) sagte es uns am 27.9.91
aus Bukarest: "Es dürften wohl an die 1000 Toten sein!"
Es ist nicht bekannt, daß eines dieser Medien Abonnementgebühren
an seine belogenen Konsumenten zurückerstattet hätte!
Das G'schäft der Zeitungen Sportartikel und Leitartikel: Ein "Artikel", das sagt
schon der Name, ist etwas, was man kaufen kann (Aber dazu später).
Eine Zeitung ist keine Gefälligkeit, sondern eine Ware. Warum ist
heute wieder der ganze Kiosk voll Zeitungen? Weil sich gestern soviel Wichtiges
ereignet hat? Nein, weil der Herr Zeitungs(aktien)besitzer unser Geld will.
Darum: schreiende Titel, schreiende Aufmacher und schreiende Fotos. Er
zieht Gewinne aus dem Geschäft mit Nachrichten, die er teils im eigenen
Haus herstellen läßt, teils - wie Darbo den ungarischen Honig
- zukauft. Das mit "Instrument der demokratischen Meinungsbildung" (Kurier)
und "objektiv und so vollständig wie nur möglich informieren"
(Presse) usw., das im Impressum steht, steht im Impressum, weil
es dort hineingeschrieben worden ist. Bei Blattlinie müßte
stehen: Geld machen! Wenn wir hungrig nach Einsichten sind, und da zu einer
Zeitung greifen, greifen wir haarscharf daneben. Genauso wenig wie, sagen
wir, ein Cornetto-Eis dazu da ist, unseren Hunger nach Eis zu stillen,
sondern ihn aufs Neue anzufachen, so erzeugt jedes Profil unaufhörlich
das Verlangen auf ein nächstes Profil. Keine Ware soll sättigen,
sondern gierig machen, das Bedürfnis nicht befriedigen, sondern ein
endloses daraus machen.
Sind Leser wichtig? Die Zeitungsherren können ihr Heu nur einfahren,
wenn sie für das große Kapital das Scheunentor ganz aufmachen.
Die in Österreich erscheinenden Tageszeitungen kamen im Jahre 1990
auf diese Weise zu offiziell 3,7 Milliarden Schilling an Werbeeinnahmen,
alle Druckmedien zusammen brachten es auf 6,1 Milliarden. (Schau!) Allein
die Banken sind (offiziell) mit 327 Millionen Schilling in die Zeitungen
hineingefahren, mit 250 weiteren in die Zeitschriften.
Profil, das sich phasenweise wie ein Quellekatalog ("Ein Mazda müßte man sein!" / "Tigern Sie zu Hartlauer!" / "CA - Die Bank zum Erfolg") ausnimmt, macht offiziell einmal "rund zwei Drittel der Einnahmen" (Profil, 27.8.90) mit Inseraten, ein andermal kommen "weit mehr als die Hälfte unserer Einnahmen ... aus dem Anzeigenumsatz" (Profil, 6.5.91). Als am 30. September 1991 das Magazin wegen Streiks nicht erschien, mußte laut ORF die Zeitschrift einen "Ausfall von 4,5 Millionen Werbe-Einnahmen und 1 Million Verkaufserlös hinnehmen" (Journal um 5, 30.9.91). Nicht nur, daß der Verlust für die Zeitungsleser wesentlich geringer war als für die Zeitungsbesitzer, ergab er sich für diese damit zu 82 Prozent aus dem Entfall der Anzeigen und nur zu 18 Prozent aus dem Entfall des Verkaufs. Merken! Wenn man rechnet, daß Profil bis zu sechzig Anzeigenseiten pro Ausgabe hat, damit auf gegen 2.000 Anzeigenseiten im Jahr kommt, weiß man wieviel Profilheftln reinster Werbung jemand während eines Jahres zum Kiosk holen geht: Ca. 20. ("'profil' und 'trend' müssen unabhängig bleiben!" forderten dann während des Streiks grüne und linke Promis in Solidaritäts-Anzeigen. "Bleiben" hat mir gut gefallen, war sehr witzig.) Wenn - im Sommer beispielsweise - die Zahl der Anzeigen
zurückgeht, ist auch die Zeitung nicht mehr so wichtig. Der Kurier
etwa baut von 100 und mehr Seiten am Samstag auf 60 inkl. Anzeigen (17.8.91)
ab, die Salzburger Nachrichten schrumpfen samt Werbeseiten auf 54
(17.8.91) und der Standard sackt auf 32 Seiten Umfang am
Samstag (17.8.91) herunter. "In eigener Sache: Mit dieser Ausgabe
der Tiroler Bauernzeitung beginnt eine Folge von mehreren Nummern mit geringerem
Umfang als gewohnt. Damit wird wie schon im letzten Sommer sowohl der politischen
Sommerpause als auch dem verminderten Inseratenaufkommen Rechnung getragen.
Wir hoffen dennoch, daß die wichtigsten Informationen für Sie,
lieber Leser, enthalten sind. Die Redaktion" (Tiroler Bauernzeitung,
11.7.91)
Es lebe die Pressefreiheit! Aber die unabhängigen Zeitungen, alle Zeitungen in
Österreich also, sind ja - wie ihr Name sagt - unabhängig.
Jeder Alkoholtote, jeder Unfall eines Besoffenen, der
vorn in der Zeitung steht, ist ein Beweis für den Erfolg der Alkoholwerbung,
die hinten steht.
Wir reden hier nicht von Bestechung, oder nur von der
ganz legalen. Von der, die man nicht so nennt.
Der deutsche Media-Markt hat in den ersten 12 Monaten nach der Eröffnung seiner Kaufhalle in Innsbruck (unvollständig) gezählte 74 Seiten Tiroler Tageszeitung gekauft. Errechneter Kaufpreis: 9,75 Millionen Schilling! Da ist es nicht mehr drinnen, über die Sache mit dem Grundverkehr, über öffentliche Hilfestellungen, die Firmenkonstruktion, die Billigstproduktion in Hungerländern, die Handelsmethoden der Firma, die erfolgende Ausrottung der heimischen Elektrohändler u.a.m. zu berichten. Nein, da muß auch noch im redaktionellen Teil (Muß? - Aufgrund welcher Abmachungen denn?) und in nichts von diesem unterschieden mit Bild und Text ("... MediaMarkt Innsbruck präsentiert auf 2300 Quadratmetern ein Riesenangebot von über 40.000 Artikeln aus ...") von der Eröffnung berichtet werden (TT, 2.6.90). Ein andermal (27.5.91) kommt, wieder als Bericht getarnt, ein Foto vom Media-Markt mit einer Plattensängerin davor ("Im Rahmen ihrer Promotionstour durch Österreich besuchte 'Simone' auch das MediaMarkt-Tonträgerteam in Innsbruck ..."). Zumindest müßte nach österreichischem Mediengesetz eine Werbeeinschaltung bei Strafe als solche gekennzeichnet werden. Müßte, müßte, müßte! Das Müßte-Spiel ist ein müßiges Spiel. Wenn wir anfangen damit, was alles müßte da, wo das Geld regiert, können wir gleich aufhören. Schau dir das an, dann weißt du, wer deine Zeitung schon gekauft hat, vor du sie gekauft hast. In der Wochenpresse/Wirtschaftswoche steht, "Neckermann
- für die kostbarsten Wochen des Jahres" und "Nissan - Sie kommen
besser an" und "Liebe geht durch den Meinl". Der Zeitungsbesitzer lebt
vom Umsatz der Waren, die in seiner Zeitung angeboten werden. Also wird
er gegen Lohnkämpfe in den Betrieben, die sie herstellen, sein, gegen
Streiks in diesen Betrieben, gegen teure Umweltmaßnahmen, gegen Steueranhebung,
gegen das und gegen jenes sein. Wie wird er die Umweltberichterstattung
machen lassen? Wie wird er die Artikel über die soziale Lage bestellen?
Richtig geraten. Du bist in der nächsten Runde. Der Chefredakteur
der Kleinen Zeitung, der drittgrößten österreichischen
Tageszeitung, Kurt Vorhofer hat einmal freimütig gestanden: "Großinserenten
üben massiven Druck aus, oft mit Erfolg. So werden gewisse Fragen
gar nicht mehr richtig erörtert, denn das Thema ist gleichsam tabuisiert."
(Kleine Zeitung, 14.3.91)
Wenn wir davon zu reden anfangen, daß die TT ein paar Tage, nachdem sie sich über eine Sonderbeilage der Firma Schablonentechnik Kufstein freuen durfte (29.6.91), einen netten Bericht mit dem Titel "Schablonentechnik weiter auf Erfolgskurs" (übrigens vom selben Redakteur W. Schrott verfaßt wie die Werbezeitung) gebracht hat (TT, 3.7.91), wird man sagen: ein Einzelfall. Wenn wir mit dem freundlichen redaktionellen Artikel ("Großen Anklang fand das neueröffnete Küchenstudio von Föger-Wohnen in Telfs ...") über das Möbelhaus Föger 16.3.92), das fleißig in der TT inseriert, nachstoßen, wird man sagen: wieder ein Einzelfall. Wenn wir dann den Bildbericht "Premiere feierte die neue Mercedes-S-Klasse ..." in der TT (4.5.91) erwähnen, wird man sagen: noch ein Einzelfall. Oder man wird sagen: Der Kurier (4.5.91) hat mit zwei Fotos und mehr Text vom neuen Mercedes berichtet (Titel: "So hell strahlten die Sterne noch nie zuvor"). Also lassen wir's. Wenn wir diese Artikel gar nicht mitzählen, bringt's die Tiroler Tageszeitung zum Beispiel bei 62 Seiten auf 33,3 volle Anzeigenseiten (22.6.91), das sind 53,7 Prozent. Oder bei 72 Seiten auf 39,5 Anzeigenseiten (29.6.91), das sind 54,8%. (Die Fotos von Sportlern, die nur deshalb so oft und so groß in die Zeitung kommen, weil sie den Schriftzug der Sparkasse oder von Raiffeisen auf ihrem Leiberl tragen, sind hier nicht mitgezählt.) Schon vor zehn Jahren hatte die Tiroler Tageszeitung
über 50 Angestellte allein fürs Anzeigengeschäft nötig.
Wenn die Fachzeitung Extradienst (6/89) über die Anzeigenabteilung
der TT sagt, "da herrscht klarer Insertionsterror", lese ich da die Drohung
heraus: Wenn ihr nicht in dieser Zeitung inseriert, werdet ihr schon sehen,
was wir über euch schreiben. Umgekehrt läßt sich das für
die vielen fleißig in der TT werbenden Firmen so verstehen:
Alles in Butter!
Was uns die Werbung sagt Der Außenminister auf einer Flugzeugstiege, der Zentralsekretär bei einer Pressekonferenz - ist bei der Zeitung vorn der politischere Teil oder hinten? Hinten ist die Werbung: hinten ist der politischere Teil, wenn man unter Politik das versteht, wo massiv auf unser Leben Einfluß genommen wird. Die großen Medien im Kapitalismus produzieren nicht nur Werbung für die Waren, sondern gleich auch Konsumenten für die Waren. Leser, die Konsumenten sind, tragen der Zeitung mehr als doppelt soviel ein wie Leser, die nur Leser wären (siehe oben!). Die großen Medien deuten den Menschen nie auch nur
den Verdacht eines Auswegs aus den herrschenden Zuständen an. Das
Gefühl des Betrogenwerdens, der Ohnmächtigkeit, des Ausgeliefertseins,
das in den politischen Redaktionen Tag für Tag erzeugt wird, ist die
denkbar beste Unterlage für die Werbe-Industrie. Die Zeitung, die
vorn keine Befriedigung in Aussicht stellt, kann hinten mit den süßesten
Glücksversprechen zuschlagen: Gleiches Recht für alle, schlag
dir das aus dem Kopf, das wirst du nicht finden, nimm dir eines der neuen
flotten Sofas von kika!
Der Kapitalismus deformiert uns alle und macht uns damit ausplünderbar nach Strich und Faden. Bevor unsere Unzufriedenheit einmal politisch wirksam werden kann, wird sie hundertmal mit irgendwelchem Nippes abgefangen. Die Lebenshilfe, die uns gereicht wird, ist eine, die man sich unter die Achseln sprayen kann. Über unser Leben unter dem Kapitalismus, die Wunden,
die er uns schlägt, steht viel in Heft 15. Die tausend Ängste,
die er in uns erzeugt und ständig schürt, von der Angst um den
Arbeitsplatz und der um den Wohnungsplatz über die um die Zukunft
und die vor der Zukunft bis zu der dauernden Angst, Normen nicht zu entsprechen
und Anforderungen nicht gewachsen zu sein, diese Ängste bilden das
große Einfallstor der Warenindustrie. Werbung baut auf unsere Ängste.
Nicht, um sie aus der Welt zu schaffen, sondern um Waren abzusetzen, die
uns etwas vormachen. Der Kapitalismus macht Krüppel aus uns, und er
braucht uns als Krüppel, um daraus Kapital schlagen zu können.
Der Kauf der Kinokarte und der Kauf der Bacardi-Flasche nimmt nichts weg
von unserer Unfreiheit, auf daß sich auch die Reifenindustrie und
die Suppenindustrie und die Computerindustrie ihrer bedienen kann.
Konsumprediger Zeitschriften wie Basta, Wiener, Wienerin werden von Wirtschaftern auf dem Reißbrett entworfen. Die Vorgabe ist ein großer Warenkorb: Mode, HiFi, Scheckkarten, Schmuck, Reisen, Schlemmereien, Zigaretten, Riechmittel, Uhren, Computer, Möbel, Überseeflüge, Autos, Getränke, Videos, Pasteten, Corsets und vieles andere mehr. Basta & Co. haben auf die Jagd zu gehen auf Käufer von größtenteils überflüssigem und häufig schädlichem Industriedreck. Gefragt ist ein Prospekt mit Geschichtchen auf den leeren Flächen. Die Weiterentwicklung des Moden-Müller-Katalogs. Die Zwischenräume werden mit sogenannten Storys aufgefüllt, die die Leserin und dem Leser den Produkten entsprechend zuschnitzen. Die eingestreuten Blutstorys, die Gewaltgeschichten, die Vagina-Reportagen sollen schocken! Sie sollen die Leser aus dem Gleichgewicht kippen, damit sie diese Verstörung mit einem der beworbenen Luxusartikel auffangen wollen wollen. Auch die mit Dutzenden Fotos inszenierten Neonazig'schichten und die hineingespickten grausigen Haider-Sager fügen sich in diese Strategie ein. Das ist bewußt kalkuliertes Programm. Die wissenschaftlich erhobene kaufkräftige Leserschaft stellt eine eindeutige inhaltliche Festlegung für diese und andere Medien dar. Um für die Firmen, die hier inserieren, attraktiv zu bleiben, muß thematisch den kauffähigeren (lesenden) Schichten entsprochen werden. Das heißt, keine Hinwendung in Richtung Lehrlinge, Hausfrauen, Arbeiter usw. Die Streuverluste für die inserierende Wirtschaft würden zu groß, die Werbetarife müßten gesenkt werden, die Zeitung würde nicht mehr soviel Geld machen. Medien stehen auf der anderen Seite. Sie gehen sich nur
zu uns das Geld holen.
Daß soviel geworben werden muß, zeigt doch,
daß wir die Dinge nicht eigentlich brauchen. Als in New York einmal
die Druckereiarbeiter 80 Tage lang streikten, erzählt der Schriftsteller
E.A. Rauter, erschienen in der Stadt fast keine Zeitungen und damit Inserate.
Die Folge war, daß die Geschäftsleute einen Umsatzrückgang
von zig Milliarden Schilling hatten. Die Menschen hatten die Waren, die
sie eigentlich nicht brauchen, nicht gekauft. Der größte Teil
der Wirtschaft dient nicht der Abhilfe von Hunger und Not unten, sondern
der Ansammlung von Villen, Yachten, Zinshäusern oben.
Wofür wir gut sind Im Kapitalismus produziert (fast) jedes Unternehmen drauf los. General Motors hat derzeit Millionen Autos auf Halde. Diese Überproduktion stürzt unser Wirtschaftssystem mit einer Regelmäßigkeit, die der in den Naturgesetzen nahe kommt, in Krisen. Da ist die Werbeindustrie so wichtig wie nie zuvor. Sie hat das dauernde gigantische Überangebot an Hosen und Katzenfutter an den Käufer zu bringen. Wenn zuviel Gemüse-Eisklötzchen produziert werden, müssen wir dazu gebracht werden, mehr Gemüse-Eisklötzchen zu fressen. Es ist so, als ob wir, in einen riesengroßen Behälter mit Haferschleim steckend, der dauernd droht, über unserem Kopf zusammenzuschlagen, um uns zu retten, dazu verdammt wären, immerzu diesen Dreck zu fressen. Das ist das, was sich hinter den kunstvoll aufgefädelten Buchstaben M-a-r-k-t-w-i-r-t-s-c-h-a-f-t steckt. Wenn nicht Fernsehabend für Fernsehabend 38 Mal die Aufforderung "Kauft!" an uns erginge, würden wir nicht funktionieren, und es würde diese wahnwitzige Ordnung zusammenkrachen. Das System kann sich nur halten, wenn es sich weiter in seine Probleme verstrickt. Hier müssen die Medien dran. Die Zeitung flattert frühmorgens als Keiler ins Haus: "Jetzt billiger!", "Ausverkauf!", "Sichern Sie sich ...!", "Auf zum Endspurt bei ...!", "Sie sparen ...!", "Fragen Sie nach den höchsten Zinsen!", "Profitieren Sie vom ...!", "Buchen Sie jetzt ...!" (TT, 17.1.92). Wenn ein Zeitungsleser das nicht mehr wahrnimmt, heißt das ja gerade nicht, daß er dem widersteht. Die Zeitungen sind Befehlsmelder aus den Zentralen hinauf auf den letzten Hof: Kauf! Iß! Fahr! Nimm! Wir werden auf Konsumenten gequält. Wir werden dauernd
am Bauch oder am Genital gekitzelt. Was hier mit uns aufgeführt wird
- von der "Motivforschung" über die unterbewußte Werbung bis
zum regelrechten Kaufterror -, würde noch besser in eine offen faschistische
Diktatur passen.
Die Werbung, der wir auf der Straße nicht und nicht in den eigenen vier Wänden auskommen ("Ich mach' mir solche Sorgen um den Sgonz!", "Wenn i nur aufhör'n könnt, aufhör'n könnt, aufhör'n könnt!"), zeigt uns, wie sie uns haben wollen: saudumm! Befehlen folgend ("Holen Sie ...!", "Nützen Sie ...!", "Verlangen Sie ...!" - TT, 29.6.91) - was sich politisch nutzen läßt: "Wählen Sie ...!", "Vertrauen Sie ...!, "Stimmen Sie ...!" Werbung reduziert uns aufs Vieh. Was auch politisch Sinn gibt: Wir sind als Stimm-Vieh weiterverwendbar. Demokratie bräuchte aktive, entscheidungsfähige,
selbständige Menschen. Die Industrie braucht passive, willige, gleichförmige
Masse. Werbung in den Medien stellt sie her.
Kleines Beispiel Transitverkehr Wenn es heißt, die Österreicherinnen und Österreicher
wollen keine schmutzigen Arbeiten mehr machen, das überlassen sie
lieber den Ausländern, stimmt das einfach nicht. Für die allerschmutzigste
Dreckarbeit, die es gibt, das Anschmieren der eigenen Bevölkerung,
finden sich reinrassige österreichische Redakteure genug.
1984: "In der ersten Verlagerungsphase soll bis 1989 etwa die Hälfte der jährlich durch Österreich transportierten Tonnage durch den Ausbau bestehender Transporttechniken von der Straße auf die Schiene verlagert werden." "In einem zweiten Schritt sollen bis 1994 die Voraussetzungen geschaffen werden, den gesamten Lkw-Transitverkehr auf die Schiene zu verlegen." (TT, 4.7.84) 1985: "Bis 1990 soll die Bahn auf der Brennerstrecke das gegenwärtige Lkw-Aufkommen von täglich 3200 EG-Lastwagen aufnehmen können." (Süddeutsche Zeitung, 9.10.85) 1986: "Bereits in fünf Jahren können 60 Prozent des heutigen Lkw-Verkehrs von der Straße auf die Schiene verlagert werden." (TT, 6.11.86) 1987: "Straßentransit wird bis 1992 halbiert" (TT-Titel, 8.8.87) 1988: "Bis 1992 sollen auf der durch Transitverkehr schwer belasteten Brennerstrecke 1600 Lkw pro Tag auf insgesamt 100 Zügen durch Österreich befördert werden." (Presse, 16.3.88) 1989: "Lkw-Transitvolumen wird reduziert" (TT-Titel, 25.4.89) 1990: "Statt bisher 4000 sollen (im Jahre 2000)
nur noch 1900 Lkw auf der Brennerstrecke pro Tag verkehren. Das sieht ein
vom Verkehrsminister erarbeitetes Plafondierungsmodell vor." (TT, 6.12.90)
Versprechen dieser und ähnlicher Art gibt's nicht
einmal, zweimal im Jahr, sondern zehnmal, zwanzigmal, was red ich: zweihundertmal
im Jahr. Abgesehen davon, daß echte Ursachen und leibhaftige Verursacher
dieser Menschenquälerei (bei Gott sind's nicht der Straßenbelag
oder die Motorbremsen) beharrlich verschwiegen werden, weil die Wahrheit
einfach zu gefährlich ist.
Die Foltermaschine: heiß: "Transitverkehr: EG will jetzt verhandeln" (Kurier-Titel, 18.7.87) kalt: "Tiroler Transitsorgen sind der EG egal" (TT-Titel, 13.8.87) heiß: "Vor konkreten EG-Transitverhandlungen" (TT-Titel, 9.12.87) kalt: "Transit: EG verkennt Ernst der Lage" (TT, 6.6.88) heiß: "EG hat Verständnis für Transitproblem" (NTZ-Aufmacher, 18.2.89) kalt: "EG bleibt beim Straßentransit hart" (TT-Titel, 15.3.89) heiß: "Aufweichung in der starren EG-Haltung" (TT-Titel-Teil, 25.4.89) kalt: "Transitfronten sind weiterhin total verhärtet" (TT-Titel, 28.2.90) heiß: "EG zeigt nun Einlenktendenz" (Kurier-Titel, 19.3.90) kalt: "Transitverhandlungen sind total blockiert" (TT-Titel, 28.3.90) heiß: "Mock ortet positives Umdenken in der EG" (TT-Titel, 21.6.90) kalt: "Tirols LH Partl wirft EG mangelndes Verständnis vor" (SN-Titel, 25.2.91) heiß: "Transit: EG denkt um" (TT-Hinweis auf S. 1, 13.4.91) kalt: "EG will Lkw-Transitverkehr ausweiten" (TT-Titel, 25.4.91) heiß: "EG lenkte bei Maximalforderungen ein" (TT-Untertitel, 16.5.91) kalt: "Ultimatum der EG bei Transit" (TT-Zwischentitel, 31.5.91) heiß: "Transit: EG akzeptiert Vorrang für die Bahn" (Kurier-Titel, 14.10.91) kalt: "Transitvertrag: Partl warnt EG" (TT-Titel, 25.3.92) Usw.
In FÖHN 13/14 haben wir unter dem Titel "Die Lügenmaschine"
fünf Seiten lang Politiker-Versprechungen zur Überwindung der
Lkw-Pest aufgelistet, die die abgerichteten Medien brühwarm hinausgetragen
haben - und von denen keines das Zeitungspapier wert war, auf dem es geschrieben
stand. Soll ich sagen, sie haben nicht gelogen, sie haben - sich geirrt?
Könnten wir den solche Blätter, die sich pausenlos irren, eher
brauchen?
Ein Musterbeispiel dieser Gattung Ein Bückling der Extraklasse mit zweifachem Wendehals gelang dem Chefredakteur des Tirol-Kurier, Herwig Schmidl, anläßlich des "Transitvertrages" mit der EG. Zuerst kommentierte er diesen so: Es "werden künftig mehr Lkw durch Tirol fahren", "Streichers Vertrag mit der EG keine Meisterleistung", "nächstes Jahr schon acht Prozent mehr Lkw durch Tirol", "alle bisherigen transithemmenden Maßnahmen für die Katz". (Kurier, 15.10.91) Für den Tag, da ein Sonderlandtag über diesen "Transitvertrag" abzustimmen hatte, hat Schmidl seinen Kommentar umgeschrieben: "Der künftige Zuwachs an Gütertausch zwischen Süd- und Nordeuropa wird den Weg über die Schiene nehmen müssen." "Nun werden heute die beiden Großparteien, die ja auf Bundesebene in einer Koalition verheiratet sind, dem Landtag empfehlen, dem Transitvertrag zuzustimmen". "Vorderhand wird Tirol mit dem Transitverkehr leben können." (Kurier, 5.11.91) Als die Gefahr der Ablehnung durch die Tiroler Abgeordneten vorbei ist, also am Tag darauf, schaut alles wieder ganz anders aus: "Indizien wecken einen fürchterlichen Verdacht; Österreich will in die EG, und zwar mit dem Schnellzug." "Deshalb wurden die Tiroler Großparteien von ihren Wiener Zentralen in die Mangel genommen - und sie haben nachgegeben." (Kurier, 6.11.91) So eine Drucksau, möchte man sagen, aber man sieht,
es war notwendig.
Die Aufgabe der Medien dabei: Hinhalten der leidenden Bevölkerung, Machbares als unrealistisch darstellen, Utopien vorgaukeln, Schicksalhaftigkeit einreden, in technische Diskussionen verstricken, über die jeweils nächsten Wahlen drübertäuschen, die Empörung umlenken, den Widerstand kontrollieren, das Thema totreden, uns das Hirn mit Werbewörtern (Flüsterasphalt, umweltfreundlich, lärmarm, Ökopunkte) verkleben usw. Mit Händen zu greifenden Schwachsinn, bei dem sogar die Druckmaschinen drohen zu bocken, haben sie auf Titel-Größe aufzublasen: "Partl: 'Transitbollwerk geschaffen'" (TT, 16.8. 89) oder "Partl: 'Tiroler David besiegt EG-Goliath'" (Kurier, 23.10.91). Wo zwei zusammentreffen, haben sie einen Transitgipfel zu melden, wenn's sein soll, alle vierzehn Tage wieder. Sie haben Hearings und Enquetten einzuklatschen, Tunnel-Symposien hochzujubeln und jedes Jahr einen Transit-Sonderlandtag mitzuinszenieren als den, bei dem "die Entscheidung fällt". Bei dem natürlich ein Dreck fällt. Das ist alles sehr aufwendige Arbeit, die viel menschenfeindliche Schreibe braucht, um wenigstens für einen Tag zu helfen. Der Chefredakteur mit seinen vierzig Blauen wohnt im ruhigen Innsbrucker Mittelgebirge (in Kuckucksrufweite des Landeshauptmannes) und kann nicht klagen. Ob einer etwas gesagt hat, und was der andere drauf gesagt hat, und ob der ÖVP-Dings dafür oder der SPÖ-Dings mehr dagegen ist, mit sowas haben sie uns vollzustopfen. Natürlich sind das alles Verbrechen. Aber welcher Paragraph in dem von ihnen gemachten Paragraphenbuch hilft? Mit zwei Statistik-Kurven könnte man zeigen, wie im gleichen Maße, wie der Transitverkehr gesteigert wurde, der Lügenausstoß gesteigert wurde. Eine endlose Nasführerei: Der Landeshauptmann bleibt hart, der Minister droht, der Landtag fordert, der Bund lehnt ab. Alles Lug und Druck. Das braucht ein ganzes Rudel von auflagenstarken Zeitungen.
Das muß ständig da und muß ständig dort stehen. Tausendfach
haben die Hurenblätter z.B. wiederholt, daß der "Transitvertrag"
mit der EG eine Verminderung der giftigen Abgase um mehr als 50 Prozent
bringen werde, wo er doch nach den Experten allerbestenfalls eine um 4
(vier!) Prozent bringen kann. Gewiß, wir leiden unter dem Druck der
EG-Konzerne, aber wir leiden zuallererst unter dem Druck "unserer Herren".
Der Rock kratzt, aber unmittelbar kratzt das Hemd.
Wer zahlt, schafft an. Frage: Wer zahlt? Um hinter diese Transit-Artikel zu kommen, brauchen wir
in der Zeitung nur ein paarmal umzublättern. Da haben wir es schwarz
auf weiß, klar und deutlich, bereits für den Unterricht in der
Unterstufe bestens geeignet.
Als der Verkehrsminister besonders unter Druck kam, gabs
für die Zeitungen ganzseitige Anzeigen aus Steuergeldern, in denen
uns dies und das versprochen wurde. Auch die ÖBB kaufen regelmäßig
Tageszeitung ("Wir haben 50.000 Lkws über den Berg gebracht",TT,
26.1.91), wenn sie nicht lieber gleich deutlich werden und eine Sonderbeilage
(z.B. TT 28.1.89) zahlen. Immer wieder liegen der Tageszeitung sündteure
aber preiswerte (Preis-Leistungs-Verhältnis) Sonderteile der heimischen
Groß-Transporteure Troll, Unitrans u.a. bei. Die hustenden Kinder
von Schönberg haben eben noch keine achtseitige Farbzeitung zur TT
gelegt wie "Intermontana - Der europäische Transporteur" (22.6.91).
Und was hältst du dann von den manchmal ein wenig
kritischen Andeutungen zwischen den Zeilen? Ich seh darin keine Drohung,
sondern einen Wink. Wenn man die Frächter ein kleines bißchen,
in einem Kommentar vielleicht einmal, mit dem Gift, dem Gestank,
dem Lärm, die sie produzieren, in Verbindung bringt, werden sie sicher
noch eher bereit sein, sich mit Inseraten zu engagieren. Das bringt Cash.
Und um den geht es.
Zur Preislage des Journalismus in Österreich Wenn's um den Fremdenverkehr in Tirol geht, gibt's oft einen unversöhnlichen Disput - wie den folgenden: "Das Inntal von Telfs bis einschließlich Kufstein ist - von einigen Ausnahmen im Unterinntal abgesehen - krank." * "Nicht jeder, der aus Gründen des Umweltschutzes die Öffentlichkeit alarmiert, hat die Weisheit und Wahrheit gepachtet."** "Der Pistenbau wird mit einer erschütternden Sorglosigkeit betrieben, wobei unverzeihliche Sünden gegen die Umwelt und den Landschaftsschutz begangen werden." * Die Seilbahnen mit ihren Pisten sind nicht nur Landschaftsfresser, sondern Teil unserer Heimat, an ihrer Erhaltung ebenso interessiert wie der Umweltschutz." ** "Die Natur fährt auf Skiern in den Tod" * "Der technisch erzeugte Schnee schützt den Rasen eindeutig .... und verbessert sogar mancherorts den Grasbewuchs." ** "Der Ausverkauf unberührter Gletscher an den Lifttourismus treibt dem Höhepunkt zu." * "Die Pioniere haben mit dem Einsatz ihrer Existenz Risikounternehmen gegründet, die bewirkten, daß vermutlich 50.000 Tiroler im Lande bleiben konnten und nicht nach Amerika auswandern mußten." ** "Nach vorsichtigen Schätzungen gehen jährlich an die 100 Grundstücke, Appartments oder Häuser in holländischen Besitz über." * "Der Trend läuft in die andere Richtung. Viele Deutsche bieten ihe Tiroler Freizeitobjekte zum Verkauf an." ** * Zitate stammen aus dem Kurier vom 25.9.77, 16.10.77, 16.10.77, 7.4.79 und 28.5.78 ** Zitate aus Tirols Wirtschaft vom 14.12.85, 14.12.85,
2.3.90, 22.6.90 und 18.6.88
Und so weiter. Der Herr, der am Tourismus kaum ein gutes Haar läßt,
heißt Robert Vinatzer und war Redakteur des Tirol-Kurier.
Der, der die Kritik wegwischt wie nix, ist Redakteur der Handelskammerzeitung
Tirols
Wirtschaft - und heißt ebenfalls Robert Vinatzer. Es ist ein
und dieselbe Person, die hier schreibt: u.a. gegen die Schäden
des Fremdenverkehrs zwischen 1977 und 1979, als sie noch nicht so arg sind,
u.a. gegen die, die über diese Schäden reden, als diese
noch ärger sind, zwischen 1985 und 1990.
Dienstlinge, Höflinge, Katzbuckler, Krümmlinge, Weihräucherer Journalisten sind von der Redaktionsstube aus darauf trainiert, so zu können und so. Beidseitig verwendbar, je nach Bedarf. Das ist der Grund, warum sich große Unternehmen Zeitungsredakteure als Pressereferenten holen: Die Bundeswirtschaftskammer hat sich nach dem Kurier-Chefredakteur Feichtlbauer jetzt den Profil-Chefredakteur Voska geangelt, Swarovski hat den TT-Chefredakteur Nayer genommen, die TIWAG den TT-Wirtschaftsredakteur Neudecker, die Tiroler Arbeiterkammer den TT-Ressortchef Schiffkorn, und die Stadt Innsbruck hat den Umweltredakteur Eizinger (TT, später Kurier) nötig gehabt, den jetzt die Dreckluft über der Stadt, das desolate Klärwerk, die Verkehrsmalaise nicht mehr beißt. Ein Herr Branimir Soucek (früher Mitarbeiter der
Presse
und Redakteur des Kurier) schrieb als Herausgeber eines Buches über
den Transitverkehr in Tirol ("Transit - Zwischen überrollen und
überleben") 1989: ""Wir stehen vor einem der größten
Probleme der heutigen Gesellschaft und damit der Politik. Autoschlangen,
'Brummis'-Geräusche, Donnern der Autobahnzüge, sterbende Bäume,
verseuchte Trinkwasserquellen, Staub- und Smogwolken in den Tälern
..." " ... man wird einiges opfern müssen: Abschied nehmen beispielsweise
von der heiligen Kuh Auto, Fahrzeuge als Fortbewegungsmittel nur bei echtem
Bedarf einsetzen, Grenzen des Bewegungsspielraumes in Sachen Wirtschaft
bedingungslos anerkennen, Umwelt als entscheidenden Wirtschaftsparameter
voll akzeptieren, Lebensqualität neu formulieren usw., usw."
Vor dem Essen - Nach dem Essen Ein Beispiel für andere Beispiele. Vor Tisch hatte sich einer viel vorgenommen: * "Ich wünsche mir, gegen all diese Typen kämpfen
zu dürfen. Man muß das System aus ihm selbst verändern,
ohne sich vom System verändern zu lassen." (15.5.80)
Diese bisher unveröffentlichten Bekenntnisse und
Ankündigungen stammen von Werner Winfried Linde (Originale auf
Wunsch einsehbar). Bei Tische mit "diesen Typen", die "demaskiert gehören",
diesen "Hofberichterstattern", mit denen er sich "voll anlegen" wollte,
las man's dann anders. Linde hat es sich Ende der 80er Jahre in der "Medienlandschaft"
Tirols bequem gemacht, und fortan klang es so: "Die sogenannten 'Progressiven'
glauben, sie könnten Patrioten als ewiggestrig denunzieren" (Kurier,
18.1.92). Wo er vorher noch "Mafiageist (Turmbund, ...)" am Werk sah,
erkannte er es nun besser: "Der Turmbund gilt als Zentrum der 'spirituellen
Poesie' (...) Während sie modernistischen Tiroler Gemanisten diese
Bewegung negieren, ist die internationale Resonanz immer schon beachtlich
gewesen." (Kurier, 17.11.91) Linde, der einst (11.5.80) ankündigte:
"Ich versuche ein Mensch mit Rückgrat zu sein", schreibt jetzt für
Geld (über einen der schleimigsten, verschlagensten, scheinheiligsten
Politiker) unter dem Titel: "Hermann Girstmair als der humane Vordenker":
(Es) könnten sich viele Literaten hierzulande einiges an Erfahrung
für die Zukunft aus den Worten eines Dichtermandatars herausholen."
(Kurier, 27.1.90) Die ungustiöseste Figur im Tiroler Fremdenverkehr
beschreibt er so: "Heinrich Klier (...) ist einer, der zu den Nachdenkern
über die Tourismus-Zukunft gehört, was nicht verwundert. (...)
Die Stubaier Gletscherbahn ist ein Aushängeschild Tirols. Kein exzessiver
Erschließungswahn, sondern die Eröffnung hochalpiner Welten
..." (Kurier, 27.4.91). "Tourismus bringt Wohlstand", schreibt er
an anderer Stelle. "Tourismusauswüchse findet man in Seefeld nicht.
(...) Seefeld ist ein Traumdorf im Herzen der Alpen." (Kurier-/Krone-Beilage
"Shopping in Tirol", 20.1.92) Geld hat doch eine sehr belebende Wirkung.
"Ja, da schaut sich alles gleich ganz anders an", wie Bert Brecht sagt.
"Voller schlägt das Herz. Der Blick wird weiter. / Reichlich ist das
Mahl. Flott sind die Kleider. / Und der Mann ist jetzt ein andrer Mann."
Verlassen wir die Niederungen des regionalen Pressepacks
und steigen wir zum Klüngel auf der nationalen Ebene hinunter. Vor
wir zu den Lieblingen aus Funk und Fernsehen kommen, greifen wir uns ein
Musterexemplar aus der Profil-Redaktion. Georg-Hoffmann-Ostenhof,
Leiter des Resorts Außenpolitik, in Österreich gewiß Bushs
treuester Trommler zum Krieg gegen den Irak (über 100.000 tote Menschen),
damals noch in der AZ: "Was für eine prachtvolle Organisation
den Krieg vorbereitete (...) Wie brillant hatten doch die USA den Krieg
vorbereitet." (AZ, zitiert nach Moderne Zeiten, Juni 1991).
In den 70er Jahren nannte er das noch "die imperialistische Großmacht
USA". Er rief "Ausbeutersystem", "internationale Kapitalistenklasse" und
anderes mehr. Hier soll nicht der Eindruck aufkommen, der Unsinn von damals
sei viel gescheiter als der, den er heute verzapft. Hier soll nur die Halswendigkeit
zum besten gegeben werden. Hoffmann-Ostenhof, der frühere "revolutionäre
Marxist" und Redakteur der "rotfront" gerät 1990 ins Schwärmen:
"Deutschland wird noch heuer vereinigt. Berlin, pulsierende Hauptstadt,
Goethes Weimar, altdeutsche Landschaften ... Da tauchen verschüttete
Wunsch- und Traumbilder auf, die man sich nach Hitler verboten hat. Aber
nicht nur Nostalgie wird wach. Auch die Freude am Abenteuer. (...) Wirklich
fürchten vor den Deutschen muß man sich, wenn sie frustriert
sind. Also freuen wir uns mit ihnen." (AZ, zitiert nach Moderne
Zeiten, Juni 1991). Der, der wegen der in die Hose gegangenen EXPO-Volksbefragung
jetzt die Leute dumm nennt und alles, was er hat, also soviel wieder nicht,
in die Schlacht für den EG-Anschluß wirft, trat bevor das große
Geld lockte, ganz anders auf: "Gegen die imperialistische Politik der österreichischen
Bourgeoisie muß der proletarische Internationalismus gesetzt werden!"
Usw. (Alle Zitate aus Hoffmann-Ostenhofs früherem Leben: Neues
Forum, Sept. 75)
Bekannt aus Funk und Fernsehen Was hier gezeigt wird, ließe sich genauso gut an Beispielen aus der Politik abhandeln, mit Fischer und mit Cap, mit Schüssel und mit Haider. Die Lehre die drinnen steckt ist: Vertraue nie denen, die dir sagen, sie würden etwas in Vertretung für dich tun. Glaubt es nie! Glaubt auch ja nie, der FÖHN könnte etwas für euch tun, anstatt euch! Deine Schuhe laß den Schumacher flicken, deine Hose bring zum Schneider, wenn sie dir nicht paßt, aber deine Zukunft gib nie aus der Hand! Franz Kössler (1951 geboren in Eppan / Südtirol,
seit 1980 beim ORF), der uns heute Tag für Tag Fernsehbeiträge
vor der Kulisse des Weißen Hauses aufsagt, hatte eigentlich für
sein Leben ganz was anderes vor. In den 70er Jahren reizte es ihn noch
nicht so, die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft aufrecht
zu erhalten, sondern er sah die "Notwendigkeit, sie im Sozialismus aufzuheben".
"Verantwortungsbewußte Lehrer müssen gemeinsam mit ihren Schülern
die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft durchdenken. Die
praktische Auflösung muß im Kampf mit dem Proletariat vollzogen
werden." Franz Kössler hat dies seinerzeit unter dem Decknamen Florian
Fiedler in der Zeitschrift der Südtiroler Hochschülerschaft Skolast
geschrieben (Nr. 2/71). Was er damals unter falschem Namen geschrieben
hat, ist richtiger als das, was er heute unter seinem richtigen schreibt.
Eigenartig. Das Richtigere hat er sich gescheut unter seinem wirklichen
Namen zu schreiben, beim absolut Falschen kennt er keine Hemmung mehr.
Veronika Seyr (geb. 1948 in St. Nikola / OÖ.,
seit 1984 beim ORF), die heute von Belgrad aus die richtigen Worte
über die um das alte Jugoslawien raufenden kapitalistischen Staaten
(Deutschland, USA, Großbritanien, Frankreich, Italien, Österreich
u.a.m.) nicht findet, nannte das, was sie heute ist, in den 70er Jahren
einen "Bourgeois-Schreiberling". Heute braucht niemand mehr Angst zu haben,
daß Frau Seyr vielleicht nicht das sagen könnte, was die Herren
auf dem ORF-Küniglberg von ihr hören wollen. Mit "Speichellecker"
tat sie 1977 sowas noch im 'Organ des Kommunistischen Bundes Österreichs'
ab (Kommunist 5/77). Damals zeterte sie gegen "die das Atomkraftwerk
bauenden Kapitalisten", "die lokalen Vertreter der Bourgeoisie (Bürgermeister,
Pfarrer, u.ä.)", den "reaktionären Bauernbund" usw. Diese Meinung
vertrat sie damals gratis. Die, die sie heute verbreitet, verbreitet sie
gegen viel Geld.
Karl-Peter Schwarz (geb. 1953, bis 1990 ORF-Korrespondent
in Rom) ist schon seit vielen Jahren nicht mehr rückfällig
geworden. Früher ging er noch von "der Einheit des Kampfes des chinesischen
und des österreichischen Volkes gegen die beiden Supermächte,
gegen Imperialismus und Kapitalismus" aus. Auch wenn die Firma Casinos
Austria (Salzburg) einen Fußballer von Swarovski (Tirol) kauft, braucht
sie nicht zu fürchten, daß er im nächsten Aufeinandertreffen
nicht auf ihrer Seite stünde und nicht gegen die andere kämpfte.
Raimund Löw (geb. 1951 in Wien, seit 1985 beim
ORF, Moskau / Washington) wäre mit dem, was er als "revolutionärer
Marxist" von den USA ("der große Weltgendarm des Kapitalismus mitsamt
seiner gigantischen Militärmaschine") gehalten hat, nie der geworden,
der mit festgezurrter Krawatte und fein getonten Härchen jeden Tag
über den Sender geht. Wenn man mir zustimmt, daß in Moskau seit
Jahren Hungerterroristen herrschen (Jelzin, Gorbatschow), dann ist jedes
Danebenvorbeireden, jedes Nichtdarüberreden, umso mehr jedes Dagegenreden
in eine ORF-Kamera hinein ein Verbrechen an der Wahrheit und an
den geknebelten Völkern der seinerzeitigen UdSSR. "Als revolutionäre
Marxisten wollen wir eine Partei des österreichischen Proletariats
aufbauen." "Unser Programm will eine Brücke vom gegenwärtigen
Bewußtsein der werktätigen Massen zum Programm einer sozialistischen
Revolution schlagen." (Neues Forum, Sept. 75)
Solange das Geld herrscht, wird in den Medien immer das
verbreitet werden, wofür am meisten Geld gezahlt wird.
Wem gehört die Medien-Freiheit? Überall dort, wo sie gebraucht würde, gibt es
keine Demokratie. Oder ist sie ihnen etwa in der Schule begegnet? Haben
sie sie beim Bundesheer schon einmal gesehen? Ist sie Ihnen in der Wirtschaft
untergekommen? Oder ist dort Demokratie, wo die Medien-Zaren herrschen?
Haben Sie vielleicht schon einen Zeitungsbesitzer abgewählt?
Gut leben die Zeitungsherren Besser als es der Kronenzeitung geht, kann es der
Kronenzeitung
nicht gehen. Oder dem Profil, oder der Tiroler Tageszeitung.
Zeitungspapier für sich ist noch kein Geschäft. Erst die kapitalistische
Anordnung läßt eines werden damit. Da gibt es ein Bankenwesen
und eine Bauspekulation und eine Tourismus-Industrie und ein nimmersattes
Handelskapital, und weiß der Teufel was noch alles, wo der Zeitungszar
mitschneiden kann. Für ihn muß alles so bleiben, wie es ist.
Nein, für ihn muß alles noch mehr so werden wie es ist. Der
Kurier
ist für ständiges Wirtschaftswachstum, weil nur das ständige
Profitvermehrung bedeutet. Jede soziale Besserstellung der Masse stellt
eine Gefährdung dieser Zustände dar. Die Artikel in den Zeitungen
sind somit auch geschrieben, um den eigenen Besitzstand abzusichern. Die
zweihundert Tageszeitungsartikel einer Ausgabe sind also auch Artikel in
eigener Sache. Der Kurier ist keine Zeitung. Der
Kurier ist
eine Firma.
Die Zeitungsherren widmen der Politik ständig viele
Zeitungsseiten. Gratis. Das ist, weil ihnen diese Politik paßt. Die
Zeitungsunternehmen tun alles, was die herrschende Ordnung festigt, und
unterlassen alles, was sie destabilisieren könnte.
Wahre Zeitungsberichte über die Verhältnisse
würden dem Geschäft der Zeitungen nicht gut bekommen. Bei Dichands
würden heute keine Schieles und Klimts die Villa schmücken.
Einen Reichtum, der nicht verdächtig wäre, gibt es nicht Das Geld der Zeitungsbesitzer ist kleinweis zusammengestohlenes Geld. Die Tyrolia in Innsbruck (Verlag und Druckerei mit einer ganzen Reihe eigener und fremder Zeitungen) z.B. "bezahlt" ihre Lehrlinge unter dem kollektivvertraglichen Mindestlohn. Wie wird ein Zeitungsunternehmen, das die Rechte der eigenen Arbeiter mit eigenen Füßen tritt, sich im Blatt für Lohnerhöhungen einsetzen? Jede Zeitung lebt vom Billigpreis der fiesesten Arbeit, ob im eigenen Betrieb oder in den Betrieben der Inserenten. Deshalb fällt kein wahres Wort in den großen Medien über den Fremdenverkehr, wie er wütet hierzulande. Der, der mit seiner Zeitung täglich Gewinn einfährt, ist Nutznießer jeder Aushandlung niedriger Löhne, und kann nicht objektiv darüber berichten, ist Nutznießer jeder Unternehmersteuersenkung, und kann nicht objektiv darüber berichten, ist Nutznießer der Zehntausenden Jugoslawen, Türken, Tschechen, Pakistani u.a. in den Hotelküchen und Zimmerklosetts, die dementsprechend auch nur als "genehmigtes Ausländerkontingent" in der Zeitung stehen. Joseph Stephan Moser hat dafür, daß er unter den fürs Abräumen idealen Verhältnissen mit seiner Tiroler Tageszeitung ideal abgeräumt hat, den Ehrenring der Stadt Innsbruck übergezogen bekommen. Oder hat er ihn und das Ehrenzeichen des Landes bekommen, weil er mit seiner Tiroler Tageszeitung die Verhältnisse fürs Abräumen auch für andere (Stromlobby, Transitlobby, Tourismus-Lobby, Immobilien-Bande, Bauwirtschaft, Großindustrie, Bankenblock usw.) noch idealer gemacht hat? Warum haben ihm die Politiker das Geschenk der "Lex Moser" gemacht, nach dem die bis über beide Ohren verschuldete Stadt Innsbruck keine Inseratensteuer einhebt? Wenn man sich die menschenfeindliche Stadt-Politik anschaut, muß man sagen, daß die damit jährlich verschenkten vielleicht 30 Millionen Schilling nicht zuviel bezahlt sind für die sehr freundliche Berichterstattung. Ich will damit nur sagen, Demokratie und Objektivität sind nicht gerade das, auf das ein Besitz wie der des Zeitungszaren Moser aufgebaut ist: Werbefirmen, Zeitungsbeteiligungen, Satzstudio, Radiostation, Aktien der landesweiten Kabelgesellschaft, Häuser etc.
Wer hat denn das alles ausgemacht? Warst du dabei, als das ausgemacht wurde? Ich nicht. Und ich bin auch nicht einverstanden damit, daß es so bleibt. Auch das Hinschauen zu den 2.500 Kolporteuren, die elendiger
als Tiere gehalten werden, zeigt, worauf Geld und Macht der Zeitungsbarone
gründen. Sklaverei in Österreich existiert. Unterstützt
von denen, die im Parlament (keine) Gesetze machen und geschützt von
denen, die sie (nicht) überwachen. Žgypter, Inder, Bangladeshi
sind in Österreich nur dafür gedacht, zwischen den an den Ampeln
aufgehaltenen Autofahrern als lebende Plakatständer herumzuflutschen,
auf daß diese sich da und dort einen Aufmacher herunterbeißen
können und auf ihre Zeitung nicht vergessen. Eine tatsächlich
verkaufte Kronenzeitung bringt ihnen (oft bei Einsatz ihres Lebens)
1 Schilling. Jeder in der Redaktionsstube auch eines Profil oder
einer Salzburger Nachrichten ist Mitgewinnler dieser Zustände.
- Was haben Sie so in den Zeitungen über die Löcher, in denen
deren Kolporteure hausen, gelesen?
Das ganz große Geld dahinter Wie sich das in Konzernen, in Banken, in Versicherungen,
in Kapitalistenvereinen angehäufte Geld Parteien und Sachwalter in
den Parteien hält (s. FÖHN 15), so hält es sich für
die Besorgung seiner Geschäfte auch Medien und Vertrauensleute in
den Medien. Die Meinung der Herrschenden muß ja zur herrschenden
Meinung werden.
Wenn man's nicht weiß, daß die Industriellenvereinigung tief im Kurier drinnensteckt, dann sieht man's. Der viele Platz, der ihr dort eingeräumt wird, läßt uns ein bißchen was ahnen von der Macht, die sie hinter den Demokratie-Kulissen hat. Die Presseabteilung der VÖI legt Rechenschaft über die Tätigkeit im Jahre 1990: "Der Ausschuß für Öffentlichkeitsarbeit (...) widmete sich sehr intensiv dem Dialog mit führenden Exponenten aus Redaktionen, Verlagen und Agenturen." (VÖI-Jahresbericht 1990) Dialog ist ein schönes Wort, aber hier scheint es nicht ganz herzupassen. "Sehr erfreulich gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen der Presseabteilung und den Landesgruppen der VÖI in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Es gelingt somit in verstärktem Umfang, Themen, die ein grundsätzliches Anliegen der Gesamtvereinigung darstellen, auch regional zu aktualisieren und den Medien in den Bundesländern in entsprechender Aufbereitung anzubieten." (VÖI-Jahresbericht 1988). Erinnerlich ist auch noch die schöne "zweitägige Jornalistenreise nach Brüssel", zu der die Industriellenvereinigung eine zwanzigköpfige Vetternschaft aus dem Medienbereich geladen hat. Hierher gehört auch der Flug einiger Tiroler Handelskammerherren nach Brüssel, zu dem sich ein paar "maßgebliche Journalisten" (Originalton) mitnehmen wollten, und mit ihren Einladungen dabei just auf solche getroffen hatten, die sich auch mitnehmen ließen: den "ORF-Hörfun-Chef", den "TT-Chef und den "Tirol-Kurier-Chef" (Tirols Wirtschaft, 17.4.92). "Zahlreiche Einzelgespräche mit Medienvertretern
rundeten das Aktivitätenprogramm der Presseabteilung ab." (VÖI-Jahresbericht
1987) Auch die Herren Industriellen in Tirol sind nicht faul: "Die
allmonatlichen Branchenstammtische mit den Redakteuren der Tiroler Tageszeitung
und des ORF Radio Tirol bewähren sich als informelle Gesprächsrunden
über die Entwicklung der Betriebe wie auch der Tiroler Industrie in
ihrer Gesamtheit. Die Redakteure schätzen diese Quelle besonderer
Information, weil sie dabei betriebliche und wirtschaftliche Zusammenhänge
erfahren, die sie sonst erst langwierig recherchieren müßten."
(Industriellenvereinigung/Landesgruppe Tirol Jahresbericht 1988)
"Die Betriebe ihrerseits stellen fest, daß die gegenseitige Vertrauensbasis
Schritt für Schritt wächst, was sich für sie in einer durchaus
als 'objektiv' zu bezeichnenden Berichterstattung niederschlägt."
(Industriellenvereinigung/Landesgruppe Tirol Jahresbericht 1989)
"Wertvolle Schritte (..) konnten u.a. dadurch erreicht werden, daß
es gelungen ist, das Thema 'Industrie' als gesamtes in Form einzelner konkreter
Betriebe oder auch einzelner Branchen in Unterhaltungssendungen des ORF
Studio Tirol immer wieder einzubinden." (Jahresbericht 1989)
Für gewöhnlich erhalten Autoren von Zeitungsbeiträgen kleine Honorare für ihre Arbeiten. Wenn aber in einer Zeitung ein fast halbseitiger Artikel des Industriellenpräsidenten zu lesen steht, kann man davon ausgehen, daß er dafür bezahlt hat. (Was wir u.a. anhand eines nicht als bezahlte Einschaltung ausgewiesenen Artikels im katholischen Präsent mit Rechnung belegen können.) Medienmanagment
Die Vereinigung Österreichischer Industrieller hat nicht dementiert, daß sie (wie im letzten FÖHN behauptet) Journalisten bezahlt. Wie könnte sie auch! Deshalb sei hier ein Schäufelchen nachgelegt: Die Landesgruppe Tirol der VÖI hat mehr als einmal Honorarnoten an den früheren Kurier-Journalisten und nunmehrigen freien Publizisten Karl Steinhauser bezahlt. So wurde ihm am 28.1.1982 ein "Honorar für journalistische Mitarbeit in den Monaten Dezember 1981 und Jänner 1982 gemäß Vereinbarung" in der Höhe von S 40.000,-- überwiesen. Ein anderesmal waren es fünfzig Tausend für zwei Monate "journalistische Mitarbeit", die sich die Industriellenvereinigung (S 30.000,--) und die Fa. Swarovski (S 20.000,--) aufgeteilt haben. Die Zeitung sieht aus gutem Grund so aus, wie sie aussieht.
Daß Swarovski die Bauerngüter in Absam und Umgebung reihum aufkauft,
schreiben die Zeitungen nicht. Daß einer aus der Familie 65 oder
75 geworden ist, das bejubeln sie spaltenauf und -ab. Darüber, wie
hinter den ungelernten Arbeiterinnen bei Swarovski der Kontrollor mit der
Stopuhr steht, gerät nichts in die Zeitung. Daß der Geldsack
sich einen Fußballzirkus hält, das geht über Seiten.
Journalismus hat seinen Preis Von nichts kommt nichts. Die Sektion Industrie in der
Bundeswirtschaftskammer lädt jährlich zu einem "Journalisten-Seminar"
in eine schöne Gegend Österreichs. Was in der Tiroler Tageszeitung
mit mehreren vierspaltigen Artikeln auf der Wirtschaftsseite vergolten
wird.
Wie oft schaut uns von dort, wo wir in der Zeitung was lesen möchten, ein händeschüttelnder Raika-Chef mit einem aufgeputzten Rotkreuzhelfer oder einer händegeschüttelten Klosterschwester an! Ein bildfüllender Scheck der Bank soundso wird überreicht oder eine Autoaufschrift einer Sparkasse übergeben. Wie einer Diplomarbeit von Caroline Monica Heiss (an der Uni Innsbruck) zu entnehmen ist, geht das ungefähr so: Die meisten Kreditinstitute schließen mit den Zeitungsverlegern sogenannte Kooperationsverträge. Darin garantieren die Banken ein bestimmtes Werbebudget. Dafür erhalten sie "als Gegenleistung kostenlos eine Spalte" für oben erwähnte Schmeichelgeschichten. Leseprobe Diplomarbeit: "Die Sparkasse Innsbruck/Hall arbeitet auf dieser Basis mit verschiedenen Stadtzeitungen zusammen. Bei den PR-Informationen handelt es sich hierbei um Beiträge über Jubiläen, Neu- und Umbauten, Einbau neuer technischer Einrichtungen, gesellige und fachliche Veranstaltungen, Unterstützungen, Spenden, usw. Die Hypotheken Bank arbeitet sogar mit 35 regionalen Wochenblättern zusammen." (C.M. Heiss) Was jetzt? "Zusammenarbeiten" oder "garantiertes" Werbebudget und "Gegenleistung kostenlos"? Es ist das Große Geld, das hinter den großen
Zeitungen steht, das ganz große Geld, um das es in diesem Gemma!-Gemma!-System
geht, in dem wir täglich um das ganz kleine zu kämpfen haben.
Hier sei es nocheinmal anhand der totalen Verhaberung des Kapitals der
Zeitungen mit dem der Aktienspekulanten illustriert. Auf den Börse-Seiten
der Zeitungen werden die Werte fast nach Bedarf hinauf- und hinuntergeschrieben.
Die Zeitungen machen die Kurse - und die Aktionäre die Gewinne.
Alles, was hier angeführt werden kann, ist nur ein
Beispiel. Wer es erkannt hat, sieht es täglich in jeder Zeitung. Verständlich,
daß die Banken diese Börsenhysterie sponsern, sind sie doch
die größten Aktienbesitzer.
Der Filz Die Regierung, die den Geldstaat verwaltet, hat in den
Medien ihre festeste Stütze. Und sie dankt es ihr millionenfach.
Der Reihe nach: Zu den 63 Millionen, die die Tages- und
Wochenzeitungen z.B. 1990 nach dem Presseförderungsgesetz kassiert
haben, gab's in diesem großen Wahljahr noch eine sogenannte "besondere
Presseförderung" und noch eine sogenannte "einmalige Presseförderung"
in der Höhe von 200 Millionen Schilling. Einfach per Ministerratsbeschluß
und durch Budgetüberschreitung. Ja, die Zeitungen sind eben viel wert.
Natürlich haben die Parteizeitungen dabei am meisten abgeräumt.
Aber auch für den Standard z.B. gab's zusätzliche 17,1
Millionen und der Presse wurden zusätzliche 32,6 Millionen
zuteil. Weil genug nicht genug ist, haben die Zeitungskonzerne angefangen,
nach der staatlichen Investitionsförderung zu greifen. Der Milliardär
Kurt Falk ergatterte auf diese Weise 200 Millionen S für ein neues
Druckzentrum. Die Kurier-Krone-Gesellschaft hat sich 120 Millionen
S unter dem selben Titel herausgerissen, denen von der Stadt Wien noch
60 Millionen zugeschlagen wurden. Günstlingswirtschaft sag ich nicht,
das wäre eine Verharmlosung. Die Regierung unterstützt mit unserem
Geld auch massiv jene Medien, hinter denen deutsches Kapital steckt. Daß
bei dieser Fütterung die sonntags und feiertags ausgehängten
Zeitungen, die die Regierung zum Regieren unbedingt braucht, von uns schon
bezahlt sind, davon kann man ausgehen. Wir Zeitungskäufer bezahlen
nicht nur, wie uns vorgerechnet wird, ein Viertel des wirklichen Zeitungspreises,
sondern über Werbe-Anzeigen und staatliche Presseförderung mindestens
fünf Viertel. Dem Beispiel der ganz Großen folgend, haben jetzt
auch die Bundesländerzeitungen Anträge um Investitionszuschüsse
eingebracht: Die Kleine Zeitung hätte gerne 166 Millionen Schilling
dazu vom Staat, die Salzburger Nachrichten möchten 163 Millionen,
die Vorarlberger Nachrichten 126 Millionen, die Oberösterreichischen
Nachrichten wünschen sich 115 Millionen und die Tiroler Tageszeitung
will vorerst 94 Millionen. Da können viele Leute viel arbeiten, bis
das steuerngezahlt ist. Die Zustands-Verwaltung Vranitzky subventioniert
unseren Dauer-Beschiß so hoch wie keine Regierung vor ihr. Vielleicht
hat sie es so nötig wie noch keine vor ihr.
Zum staatlichen Zucker kommen die Gaben der Landesregierungen
und Gemeinderäte. So verteilte 1990 allein die Stadt Graz 60 Millionen
unter ihre Getreuen (Krone, Kurier, Kleine Zeitung). Wie die Zeitungsherren,
Zeitungsherr Moser in Innsbruck z.B., von den Bürgermeistern mit Grundstücken
versorgt wurden und werden, darüber wollen wir gar nicht anfangen.
Ein anderes noch: Durch unsere satten Posttarife ermöglichen wir,
daß die großen Medienunternehmer sich 2,4 Milliarden Schilling
ersparen. Laut Untersuchung der Post ergibt sich aus dem lächerlich
niedrigen "Zeitungsbeförderungstarif" solch ein Defizit. Auch nix
gelesen darüber in den Zeitungen?
"'s Geld will's gern finschter" (Altes Tiroler Sprichwort) Von Journalistenbestechung anfangen zu reden, würde
bedeuten, das Obige zu verharmlosen. Gewiß, der ÖVP-Abgeordnete
Helbich hat, alle Welt weiß es, vor Jahren einem Kronenzeitung-Journalisten
100.000 Schilling im Kuvert angeboten (Kurier, 24.11.91). Wir wissen
es aber nur deshalb, weil er diese 100.000 Schilling nicht angenommen
hat. Der Amtsdirektor von St. Veit (Kärnten), sagte auf den Vorhalt,
er habe einen Journalisten mit 20.000 S kaufen wollen: "Tun denn das nicht
alle?" (AZ, 29.3.86) Die FPÖ unter Steger hat ein eigenes Konto,
das "Konto Verfügungsmittel" eingerichtet, das sie auch den "Reptilien-Fonds"
nennt, eine Bezeichnung, die der deutsche Reichskanzler Bismarck für
seine Mittel zur Bestechung von Journalisten seinerzeit eingeführt
hat. Aus diesem FPÖ-Topf sollen zwischen 1983 und 1986 "mehr als 600.000
Schilling an willfährige Journalisten geflossen sein" (Profil,
14.8.89). "Gewisse Journalisten", sagt Steger, seien mit unterschiedlich
hohen Geldbeträgen für "gewisse Leistungen" "honoriert worden"
(Profil, 20.2.89). Entrüstung spielten die übrigen Parteien
in diesem Falle wohlweislich nicht.
Zu Zeiten seines Vorgängers hatte ein P.R.-Mann die Idee, den Betonfreund Wallnöfer in der deutschen Busenzeitung Quick ausgerechnet als "Der Mann, der für ein Paradies kämpft" auszurufen. Für die garantierte Abnahme von 20.000 Quick-Exemplaren durch die Tiroler ÖVP zu einem Sonderpreis, war auch das möglich (Tiroler Perspektiven 2/90). Als nach dem ersten Weltkriege auf einem Journalistenbankett in New York Trinksprüche auf die 'unabhängige Presse' ausgebracht wurden, erhielt John Swinton (Chefredakteur der >New York Tribune<) von seinen Kollegen den Auftrag, zu antworten. Er sagte: "Hier in Amerika gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse nicht, wenn man von einigen Provinzstädten absieht. Sie wissen das ebensogut wie ich. Unter Ihnen ist kein einziger, der sich erkühnen wurde, ehrlich das zu schreiben was er meint, denn Sie wissen es im voraus, es wird niemals gedruckt werden und erscheinen. Ich erhalte 150 Dollar in der Woche dafür, daß ich der Zeitung, die ich redigiere, meine ehrliche Meinung vorenthalte. Viele unter Ihnen erhalten den gleichen Lohn damit sie das gleiche tun. Wenn ich gestatten würde, in meiner Zeitung ehrliche Ansichten zu drucken, so würde ich ... binnen 24 Stunden hinausfliegen. Aufgabe der New Yorker Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, schamlos zu 1ügen, Tatsachen zu enstellen, zu verleumden, vor dem Gott Mammon im Staube zu kriechen, sich selber, sein Volk und sein Land für das tägliche Brot zu verkaufen. Welche Narrheit, auf eine unabhängige Presse zu toasten! Wir sind Werkzeuge und Vasallen der Reichen, die hinter der Szene stehen. Wir sind Marionetten. Sie ziehen an der Schnur, und wir tanzen. Unsere Zeit, unsere Talente, unser Leben, unsere Ansichten, alles gehört anderen Leutern, wir sind Prostituierte des Geistes. "
Wer zählt das zusammen, was sich die diversen Ministerien über ausbezahlte Anzeigen eine freundliche Berichterstattung kosten lassen? Welchen anderen Zweck denn hat das Ausgeben von Inseratenrunden durch Verkehrsminister, Verteidigungsminister, Landwirtschaftsminister, Frauenministerin, usw.! Wer nicht hat bemerkt, wie die kritischere Berichterstattung über die Arbeiterkammern vom Tisch war, als in den Zeitungen die Anzeigenserie "besser mit AK" gestartet wurde. Die Stadtgemeinde St. Pölten hat der kurzlebigen Tageszeitung "Guten Tag Niederösterreich" mit einstimmigem Gemeinderatsbeschluß pauschal (blanko) eine Inseratenvorauszahlung von vier Millionen Schilling gewährt. (Salzburger Nachrichten, 13.11.90) Es läuft immer noch der Großversuch, wie lang die Menschen sich verarschen lassen. Ein Filz ist ein Gewebe, das ohne Gewalt nicht mehr entworren werden kann. Was wir vor uns haben, ist ein Filz. Der ORF, der den Entscheidungen der Politiker über die Höhe der einzunehmenden Gebühren ausgesetzt ist, vermittelt uns diese Politiker. Sie, deren Existenz mit der Berichterstattung des Fernsehens steht und fällt, bestimmen über den Umfang der ORF-Werbezeiten. Die Presse, deren Profit von den politischen Rahmenbedingungen abhängt, ist es, die die Politiker uns darstellt. Die Regierung, die auf Gedeih und Verderb der Unterstützung durch die Zeitungen ausgeliefert ist, hat über die Subventionen an diese zu beschließen. (Wie entscheiden Politiker, wenn Zeitungen Verkaufstaschen aushängen wollen? Wenn sie Werbeständer vor den Kiosks aufbauen wollen? Bunte Kurier- und Krone-Kisten für die Belieferung der Verschleißer auf die Gehsteige klotzen?) Wovon reden wir denn? Der Anwalt des österreichischen Medienkaisers Falk ist der ÖVP-Spitzenpolitiker Graff. Oder ist es umgekehrt? Wessen Anwalt wird Graff im parlamentarischen Justizsausschuß sein, dessen Vorsitzender er ist? "Von gewitzten Politikern werden subtilere Methoden der
Einflußnahme angewendet. Das gehört zum Kapitel Korruption durch
Information", weiß Kurt Vorhofer von der Kleinen Zeitung,
Leiter ihrer Wiener Redaktion. "Manche haben offenbar eigene Stammschreiber
und -schreiberinnen in den Redaktionen. Das geht dann so: Der Politiker
gibt Informationen aus vertraulichen Sitzungen weiter und er wird dafür
dann gehätschelt." (Kleine Zeitung, 14.3.91) Wenn ein Minister
wohin jettet, kommen seine getreuesten Redakteure mit. Der Bundeskanzler
hat eine ganze Packung Journalisten auf Staatskosten mitgenommen, aus jeder
Zeitung einen, als ihm am 10. Oktober des Vorjahres ein Fototermin bei
George Bush gewährt worden ist. Und sie konnten sich des Honigstreichens
in der Folge nicht genug tun.
Aus der Praxis Die Presse ist nicht wesentlich korrupter als das übrige Geldsystem. Sie ist auch nicht weniger verkommen. Wir haben die Herren der Industrie bereits die gute Zusammenarbeit mit den Zeitungen loben gehört. Nocheinmal, mit anderen Worten: "Der Tiroler Industrie-Pressedienst 'TIP' ist auch im vergangenen Jahr seinem Ruf einer seriösen Informationsquelle im Bereich der Wirtschaft gerecht geworden. Die über den TIP an die Redaktionen weitergegebenen Meldungen wurden von den lokalen und regionalen Medien gern und mit hoher Regelmäßigkeit aufgenommen." (VÖI Tirol, Jahresbericht 1989) Das mit der "seriösen Informationsquelle" kann ich nicht bestätigen, das mit der "hohen Regelmäßigkeit" hingegen schon. Aber gehen wir von den Hintermännern wieder zu den von ihnen auf Vordermann gebrachten Politikern. Es geschieht täglich fünfmal am Vormittag und fünfmal am Nachmittag: Die Parteipressedienste melden sich mit einem Schas zu einem früheren Schas bei den Zeitungen, mit fertiggeschrieben Artikeln. Meinetwegen ein Landtagsabgeordneter der ÖVP muß einem SPÖ-Politiker entgegnen. Ein willkürlich gewähltes Beispiel vom 5. Mai vorigen Jahres. Am 6. Mai finden sich in den beiden Tiroler Tageszeitungen diese ÖVP-Artikel. Im Kurier geht er so los: "Zwischen Bauern und Wirtschaft hat es vor dem letzten Parteitag der ÖVP ...". In der TT fängt er so an: "Zwischen Bauern und Wirtschaft hat es vor dem letzten Parteitag der ÖVP ...". Während der erste Absatz in der TT endet mit: "... stellte gestern Bauernbundobmann Anton Steixner fest", hört er im Kurier so auf: "... stellte gestern Bauernbundobmann Anton Steixner fest". Alles wortwörtlich, 1:1, zweiter Absatz desgleichen: Von "Über die sogenannte ..." (TT) bzw. "Über die sogenannte ..." (Kurier) bis zu "... betonte Steixner" (Kurier) bzw. "... betonte Steixner" (TT). Alles Bluff. In einem Konzept "Informations- und Pressedienst in der
ÖVP Landesparteileitung Tirol" von 1991 (Vermerk: "Streng geheim -
nur für den Chef") lesen wir zum Thema Parteipressekonferenzen: "Auch
ergeben sich dabei die oft äußerst notwendigen Kontakte zwischen
Politikern und Journalisten, die durch private gesellige Zusammenkünfte
vertieft gehören. (Journalisten möchten auch gehätschelt
werden!)" Wie sollte da in den Zeitungen etwas Wahres stehen? Außer
aus Versehen. Außer, daß der Landeshauptmann wirklich am Donnerstag
und nicht am Mittwoch oder am Freitag das oder jenes von sich gegeben hat.
Wenn Journalisten Politikern zu Leibe rücken, dann
meist, um eine Körperöffnung ausfindig zu machen. Was wir täglich
auf den Tisch bekommen, ist das zwangsläufig entsetzliche Ergebnis
der Verhaberung. Gibt es einen Redakteur oder auch nur einen festen Mitarbeiter
der Medien, der nicht per Du wäre mit allen Politikern, die ganzen
Abgeordnetenbänke durch? "Kaum ein Tag" schreibt der Redakteur G.
Neureiter in den Salzburger Nachrichten, "an dem nicht ein Politiker
einen Journalisten anruft und ihn fragt, was er von diesem oder jenem Plan
halte." (16.6.89) Journalisten sind Menschen, die ihr Ich wachsen
hören, wenn man sie ein bißchen dabeisein läßt. Bei
Umfragen nach der Wertschätzung der Berufe landen die Journalisten
weit hinter Ärzten, Ingenieuren am Ende der Liste genau dort, wo sie
hingehören, bei den Politikern. So etwas schweißt zusammen.
Schließlich wissen Journalisten wie Politiker, daß sie auch
letzten Endes mit aus denselben Quellen bezahlt werden (in Tirol z.B. letztlich
aus den Schatullen der TIWAG, der Brenner-Autobahn AG, dem Steuertopf usw.).
Filz entsteht überall. Edelfilz wird in in exklusiven
Zirkeln produziert. Im Lions Club z.B., oder im Rotary Club. Landeshauptmann
Partl ist Mitglied im Rotary Club Innsbruck, der sich jeden Dienstag um
19 Uhr im Meinhardsaal des Hotel Europa in Innsbruck trifft. Auf wen trifft
er da? Auf "Freund" (offizielle Anrede) Grissemann vom ORF zum Beispiel,
auf "Freund" Reissigl, den Landtagspräsidenten, auf "Freund" Swarovski",
auf den ORF-Journalisten "Freund" Motz, auf "Freund" Bodenseer, den Wirtschaftsbundpräsidenten
und so fort.
Die Tiroler ÖVP, andere Parteien und Parteigruppen
machen's auch, halt anders, hat sich von Experten der Universität
Innsbruck (Politikwissenschaft, Finanzwissenschaft) im März 1991 eine
"Strategische Neuausrichtung" anraten lassen. Darin heißt es in Fettdruck:
"Wer die Massenmedien beherrscht, beherrscht die Wählerschaft. Wer
die Wählerschaft beherrscht, beherrscht den politischen Prozeß."
(S. 130) Praktische Tips bekommt die Parteizentrale auch: "Mit 'Tirol-Heute'
ist eine neue lokale Medienstruktur entstanden, die für Politiker
völlig neue Präsentationsmöglichkeiten erschließt.
Das telegene Verhalten muß für die parteipolitischen Entscheidungsträger
in eigenen Medienseminaren und Fernsehverhaltenskursen trainiert werden
(in Österreich sind 53 Prozent der Bevölkerung der Ansicht (1984),
daß sich Politiker im Fernsehen wie 'schlechte Schauspieler' benehmen."
(S. 132) Weiter: "Es fällt in den Aufgabenbereich der 'Presseabteilung'
einer Partei, eine geringe Anzahl von berichtenswerten Ereignissen 'künstlich'
aufzufetten. (...) Öffentlichkeitsarbeit muß in Krisenzeiten
Ereignisse herstellen. Dabei handelt es sich um Veranstaltungen, die nur
deshalb stattfinden, weil Parteien auf die Medienpräsenz angewiesen
sind." (S. 138) Es folgen Anweisungen: "Medienunterlagen müssen Journalisten
entlasten. Je mehr sie ihnen entgegenkommen, desto größer wird
die Chance, daß eine Pressemeldung 'ungekürzt' übernommen
wird." Usw. Wir sehen, daß auch an unseren Universitäten stark
an der Volkshintergehung gearbeitet wird. Die Berichterstattung der zwei
Tageszeitungen während des Wahlkampfes beurteilen die ÖVP-Wissenschafter
so: "Die ÖVP hat während der Wahlkampfzeit in der 'TT' eine gute
Presse." ("LH Partl wurde als volksnaher und entscheidungsfreudiger Landeshauptmann
dargestellt." Und: "Der 'Tirol-Kurier' zeigte kein von der 'Tiroler
Tageszeitung' grundsätzlich abweichendes Bild." "Es gab eine starke
Forcierung von LH Partl ..." "Auch im 'Tirol-Kurier' hat die Tiroler VP
eine gute Presse." (S. 147-149)
Ein gefundenes Fressen für die Presse Nicht nur, wenn der ÖVP-Pressedienst, sagen
wir an einem kleinen Wahlsonntag (19.9.91) in einem Bundesland,
Journalisten in die Wiener Parteizentrale einlädt, ist ganz selbstverständlich
der letzte Satz auf dem Fax: "Für Verpflegung ist wie üblich
gesorgt." Natürlich gibt's auch bei den "Haider-Tagen" zwischen "11.20
Rückflug Innsbruck" und "13.30 Abflug Zell am Ziller" um "12.00 Presseessen
im Gasthof Stiegl" (FPÖ-Aussendung vom 18.1.88). "Liebe Frau
Redakteurin, lieber Redakteur! Im Anschluß an die Pressekonferenz
dürfen wir Dich zu einem Mittagessen im Hotel Alphof einladen", hieß
es etwa am "Europatag der ÖVP" in Alpbach am 5. August vorigen Jahres.
Dem Landeshauptmann erweisen anläßlich des
1992 von ihm gegeben Gastmahles im ersten Hotel der Stadt 158 Tiroler Journalisten
und Journalistinnen die Ehre, vom ORF-Fernsehchef bis zum letzten
Schreibmaschinschreiber des letzten Anzeigenblattes, vom Chefredakteur
der größten Zeitung bis ganz hinunter zum Redakteur des Fensters.
Die Einladung zu diesem "geselligen Beisammensein" gilt ja auch "herzlich
allen, die mit uns im Laufe des Jahres immer wieder zu tun hatten."
Ohne Zucken schlucken’s die versammelten Plattmacher und
Gerüchterstatter. Sie wollen nicht rütteln an den Stühlen,
neben denen sie das ganze Jahr über oppulent zu Tisch sitzen.
Das Schema Es ist noch in keiner Zeitung gestanden, daß das Kommando für das Einschalten und Ausschalten des Kaunertalkraftwerkes von Braunweiler bei Köln aus gegeben wird. Warum nicht? Warum steht nirgends, daß das größte TIWAG-Kraftwerk, das Werk Sellrain-Silz, gar nicht am Tiroler Netz hängt, sondern nur an den Drähten nach Bayern und Schwaben? Warum geht kein Journalist dem Geldstrom nach, der von der TIWAG zur Tiroler ÖVP fließt, und der auch die Staatsanwaltschaft hat tätig werden lasen? Warum, ja, warum? Warum findet die Wirklichkeit nicht in die Zeitung? Warum? Darum:
Der TIWAG-Direktor hatte damals im Zeugenstand aufhorchen
lassen: "Die Wirkung des FÖHN in der Öffentlichkeit wurde von
den Organen der TIWAG, nämlich Vorstand und Aufsichtsrat, so gravierend
eingeschätzt, daß eine PR-Kampagne beschlossen werden mußte,
um die Auswirkungen der Publikation FÖHN in der Öffentlichkeit
wieder gutzumachen. Die Kosten dieser Kampagne werden voraussichtlich mehrere
Millionen Schilling betragen."
Die Niederlage im FÖHN-Prozeß bewirkte, daß die TIWAG die Tiroler Medien noch enger an die Kandare nahm, daß zu den Menschen, auf deren Kosten die verhängnisvolle Energie-Politik geht, noch weniger (ja, sogar noch weniger!) wahre Informationen durchkamen. Mit einem Teil des Geldes, das sie von uns hat, hat die TIWAG in der Folge alle kritische Berichterstattung ratziputz aufgekauft. Über die Happen, die Parteizeitungen und die betraute
ÖVP-Werbefirma Heimatwerbung vom schönen großen TIWAG-Werbekuchen
abbekommen haben, stehen ein paar Seiten im FÖHN-Heft 15. Gebacken
wurde das Ding aber, um die Mäuler der Redakteure in den Zeitungen
zu stopfen. Während der Kurier-Redaktions-Leiter Herwig Schmidl,
der 1989 noch für "Das Recht auf wenigstens einen natürlichen
Bach" (Kommentar-Titel, 10.7.89) eintritt, sieht er im Februar 1990, als
die TIWAG-Gelder in die Richtung des Kurier bereits zu fließen
begonnen haben, "Neue Aufgaben und neue Chancen für die Tiwag" (Kommentar-Titel,
28.2.90). Nun ist es so, daß seit Anfang 1990 mehr als 45 halbseitige
TIWAG-Anzeigen an den Tirol-Kurier bezahlt wurden, was bedeutet,
daß er der TIWAG ca. 80 Prozent seiner gesamten Werbeeinnahmen zu
verdanken hat. Sie hat ihm dafür Aufmacher wie "Die TIWAG hat zuwenig
Strom" (7.1.92) oder "Trotz Strom-Verträgen mit Deutschland
benötigt Tirol neue Kraftwerke" (8.1.92) zu verdanken.
Es funktioniert Das Debakel im FÖHN-Prozeß hat die Oberen noch
enger gegen uns zusammenrücken lassen. Die TIWAG hat auch die leiseste
Kritik an ihrem Urassen im Land in einem Meer von Anzeigen ersäuft.
Hunderte solcher ganzseitiger TIWAG-Flecken in so gut wie allen Zeitungen
(vom Osttiroler Boten bis zum Landecker Gemeindeblatt und von der Tiroler
Bauernzeitung bis zu Tirols Wirtschaft) haben jeden Aufmuckser im Land
erdrückt. Eine nach den Bedürfnissen der hier lebenden Menschen
ausgerichtete Energie-Politik bedürfte solcher Methoden nicht. Aber
die hierzulande betriebene könnte ohne das Zahlen dieser Gelder an
die Verlautbarungspresse nicht bestehen.
Wenn einer, weil er's nothat, sich einen akademischen Titel anmaßt, den er nicht hat, so ist das strafbar. Wenn sich eine Zeitung, weil sie's nothat, den Titel "unabhängig" (TT), oder "unabhängig" (Sonntagspost) oder "unabhängig" (Haller Lokalanzeiger) anmaßt, was sie nicht ist, so macht das gar nichts. Die extreme Erhöhung des Preises für den TIWAG-Strom um über 16 Prozent innerhalb eines Jahres leuchtet unbedingt ein, wenn man dies alles ansieht. Die TIWAG hat, ganz offiziell, seit Beginn ihrer PR-Kampagne vor zwei Jahren mit 22 halbseitigen Einschaltungen in Wochenendausgaben (a 56.416.-) und 20 halbseitigen Einschaltungen unter der Woche (a 47.472.-) etwas mehr als zwei Millionen Schillinge in die Tiroler Tageszeitung hineingebuttert - mögliche Aufpreise für Plazierungswünsche nicht dazu- und möglichen Mengenrabatt nicht abgerechnet. Das heißt, die TT-Leser, und das sind fast fünfzig Prozent aller Tirolerinnen und Tiroler vom Brutkastenbaby bis zum endgelagerten Greis im Altersheim, haben inzwischen eine ganze TT-Ausgabe voll nur mit TIWAG-Anzeigen gekauft. Und die TIWAG-Kunden, und das sind fast alle Tirolerinnen und Tiroler, haben inzwischen eine ganze TT voll TIWAG-Anzeigen bezahlt. Die TT-lesenden TIWAG-Kunden haben den Betrug an ihnen somit auch noch gleich doppelt bezahlt. Beim Mühlespiel nennt man soetwas eine Doppelmühle. Hier sagen manche Spaßvögel Meinungsfreiheit dazu. Die Beilagen, die die TIWAG bei der TT zu Eröffnungen
von Kleinkraftwerken kauft, zählen wir hier nicht mit. Auch über
die Mitfinanzierung der turnusmäßigen TT-Sonderteile
"Energie und Umwelt" durch die TIWAG reden wir jetzt nicht. Daß nichts
in der Zeitung steht, was unseren Interessen entspricht, oder was uns gar
helfen könnte, in diesen Drohnenbau hineinzufahren, dafür ist
jedenfalls vorgesorgt. In der Tiroler Tageszeitung vom 19. Dezember
1990 finden sich auf der Seite neben dem großen nichtsagenden
TIWAG-Inserat drei Gratis-Artikel über den TIWAG-Konzern. Entrüstung
darüber ist hier weniger am Platze als die Zurkenntnisnahme des Schemas.
In der TT vom 29.2.92 gibts im Anzeigenteil eine TIWAG-Werbung
und auf der Wirtschaftseite eine unter dem Artikel-Titel: "Innkraftwerk
ist umweltfreundlich".
Ein Zwischenfall Anfang 1991 trat kurzfristig eine kleine Störung
ein, etwas, was auch zwischen innigst kooperierenden Unternehmen immer
wieder einmal passiert. Es begab sich, daß die Interessen der TT-Herren
mit den Interessen der TIWAG-Herren nicht mehr ganz in Einklang gebracht
werden konnten. Es ging um Geld, und darum, wer von wem wieviel bekommt,
und wer wem wieviel abgeben muß.
Es ist noch in keiner Zeitung gestanden, daß
das Kommando fur das Einschalten und Ausschalten des Kaunertalkaftwerkes
von Brauweiler bei Köln aus gegeben wird. Warum nicht? Warum steht
nirgends, daß das größte TIWAG-Kraftwerk, das Werk Sellrain-Silz
gar nicht am Tiroler Netz hängt, sondern nur an den Drahten nach Bayern
und Schwaben? Warum geht kein Journalist dem Geldstrom nach, der von der
TIWAG zur Tiroler ÖVP fließt, und der auch die Staatsanwaltschaft
hat tatig werden lassen? Warum, ja, warum? Warum findet die Wirklichkeit
nicht in die Zeitung?
Diese Geschichte, liebe Leserin, lieber Leser, hat
keinen anderen Schluß als den, den du aus ihr ziehst. Die Verhältnisse,
die in diesem Heft geschildert wurden, haben dann ein Ende, wenn wir ihnen
eines bereitet haben werden.
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